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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hochrhein-Deckenschotter-Formation
ID: 1000018
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: ELLWANGER et al. 2011
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: 1. Älteste, Ältere und Jüngere Deckenschotter
2. Deckschotter, Ältere und Jüngere Deckenschotter
3. Donau-, Günz- und Mindel-Deckenschotter,
Vgl. u. a. PENCK & BRÜCKNER 1901/09, FREI 1912, EBERL 1930, GRAUL 1949, LÖSCHER 1976, SCHÄDEL 1950, SCHREINER 2003, VERDERBER 1992, 2003, GRAF 1995, 2009.
Lithologie: Die Hochrhein-Deckenschotter-Formation umfasst die südwestdeutschen Deckenschotter-Vorkommen im westlichen Bodenseegebiet und entlang des Hochrheins. Es handelt sich um fluviale Sedimente, die in der Regel horizontal geschichtet sind. Sie sind in unverwittertem Zustand kalkreich. Je nach Vorkommen sind die Schotter partienweise recht erheblich verbacken, dazu sind sie an ihrer Oberfläche und ausgehend von Schlotten oft stark verwittert.
Granulometrisch handelt es sich üblicherweise um sandige Kiese mit Steinen; proximale Vorkommen (d.h. näher am alpinen Liefergebiet) sind eher grobkörnig und können gelegentlich kleine Blöcke enthalten. Vereinzelt kommen besonders feinkörnige, aber auch besonders grobe und dann insgesamt massige Schüttungen vor.
Die Schüttungszyklen der Sedimente der Hochrhein-Deckenschotter-Formation liegen teils in Superposition gestapelt, teils sind sie terrassenstratigraphisch versetzt.
Die Sedimente stammen weitgehend aus unterschiedlichen alpinen Herkunftsgebieten südlich des Bodensees, im Hochrheintal auch Schweizer Mittelland bis zum Einzugsgebiet der Rhone. Dazu kommen lokale Komponenten, z.B. aus dem Schwarzwald.
Im Gegensatz zu den oberschwäbischen Deckenschottern sind die vom westlichen Bodenseegebiet zum Hochrhein gerichteten Deckenschotter nicht einheitlich zusammengesetzt. Die Zuflüsse aus dem östlichen Bodenseegebiet sowie aus den Einzugsgebieten von Thur, Linth, Reuss und Aare weisen jeweils eigene sedimentpetrographische Spektren auf. Je nach Bearbeiter werden morphostratigraphisch Ältere bis Jüngere (PENCK & BRÜCKNER 1901/09, SCHREINER 1973, VERDERBER 1992) oder Deckschotter (GRAUL 1949, LÖSCHER 1976) oder Höhere und Tiefere Deckenschotter unterschieden (FREI 1912, GRAF 2009).
Untergeordnete Einheit: Die Hochrhein-Deckenschotter-Fm wird terrassenstratigraphisch und unter Einbeziehung von sedimentpetrographischen und anderen Kriterien in zwei Subformationen unterteilt, die Höheren Deckenschotter (qDHh) und die Tieferen Deckenschotter (qDHt). Die weitere Unterteilung in Schüttungszyklen in Superposition vgl. GRAF 2009.
Liegendgrenze: Erosionsdiskontinuität. Im Liegenden Sedimente der Molasse oder des Meso- bis Paläozoikum oder Schwarzwald-Kristallin.
Hangendgrenze: Hiatus mit Bodenbildung oder Erosionsdiskontinuität. Im Hangenden fluviale oder glaziale Sedimente sowie äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente.
Mittlere Mächtigkeit: 10-20 m
Maximale Mächtigkeit: 50 m
Typusprofile, etc.: Für die Hochrhein-Deckenschotter-Fm wurde der Schienerberg als Typus vorgeschlagen (GRAF 2009).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwarzwald
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Oberschwaben: Oberschwaben-Deckenschotter-Fm, Oberrheingraben: mittlerer und unterer Teil der Breisgau-Fm (Weinstetten-Sfm), Iffezheim-Fm
Alterseinstufung: Unterpleistozän laut eventstratigraphischer Interpretation (ELLWANGER et al. 2003), Frühpleistozän (GRAF 2009).
Biostratigraphie: Am Irchel (CH) ist in den Höheren Deckenschottern (entspricht Höherer Hochrhein-Deckenschotter) unmittelbar über einem dolomitreichen Schotterzyklus eine Arvicolidenfauna beschrieben, die ins jüngere Tegelen gestellt wird (BOLLIGER et al. 1996).
Magnetostratigraphie: Aus dem Tieferen Deckenschotter bei Allschwil (entspricht Tiefere Hochrhein-Deckenschotter) wird inverse Magnetisierung beschrieben (als Übergang Brunhes-Matuyama interpretiert, ZOLLINGER 1991).
Kommentar: Die magnetostratigraphische Deutung der Tieferen Deckenschotter bei Allschwil beruht auf acht Proben, von denen sechs eine inverse Orientierung zeigen (ZOLLINGER 1991).
Versch./Sonstiges: Mitautoren des Datenblatts sind: E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER
Literatur: BOLLIGER, T., FEJFAR, O., GRAF, H.R. & KÄLIN, D. (1996): Vorläufige Mitteilung über Funde von pliozänen Kleinsäugern aus den höheren Deckenschottern des Irchels (Kt. Zürich). – Eclogae geologicae Helvetiae, 89/3, 1043-1048.
DOPPLER, G. (2003): Zur Gliederung von Ältesten Periglazial-schottern und Älteren Deckenschottern im Rot-Günz-Gebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 255–286; Stuttgart.
EBERL, B. (1930): Die Eiszeitenfolge im nördlichen Alpenvorland (Iller-Lech-Gletscher). – 427 S., Augsburg (Filser).
ELLWANGER, D., FEJFAR, O., & VON KOENIGSWALD, W. (1994): Die biostratigraphische Aussage vom Uhlenberg bei Dinkelscherben und ihre morpho- und lithostratigraphischen Konsequenzen. – Münchner Geowiss. Abh., (A), 26, 173-191, München.
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald.
FIEBIG, M. (1995): Pleistozäne Ablagerungen im süddeutschen und im neuseeländischen Alpenvorland – ein Vergleich. – Inaug. Diss. Univ. Freiburg, 122 S.; Freiburg.
FIEBIG,, M. (2003): Lithofazielle Untersuchungen an pleistozänen Sedimenten im östlichen Rheingletschergebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 301–342; Stuttgart.
FROMM, K. (1989): Paläomagnetische Altersbestimmungen an eiszeitlichen Quartärablagerungen bei Heiligenberg (Oberschwa-ben). – Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung – Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Bericht Ar.-Nr. 105863, 19 S.; Hannover.
GRAF, H.R. (1993): Die Deckenschotter der zentralen Nord-schweiz. – Diss. ETH Zürich, 151 S.; Zürich.
GRAF, H.R. (2009): Stratigraphie und Morphogenese von früh-pleistozänen Ablagerungen zwischen Bodensee und Klettgau. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 58/1, 12–53; Hannover.
GRAUL, H. (1949): Zur Gliederung des Altdiluviums zwischen Wertach-Lech und Flossach-Mindel. – Ber. Naturforsch. Ges. Augsburg, 2, 3-31, Augsburg.
GRÜGER, E. & SCHREINER, A. (1993): Riss-Würm und würmzeitliche Ablagerungen im Wurzacher Becken (Rheingletschergebiet). – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 189, 81–117; Stuttgart.
HAAG, T. (1982): Das Mindelglazial des nördlichen Rheinglet-schergebiets zwischen Riß und Iller. – Jber. Mitt. Oberrh. Geol. Ver., N.F. 64, 225-266, Stuttgart.
HABBE, K.H., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BE-CKER-HAUMANN, R. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56/1-2, 66–83; Hannover.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. BLUDAU. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg; Freiburg.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
LÖSCHER, M. (1976): Die präwürmzeitlichen Schotterablagerungen in der nördlichen Iller-Lech-Platte. – Heidelberger Geographische Arbeiten, 45, 157 S.; Heidelberg.
PENCK, A. & BRÜCKNER, E. (1901/09): Die Alpen im Eiszeitalter, 1199 S.; Leipzig (Tauchnitz).
ROLF, C. (1992): Statistische Untersuchungen zur Zuverlässigkeit magnetischer Untersuchungen mit dem Spinnermagnetometer an Sedimentproben aus Oberschwaben, –– Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung – Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Bericht Ar.-Nr. 110230, 11 S.; Hannover.
SCHÄDEL, K. (1950): Untersuchungen über das Altdiluvium des Rdheingletschers zwischen Iller und Bodensee. – Diss. Univ. Tübingen, 169 S., Tübingen.
SCHREINER, A. (1974): Erläut. Geol. Karte Konstanz 1 : 50000, 286 S., Stuttgart.
SCHREINER, A. (2003): Der Zeiler Schotter als Typusregion der Günzeiszeit im nördlichen Alpenvorland. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 357–368; Stuttgart. (2003b)
SCHREINER, A. (2003): Deckenschotter im Hegau und am westlichen Bodensee. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 301–342; Stuttgart. (2003a)
SZENKLER, C., & WERNER, W. mit einem Beitrag von KOSI-NOWSKI, M. (2000): KMR 50, Blatt L 7924/L 7926 Biberach a. d. Riß / Babenhausen (Anteil Baden-Württ.), Erl., 156 S., Freiburg.
VERDERBER, R. (1992): Quartärgeologische Untersuchungen im Hochrheingebiet zwischen Schaffhausen und Basel. – Diss. Univ. Freiburg, 169 S., Freiburg.
VERDERBER, R. (2003): Quartärgeologie im Hochrheingebiet zwischen Schaffhausen und Basel. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 369–406; Stuttgart.
ZOLLINGER, G. (1991): Zur Landschaftsgeschichte und Quartärstratigraphie am südlichen Oberrheingraben – am Beispiel der Lössdeckschichten der Ziegelei in Allschwil (Kanton Basel-Landschaft). – Eclogae geol. Helv., 84/3, 739-752, Basel.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 24.07.2017, 10:48:03.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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