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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Michelbach-Formation
ID: 5000024
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Löffler, 1992; modifiziert in Nitsch & Zedler, 2009
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend
Chronostratigraphie: Unterperm (Cisuralium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Oberrotliegendes [Nordschwarzwald, Odenwald, Kraichgau]; Kürzel im „Symbolschlüssel Geologie“: rSM
Lithologie: An der Basis und nahe am Beckenrand (im N: Heidelberg, im S: Baden-Baden und Gaggenau) herrschen geröllführende Brekzien (Fanglomerate) und Konglomerate mit arkosischer Matrix vor, teils matrix-, teils korngestützt, mit Geröllen und Klasten aus Quarzporphyr und Granitzersatz, örtlich mit weiteren Gesteinen. Die Gerölle sind vereinzelt zu Windkantern überschliffen. Liefergebiete sind im N das Odenwald-Kristallin und der Dossenheim-Quarzporphyr, im S die Nordschwarzwald-Schwelle und der Baden-Baden-Quarzporphyr. Für die Sedimente im Beckeninneren kommen weitere Liefergebiete im W und SE (Ries-Tauber-Schwelle) in Betracht.
Gegen das Beckeninnere werden die groben Schuttsedimente zunehmend ersetzt von grob- bis feinsandigen Arkosen und geröllführenden Arkosen, die mit sandigen Schluffsteinen und Schlufftonsteinen in Mächtigkeiten von einigen Metern (randlich) bis mehreren 100 m (beckenwärts) abwechseln. Die Rundung der Sandfraktion ist im allgemeinen gering, im tieferen Abschnitt der Formation jedoch meist besser als über dem Mittleren Fanglomerat (Jenkner 1986). Löffler (1992) beschreibt aus einer geringmächtigen Arkose des Unteren Tonsteins eingestreute Dolomit-Ooide. Die Schlufftonsteine führen örtlich Dolomitstein-Knauern oder -bänke, teilweise Anhydrit oder Gips.
Farben der Grobsedimente überwiegend rotbraun, vielfach mit graugrünen Bleichungsflecken, entlang von Störungen auch violettgrau gebleicht. In den vorherrschend rotbraunen bis violettroten Schlufftonsteinen örtlich graue bis schwarzgraue Zwischenlagen.
Untergeordnete Einheit: Im Ausstrichgebiet von Baden-Baden-Gaggenau besteht eine Kartiergliederung, nach der abwechselnde Grobschüttungen und Feinsedimente als Subformationen unterschieden werden (Sittig 2003, Nitsch & Zedler 2009): Unteres Fanglomerat rF1 (Amalienberg-Subformation), Unterer Tonstein rt1 (Sulzbach-Subformation), Mittleres Fanglomerat rF2 (Scheibenberg-Subformation), Mittlerer Tonstein rt2 (Katzenbusch-Subformation), Oberes Fanglomerat rF3 (Battert-Subformation), Oberer Tonstein rt3 (Kohlwiesen-Subformation). Eine Korrelation zu den im Beckeninneren erbohrten Grobschüttungen und Feinsedimenten ist bislang nicht zuverlässig möglich.
Im Raum Heidelberg streichen am Nordrand des Beckens konglomeratische Brekzien aus Granitgrus mit Kristallingeröllen aus, die als Schlossgraben-Fanglomerat (rSg) der Michelbach-Formation zugeordnet werden.
Liegendgrenze: Die Formation beginnt mit dem Einsetzen rotbrauner Grobsedimente mit Komponenten aus Rotliegend-Magmatiten über kristallinem Grundgebirge, über den vorherrschend grauen Sedimenten des Oberkarbon, oder über den Vulkaniten der Schriesheim- oder der Lichtental-Formation.
Hangendgrenze: Die Formation wird im Süden von Krustenkarbonaten und z. T. bioturbierten Sandsteinen der Kirnbach-Formation überlagert, nahe an der Nordschwarzwald-Schwelle von den Grobarkosen der Merkur-Subformation (arm an Porphyrgeröllen). Im Norden überlagern Tongesteine und Dolomitsteine der Zechsteindolomit-Formation die Rotliegend-Sedimente unmittelbar.
Mittlere Mächtigkeit: 100-400 m.
Maximale Mächtigkeit: > 600 m (Neibsheim) bis > 800 m (Waldbronn); möglicherweise > 1500 m (Bohrung Waldbronn II, Zuordnung des obersten und des tiefsten Abschnittes unsicher)
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Umgebung von Gaggenau-Michelbach. Die Typusprofile der Subformationen stellen damit jeweils Referenzprofile dar (Sittig 1974, Löffler 1992, Nitsch & Zedler 2009): Felsböschung am Amalienberg bei Gaggenau, TK 25-Nr. 7215: ca. R 34 50 350, H 54 06 640 (rF1); Sportplatz und Rote Steige NW Gaggenau-Sulzbach, TK 25-Nr. 7116: ca. R 34 52 300, H 54 07 700 bis R 34 52 950, H 54 08 140 (rt1); Katzenbusch NE Gaggenau-Sulzbach, TK 25-Nr. 7116: ca. R 34 53 830, H 54 08 380 (rF2, rt2, Basis rF3); Quellgebiet des Michelbaches E Gaggenau-Michelbach, TK 25-Nr. 7116: ca. R 34 55 600, H 54 09 500 (rt2, rF3 und rt3).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwarzwald
Mittelgebirge, Odenwald, Spessart, Rhön
Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Ausstrichgebiete nur am nördlichen und südlichen Beckenrand (Nordschwarzwald, südlicher Odenwald), sonst mesozoisch verdecktes Becken von ca. 60 x 200 km Ausdehnung.
Zeitgleiche Einheiten: Beziehungen zu Rotliegend und Queich-Schichten der Haardt noch unklar. Altersgleich dürften die Sedimente des Schramberg-Beckens sein, doch fehlen dort bislang biostratigraphische Daten. Über die grabenartige Senke von Rannungen bestand offenbar eine paläogeographische Verbindung zum südthüringischen Rotliegenden.
Alterseinstufung: Frühes Perm nach der Palynomorphen-Assoziation (Hartkopf-Fröder in Nitsch & Zedler 2009) und nach den Saurierfährten (Löffler 1992). Die Conchostraken deuten nach Kozur & Sittig (1981) für den 1. Tonstein auf den Grenzbereich Sakmarium – Artinskium oder auf Artinskium.
Kommentar: Die von Löffler (1992) vorgetragene Annahme von Kungurium für die höheren Subformationen bleibt vorerst fraglich.
Versch./Sonstiges: Die Bohrung Waldbronn II hat unter sicherem Zechstein 1514 m Rotliegendes erschlossen, ohne dessen Basis zu erreichen. Nach Jenkner (1986) müssen möglicherweise mehrere hundert Meter im Hangenden als Zechstein-Randfazies aufgefasst werden, es könnte sich bei diesem Abschnitt aber auch um ein Äquivalent des „Oberrotliegend II“ der Norddeutschen Senke handeln. Die Bohrgutbeschreibung der untersten Abfolgen aus „Ton-Schluffsteinen“ und „Schlufftonsteinen“ lässt nicht sicher entscheiden, ob es sich um tuffitische Sedimente als Ausläufer der Lichtental-Formation oder um Playa-Sedimente der Michelbach-Formation handelt.
Literatur: Backfisch, S. (1984): Die Petrographie der Rotliegendsandsteine Südwestdeutschlands: Ein Beitrag zur Diagenese vulkanoklastischer Sandsteine. – Diss. Univ. Heidelberg: 220 S., 14 Taf. [unveröff.].
Jenkner, B. (1986): Ein Vorschlag zur Neugliederung des sedimentären Oberrotliegenden in der Baden-Badener Senke und ihrer nordöstlichen Fortsetzung (Nordschwarzwald). – Diss. Univ. Freiburg 1985: 145 S., 7 Taf.; Jh. Geol. LA Baden-Württ., 28: 49–159; Freiburg.
Kozur, H. & Sittig, E. (1981): Das „Estheria“ tenella-Problem und zwei neue Conchostraken-Arten aus dem Rotliegenden von Sulzbach (Senke von Baden-Baden, Nordschwarzwald). – Geol. Paläont. Mitt. Innsbruck, 11: 1–38; Innsbruck.
Löffler, M. (1992): Das Permokarbon des Nordschwarzwaldes – Eine Fallstudie am Beispiel des Beckens von Baden-Baden. – Diss. Univ. Karlsruhe: 284 S.; Karlsruhe [Selbstverlag].
Löffler, M., Sittig, E. & Smykatz-Kloss, W. (1988): An ancient sabkha-like environment in the Permian intermontane basin of Baden-Baden. – In: Alsharhan, A.S., Glennie, K.W., Whittle, G.L. & Kendall, C.G.S.C. (eds.): Proc. Int. Conf. „Quaternary deserts and climatic change“, Al Ain (UAE), 9.–11. Dec. 1995: 583–589; Rotterdam (Balkema).
Nitsch, E. & Zedler, H. (2009): Oberkarbon und Perm in Baden-Württemberg. – LGRB-Informationen, 22: 7–102; Freiburg i.Br.
Prier, H. (1975): Tuffe und Sedimente des Rotliegenden im Odenwald. – Aufschluss, Sonderbd. 27, 285-298; Heidelberg.
Sittig, E. (1974): Die Schichtenfolge des Rotliegenden der Senke von Baden-Baden (Nordschwarzwald). – Oberrhein. geol. Abh., 23: 31–41; Karlsruhe.
Sittig, E. (1983): Eine Geröllbestandsaufnahme im grobklastischen Oberrotliegenden der Senke von Baden-Baden. – Oberrhein. geol. Abh., 32: 45–68; Karlsruhe.
Sittig, E. (2003): Die Lichtental-Formation von Baden-Baden und das Normalprofil des Schwarzwälder Rotliegenden. – Jh. Geol. LA Baden-Württ., 39: 177–238; Freiburg
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Zedler, H.
Erstellt am: 07.10.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 05.10.2011
Änderung Datensatz: 07.10.2011


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 10:43:22.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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