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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Phycodenschiefer-Formation
ID: 8000174
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LIEBE, 1866; (NAUMANN & DEUBEL, 1930)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Phycoden-Gruppe
Chronostratigraphie: Tremadocium (Unterordovizium, Ordovizium, Paläozoikum)
Synonyme: Phykodesschichten (LIEBE 1866),
Phycodeszone (LIEBE 1884: 5).
graugrüne Grauwacke (GÜMBEL 1879),
Phycoden-Schichten (mind. seit 1868),
Phycodes-Schichten (mind. seit 1869),
Phycoden-Serie (seit 1936),
Phycodenschiefer
Lithologie: Schwarzburger Antiklinorium:
Pelitisch- feinsandige Abfolge mit genereller Tendenz von pelitreicher zu mehr sandreicher Sedimentation. Im höheren Teil enge Wechsellagerung pelitischer und feinsandiger Lagen ("sandstreifige" Schiefer), wobei der Anteil feinsandiger Lagen 50 % nicht übersteigt.

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge:
Siltschiefer verschiedener Farbtönung, abschnittsweise auch feinsandig und/oder mit grobsiltig- feinsandigen Flasern, Linsen, Bändern, Lagen oder Bänken.

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald: Im nördlichen Fichtelgebirge feinlagiger Wechsel der Silt- und Sandbeimengung in der tonigen Matrix innerhalb des obersten Sedimentationsabschnittes. Hinweise auf kompaktierte Schlammfladen von Wattsedimenten. Eine zum Sedimentationsgefüge parallele Pigmentkonzentration täuscht eine sedimentäre Bänderung vor. Im südlichen Fichtelgebirge und Steinwald besteht dagegen in der gleichen stratigraphischen Position eine Zunahme sandiger (quarzitischer) Lagen in der Wechsellagerung.
Tonige Siltschiefer bis Siltsandsteine bzw. Phyllite verschiedener Färbung (graugrün, z.T. dunkelgrau mit hellgrauen Lagen) mit unterschiedlichen Anteilen grobsiltig- feinsandiger, quarzitischer Bänder und Lagen im mm- bis cm- Bereich. Bereichsweise auch monotone vorwiegend grünliche Phyllite (z.B. Lenauer Forst). In phyllitischen Bereichen häufig flachlinsige Quarzmobilisate. Im südwestlichen Fichtelgebirge ist die Folge mit Epigneisen (Metarhyolithoiden) verknüpft.

Vogtland:
Gesteinsverband aus Siltschiefer bzw. phyllitischem Siltschiefer, vorherrschend feinsandsteinbändrig bis -streifig und wechselnd dunkelgrau/grüngrau bzw. grüngrau/- grüngrau gefärbt.

Erzgebirge:
Gesteinsverband aus grünlichgrauem Siltphyllit, bzw. dunkel- bis schwarzgrauem Tonphyllit mit Streifen und Bändern von grobssiltkörnigem, hellgrauem Quarzit bzw. quarzitstreifigem Siltphyllit.

Granulitgebirge:
Siltschiefer, quarzstreifig, generell grüngrau , im oberen Teil auch z.T. dunkelgrau.
Untergeordnete Einheit: An der SE-Flanke des Schwarzburger Antiklinoriums (Lützner, 2008):
Lauschenstein-Schichten
Göritzberg-Schichten
Breitenberg-Schichten
Rosenberg-Schichten
Obere dunkle Schiefer
Obere grüngraue Schiefer
Untere dunkle Schiefe
Liegendgrenze: Schwarzburger Antiklinorium:
Relativ scharf: Einsetzen des silt- bis sandstreifigen Phycodenschiefers über dem Oberen Magnetitquarzit bzw. helleren und ungeschichteten Phycoden- Dachschiefern.

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge:
Bei Entwicklung des (Oberen) Magnetitquarzits bzw. seiner Äquivalente scharf, sonst Übergang zum Phycodendachschiefer.

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald:
Nach bisheriger Kenntnis relativ scharf über der Frauenbach-Gruppe.

Vogtland:
Nicht exakt definierbar, da vielfach transgressive Auflagerung auf tiefere Einheiten nachgewiesen wurde.

Erzgebirge:
Im allgemeinen deutlich durch das Einsetzen einer verstärkten Quarzitstreifigkeit bis -bändrigkeit sowie dem Auftreten der typischen Phycodenbänderung.
Lokal (z.B. am Ziegenberg bei Zwönitz oder bei Zschorlau) geringmächtige Quarzite bis Quarzitschiefer, z.T. magnetitführend, als Äquivalente des Oberen Magnetitquarzits Thüringens an der Hangendgrenze des Phycodendachschiefers.
Mehrfach auch tektonische Begrenzungen.

Granulitgebirge:
Relativ deutlich durch das Einsetzen der gebänderten Phycodenschiefer über monotonen Dachschiefern.
Hangendgrenze: Schwarzburger Antiklinorium:
Relativ unscharf: Grenze zw. Phycodenschiefern und Phycodenquarzit dort, wo Anteil der feinsandigen Lagen in den Wechsellagerungen 50 % übersteigt.

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge:
Meist relativ scharf durch Farbwechsel, Kornvergröberung und zum Teil durch Einschalten von psammitischen Horizonten.

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald:
Relativ deutlich durch das Einsetzen einer verstärkten psammitischen Sedimentation (Phycodenquarzit) bzw. auflagernder Gräfenthal-Gruppe.

Vogtland:
Relativ deutlich durch das Einsetzen der dünnschiefrigen homogenen schwarzgrauen Tonschiefer der Griffelschiefer-Formation.

Erzgebirge:
Mit dem Einsetzen der dunkel- bis schwarzgrauen, feinschiefrigen Tonphyllite der Griffelschiefer-Formation meist gut fixiert.

Granulitgebirge:
Lokal schließen sich im Hangenden Griffelschiefer an (Klosterholz bei Remse), vermutlich streichende Störung.
Mittlere Mächtigkeit: Schwarzburger Antiklinorium:
950-1400 m (im Raum Sitzendorf max. 950 m; im Raum Lauscha/ Steinach bis 1400 m)

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge: ca. 700 m

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald: 600 - 1000 m

Vogtland:
Raum KlingenthaI – Markneukirchen: 100-200 m
Raum Tirpersdorf – Arnoldsgrün: 500-700 m
Raum Treuen – Pfaffengrün: 600-800 m
Raum Hauptmannsgrün – Ebersbrunn: > 700m

Erzgebirge: 150 - 250 m

Granulitgebirge:
Ca. 300 m, vermutlich höher, da überwiegend durch Molasse und Lockergesteine verdeckt.
Maximale Mächtigkeit: 1400 m
Typusprofile, etc.: Schwarzburger Antiklinorium:
SE-Flanke des Schwarzburger Antiklinoriums. Hier ist die Phycodenschiefer-Formation vom NE- bis zum SW -Rand durchgehend in breitem Ausstrich vorhanden.

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge:
In breiten Ausstrichen im Bergaer Antiklinorium mit Ausnahme des Kerngebietes im NE-Teil sowie des Ronneburger Horstes, der Mühltroffer und Saalburger Querzone; im Gräfenthaler und Lobensteiner Horst sowie in der Hirschberg - Gefeller Antiklinale.

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald:
Waldsassener Schiefergebirge, südwestliches Fichtelgebirge; Phycodenschiefer-Formation am Fichtelgebirgsrand zwischen Bad Berneck und Rehau. Profilierung in erster Linie durch Metamorphosezunahme vom Hangenden zum Liegenden (anchi- bis epimetamorph), zusätzlich thermische Metamorphose in Teilbereichen. Überlagerung von schwach- bis stärker gradierten Sedimenten durch küstennahe Sande oder Wattsedimente.

Vogtland:
Südvogtländische Querzone, gesamter Südrand und Untergrund des Vogtländischen Synklinoriums.

Erzgebirge:
In der Erzgebirgsnordrandzone an deren Nordwestflanke nördlich Stollberg sowie im Bereich der Lößnitz-Zwönitzer Synklinale (Niederlößnitz, Kühnhaide, Zwönitz, Gornsdorf, Andreas-Berg).

Granulitgebirge:
Lokal im westlichen und nördlichen Teil des Schiefermantels des Granulitgebirges.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Sachsen
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Äquivalente in der Elbezone? und am SE-Rand des Granulitgebirges.
Alterseinstufung: Fossilien:
Schwarzburger Antiklinorium: Acritarchen, Graptolithen, Spurenfossilien

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge: Spurenfossilien

Vogtland: Acritarchen, Spurenfossilien

Granulitgebirge: Phycodes circinatum, undeutliche Grabspuren
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Schwarzburger Antiklinorium: anchimetamorph

Fränkisch-thüringisches Schiefergebirge: anchimetamorph

Fichtelgebirge und nördlicher Oberpfälzer Wald: Regionalmetamorphose von Chlorit-Sericit- bis Biotit-Albit-Sericit- und bis Staurolith-Andalusit-Biotit-Muscovit-Fazies. Kontaktmetamorphose an Graniten bis zu Andalusit - Sillimanit -Hornfels.

Vogtland: anchimetamorph

Erzgebirge: Grünschieferfaziell regional metamorph
im Bereich der Westerzgebirgischen Granite und des Eibenstocker Granits kontaktmetamorph.

Granulitgebirge: Schwache Grünschieferfazies
Literatur: LIEBE, K.TH. (1866): Die erratischen Gesteine der Umgegend Geras.- 10. Jahresbericht Gera, 11-27, Gera.

NAUMANN, E. & DEUBEL, F. (1930): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern 1:25.000. Blatt Blankenburg, Lfg. 301.- Preuß. Geol. Landesanst. , 121 S., Berlin.

Berger, H,.-J. & Hoth, K. (1997): 4.5.2 Ordovizium. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 153-154.

Berger, H,.-J. & Docekal, A. (1997): 4.10.2 Ordovizium, Nordsächsisches Schiefergebirge. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 340 (vgl. auch 344).

Hoth, K. & Kurze, M. (1997): 4.7.2.2 Ordovizium südöstlich des Granulitgebirges. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 241.

Leonhardt, D., Hoth, K. & Berger, H.-J. (1997): 4.6.2 Ordovizium. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 182.

Lützner, H. & Mann, M. (1997): 4.1.2 Ordovizium. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 31-32.

Stettner, G. (1997): 4.4.2 Ordovizium. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 120-121.

Wiefel, H. (1997): 4.2.2.1 Ordovizium der Thüringischen Faziesreihe. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 69-70.

Wiefel, H. & Berger, H.-J. (1997): 4.7.2.1 Ordovizium nordwestlich des Granulitgebirges. In Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.; Redaktion K. Hoth, H.-J. Berger & G. Mund) (1997): Stratigraphie von Deutschland II - Ordovizium, Kambrium, Vendium, Riphäikum -Teil I - Thüringen, Sachsen, Ostbayern. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 200: 1–437, 50 Abb., 3 Tab.; Frankfurt a.M., 232.

Lützner, H. (2008): Lithostratigraphie der Phycodes-Gruppe im Gebiet von Steinach (Thüringisches Schiefergebirge).- Beitr. Geol. Thüringen N.F., 15: 5-49, Jena.
Autor des Datenblattes: Berger, H.-J., Hoth, K., Leonhardt, D., Lützner, H., Mann, M., Stettner, G., Wiefel, H.
Erstellt am: 11.02.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Proterozoikum-Silur
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 18.01.2012
Änderung Datensatz: 24.01.2012


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 10:48:34.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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