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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Dietmanns-Formation
ID: 1000016
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2004), ELLWANGER et al. 2011b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Old-MEG bis MVG (FIEBIG (2003), 1. Megazyklus (ELLWANGER et al. 2003)
Lithologie: Die Dietmanns-Fm (qDM) fasst als „uncomformity-bounded unit“ alle (a) lakustrinen, (b) glazialen, und © fluvialen Sedimente zusammen, die im Vergletscherungsgebiet des Rheingletschers zwischen den Haupt-Diskontinuitäten der drittletzten und der vorletzten großen Vergletscherung (D3, Hoßkirch; D2, Riß) abgelagert wurden. Die Bildung der Haupt-Diskontinuitäten (D3, D2) ist verknüpft mit Wiedervorstößen des Rheingletschers jeweils gegen Ende der Vergletscherungen (vgl. FIEBIG 1995, 2003, ELLWANGER et al. 2003, 2011a, 2011b, GEYER et al. 2011, HABBE 2007). Vgl. Tab. 1.

Die größten Sedimentmächtigkeiten der Dietmanns-Fm sind in subglazial übertieften Becken (Rinnen) überliefert. Über der D3-Fläche ist häufig die folgende Beckenfüllung enthalten (Dietmanns-Beckensedimente, qDMb): (1) diamiktische Groblage, Komponenten meist nicht gekritzt; (2) massige und laminierte Feinsedimente mit eingestreuten Komponenten (waterlain till, dropstones) und gelegentlich mit diamiktischen Einschaltungen; (3) laminierte und massige Feinsedimente mit stärker sandigen Einschaltungen; (4) humose und/oder tonige Feinsedimente. (2) bis (4) können durch Grobsedimente vertreten sein. – Darüber folgen im Vergletscherungsgebiet der Riß- und Würmeiszeit weitere glaziale oder Schmelzwassersedimente, die bis zur D2-Fläche noch zur Diet-manns-Fm gehören. Es sind z.B. eine oder mehrere Tillsequenzen, häufig auch Schotter und/oder jüngere Beckensedimente. – Zur Unterscheidung dieser Beckenabfolge von jener der Illmensee-Fm ist eine „Holstein-Zeitmarke“ in (4) hilfreich.
(a) Auf den Hochgebieten zwischen den Becken sind Moränenlandschaften mit Tillsequenzen sowie zwei Endmoränenbereiche vorhanden.
• Außen stellenweise ein Endmoränenwall aus dem Wiedervorstoß der drittletzten Vergletscherung (Hoßkirch). Sein Sedimentinhalt ist nur an wenigen Stellen aufgeschlossen (tief verwitterte Kiese und Diamikte). Als Randlage rahmt der Wall auch die tiefen Becken ein.
• Nach innen folgen die „älteren Altmoränen“ der Vilsingen-Sfm (qDMV). Ihre Sedimente bestehen aus periglazial stark überprägten und tiefgründig verwitterten Diamikten. Intern setzt sich diese ältere Tillsequenz unterhalb der rißzeitlichen Sedimente fort. Ihre Basis entspricht der D3-Haupt-Diskontinuität auf den Hochgebieten, die hier als Eis-Transgressionsfläche entwickelt ist.
• Der äußere Wall der Doppelwallriß-Endmoränen (Außenwallriß) ist häufig gestaucht (z.B. SCHREINER & HAAG 1982). Sie besteht aus dislociierten Kiesbänken mit Diamikten und Sanden.
• Die Stauchung geht hervor aus einer weit verbreiteten Tillsequenz (Scholterhaus-Sbf, qDMK), die sich auch unter den intern folgenden Sedimenten der Illmensee-Fm fortsetzt (zunächst den Innenwallriß-Endmoränen).
(b) Verschiedene fluviale Systeme in den Hochgebieten sind durch Schotter aus Kies, Sand und Steinen der Dietmanns-Fm (qDMg) dokumentiert. Sie entsprechen den Hochterrassenschottern (qRTH) der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm (qRT) in den Periglazialgebieten; ihre größte Mächtigkeit erreichen sie an der Einmündung in verschiedene Becken.
Nicht zur Dietmanns-Fm gehören äolische Deckschichten (Löß, Flugsand) und periglaziale Umlagerungssedimente, die im Bereich der älteren Altmoränen bis zu 10 m mächtig werden.
Untergeordnete Einheit: Die Sedimente der Dietmanns-Fm lassen sich durch zwei weitere Diskontinuitäten, dem mit dem Holstein-Interglazial verknüpften Hiatus und der Eis-Transgressionsfläche des Außenwallriß-Vorstoßes, in Subformationen und Fazieseinheiten gliedern (vgl. Tab 1):
1. aus dem Innenwallhoßkirch-Eisvorstoß hervorgegangen Sedimente der Vilsingen-Sbf und der Dietmanns-Beckensedimente ( beide über der D3-Haupt-Diskontinuität), gefolgt von Holstein-zeitlichen Sedimenten oder Bodenbildungen und, nur selten vorhanden, Sedimenten der Zwischenzyklen zwischen Holstein-Hiatus und der Eis-Transgressionsfläche des Aussenwallriss-Vorstosses;
2. aus dem Außenwallriß-Vorstoß hervorgegangene Sedimente zwischen Eis-Transgressionsfläche und D2-Haupt-Diskontinuität (Scholterhaus-Sbf).
Weitere untergeordnete Einheiten (Fazieskörper) sind Beckensedimente (a); Tillsequenzen (b); Till und Schmelzwassersedimente am Innenwallhoßkirch-Eisrand (b); Stauchmoränen der Außenwallriß-Endmoränen (b); Schotter und Deltasedimente (c).
Liegendgrenze: Liegendgrenze der Dietmanns-Fm ist die D3-Hauptdiskontinuität. Sie ist im Bereich der tiefen Becken als subglaziale Erosionsfläche (Referenz Bohrung Waldburg „Schlossberg“, LGRB Bo 8224/185 bei 198,0 m), im Bereich der Moränen- und Endmoränen-Hochfläche als Eis-Transgressionsfläche des Innenwallhoßkirch-Vorstoßes ausgebildet.
Darunter liegen Sedimente der Steinental-Fm oder älteres Quartär oder Molasse.
Hangendgrenze: Die Dietmanns-Fm reicht außerhalb der Innenwallriß-Randlage bis an die Geländeoberfläche, innerhalb der Innenwallriß-Randlage wird ihre Hangendgrenze durch die D2-Haupt-Diskontinuität gebildet, darüber Sedimente der Illmensee-Fm. In beiden Fällen können äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente folgen.
Mittlere Mächtigkeit: (a) 50 m; (b) und (c) 20 m.
Maximale Mächtigkeit: (a) 130 m; (b) 50 m; (c) 30 m.
Typusprofile, etc.: Für: (a) Haupt-Diskontinuität D3; (b) Sedimentsukzession; (c) Becken-Architektur:
•Hoßkircher Becken, Bohrungen LGRB Bo 8022/470, R 3534225, H 5311350, LGRB Bo 8022/473, R 3533110, H 5311685, LGRB Bo 8022/475, R 3532470, H 5312035 (jeweils mit Zeitmarken für Holstein) (ELLWANGER et al. 1995, 1999, HAHNE 2010),
•Waldburg Becken, Bohrungen „Schlossberg“, LGRB Bo 8224/185, R 3553445, H 5291325 (a, b, c) und „Tennisplatz“ LGRB Bo 8224/186, R 3554140, H 5291320 (a, c) (FIEBIG 1995, 2003)
•Tannwald-Becken, Bohrung Wattenweiler LGRB Bo 8024/933, R 3554430, H 5317783 (mit Zeitmarke für Holstein) (a, b), Bohrung Schneidermartin LGRB Bo 8024/925, R 3556980, H 5317400 (a, b)
•Profilschnitt und Bohrungen am nordöstlichen Ende des Wurzacher Beckens bei Dietmanns (TK 8025, WERNER et al. 1998)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Die Dietmanns-Fm streicht flächenhaft innerhalb des Innenwallhoßkirch-Randlage aus. Sie setzt sich stellenweise innerhalb der Innenwallriß-Randlage im Liegenden der Sedimente der Illmensee-Fm fort.
Zeitgleiche Einheiten: Alpenvorland und Hochrheintal: Rheingletscher-Hochterrassenschotter der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm
Oberrheingraben: Oberer Teil der Breisgau-Fm (Balgau-Sfm).
Alterseinstufung: Mittelpleistozän laut klimaeventstratigraphischer Interpretation (z.B. ELLWANGER et al. 2003, 2011b).
Biostratigraphische Zeitmarke „Holstein“ im Hoßkircher Becken u. a. (HAHNE 2010, vgl. ELLWANGER et al. 2011a, 2011b)
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Im landschaftsübergreifenden Szenario (ELLWANGER et al. 2003) wird die Haupt-Diskontinuität an der Basis der Dietmanns-Fm mit Grobsedimenten in den oberen Breisgau-Schichten verknüpft. Chronostratigraphisch entspricht das der Abschmelzphase der drittletzten großen Vergletscherung (Hoßkirch).
Mitautoren des Datenblatts sind: E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER
Literatur: ELLWANGER, D., BIBUS, E., BLUDAU, W., KÖSEL, M. & MERKT, J. (1995): Baden-Württemberg. – In: BENDA, L. (ed.): Das Quartär Deutschlands, 255–295; Berlin, Stuttgart.
ELLWANGER, D., FIEBIG, M, & HEINZ, J. mit Beiträgen zur Pollenanalyse von BLUDAU, W. (1999): Quartärgeologie des mittleren Rheingletschergebietes (Bittelschiess, Höchsten, Hosskirch, Ostrach). – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 81, 217 – 230; Stuttgart.
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., KIMMIG, B., SIMON, T. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Quartärgeologie des Rheingletschergebiets. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 93, 387-417; Stuttgart. (2011a)
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald. (2011b)
FIEBIG, M. (1995): Pleistozäne Ablagerungen im süddeutschen und im neuseeländischen Alpenvorland – ein Vergleich. – Inaug. Diss. Univ. Freiburg, 122 S.; Freiburg.
FIEBIG,, M. (2003): Lithofazielle Untersuchungen an pleistozänen Sedimenten im östlichen Rheingletschergebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 301–342; Stuttgart.
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
HABBE, K.H., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BE-CKER-HAUMANN, R. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56/1-2, 66–83; Hannover.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. Bludau. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Frei-burg; Freiburg.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
SCHREINER, A. & HAAG, T. (1982): Zur Gliederung der Rißeiszeit im östlichen Rheingletschergebiet (Baden-Württemberg). – Eiszeitalter u. Gegenwart, 32, 137–161, Hannover.
WERNER, W., KRIEGER, A., ELLWANGER, D. & MARTIN, M. unter Mitarbeit von BOCK, H., KIMMIG, B., HAHN, J. & GERIG, B. (1998): Lagerstättenpotentialkarte der oberflächennahen Rohstoffvorkommen in der Region Bodensee-Oberschwaben. – Geologisches Landesamt Baden-Württemberg, Az. 3962.07/95-4764, 104 + 382 S., Freiburg.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 18.08.2017, 18:25:25.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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