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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Grabfeld-Formation
ID: 5000002
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Alberti 1826: „Gyps und Mergel“; Gwinner 1980: „Grabfeld-Folge“, Duchrow 1984: „Grabfeld-Gruppe“, Beschluss SKPT am 2.5.1997: Grabfeld-Formation (DSK 2005)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Mittlerer Keuper
Chronostratigraphie: Cordevolium (Karnium, Obertrias, Trias, Mesozoikum)
Langobardium (Ladinium, Mitteltrias, Trias, Mesozoikum)
Synonyme: Gypsmergel, Gipskeuper (Baden-Württ., Hessen), Unterer Gipskeuper (übrige Bundesländer; in Bayern Unterer Gipskeuper ohne Benk-Formation), Pseudomorphosenkeuper im westlichen Rheinland-Pfalz (Name gebietsweise auch für Randfazies verwendet) und im Saarland; in Württemberg und Baden bis 1918 zusammen mit dem „Schilfsandstein“ (Stuttgart-Fm.) als „Unterer Keuper“ betrachtet (vgl. Nitsch 2005); Kürzel im „Symbolschlüssel Geologie“: kmGr.
Lithologie: Von Süddeutschland bis zur Bördenregion Sulfat-Tongesteinsfazies mit Vorherrschaft von Anhydritstein (bzw. sekundärer Gipsstein) in geschichteten Bänken und Knollen im Wechsel mit Tonstein bis Tonmergelstein, bunt und grau, mit wechselnden, meist geringen Dolomitgehalten. In verschiedenen Niveaus sind Dolomitsteinbänke oder Dolomitmergelsteinlagen eingeschaltet. Lokal Einschaltungen von Steinsalzbänken (Thüringer Becken); im Ausstrichgebiet sind die Evaporite häufig ausgelaugt. Weiter nördlich sulfatärmere Ton-Steinsalz-Fazies mit Knollenanhydrit. In Annäherung an die Randfazies Einschaltung von Sandstein- oder sandigen Dolomitstein-Bänken (Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern).
Untergeordnete Einheit: Gliederung meist in drei Subformationen (Untere, Mittlere, Obere Gr.-Fm.) und zahlreiche Leithorizonte. In Nordwestdeutschland wird gebietsweise (v. a. in den Ausstrichgebieten) eine Untergliederung in vier Subformationen nach Hauschke (1982) verwendet, die nach Franz (2008) und Barnasch (2009) in den verdeckten Beckenbereichen jedoch nicht überall anwendbar ist.
Liegendgrenze: Dachfläche des Grenzdolomits in dessen Verbreitungsgebiet, nördlich Berlin des obersten Sandsteins der Erfurt-Formation, südlich der Donau und im Oberrheingebiet Basis der geschlossenen Grundgipsfazies, in Ostbayern Dachfläche der Sandsteine der Benk-Formation.
Hangendgrenze: Basis der Stuttgart-Formation (Diskordanz).
Mittlere Mächtigkeit: 100–300 m.
Maximale Mächtigkeit: 2700 m (Glückstadt-Graben).
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist die Thermalbohrung Bad Colberg / Thüringen (TK25 5730 Heldburg, R 44 14 845, H 55 71 740, Teufe 137,0 bis 290,5 m; Nitsch et al. 2005). Referenzprofile s. DSK (2005).
Verbreitung (Bundesländer): Deutschland (gesamt)
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Fortsetzung der Einheit unter meist anderem Namen nach Frankreich und Luxemburg, in die Schweiz, nach Polen und in die Niederlande.
Zeitgleiche Einheiten: Im Südosten Benk-Formation (Bayern, Baden-Württemberg, überwiegend verdeckt). Im Gebiet der Trierer Bucht Übergang in eine stärker sandige Randfazies (ebenso in Luxemburg und Belgien), die bisher ebenfalls als Pseudomorphosenkeuper bezeichnet wurde. Unter Mecklenburg-Vorpommern (Rügen, Darß) Übergang in sandige Randfazies, die Franz (2008) zur Erfurt-Formation rechnet.
Alterseinstufung: Untere und basale Mittlere Gr.-Fm.: Ladinium, Longobardium (Palynomorphe, Bivalven); höhere Mittlere Gr.-Fm.: nicht datiert; Obere Gr.-Fm.: Karnium, Cordevolium (Palynomorphe, Bivalven, Conchostraken). Biostratigraphische Fixpunkte durch Myophoria kefersteini okeni (Longobardium; Weinsberg-Horizont) und M. kefersteini kefersteini (Cordevolium; Kümmerformen in ob. Grabfeld-Fm.: D. Seegis, pers. Mitt. 2004). Palynozonen GTr12–GTr13 nach Schulz & Heunisch (in DSK 2005).
Kommentar: Innerhalb des Beckens hochauflösende Gliederung durch Leithorizonte und Kleinzyklen möglich (über mehr als 600 km lateral verfolgbar; Nitsch et al. 2005, DSK 2005). Mögliche Überlieferungslücken an Zyklengrenzen (gestapelte Paläoböden); besonders unter dem Engelhofen-Horizont (Basis Obere Gr.-Fm.). Im norddeutschen Raum können fünf Steinsalzlager (A bis E) über alle Vorkommen hinweg korreliert werden (DSK 2005).
Versch./Sonstiges: Rascher fazieller Wechsel zwischen brackischen und salinaren Bedingungen, im Süden teilweise marine Ingressionen, dadurch ökologisch vielseitiges, aber extrem artenarmes Spektrum von marinen, brackischen und terrestrischen Fossilien. Der Grundgips ist die wichtigste Sulfatgesteinslagerstätte Süddeutschlands.
Literatur: Bachmann, G.H., Geluk, M.C., Warrington, G., Becker-Roman, A., Beutler, G., Hagdorn, H., Hounslow, M.W., Nitsch, E., Röhling, H.-G., Simon, T. & Szulc, A., with contributions by Michiel Dusar, M., Nielsen, L.H., Barnasch, J. & Franz, M. (2010): Triassic. – In: Doornenbal, J.C. & Stevenson, A.G. (editors): Petroleum Geological Atlas of the Southern Permian Basin Area: 149–173; Houten (EAGE Publications).
Barnasch, J. (2009): Der Keuper im Westteil des Zentraleuropäischen Beckens (Deutschland, Niederlande, England, Dänemark): diskontinuierliche Sedimentation, Litho-, Zyklo- und Sequenzstratigraphie. – Diss. Univ. Halle: 222 S., 28 S. Anl.; Halle (http://digital.bibliothek.uni-halle.de).
Duchrow, H. (1984): Keuper. – In: Klassen, H. (Hrsg.): Geologie des Osnabrücker Berglandes: 221–334, 1 Tab, 8 Anl.; Osnabrück (Naturwiss. Museum).
DSK (2005): Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland, Keuper-Band. – Courier Forsch.-inst. Senckenberg, Frankfurt
Franz, M. (2008): Litho- und Leitflächenstratigraphie, Chronostratigraphie, Zyklo- und Sequenzstratigraphie des Keupers im östlichen Zentraleuropäischen Becken (Deutschland, Polen) und Dänischen Becken (Dänemark, Schweden). – Diss. Univ. Halle-Wittenberg: 198 S., 62 S. Anhang; Halle (http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/08/09H048/).
Hauschke, N. (1982): Untersuchungen zur Stratigraphie und Fazies im Unteren Gipskeuper (km1) des Lippischen Berglandes. – Münstersche Forsch. Geol. u. Paläont., 55: 113–147, 7 Anl.; Münster.
Nitsch, E. (1996): Fazies, Diagenese und Stratigraphie der Grabfeld-Gruppe Süddeutschlands (Keuper, Trias). – Diss. Univ. Köln 1995: 355 S., 8 Beil.; Rottenburg. ? [5 Mikrofiche]
Nitsch, E. (2005): Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie, III: Gipskeuper, Grundgips und Berggips. – Z. dt. geol. Ges., 155: 187–193; Stuttgart.
Nitsch, E., Beutler, G., Hauschke, N., Etzold, A. & Laaß, M. (2005): Feinstratigraphische Korrelation der Grabfeld-Formation (Keuper, Trias) zwischen Hochrhein und Ostsee. – Hallesches Jb. Geowiss., Beih., B 19: 137–152; Halle.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Barnasch, J., Dittrich, D., Farrenschon, J., Franz, M., Heunisch, C.
Erstellt am: 13.01.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.08.2010
Änderung Datensatz: 16.02.2011


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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 04:50:33.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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