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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Untermain-Niederterrassen-Formation
ID: 1000007
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: C. HOSELMANN, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Oberpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: •t(6)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1980, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), Obere Niederterrasse (KÖRBER 1962), 7-m-Terrasse (STREIT 1971), „Zwischenniveau“ (KESSLER 1962), Oberdiluviale Terrasse „Raunheimer Stufe“ (SCHOTTLER 1922), Niederterrasse (MICHELS 1930)
•t(7)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1980, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), Untere Niederterrasse (KÖRBER 1962)
Lithologie: Die Untermain-Niederterrassen-Formation besteht im Wesentlichen aus fluviatilen, sandigen Kiesen. Innerhalb der Terrasse sind engräumig feinklastische zum Teil humose Füllungen von Altläufen sowie Hochflutlehme zu beobachten. Das Schotterspektrum der Kiese ist bunt und besteht aus Sandstein des Buntsandsteins, Quarz, Quarzit, Hornstein, Lydit sowie Grauwacke und vereinzelt Basalt. Charakteristisch sind Kalksteine des Muschelkalks mit Anteilen von bis zu 20 %; diese treten in der Untermain-Mittelterrassen und -Hauptterrassen-Formation nicht mehr auf, da sie meist durch postsedimentäre Lösungsprozesse verschwunden sind.
Untergeordnete Einheit: Die Untermain-Niederterrassen-Formation kann im Untermaingebiet in eine ältere und eine jüngere Subformation untergliedert werden. Eine Trennung aufgrund der Verbreitung der Terrassensedimente sowie der Höhenlage der Terrassenbasis und des Vorkommens der Laacher-See-Tephra (LST) ist möglich. Die LST tritt erst im höheren Abschnitt der jüngeren Untermain-Niederterrassen-Subformation auf.
Liegendgrenze: Die Sedimente der Untermain-Niederterrassen-Formation lagern diskordant meist auf Gesteinen tertiären Alters.
Hangendgrenze: Das Hangende der Untermain-Niederterrassen-Formation bilden häufig spätweichselzeitliche karbonatische Hochflutlehme zum Teil mit Bodenbildung, mitunter auch holozäne Auensedimente.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit der einzelnen Subformationen schwankt zwischen 3 und 8 m und ergibt in der Addition eine Gesamtmächtigkeit der Untermain-Niederterrassen-Formation von maximal 13 m (RENFTEL 1998 und SCHEER 1976). Die Mächtigkeiten sowie lithologischen Eigenschaften leiten sich aus Beobachtungen in verschiedenen Baugruben, Straßenanschnitten und Kiesgruben sowie aus diversen Bohrungen ab, die u.a. im Archiv des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie dokumentiert sind.
Maximale Mächtigkeit: maximal 13 m (summarisch)
Typusprofile, etc.: Profile mit quartären Lockersedimenten sind meist nur temporär aufgeschlossen. Über längere Zeit zugängliche Kiesgruben im Bereich der Untermain-Niederterrassen-Formation sind sehr selten. Kiesgruben südlich von Kahl am Main (R 3501700/H 5546800; TK 25 Blatt 5920 Alzenau) schließen Sedimente der Untermain-Niederterrassen-Formation auf. Wiederholt werden die Terrassensedimente durch Kernbohrungen aufgeschlossen, die im Rahmen von ingenieurgeologischen und wasserwirtschaftlichen Erkundungen abgeteuft werden.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Sedimente der Untermain-Niederterrassen-Formation treten mit dem Eintritt des Mains in das Senkungsgebiet des Hanauer Beckens auf. Die Vorkommen sind dort weit verbreitet und auf verschiedenen Blättern der GK 25 auskartiert (z.B. 5818 Frankfurt a. M. Ost, 5819 Hanau, 5916 Hochheim, 5917 Kelsterbach und 5920 Alzenau). Zumeist sind die Ablagerungen eng an den heutigen Mainlauf gebunden, sie können aber in Mainbögen bis zu 3 km breit werden.
Zeitgleiche Einheiten: Niederterrassen-Sedimente aus dem Oberpleistozän sind auch aus dem Rheinsystem und seinen Nebenflüssen bekannt. Allerdings unterscheidet sich der petrographische Inhalt aufgrund verschiedener Liefergebiete. Als signifikanter Leithorizont gilt die LST. Diese tritt beispielsweise im Mittelrhein-/Niederrheingebiet in den Hochflutlehmen der älteren Mittelrhein/Niederrhein-Niederterrassen-Subformation auf. Schwermineralogisch ist die LST in der jüngeren Mittelrhein/Niederrhein-Niederterrassen-Subformation nachzuweisen. Dieser schwermineralogische Befund ist im Untermaingebiet bisher nicht möglich, so dass eine Korrelation mit dem Rheinsystem derzeit fraglich, aber mit Ablagerungen aus dem Mainengtal möglich ist (KÖRBER 1962).
Alterseinstufung: auf Basis von:
- Biostratigraphie und physikalischen Altersbestimmungen: Molare von Mammonteus primigenius und das Cranium eines Hominiden ergaben 14C-Alter von 31 200 +/- 600 Jahren (PROTSCH & SEMMEL 1978), das aufgrund methodischer und anderer Gründe als unzuverlässig anzusehen ist. In den Kiesgruben des Untermaingebiets wurden mehrfach Säugetierreste gefunden, die kaltzeitliche Ablagerungsbedingungen dokumentieren (KINKELIN 1909 und KLEMM 1901).
Paläobotanische Befunde an Tonlagen unterhalb der Untermain-Niederterrassen-Formation belegen eine Picea und Pinus dominierte Flora, die vermutlich der ausgehenden Eem-Warmzeit zuzurechnen ist (v. d. BRELIE 1974).
Falls in den Sedimenten der Untermain-Niederterrassen-Formation die LST in situ angetroffen wird, kann an dieser Stelle ein Alter der Ablagerung von 12 880 Warvenjahre BP angenommen werden (LITT et al. 2003). Durch die randliche Überdeckung mit jüngerem Würmlöss, in die Deckschichten eingelagerte Eltville-Tephra sowie durch OSL-Alter von ca. 18 bis 15 ka v. h. von überlagernden Flugsanden (SEMMEL & THIEMEYER 2005) ist das Alter der älteren Untermain-Niederterrassen-Subformation eingegrenzt.
- Sedimentpetrographie: Bei schwermineralogischen Untersuchungen konnten in den Ablagerungen der Untermain-Niederterrassen-Formation bisher keine LST mit ihren charakteristischen Mineralen Titanit und Ägirinaugit gefunden werden (SEMMEL 1980).
- Klimatostratigraphie: Sehr häufig wurden in den Sedimenten der Untermain-Niederterrassen-Formation Driftblöcke mit einer maximalen Kantenlänge von bis zu 1,5 m beobachtet (z.B. RENFTEL 1999, SEIDENSCHWANN 1993, SEMMEL 1980). Diese Driftblöcke, die meist aus roten Sandsteinen des Buntsandsteins bestehen, sind Hinweise auf kaltklimatische Bedingungen zur Zeit der Ablagerung.
Kommentar: Die paläogeographische Entwicklung des Untermain-Gebiets sowie die Ablagerungen der LST lassen nur den Schluss zu, dass die Untermain-Niederterrassen-Formation in der Weichsel-Kaltzeit akkumuliert worden ist. Die Sedimentation setzte prä-allerödzeitlich ein und endete in der Jüngeren Dryaszeit.
Versch./Sonstiges: Hilfreich wären zuverlässige, methodisch unterschiedliche absolute Datierungen, um die Altersstellung der Untermain-Niederterrassen-Formation noch stärker eingrenzen zu können; auch paläobotanische Untersuchungen an feinklastischen Sedimenten werden zur Klimarekonstruktion beitragen. Solche Ergebnisse würden die überregionalen Korrelationen absichern.
Literatur: BRELIE, G. v. d. (1974): Pollenanalytische Untersuchungen an warmzeitlichen Sedimenten in den Terrassen des Untermain-Gebietes. – Rhein-Mainische Forschungen, 78: 83-99; Frankfurt a. M.
KESSLER, A. (1962): Studien zur jüngeren Talgeschichte am Main und an der Mümling und über jüngere Formenentwicklung im hinteren Buntsandstein-Odenwald. – Forsch. dt. Landesk., 133: 94 S.; Bad Godesberg.
KINKELIN, F. (1909): Vorgeschichte vom Untergrund und von der Lebewelt des Frankfurter Stadtgebietes. – 96 S.; Frankfurt a. M.
KLEMM, G. (1901): Erläuterungen zur Geologischen Karte des Großherzogtums Hessen 1 : 25000, Blatt Kelsterbach und Neu-Isenburg, 76 S.; Darmstadt.
KÖRBER, H. (1962): Die Entwicklung des Maintals. – Würzburger geographische Arbeiten, 10: 170 S.; Würzburg.
LITT, T., SCHMINCKE, H.-U. & KROMER, B. (2003): Environmental response to climate and volcanic events in central Europe during the Weichselian Lateglacial. – Quaternary Science Reviews, 22: 7-32; Oxford.
MICHELS, F. (1930): Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Frankfurt/Main-Ost-Offenbach: Lieferung 300: 88 S.; Berlin.
PROTSCH, R. & SEMMEL, A. (1978): Zur Chronologie des Kelsterbach-Hominiden, des ältesten Vertreters des Homo sapiens sapiens in Europa. – Eiszeitalter und Gegenwart, 28: 200-210; Öhringen.
RENFTEL, L.-O. (1998): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5819 Hanau, 2. Aufl.: 278 S.; Wiesbaden.
SCHEER, H.-D. (1976): Die pleistozänen Flußterrassen in der östlichen Mainebene. – Geologisches Jahrbuch Hessen, 104: 61-86; Wiesbaden.
SCHOTTLER, W. (1922, faksimilierter Nachdruck 1992): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt 5919 Seligenstadt: 91 S.; Wiesbaden.
SEIDENSCHWANN, G. (1993): Quartär. – In: KÜMMERLE, E. & SEIDENSCHWANN, G.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5818 Frankfurt a. M. Ost, 3. Aufl.: 48-72; Wiesbaden.
SEMMEL, A. (1969): Quartär. – In: KÜMMERLE, E. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5916 Hochheim am Main, 3. Auflage: 51-99; Wiesbaden.
SEMMEL, A., (1980): Quartär.- In: GOLWER, A. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5917 Kelsterbach, 3. Auflage: 25-49; Wiesbaden.
SEMMEL, A. & THIEMEYER, H. (2005): Bodenhorizonte und Lagen im Taunus und dessen südlichem Vorland.- Mitteilungen der deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, 105: 143-153, Oldenburg.
STREIT, R. (1971): Quartär. – Geologische Karte von Bayern 1:25000 - Erläuterungen zum Blatt Nr. 6020 Aschaffenburg: 150-186; München.
Autor des Datenblattes: Hoselmann, Christian
Erstellt am: 20.06.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 25.11.2008
Änderung Datensatz: 25.11.2008


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Litholex Recherche vom 22.07.2017, 14:53:51.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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