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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Battenberg-Formation
ID: 6002007
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: HEGGEMANN, H., KAUFMANN, H., KELLER, TH & EILRICH, B. (2004)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zechstein
Chronostratigraphie: Oberperm (Lopingium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Unteres Konglomerat (WÜRTENBERGER 1867)
Älteres Konglomerat (DENCKMANN 1893)
Älteres Frankenberger Konglomerat (KULICK & KOWALCZYK 1987)
Älteres Konglomerat (KULICK 1991)
Älteres Frankenberger Konglomerat (HORN et al. 1993).
Lithologie: Die Schichtenfolge der Battenberg-Formation (rzBt) besteht im Wesentlichen aus roten und rotbraunen Brekzien, Konglomeraten, geröllführenden und geröllfreien Sandsteinen und sandigen Silt- und Tonsteinen. Die einzelnen Lagen sind stets nur wenig durchhaltend. Die Komponenten bestehen aus aufgearbeiteten Gesteinen des Paläozoikums, die von SAUER (1964) detailliert untersucht werden konnten. Brekzien und Konglomerate zeigen meist matrixgestütztes Gefüge und schlechte Rundung der Komponenten. Es handelt sich im Einzelnen um quarzitische Sandsteine, dichte Quarzite, Kieselschiefer, Quarz, Massenkalke, Kieselkalke, Grauwacken, Tonschiefer, Quarzporphyre, Granite und vereinzelt Eisenkiesel.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Winkeldiskordant dem gefalteten Paläozoikum auflagernd
Hangendgrenze: Die Battenberg-Formation unterlagert stets mit scharfer Grenze Formationen aus unterschiedlichen Niveaus des randlich marinen und kontinentalen Zechsteins. Je nach paläogeographischer Position zu den Liefergebieten bzw. zum Zechsteinbecken werden die Sedimente der Battenberg-Formation stets mit scharfem Kontakt von marinen grauen, bituminösen z. T. auch gelbgrauen, oolithischen Kalken der Werra-Karbonat-Formation bzw. der Stätteberg-Formation von roten feinsandigen Sandsteinen oder feinkiesigen, sandigen Konglomeraten der Geismar-Formation oder aber in den proximalen Bereichen auch von den roten Konglomeraten der Frankenberg-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Stark schwankend, nicht über 100 m (SAUER 1964), bis 90 m (KULICK 1991)
Maximale Mächtigkeit: Stark schwankend, nicht über 100 m (SAUER 1964), bis 90 m (KULICK 1991).
Typusprofile, etc.: Aufschluss an der alten Ederbrücke zwischen Battenberg und Battenfeld (Bl. 4917 Battenberg, r: 347618 / h: 565333) (SAUER 1964: Abb. 39, HORN et al. 1993: Abb. 8)
Weitere typische Profile:
Ziegeleigrube Bötzel & Co., 2 km NW’ Frankenberg (Bl. 4719 Frankenberg, r: 348380 / h: 565940; KULICK & KOWALCZYK 1987, KULICK 1991, HORN et al. 1993)
Anschnitt NW’ Wollmar (Bl. 5017 Biedenkopf, r: 347647 / h: 564931; SCHUSTER 1993)
Anschnitt NW’ Niederasphe (Bl. 5017 Biedenkopf, r: 347610 / h: 564670; SCHÖBEL 1993)
Anschnitt an der B3a E’ Bellnhausen (Bl. 5218 Niederwalgern, r: 561830 / h: 348099)
Anschnitt in Roth (Bl. 5218 Niederwalgern, r: 348081 / h: 562140; SAUER 1964: Abb. 7)
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Rheinisches Schiefergebirge
Verbreitung (Ergänzung): Am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges zwischen Stauffenberg
(Bl. 5318 Allendorf (Lumda)) und Frankenberg (Bl. 4819 Frankenberg) verbreitet. Nördlich der Frankenberger Bucht ist die Battenberg-Formation in isolierten Vorkommen vor allem auf Bl. 4818 Medebach (Becken von Neukirchen, Sachsenberg und Rhadern) verbreitet und konnte bis auf Bl. 4718 Goddelsheim hin nachgewiesen werden. Am westlichen Kellerwaldrand tritt die Battenberg-Formation nördlich und östlich von Altenhaina sowie in kleineren Vorkommen zwischen Raubern und Sehlen (Bl. 4919 Frankenau) auf; am Ostrand des Kellerwaldes außerdem bei Kleinern (HORN et al. 1973).
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Log-Korrelation, Korrelation von Schichtenverzeichnissen und Bohrkernen, geologische Kartierung
Kommentar: Die von DENCKMANN (1893) eingeführte Benennung „Älteres Konglomerat“ (bzw. Ältere Konglomerate) wurden nicht einheitlich verwendet, vor allem wurden gelegentlich Klastika als Älteres Konglomerat bezeichnet, auch wenn sie oberhalb der Werra-Karbonat-Formation lagerten (vgl. Horn et al. 1993: Abb. 3). Insbesondere war die Abgrenzung des "Älteren Konglomerates" vom Hangenden strittig. In diesem Zusammenhang wurde auch die stratigraphische Stellung des "Älteren Konglomerates" und damit der Battenberg-Formation unterschiedlich diskutiert. Während DENCKMANN (1893), MEYER (1913) und Gruppe (1935) das "Ältere Konglomerat" dem Zechstein (aufgefasst als chronostratigraphische Einheit) zurechneten, sah SAUER (1964) es i. w. als rotliegendzeitlich an. HORN et al. (1993) schlugen dementsprechend vor, den Begriff "Älteres Konglomerat" nur noch auf Klastika unterhalb der Werra-Karbonat-Formation anzuwenden und kennzeichneten es mit dem Zusatz „Frankenberger“ Konglomerat. Schon SAUER (1954) ließ die Möglichkeit offen, ob die Sedimentation des "Älteren Konglomerates" bzw. der Battenberg-Formation zeitlich noch in die Werra-Folge hinaufreicht. Dies wird nun durch Hinweise bei Rhadern (Bl. 4818 Medebach) bestätigt, wo in einer Sondierungsbohrung (HLUG, Nr. 4818/244) eine Verzahnung der Battenberg-Formation mit grauen Tonsteinen und Mergeln vermutlich marinen Ursprungs der Werra-Karbonat-Formation beobachtet werden konnte.
Bezeichnenderweise ist eine Schichtenfolge im Habitus des Weißliegenden (oder des ehemaligen Zechsteinkonglomerates oder der Neuenhof-Formation des Eisenacher Beckens in der Frankenberger Bucht nicht entwickelt. Auch dies könnte darauf hin deuten, dass die Battenberg-Formation jünger ist als das Weißliegend (oder dass zwischen Battenberg-Formation und dem unmittelbar überlagernden marinen Zechsteins eine bedeutende Lücke klaffen könnte.
DACHROTH (1976, 1988) stufte das "Ältere Konglomerat" aufgrund gesteinsmagnetischer Untersuchungen in das „Oberrotliegend“ ein. Nach seinen Ergebnissen ist das "Ältere Konglomerat" normal magnetisiert. Sollten sich seine Messungen bestätigen lassen, wäre die Battenberg-Formation damit jünger als der Hauptteil der Bleichenbach-Formation der Wetterau und könnte zeitlich dem Rotliegend des Richelsdorfer Gebirges (Nentershäuser Becken) entsprechen.
Versch./Sonstiges: Der Geröllbestand entspricht dem in der näheren Umgebung anstehenden paläozoischen Untergrund. Während ein Großteil der Gerölle einen Durchmesser von 2 bis max. 5 cm. besitzt, können an einzelnen Lokationen auch Durchmesser von bis zu 60 cm erreicht werden. Auf Grund ihrer Zusammensetzung konnte SAUER (1964) mehrere Geröll-Provinzen beschreiben, die sich durch eine oder mehrere Komponenten voneinander unterscheiden und alle auf einen relativ kurzen Transportweg des Materials hinweisen. Hohe Quarz- bzw. Quarzit-Gehalte sowie Gehalte an magmatischen Komponenten sind dadurch zu erklären, dass hier die Konglomerate der unterkarbonischen Grauwacken aufgearbeitet worden sind, die sich somit auf 2. Lagerstätte befinden und deren ursprüngliches Liefergebiet während des Unter-Karbon im Bereich der Mitteldeutschen Kristallinschwelle gelegen haben muss.
Die stellenweise häufigen mitteldevonischen Kalkgerölle müssen von heute abgetragenen Vorkommen im N oder W der Frankenberger Bucht stammen. Nördlich von Frankenberg treten außerdem Porphyrgerölle auf (SAUER 1964), deren Herkunft unbekannt ist.
Einzelne Sandsteinbänke sind ausgezeichnet schräggeschichtet mit steilen Fallwinkeln der Schrägschichtungsblätter, gut sortiert und führen gut gerundete Einzelkörner, die mattiert sind. Im Gegensatz zu den fluviatilen, geröllführenden Sandsteinen, ist bei diesen Sandsteinen ein äolischer Transport wahrscheinlich (SCHUSTER 1993, vgl. a. SAUER 1964).
Faziell handelt es sich um Schutt- und Schwemmfächersedimente (vom proxialen bis distalen Bereich) mit Schutt- und Schlammstromablagerungen, fluviatilen Sedimenten und vermutlich auch äolisch sedimentierten Gesteinen; insgesamt ein Sedimentationsmilieu wie es für die randnahen Bereiche am Top des intramontanen Rotliegend kennzeichnend ist.
Literatur: DACHROTH, W. (1988): Gesteinsmagnetischer Vergleich permischer Schichtenfolgen Mitteleuropas. - Z. geol. Wiss., 16: 959-968, 9 Abb.; Berlin.
Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.) (2002): Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2002; Potsdam.
HEGGEMANN, H. (2003): Geologische Karte von Hessen Blatt 4818 Medebach—, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie; Wiesbaden.
HEGGEMANN, H., KAUFMANN, H., KELLER, TH & EILRICH, B. (2004): Die Geologie des Steinbruchs Rodenbach bei Frankenberg - Unterschutzstellung von drei Steinbruchsarealen.— Geol. Jb. Hessen, Bd. 131: 105-118; Wiesbaden.
GRUPPE, O. (1935): Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. - In: FULDA, E. (Hrsg.): Handbuch der vergleichenden Stratigraphie Deutschlands. Zechstein: 332-361, 5 Abb., 1 Taf.; Berlin (Borntraeger).
HORN, M. & TIETZE, K.-W. (1993): Forschungsbohrung Rosenthal 1001. Berichte Geologische Gemeinschaftsaufgaben, Tätigkeitsbericht 1991/92.— Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Geowiss. Gemeinschaftsaufgaben; Hannover.
HORN, M., KULICK, J. & MEISCHNER, D. (1973): Erläuterungen zur Erl. geol. Kte. Hessen 1 : 25 000, Bl. 4820 Bad Wildungen, 386 S., 69 Abb., 20 Taf., 3 Beibl.; Wiesbaden.
HORN, M.; KULICK, J. & TIETZE, K. W. (1993): Exkursion A3 und B3. Kontinentale klastische Sedimente aus Oberperm und Untertrias am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. - Geologica et Palaeontologica, 27: 356-377, 14 Abb., 2 Tab.; Marburg.
KULICK, J. & KOWALCZYK, G. (1987): Die Randfazies des Zechsteins in der Korbacher Bucht und im Frankenberger Raum, Stop 1-7. Der Zechstein am Nordrande der Spessart-Schwelle, Stop 8-13. - In: KULICK, J. & PAUL, J. (Hrsg.): Int. Symp. Zechstein 87, Exkf. II, 141-191, 24 Abb., 3 Tab.; Wiesbaden.
KULICK, J. (1991): Die Randfazies des Zechsteins in der Kornbacher und in der Frankenberger Bucht (Exkursion E am 4. April 1991). - Jber. Mitt. Obberrh. Geol. Ver., N.F. 73: 85-113, 9 Abb., 1 Tab.; Stuttgart.
KUHPFAL, H.-G. (1985): Erl. geol. Kt. Hessen 1 : 25 000, Bl. 5018 Wetter (Hessen), 147 S., 20 Abb., 20 Tab., 1 Beibl.; Wiesbaden.
PICKEL, H.-J. (1971): Geologische, hydrogeologische und hydrochemische Untersuchungen am Ostrand der Frankenberger Bucht im Gebiet Altenhaina- Gemünden/Wohra. - Unveröff. Dipl. Arb., 206 S., 77 Abb., 38 Tab., 4 Taf.; Darmstadt.
SAUER, E. (1964): Das Perm am Schiefergebirgsrand zwischen Gilserberg und Lollar.— Dissertation Philipps-Universität Marburg, 115 S., Marburg.
Autor des Datenblattes: Heggemann, H.
Erstellt am: 26.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 23.04.2008
Änderung Datensatz: 29.04.2008
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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 03:12:23.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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