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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hasenweiler-Formation
ID: 1000017
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2004), ELLWANGER et al. 2011b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Holozän (Quartär, Känozoikum)
Oberpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Last-Glacial-Termination-Halbzyklus (FIEBIG 2003), LGT-Megazyklus (ELLWANGER et al. 2003)
Lithologie: Die Hasenweiler-Fm fasst als „unconformity-bounded unit“ alle glazialen, lakustrinen und fluvialen Sedimente zusammen, die im Vergletscherungsgebiet des Rheingletschers oberhalb der D1-Haupt-Diskontinuität der letzten Vergletscherung abgelagert wurden (Hasenweiler-Diskontinuität, Leitfläche, Leithorizont). Vgl. ELLWANGER et al. 2003, 2011a, 2011b, GEYER et al. 2011, LGRB 2004
Die D1-Diskontinuität stellt eine großräumige Fläche dar, die teilweise durch subglaziale Übertiefung zustande kommt. Sie ist daher stark reliefiert. Ihre größte Tiefe erreicht sie im Bo-densee-Stammbecken (< 0 m ü. NN). Nach außen erstreckt sie sich bis zur Inneren Jungendmoräne (IJE-Leithorizont, Innenwallwürm). Zwischen Bodensee und IJE wechseln sich unkonform übertiefte Zweigbecken und konform durch Till überdeckte Hochgebiete ab. Letztere sind an ihrer Oberfläche häufig als Drumlinfelder reliefiert. Beide werden überlagert durch periglaziale Deckschichten. Vgl. FIEBIG 1995, 2003, ELLWANGER et al. 2003, 2011a, 2011b.
Die größeren Sedimentmächtigkeiten sind in den subglazial übertieften Becken (Rinnen) überliefert (Hasenweiler Beckensedimente, qHAb). Eine vollständige Abfolge beginnt mit (1) einer diamiktischen Groblage mit in der Regel nicht-gekritzen Komponenten. Sie stellt ein korrelatives Äquivalent der D1-Diskontinuität dar. Darüber folgen (2) massige und laminierte Feinsedimente mit eingestreuten Komponenten (waterlain till, dropstones), gelegentlich unterbrochen von diamiktischen Einschaltungen; dann (3) laminierte und massige Feinsedimente mit stärker sandigen Einschaltungen; und schließlich oben (4) humose und/oder tonige Feinsedimente. (2) bis (4) können ganz oder teilweise durch Rutschmassen oder Delta-Grobsedimente vertreten werden. Die Rutschmassen bestehen aus Molassematerial oder älterem Quartär, die Deltasedimente aus Schottern aus Kies, Sand und Steinen (z.B. im Argendelta).
Die Till-Mächtigkeit des Tettnang-Member schwankt stark ent-sprechend dem Drumlin-Interdrumlin-Relief der Drumlinfelder. Es entsteht aus einem „deformable bed“, das durch den Eisvorstoß zur „Inneren Jungendmoräne“ überprägt wurde. Die einzelnen Drumlins bestehen überwiegend aus Diamikten, mit luvseitigen Einengungsstrukturen und leeseitiger Anlagerung. Kiesreichere Partien treten vor allem luvseitig auf (Protodrumlin). In den Interdrumlin-Depressionen kommen gelegentlich lakustrine Feinsedimente vor, dazu selten auch sandreiche Eiszerfallssedimente. Die Basis der Drumlin-Sedimente ist als Eis-Transgressionsfläche ausgebildet, die der D1-Diskontinuität entspricht. Man könnte die drumlinisierte Tillsequenz auch als Äquivalent der Diskontinuität interpretie-ren.
Die geomorphologisch eher unscheinbaren Innenwallwürm-Endmoränenwälle rahmen als IJE-Leithorizont den Ablagerungsraum der Hasenweiler-Fm ein. Ihre Sedimente bestehen überwiegend aus komponentenreichen Diamikten aus dem Eiszerfall. Gestauchte Sedimentpakete sind auf den Hochflächen eher selten; dagegen sind im Bereich der Becken gelegentlich ältere Beckensedimente am Eisrand deformiert (z.B. bei Singen und im Schussenbecken).
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Subformationen: Hasenweiler Beckensedimente, Tettnang-Sfm;
Leithorizonte: IJE, D1-Haupt-Diskontinuität;
Fazieskörper: Glaziolakustrin der Beckensedimente, Lakustrin der Beckensedimente.
Liegendgrenze: Liegendgrenze der Hasenweiler-Fm ist die D1-Hauptdiskontinuität. Sie ist im Bereich der Hasenweiler-Beckensedimente als subglaziale Erosionsfläche ausgebildet (Referenz: Bohrung LRGB Bo 8122/412 bei 45,60 m), im Bereich der Tettnang-Sfm und des IJE-Leithorizonts als Eis-Transgressionsfläche (korrelative Äquivalente vgl. „Lithologie“).
Darunter liegen Sedimente der Illmensee-Fm oder älteres Quartär oder Molasse.
Hangendgrenze: Die Hasenweiler-Fm reicht entweder bis an die Geländeoberfläche oder wird durch äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente überdeckt.
Mittlere Mächtigkeit: (a) 40 m; (b) und (c) 10 m.
Maximale Mächtigkeit: (a) 200 m; (b) 50 m; (c) 30 m.
Typusprofile, etc.: Hasenweiler Becken, Bohrung LGRB Bo 8122/412, R 3534100, H 5299360, ELLWANGER et al. (2011a)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Die Hasenweiler-Fm ist nahezu flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten vom Bodensee bis zur Inneren Jungendmoräne (IJE-Leithorizont, Innenwallwürm-Eisrandlage) verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Oberer Teil der Neuenburg-Fm (Hartheim-Sfm)
Alpenvorland und Hochrheintal: Teile der Rheingletscher-Niederterrassenschotter.
Alterseinstufung: Oberpleistozän bis Holozän (klimaeventstratigraphisch interpretiert ELLWANGER et al. 2003, 2011b).
Keine biostratigraphischen Zeitmarken vorhanden.
Physikalische Altersbestimmungen ergeben widersprüchliche Alter (Lumineszenz-Datierungen, vgl. Diskussion in Frechen et al. 2009).
Chronostratigraphisch entspricht die Hasenweiler-Fm der Ab-schmelzphase der letzten großen Vergletscherung (Würm) und dem Holozän.
Kommentar: Im landschaftsübergreifenden Szenario (ELLWANGER et al. 2003) wird die D1-Haupt-Diskontinuität mit der Groblage an der Basis der Hartheim-Sfm (obere Neuenberg-Schichten) ver-knüpft. Die am Alpenrand im Zuge der Bildung der übertieften glazialen Becken mobilisierten Sedimente sollen durch das Hochrhein-Engtal durchtransportiert und sodann im südlichen Oberrheingraben als großer Schwemmkegel abgelagert sein (ELLWANGER 2011b).
Versch./Sonstiges: Ein subglazialer Till ist in der Abfolge der Hasenweiler-Beckensedimente weder enthalten noch wird sie dadurch über-deckt.
Nicht zur Hasenweiler-Fm gehören äolische Deckschichten (Löß, Flugsand) und periglaziale Umlagerungssedimente.

Die Hasenweiler-Formation wurde hier durch D. ELLWANGER, E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER für LithoLex beschrieben
Literatur: ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: Schirmer, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoAr-chaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., KIMMIG, B., SIMON, T. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Quartärgeologie des Rheingletscherge-biets. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 93, 387-417; Stuttgart. (2011a)
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald. (2011b)
FIEBIG, M. (1995): Pleistozäne Ablagerungen im süddeutschen und im neuseeländischen Alpenvorland – ein Vergleich. – Inaug. Diss. Univ. Freiburg, 122 S.; Freiburg.
FIEBIG,, M. (2003): Lithofazielle Untersuchungen an pleistozänen Sedimenten im östlichen Rheingletschergebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 301–342; Stuttgart.
FRECHEN, M., ELLWANGER, D., HINDERER, M., LÄM-MERMANN-BARTHEL, J, NEEB, I. & TECHNER, A. (2009): Late Pleistocene fluvial dynamics in the Hochrhein Valley and in the Upper Rhine Graben: chronological frame. -- International Journal of Earth Sciences (im Druck) -- Internet-Publ.: http://www.springerlink.com/content/a35q457277028703/
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
HABBE, K.H., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BE-CKER-HAUMANN, R. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56/1-2, 66–83; Hannover.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 17.10.2017, 11:22:42.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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