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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Herdringen-Formation
ID: 6004027
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: KORN, 2003b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Medebach-Gruppe
Chronostratigraphie: Pendleium (Namurium, Oberkarbon (Silesium), Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Viséum (Unterkarbon, Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Synonyme: Stinkstein (NOSE 1791)
plattenförmiger Kalkstein (pt.) (VON DECHEN 1823)
bituminous limestone (SEDGWICK & MURCHISON 1842)
Plattenkalk(e) (pt.) (VON DECHEN 1855)
Horizont der reinen Plattenkalke (DENCKMANN 1902b)
Culm-Plattenkalk(e) (DENCKMANN 1905a)
Horizont der vorwiegenden Plattenkalke (DENCKMANN 1909)
Horizont des Plattenkalkes (pt.) (FUCHS 1911a)
Culmplattenkalk (pt.) (KRUSCH 1911)
Kulmplattenkalk(e) (pt.) (H. SCHMIDT 1934)
Kulm-Plattenkalk(e) (KÜHNE 1938a)
Posidonienschiefer mit “Plattenkalk”-Einlagerungen (WOLBURG 1963)
Herdringen Formation (KORN 2003b)
Herdringen Plattenkalk Formation (KORN 2010)
Lithologie: Die Herdringen-Formation wurde von MEISCHNER (1964: 182) als ein typisches Beispiel für allodapische Kalksteine dargestellt. Charakteristische Wechsellagerungen von detritischen Kalkstein-Bänken, welche in ihrer Mächtigkeit von wenigen Millimetern bis mehr als 1,50 Meter variieren, mit Tonsteinen und Alaunschiefern können in allen Profilen studiert werden. Alle Kalkstein-Bänke sind Turbidite und viele von ihnen zeigen die typische Gradierung. Manchmal ist eine Serie von Turbiditen zu einer Bank miteinander verschmolzen. Wie bei vielen Kalkturbiditen ist die Basis der einzelnen Bänke scharf und oft schwach erosiv, aber nach oben zeigt sich ein gradueller Übergang in die überlagernden Pelite.
Untergeordnete Einheit: Griesenbrauck-Subformation
Wicheln-Subformation
Edelburg-Subformation
Liegendgrenze: Die Basis der Herdringen-Formation wird definiert durch die Obergrenze des letzten zusammenhängenden Alaunschiefer-Paketes (Einheit M9) der Retringen-Formation über dem Crenistria-Horizont und ist damit isochron mit der Basis der Dieken-Formation.
Hangendgrenze: Der Übergang der Herdringen-Formation zu der darüber folgenden Eisenberg-Formation ist heterochron und definiert durch den relativ abrupten Aussatz der detritischen Kalkstein-Bänke.
Mittlere Mächtigkeit: Eine Reduktion der Mächtigkeit nach Westen und nach Osten kann verzeichnet werden; im westlichsten vollständigen Profil der Formation (Iserlohn-Griesenbrauck) erreicht die Mächtigkeit 128 Meter und im östlichsten vollständigen Profil (Müschede-Wicheln) 118 Meter.
Maximale Mächtigkeit: In den Aufschlüssen bei Becke-Oese wird mit 154 Metern die maximale bekannte Mächtigkeit der Formation erreicht.
Typusprofile, etc.: Großer Steinbruch der Firma EBEL einen Kilometer südlich von Herdringen, Messtischblatt 4513 Neheim-Hüsten, r 3428 250, h5 698 100 (Nordflanke des Remscheid-Altenaer Sattels). / Remscheid-Altenaer Sattel; Nordflanke von Hagen bis Arnsberg und Südflanke von Arnsberg bis Mellen. Es gibt Hinweise für die Fortsetzung eines geringmächtigen Keils vom plattigen Kalksteinen südwestlich der Ennepe-Störung (PAECKELMANN in BÄRTLING 1928: 25), aber die sehr dürftigen Aufschluss-Verhältnisse erlaubten bisher keine Bestätigung. Plattenkalk-artige Sedimentgesteine wurden in verschiedenen Bohrungen unterhalb der Steinkohlen und der Kreide-Abdeckung der Münsterländer Bucht (WOLBURG 1963, 1970) nachgewiesen.
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Rheinisches Schiefergebirge
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Wennemen-Formation (Lüdenscheider Mulde)
Lelbach-Formation (Briloner Sattel, Waldecker Mulde)
Dainrode-Formation (Wittgensteiner Mulde)
Dieken-Formation (Normalfazies)
Alterseinstufung: Die Herdringen-Formation ist bekannt für ihre reichen Goniatiten-Faunen (NEBE 1911; BRÜNING 1923a, 1923b; H. SCHMIDT 1925; RUPRECHT 1937; HORN 1960a; KULLMANN & PITZ 1980; KULLMANN et al. 1983; KORN 1988, 1993). Die bisher beschriebenen Vergesellschaftungen täuschen allerdings eine kontinuierliche Fossilführung vor tatsächlich stammen diese Faunen aber von recht wenigen reichen Bänken, welche in einigen Fällen als regionale Index-Horizonte verwertet werden können. Zwölf Goniatiten-Zonen von der Goniatites spirifer-Zone (untere Brigant-Stufe) bis zur Edmooroceras pseudocoronula-Zone (untere Serpukhov-Stufe) werden durch Goniatiten-Faunen repräsentiert (KORN 1988, 1996).
Die Basis der Herdringen-Formation stimmt fast perfekt mit dem ersten Vorkommen von Goniatites spirifer überein, also der Grenze G. fimbriatus-Zone – G. spirifer-Zone. In der Umgebung von Letmathe reichen die Kalkstein-Ablagerungen der Herdringen-Formation bis in die untere Serpukhov-Stufe, und zwar mindestens bis in die Edmooroceras pseudocoronula-Zone (RUPRECHT 1937; HORN 1960a). In den östlichen Vorkommen (bei Arnsberg), unmittelbar bevor die Formation auf dem nach Osten abtauchenden Remscheid-Altenaer Sattel unter die Schichten der Serpukhov-Stufe abtaucht, endet die Formation bereits in der oberen Visé-Stufe, genauer in der Caenolyroceras chalicum-Zone (KORN 1993: 39).
Die gesamte Herdringen-Formation kann zur Zeit nur in zwei Conodonten-Zonen untergliedert werden (MEISCHNER 1970: 1172), in die Gnathodus bilineatus-Zone und die Lochriea nodosa-Zone, von welchen nicht einmal die vollständige Ausdehnung in der Herdringen-Formation vertreten ist. Die Visé/Serpukhov-Grenze kann in der Herdringen-Formation noch nicht exakt mithilfe der Conodonten-Stratigraphie gezogen werden (MEISCHNER in SKOMPSKI et al. 1995: 186).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: --
Literatur: EDER, Franz Wolfgang, ENGEL, Wolfgang, FRANKE, Wolfgang & SADLER, Peter M. (1983): Devonian and Carboniferous Limestone-Turbidites of the Rheinisches Schiefergebirge and Their Tectonic Significance. – In: Henno MARTIN & Franz Wolfgang EDER [Eds.]: Intracontinental Fold Belts: 93-124, Abb. 1-13, Taf. 1-2; Berlin, Heidelberg (Springer).
ENGEL, Wolfgang (1975), mit Beiträgen von Wolfgang EDER und Wolfgang FRANKE: Detritische Kalke in Beckenregionen. – In: SFB 48 – Entwicklung, Bestand und Eigenschaften der Erdkruste, insbesondere der Geosynklinalräume, Göttingen, Bericht Projektbereich A, Teilprojekt 12: 90-116, Abb. 1-4; Göttingen.
KORN, Dieter (1988): Die Goniatiten des Kulmplattenkalkes (Cephalopoda, Ammonoidea; Unterkarbon; Rheinisches Schiefergebirge). – Geologie und Paläontologie in Westfalen, 11: 1-293, Abb. 1-88, Taf. 1-60; Münster/Westf.
KORN, Dieter (2003b): Die Formationen der Kulm-Fazies im Rheinischen Schiefergebirge. – Senckenbergiana lethaea, 83 (1/2): 236-242; Frankfurt a. M.
KORN, Dieter (2006): Lithostratigraphische Neugliederung der Kulm-Sedimentgesteine im Rheinischen Schiefergebirge. – Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, 41: 379-383, Abb. 1; Hannover.
KORN, Dieter (2010): Lithostratigraphy and biostratigraphy of the Kulm succession in the Rhenish Mountains. – Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, 161 (4):431-453, Abb. 1-9; Stuttgart.
MEISCHNER, Klaus-Dieter (1964): Allodapische Kalke, Turbidite in Riff-nahen Sedimentations-Becken. – In: BOUMA, A. H. & BROUWER, A. (Eds.): Turbidites, Developments in Sedimentology, 3: 156-191, Abb. 1-5, Taf. 1-3; Amsterdam (Elsevier).
MEISCHNER, Dieter (1970): Conodonten-Chronologie des deutschen Karbons. – Compte Rendue Sixième Congrès International de Stratigraphie et de Géologie du Carbonifère, Sheffield 11th to 16th September 1967, 3: 1169-1180, Abb. 1-3; Maastricht.
RUPRECHT, Leo (1937): Die Biostratigraphie des obersten Kulm im Sauerlande. – Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt, 57 (für 1936): 238-283, Abb. 1-18, Taf. 9-10; Berlin.
Autor des Datenblattes: Korn, D.
Erstellt am: 20.07.2005
Zuständige Subkommission: Subkommission Karbon
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 04.03.2015
Änderung Datensatz: 08.04.2015


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Litholex Recherche vom 23.05.2017, 18:46:13.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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