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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Neuenburg-Formation
ID: 1000020
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2004), HAGEDORN 2004
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Oberpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Mittleres bis Oberes Kieslager (HGK 1977, BARTZ 1982), Junge Schotter (ELLWANGER et al. 2003), Neuenburg-Schichten (WIRSING et al. 2007, WIRSING & LUZ 2007)
Lithologie: Die Neuenburg-Fm (qNE) besteht im Oberrheingraben aus groben fluvialen Schottern (Steine mit Kies und Sand) bis zu (wenigen) Mittelsandlinsen, die jeweils aus zwei prägnanten Grobhorizonten aus kleinen Blöcken, Steinen, Kies, Sand und Schluff hervorgehen (Hartheim-Sfm, Obere Neuenburg-Schichten, Nambsheim-Sfm, Untere Neuenburg-Schichten, ELLWANGER et al. 2011, GEYER et al. 2011). Stellenweise beginnt die Transgression der Groblagen mit „frischen Kiesen und Sanden“ oberhalb der Breisgau-Fm (invers gradiert). Die Sedimente sind im Süden (Raum Neuenburg) sehr grobkörnig, nach Norden nehmen die Korngrößen ab (z.B. bei Rust nur noch Steine bis 10 cm Durchmesser und schon viele Sandlagen).
Die Komponenten sind überwiegend gerundet und frisch, vorwiegend graue Farben; mürbe Kristallingerölle sind sehr selten, z.B. am Top des älteren Zyklus. Die Kiese stammen aus den Alpen, Schwarzwald und Vogesen. In Grabenmitte überwiegt die alpine Provenienz, höhere Schwarzwald-Anteile finden sich am Grabenrand.
In den angrenzenden Schwarzwaldtälern sind die groben Lagen weniger ausgeprägt, aber auch hier besteht die Neuenburg-Fm aus „frischen Kiesen“ (Zarten-Sfm), im Gegensatz zu den „faulen“ oder „verwitterten Kiesen“ der Wasser-Sfm (diamiktische Breisgau-Schichten). Im westlichen Hochrheintal ist ein Äquivalent des Grobhorizonts der Hartheim-Sfm bei Grenzach-Wyhlen aufgeschlossen (Geotop).
Im Schwermineralspektrum wird das alpine Einzugsgebiet durch die instabilen Schwerminerale Granat, grüne Hornblende, Epidot und Alterit abgebildet. Lokale Einzugsgebiete werden durch das stabile Spektrum mit Zirkon, TiO2-Minerale und Turmalin repräsentiert (HAGEDORN 2004).
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Subformationen: Hartheim-Sfm (Obere-Neuenburg-Schichten), Nambsheim-Sfm (Untere-Neuenburg-Schichten), Zarten-Sfm (Lokalfazies).
Fazieskörper: An der Mündung einiger Täler verzahnen sich feinklastische (See-) Sedimente mit den Schottern des jeweiligen Haupttals. Im Westen der Freiburger Bucht wird ein schmaler Streifen alpiner Schotter als „Ostrhein-Rinne“ ausgegrenzt (WIRSING & LUZ 2007).
Ein holozäner „(Tal-) Auenschotter der Neuenburg-Fm“ wird stellenweise aufgrund unterschiedlicher alter Deckschichten und unterschiedlich intensiver Bodenbildung am Top der Neuenburg-Fm abgegrenzt (KRAUSE 2004). Seine Untergrenze ist lithologisch nicht darstellbar.
Liegendgrenze: Im Liegenden der Neuenburg-Fm befindet sich die Breisgau-Fm mit ihren mürben Komponenten (ELLWANGER et al. 2010). Die Grenze befindet sich im Liegenden des unteren Grobhorizonts bzw. der „frischen Kiese und Sande“.
Hangendgrenze: Die Neuenburg-Fm reicht entweder bis an die Geländeoberfläche oder wird durch spätglaziale Flugsande und/oder holozäne Sedimente (feinklastische Deckschichten oder Auenschotter) überdeckt.
Mittlere Mächtigkeit: 40 m.
Maximale Mächtigkeit: Bei Hartheim über 50 m (Interreg-Bohrung Hartheim, HAGEDORN 2004, WIRSING & LUZ 2007).
Typusprofile, etc.: Bohrungen Hartheim, Nambsheim, Hettenschlag (DURINGER et al. 2004, HAGEDORN 2004, WIRSING & LUZ 2007).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Neuenburg-Formation ist flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten im Bereich der Oberrheinebene im Oberrheingraben zwischen Mulhouse und Lahr verbreitet (WIRSING et al. 2007).
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Ortenau-Fm und Mannheim-Fm.
Alpenvorland: Illmensee-Fm (Nambsheim-Sfm, Untere Neuenburg Schichten) und Hasenweiler-Fm (Hartheim-Sfm, Obere Neuenburg Schichten)
Die Korrelation beruht auf Zeitmarken und der klimaeventstratigraphischen Interpretation der Einheiten (ELLWANGER et al. 2003).
Alterseinstufung: Mittel- bis Oberpleistozän bis Holozän laut klimaeventstratigraphischer Interpretation durch Ellwanger et al. (2003).
Keine biostratigraphischen Zeitmarken vorhanden.
Physikalische Altersbestimmungen: Die OSL-Datierungen von KOCK et al. (2008) und FRECHEN et al. (2010), die an Proben aus den gleichen Aufschlüssen unabhängig voneinander aber nicht parallel genommen wurden, ergeben widersprüchliche Ablagerungsalter zwischen 35 ka und 15 ka, je nachdem welche statistische Methode Anwendung findet, vgl. Diskussion in FRECHEN 2011).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die beiden Grobhorizonte werden in dem landschaftsübergreifenden Szenario nach ELLWANGER et al. (2003) als Schmelzwasser-Eventlagen interpretiert und mit den Abschmelzereignissen der letzten und vorletzten alpinen Vergletscherung verknüpft. Die am Alpenrand im Zuge der Bildung der übertieften glazialen Becken mobilisierten Sedimente sollen durch das Hochrhein-Engtal durchtransportiert und sodann im südlichen Oberrheingraben als großer Schwemmkegel abgelagert sein. Chronostratigraphisch entspricht das den Haupt-Abschmelzphasen jeweils am Ende der vorletzten (Riss) und letzten Vereisung (Würm), lithostratigraphisch dem Beginn der Illmensee-Fm und der Hasenweiler-Fm.
Mitautoren des Datenblatts sind: E. NITSCH, Th. SIMON, U. WIELANDT-SCHUSTER & G. WIRSING
Literatur: BARTZ, J. (1982), mit Beiträgen von van der BRELIE, G. und MAUS, H.: Quartär und Jungtertiär II im Oberrheingraben im Großraum Karlsruhe. - Geologisches Jahrbuch, A 63: 3-237.
DURINGER, P., ELLWANGER, D., LÄMMERMANN-BARTEL, J., NEEB, I., ROUSSÉ, S. & ROTSTEIN, Y. et al. (2004): Sedimentological evidence regarding the uplift of the Vosges and the Black Forest Highlands. – GV-SGF-EucorUrgent joint meeting 2004, Poster RSTGV-A-00301; Strasbourg. – http://www.cosis.net/abstracts/RSTGV/00301/RSTGV-A-00301.pdf
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald.
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
FRECHEN, M., ELLWANGER, D., RIMKUS, D. & TECHMER, A. (2008): Timing of Medieval Fluvial Aggradation at Bremgarten in the Southern Upper Rhine Graben. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 57 (3/4), 411-432; Stuttgart.
FRECHEN M., ELLWANGER, D., HINDERER, M., LÄMMERMANN-BARTHEL, J, NEEB, I. & TECHMER, A. (2009): Late Pleistocene fluvial dynamics in the Hochrhein Valley and in the Upper Rhine Graben: chronological frame. -- International Journal of Earth Sciences (im Druck) -- Internet-Publ.: http://www.springerlink.com/content/a35q457277028703/
HAGEDORN, E.-M. (2004): Sedimentpetrographie und Lithofazies der jungtertiären und quartären Sedimente im Oberrheingebiet. – Inaugural-Dissertation, Geologisches Institut der Universität zu Köln: 248 pp.; (online-publication – URL: http://kups.ub.unikoeln.de/volltexte/2004/1253/).
HAGEDORN, E. & BOENIGK, W. (2008): New evidences of the Pliocene and Quaternary sedimentary and fluvial history in the Upper Rhine Graben on basis of heavy mineral analyses. – Netherlands Journal of Geosciences, 87(1): 19-30.
HOSELMANN, C., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., WEIDENFELLER, M., & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Viernheim-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
HGK – Hydrogeologische Kartierung (1977): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg, Oberrheingebiet Bereich Kaiserstuhl – Markgräflerland mit Erläuterungen. – Geol. L.-Amt Baden-Württ., L.-Anst. f. Umweltschutz Baden-Württ., 65 S.; Freiburg, Karlsruhe.
KRAAUSE, W. (2004): Bodenkt. Baden-Württ. 1 : 25000, Erl. Bl. 8111 Müllheim, 133 S., Freiburg.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten - Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
WEIDENFELLER, M., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., HOSELMANN, C. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Ludwigshafen-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
WIRSING, G., LUZ, A., ENGESSER, W. & KOCH, A. mit Gastautoren ELSASS, P. & PERRIN, J. (2007): Hochauflösende Reflexionsseismik auf dem Rhein und dem Rheinseitenkanal zwischen Mannheim und Rheinfelden. – LGRB-Fachbericht, 1/07, 60 S.; Freiburg.
WIRSING, G. & LUZ, A., unter Beteiligung von ELLWANGER, D., ENGESSER, W., GEERDS, P., HESS, M., KILGER, B., OHMERT, J., PLUM, H., SCHWARZ, M., STOBER, I. & WATZEL, R. (2007): Hydrogeologischer Bau und Aquifereigenschaften der Lockergesteine im Oberrheingraben (Baden-Württemberg). – LGRB-Informationen, 19, 130 S., Freiburg.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 20.11.2017, 14:23:46.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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