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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Breisgau-Formation
ID: 1000015
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: ELLWANGER et al. (2003)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Oberpliozän (Pliozän, Neogen, Känozoikum)
Synonyme: Unteres bis Mittleres Kieslager (BARTZ 1982), Ältere Schotter (SCHREINER 1996), Breisgau-Schichten ELLWANGER et al. (2003), HAGEDORN (2004), WIRSING & LUZ (2007), WIR-SING et al. (2007), LGRB (2004).
Lithologie: Die Breisgau-Fm (qBR) besteht aus zahlreichen gradierten Zyklen, die eine diamiktische (polymikte) Zusammensetzung aus Steinen, Kies und Grobsand mit einer Matrix aus Feinsand, Schluff und z.T. auch Ton aufweisen. Die Komponenten sind meist gerundet bis kantengerundet. Charakteristisch sind mürbe Komponenten („faule Kiese“), v. a. Kristallin lokaler Provenienz (Schwarzwald, Vogesen), aber auch Sandsteine und Quarzite mit Halos. In der Grabenmitte stammt das Material überwiegend aus den Alpen, am Rand aus dem Schwarzwald.
Die unteren Grob-Fein-Zyklen (Weinstetten-Sfm, früher Untere Breisgau-Schichten) sind stark pedogen überprägt. Der Anteil zerfallener und mürber Komponenten sowie die Intensität der Pedogenese nehmen nach oben ab (Balgau-Sfm, früher Obere Breisgau-Schichten (ELLWANGER et al. 2011, GEYER et al. 2011).
Proximal (Raum Mulhouse-Neuenburg) sind immer wieder sehr grobe Komponenten eingestreut (Blöcke von 20-50 cm Durchmesser). Nördlich von Colmar-Breisach sind abnehmende Korngrößen und weniger mürbe Komponenten charakteristisch (letztere fehlen in der nördlich anschließenden Ortenau-Fm). Dazu kommen besser sortierte Einschaltungen (Kies und Sand).
Die lokale Randfazies in den Schwarzwaldtälern, stellenweise auch randnah im Graben, ist ähnlich aufgebaut; durch das Fehlen alpiner Komponenten ist der Anteil an mürben und zerfallenden Gneisen sehr hoch (Wasser-Sfm). Hier ist der diamiktische Charakter der Sedimente am stärksten ausgeprägt, es sind nur wenige Komponenten-dominierte Lagen vorhanden (diamiktische Breisgau-Schichten). Im Norden der Freiburger Bucht ist ein Sand-reicher bis feinkörniger Leithorizont nahe dem Top in die diamiktischen Sedimente der Wasser-Sfm eingeschaltet, der teils humos, teils stärker verwittert sein kann (Riegeler Horizont). Ähnlich auch an der Einmündung anderer Täler.
Im Schwermineralspektrum wird das alpine Einzugsgebiet durch die instabilen Schwerminerale Granat, Epidot, grüne Hornblende und Alterit abgebildet. Lokale Einzugsgebiete werden durch das stabile Spektrum mit Zirkon, TiO2-Minerale und Turmalin repräsentiert. Mit Ausnahme der Freiburger Bucht und den Schwarzwaldtälern dominiert das alpine Spektrum, dabei ist die Weinstetten-Sfm (insbesondere im tieferen Teil) reich an Epidot und arm an Hornblende, während in der Balgau-Sfm mehr Hornblende als Epidot enthalten ist. Der Epidot-reiche Teil wird als Signal aus dem Aare-Reuss-Gebiet hergeleitet, der Hornblende-reiche Teil aus dem Gebiet des Alpenrheins (HAGEDORN 2004).
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Balgau-Sfm (Obere Breisgau-Schichten), Weinstetten-Sfm (Untere Breisgau-Schichten), Wasser-Sfm (diamiktische Breisgau-Schichten, Lokalfazies). Der Übergang zwischen diesen Einheiten ist oftmals fließend.
Fazieskörper: In der Freiburger Bucht ist im oberen Teil der Wasser-Sfm der Riegeler Horizont eingeschaltet. Zwischen Rhein und Vogesen sind stellenweise sehr grobe Schotter vorhanden (Hergheim-Schichten, überwiegend linksrheinisch)
Liegendgrenze: Im Liegenden der Breisgau-Fm befindet sich im Oberrheingraben meist die Iffezheim-Fm. Der Übergang ist markiert durch das Einsetzen deutlich gröberer Sedimente und durch das alpine Sedimentsignal, beides gegenüber den feinkörnigeren Lokalsedimenten der Iffezheim-Fm. Dagegen im Bereich der Vorbergzone (z.B. Freiburger Bucht, Offenburg) im Liegenden Trias und Jura, östlich der Hauptverwerfung Grundgebirge, hier fehlt das alpine Signal.
Hangendgrenze: Über der Breisgau-Formation folgt die Neuenburg-Fm, in der die mürben Komponenten fehlen (außer durch Aufarbeitung und in Bereichen starker Subsidenz).
Mittlere Mächtigkeit: 50-100 m
Maximale Mächtigkeit: Bei Hartheim über 150 m (Interreg-Bohrung 2001).
Typusprofile, etc.: Bohrung Hartheim (DURINGER et al. 2002, HAGEDORN 2004, WIRSING & LUZ 2007); Bohrung nördliche Freiburger Bucht (WIRSING & LUZ 2007)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Mittelgebirge, Schwarzwald
Verbreitung (Ergänzung): Die Breisgau-Formation ist flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten im Bereich der Oberrheinebene im Oberrheingraben zwischen Mulhouse und Lahr, am östlichen Grabenrand im Einflussbereich der Schwarzwaldtäler (Kinzigtal, Murgtal u. a.) noch weiter nach Norden bis etwa Rastatt verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Im Oberrheingraben Iffezheim-Fm (z. T.), Ortenau-Fm (z. T.), Viernheim-Fm (z. T.), Ludwigshafen-Fm (z. T.) und Mannheim-Fm (z. T.).
Im Hochrheintal die Hochrhein-Deckenschotter-Fm und ältere Teile der Rheingletscher-Hochterrassenschotter.
Im Südschwarzwald auch Sedimente der Haseltal-Fm (Sedimente des Mittelland-Rhonegletschers oberhalb des Hochrheintals).
Mittel- und Niederrhein: Kieseloolith-Fm bis Hauptterrassen.
Die Korrelation beruht auf Zeitmarken und der klimaeventstratigraphischen Interpretation der Einheiten.
Alterseinstufung: Für das Maximalalter im Bereich der Untergrenze der Breisgau-Fm gibt es bisher keine Zeitmarken; die bisher älteste Einstufung des Beginns der alpinen Schüttung wird bei Sessenheim biostratigraphisch ins Reuverium gestellt (BOENIGK 1987, vgl. auch HOSELMANN 2008: Kieseloolith-Fm). Bisher jüngste biostratigraphische Zeitmarke: ?Jüngeres Cromer (det. BLUDAU im Riegeler Horizont).
Eventstratigraphische Korrelation der Balgau-Sfm (Oberen Breisgau-Schichten) mit der Dietmanns-Fm des Alpenvorlandes (ELLWANGER et al. 2003).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Genese der Breisgau-Fm: Die Sedimente werden als gravitativ umgelagert, nach oben und nach Norden zunehmend fluvial aufgearbeitet interpretiert. Als Motor für die gravitativen Prozesse gelten vor allem tektonische Hebungen am Grabenrand (ELLWANGER et al. 2003, DURINGER et al. 2004), aber auch Senkungen im Graben selbst. Die Umlagerung könnte durch die Abkühlung am Tertiär-Quartär-Übergang begünstigt sein. Der Akkommodationsraum wird zu einem guten Teil auf Kompaktion der unterliegenden tertiären Feinsedimente zurückgeführt.
Provenienz: Im zentralen Oberrheingraben oben noch überwiegend Material der drittletzten alpinen Vergletscherung und nur geringe Beimengungen aus dem Schwarzwald. Darunter eine Mischung aus Deckenschotter- und Schwarzwaldmaterial (einzelne Sequenzen enthalten oft unten mehr alpine, oben mehr Schwarzwald-Komponenten). – Am Grabenrand und im unteren Teil der Schwarzwaldtäler häufig grusige Diamikte (Grus aus zersetzten Gneisen) mit vielen mürben Gneis-Komponenten, stellenweise auch Feinsedimente, z.B. an der Einmündung der Täler bei starker Aufschotterung im Haupttal, z.B. im Zartener Becken.
Mitautoren des Datenblatts sind: E. NITSCH, Th. SIMON, U. WIELANDT-SCHUSTER & G. WIRSING
Literatur: BARTZ, J. (1982), mit Beiträgen von BRELIE, G. von der und MAUS, H.: Quartär und Jungtertiär II im Oberrheingraben im Großraum Karlsruhe. - Geologisches Jahrbuch, A 63: 3-237.
BOENIGK, W. (1987): Petrographische Untersuchungen jungtertiärer und quartärer Sedimente am linken Oberrhein. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F., 69, 357-394; Stuttgart.
DURINGER, P., ELLWANGER, D., LÄMMERMANN-BARTEL, J., NEEB, I., ROUSSÉ, S. & ROTSTEIN, Y. et al. (2004): Sedimentological evidence regarding the uplift of the Vosges and the Black Forest Highlands. – GV-SGF-EucorUrgent joint meeting 2004, Poster RSTGV-A-00301; Strasbourg. – http://www.cosis.net/abstracts/RSTGV/00301/RSTGV-A-00301.pdf
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald.
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
HAGEDORN, E.-M. (2004): Sedimentpetrographie und Lithofazies der jungtertiären und quartären Sedimente im Oberrheingebiet. – Diss. Univ. Köln, 248 S., Köln (Geol. Inst.). – http://kups.ub.unikoeln.de/volltexte/2004/1253/
HAGEDORN, E. & BOENIGK, W. (2008): New evidences of the Pliocene and Quaternary sedimentary and fluvial history in the Upper Rhine Graben on basis of heavy mineral analyses. – Netherlands Journal of Geosciences, 87(1): 19-30.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. BLUDAU. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg; Freiburg
HOSELMANN, C., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., WEI-DENFELLER, M., & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Viernheim-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
HGK – Hydrogeologische Kartierung (1977): Hydrogeologische Karte von Baden-Württemberg, Oberrheingebiet Bereich Kaiserstuhl – Markgräflerland mit Erläuterungen. – Geol. L.-Amt Baden-Württ., L.-Anst. f. Umweltschutz Baden-Württ., 65 S.; Freiburg, Karlsruhe.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten - Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
SCHREINER, A. (1996): Quartär. – In: GROSCHOPF, R., KESSSLER, G., LEIBER, J., MAUS, H., OHMERT, W., SCHREINER, A. & WIMMENAUER, W. mit Beiträgen von ALBIEZ, G., HÜTTNER, R. & WENDT, O.: Geol. Karte Baden-Württ., Erl. Freiburg i. Br. U. Umgebung, 3., ergänzte Aufl., 364 S.; Freiburg.
WEIDENFELLER, M., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., HO-SELMANN, C. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Lud-wigshafen-Formation – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
WIRSING, G., LUZ, A., ENGESSER, W. & KOCH, A. mit Gastautoren ELSASS, P. & PERRIN, J. (2007): Hochauflösende Reflexionsseismik auf dem Rhein und dem Rheinseitenkanal zwischen Mannheim und Rheinfelden. – LGRB-Fachbericht, 1/07, 60 S.; Freiburg.
WIRSING, G. & LUZ, A., unter Beteiligung von ELLWANGER, D., ENGESSER, W., GEERDS, P., HESS, M., KILGER, B., OHMERT, J., PLUM, H., SCHWARZ, M., STOBER, I. & WATZEL, R. (2007): Hydrogeologischer Bau und Aquifereigenschaften der Lockergesteine im Oberrheingraben (Baden-Württemberg). – LGRB-Informationen, 19, 130 S., Freiburg.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 23.10.2017, 17:18:22.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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