litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Quaderkalk-Formation
ID: 5002003
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wagner 1913
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Oberer Muschelkalk
Chronostratigraphie: Fassanium (Anisium, Mitteltrias, Trias, Mesozoikum)
Synonyme: Dolomit mit Trigonodus sandbergeri (Sandberger 1864); Kalk mit Trigonodus sandbergeri (Sandberger 1890); Trigonoduskalk (Reis 1909); Trigonodus-Kalk, Trigonodus-Quader (Wagner 1913), Quaderkalkfazies (Geisler 1939).
Lithologie: Zyklische Wechselfolge (bis zu 13 Zyklen) von dick bis extrem dick gebankten Schill- und Bruchschillkalken mit Tonmergelsteinhorizonten (Karbonat-Shoal-Körper einer Karbonatrampe) im Hangenden der Meißner-Formation von Nord-Baden-Württemberg, Mainfranken und dem südlichen Mittelfranken mit regional unterschiedlichem biostratigraphischem Umfang (nodosus- bis semipartitus-Zone). Lateral mit der Meißner-Formation verzahnt (Simon 1999: Beil. 3).

Dick bis äußerst dick gebankte, spätige oder poröse, häufig schräg- oder kreuzgeschichtete Biomikrudite und Biosparrudite und -arenite (Muschel- oder Coenothyris-Schill), Oosparite; in manchen Horizonten große, z. T. von Placunopsis inkrustierte Intraklasten oder Intraklastlagen, häufig auch Septarien, lagenweise Girvanella-Onkoide (Freudenberger 1997, Geyer 2002, Braun 2003). Häufig Stylolithenzüge. Kalkgehalt nach Fischer (1909) 92,57 bis 95,95 % CaCO3. Technische Werte und Steinbrecherbezeichnungen bei Grimm (1990). Einzelne Lagen mit authigenen Mineralisationen von Kupferkies, Kupferlasur, Malachit, Pyrit und Zinkblende, seltener auch Baryt. Nach Braun (2003) drei Typen transgressiv/regressiver Dachbankzyklen von ~ 1,5 bis 2,5 m Mächtigkeit, die in einer übergeordneten Zyklenhierarchie übereinander gestapelt liegen. Vom Barrenzentrum (shoal complex: oolithdominierte Zyklen), Übergang (shoal transition: schilldominierte Zyklen), ins tiefere Wasser (off shoal: Bioklast/Debris-dominierte Zyklen), letztere aber nicht mehr zur Quaderkalk-Formation gerechnet.
Untergeordnete Einheit: Die Hauptterebratelbank lässt sich von der Normalfazies der Meißner-Formation anhand von Coenothyris-Schill bis ins Zentrum des Quaderkalkgebiets (= Terebratelquader) verfolgen. Unterer Hauptquaderhorizont (im Hangenden von Tonsteinhorizont 6); Quaderkalk der Knauerigen Bank und Oberer Hauptquaderhorizont über der Hauptterebratelbank; der Quaderkalk über dem Ostracodenton (Trigonodus-Quader) ist mit der Wimpfen-Subformation der Meißner-Formation verzahnt. Auch der Gelbe Kipper und weitere tonig-dolomitische Leitbänke sind mit der Quaderkalk-Formation verzahnt. Im Westen des Quaderkalkgebietes (Krensheim) ist auch die Obere Terebratelbank noch ausgebildet, deren Mächtigkeit und Fazies jedoch im Aufschlussbereich stark schwankt. Einzelne lokale Quaderkalkbänke werden von der Steinbruchindustrie mit besonderen Qualitätsnamen bezeichnet (z.B. Blaubank, Goldbank).
Liegendgrenze: Basis der untersten Quaderkalkbank, regional veränderlich (nodosus-Zone bis dorsoplanus-Zone).
Hangendgrenze: Oberfläche der obersten Quaderkalkbank, regional schwankend (bis semipartitus-Zone).
Mittlere Mächtigkeit: 10 m
Maximale Mächtigkeit: Bis 20 m in der Mittelachse des Vorkommens, nach den Rändern geringer mächtig und schließlich auskeilend. Wegen erhöhter Biomasseproduktion sowie früher Zementation und geringerer Kompaktion um bis zu 5 m erhöhte Mächtigkeit gegenüber der „Normalfazies“ (Meißner-Formation).
Typusprofile, etc.: Typusprofil: Steinbrüche Firma Renninger bei Sommerhausen, TK 25: 6226 Kitzingen, R 35 74 550, H 55 07 800 (Braun 2003, Hagdorn & Aigner 2005).
Referenzprofile: Steinbruch Seibert bei Krensheim, TK 25: 6324 Tauberbischofsheim, R 35 55 650, H 55 00 200.
Steinbruch Borst bei Kirchheim, TK 25: 6325 Giebelstadt, R 35 62 900, H 55 04 000.
Schotterwerk Manger Aub-Baldersheim, TK 25: 6426 Aub, R 35 76 620, H 54 91 580.
Schotterwerk Schneider Bettenfeld, TK 6626 Schrozberg-Ost, R 35 81 600, H 54 66 950.
Typusregion: Mainfranken
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Ovale Schichtkörper, die parallel oder senkrecht zur Küstenlinie verlaufen und insgesamt als eine bis 60 km lange und bis 30 km breite Zunge vom östlichen Hohenlohe (Gammesfeld) nach Nordwesten zum Maindreieck vorspringen. Von den ältesten Quaderkalkbänken in Hohenlohe in der nodosus-Zone (Künzelsau-Subformation der Meißner-Formation) wandern die Ablagerungszentren nach Norden bis in den Raum Würzburg und Dettelbach am Main (dorsoplanus-Zone). Einzelne Quaderkalkbänke halten durch das ganze Gebiet durch (v.a. im Oberen Hauptquaderhorizont), andere keilen lateral rasch aus. Laterale Übergänge in die Normalfazies der Meißner-Formation verlaufen abrupt. Mächtigkeiten und Verbreitung der einzelnen Zyklen in Isopachenkarten und Profilschnitten bei Geisler (1939) und Braun (2003). Geisler unterscheidet (1) ein Zentralgebiet (Röttingen–Acholzhausen–Winterhausen–Sommerhausen–Gossmannsdorf–Ochsenfurt–Aub–Rothenburg), in dem der Quaderkalk bereits in der nodosus-Zone einsetzt und 20 m Mächtigkeit erreicht, und (2) ein Randgebiet (im Westen um Krensheim–Kirchheim–Kleinrinderfeld–Rottenbauer; im Osten um Rothof–Rottendorf–Randersacker–Lindelbach–Eibelstadt; im Südosten um Eichelsee–Rittershausen–Bolzhausen), wo der Quaderkalk erst in der dorsoplanus-Zone (Bereich Hauptterebratelbank) einsetzt. In dem schmalen Bereich zwischen Lindelbach, Rottenbauer und Acholzhausen setzt über dem Ostrakodenton im Glaukonitkalk nochmals Quaderkalk ein, und von Ochsenfurt nach Süden über Hemmersheim–Equarhofen-Großharbach sind in einem 6 km breiten Streifen auch die Ostrakodentone durch Quaderkalk ersetzt.
Ob die Quaderkalk-Verbreitung genetisch-hydrodynamisch mit einer trockengefallenen "Gammesfelder Barre" zusammenhängt, wie von Wagner (1913) postuliert, ist nicht bewiesen. Die Schillmassen sind sicherlich nicht über größere Distanzen angelieferte „Schüttungen", sondern wurden parautochthon auf einer Untiefe akkumuliert, die kleinzyklischen Meeresspiegelschwankungen unterlag und die sich regional verlagerte. Die hydrodynamische Lage mit starken Strömungen verhinderte die Ablagerung von Kalkschlamm, der im tiefer gelegenen Faziesraum der Meißner-Formation abgesetzt wurde.
Zeitgleiche Einheiten: Meißner-Formation, Warburg-Formation, Rottweil-Formation, Grafenwöhr-Formation, Irrel-Formation, Gilsdorf-Formation, Schengen-Formation (jeweils nur zum Teil) vgl. Hagdorn & Simon 2005
Alterseinstufung: Im Kernbereich nodosus- bis semipartitus-Zone, in den nördlichen Randbereichen dorsoplanus- bis semipartitus-Zone.
Kommentar: Ceratitenfunde aus den Tonplatten und Tonhorizonten zwischen den Quaderkalken erlauben die Bestimmung der biostratigraphischen Position (GEISLER 1939).
Versch./Sonstiges: Zeitweilig Abbau in bis zu 300 Steinbrüchen. Die Klüftung erleichtert den Abbau des wertvollen Baustoffs in Form großer Quader (bis zu 5 x 5 x 1,5 m; Drexler 1964). Dichte Biomikrudite werden parallel und vertikal zur Schichtung gesägt, poliert und zu Bodenbelägen und Verkleidungsplatten verarbeitet. Poröse Biosparrudite (Kernstein) liefern v.a. witterungsbeständigen Bildhauerstein und Werk- und Bruchstein für Mauerwerk. Heutige Gewinnungs- und Verarbeitungszentren bei Krensheim, Kirchheim, Sommerhausen, Winterhausen, Frickenhausen u. a.
Die Gesteine der Quaderkalk-Formation haben mit ihren Poro-Perm-Eigenschaften potentielle Reservoir-Eigenschaften und können auch nach Größe und Form einzelner Reservoirkörper von maximal 18 x 8 km Ausdehnung und 2 m Dicke als Aufschluss-Analogbeispiel für Kohlenwasserstoffspeicher in epeirischen Karbonatsystemen des Mittleren Ostens gelten (Braun 2003).
Literatur: Braun, S. (2003): Quantitative analysis of carbonate sandbodies: Outcrop analog study from an epicontinental basin (Triassic, Germany). – Diss. Univ. Tübingen, 93 pp., 23 pls., 37 figs., 24 enclosures [unpublished]

Drexler, P. (1964): Der Quaderkalk im Hauptmuschelkalk Frankens. Eine geowissenschaftliche Studie. – 140 S., Diss. Univ. Würzburg (unveröffentlicht).

Fischer, H. (1909): Beitrag zur Kenntnis der unterfränkischen Triasgesteine. – Geognostische Jahreshefte 21: 1-58, 2 Taf.; München.

Freudenberger, W. (1997): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000, Blatt 6425 Röttingen. – 133 S., 22 Abb., 17 Tab., 2 Beil.; München.

Geisler, R. (1939): Zur Stratigraphie des Hauptmuschelkalks in der Umgebung von Würzburg mit besonderer Berücksichtigung der Ceratiten. – Jahrbuch der preußischen geologischen Landesanstalt 59 (für 1938): 197-248, 16 Abb., 5 Taf.; Berlin.

Geyer, G. (2002): Geologie von Unterfranken und angrenzenden Regionen. – Fränkische Landschaften. Arbeiten zur Geographie von Franken 2, 588 S., 234 Abb., 5 Tab.; Gotha und Stuttgart (Klett-Perthes)

Grimm, W.-D. (1990): Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland. – 250 S., 200 Taf.; München (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege).

Hagdorn, H. & Aigner, T. (2005): Die Quaderkalkfazies des Oberen Muschelkalks in Franken (Exkursion K am 2. April 2005). – Jahresberichte und Mitteilungen des oberrheinischen geologischen Vereins N. F. 87: 287-302, 11 Abb.; Stuttgart.

Reis, O. M. (1909): Beobachtungen über Schichtenfolge und Gesteinsausbildung in der fränkischen unteren und mittleren Trias. – Geognostische Jahreshefte 22: 1-285, 9 Abb., 11 Taf., 2 Beil.; München.

Sandberger, F. (1864): Beobachtungen in der Würzburger Trias. – Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift 5: 201-231; Würzburg.

Sandberger, F. (1890): Uebersicht der Versteinerungen der Trias-Formation Unterfrankens. – Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellschaft zu Würzburg, N. F. 23: 1-46; Würzburg.

Simon, T. (1999): Geologische Karte 1:25 000 von Baden Württemberg, Erläuterungen zum Blatt 6324 Tauberbischofsheim-Ost. – 1. Aufl., VI+127 S., 20 Abb., 3 Tab., 10 Beil.; Freiburg i. Br.

Wagner, G. (1913): Beiträge zur Stratigraphie und Bildungsgeschichte des oberen Hauptmuschelkalks und der unteren Lettenkohle in Franken. – Geologisch-paläontologische Abhandlungen, Neue Folge 12: 180 S., 31 Abb., 9 Taf.; Jena.
Autor des Datenblattes: Hagdorn, H., Simon, T., Freudenberger, W., & Geyer, G.
Erstellt am: 19.04.2013
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.04.2013
Änderung Datensatz: 26.04.2013
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 2.454 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:20:17.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID