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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rothenberg-Formation
ID: 49
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: DITTRICH, 2003
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zechstein
Chronostratigraphie: Oberperm (Lopingium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: „ Zechstein“ bzw. „mariner Zechstein“ bzw. „Zechstein-
Horizont“ oder „Zechsteinhorizont“ (nur lokal entwickelt) + Unterer Leberschiefer (SPUHLER 1957)
[Die Unteren Leberschiefer waren seit v. GÜMBEL (1897) jahrzehntelang dem auflagernden Annweiler Sandstein (= Annweiler-Formation) zugerechnet worden und in den Unteren Buntsandstein gestellt worden]
Rothenberg-Schichten (HORNUNG 1999, 2001, DITTRICH et al. 2003)
Rothenberg-Schichten (zR) (LGB 2005)
Lithologie: Die Rothenberg-Formation umfasst rotbraune („schokoladen-braune”) und dunkelrote, vereinzelt auch graue oder violettstichige Tonsteine mit grünlich gebleichten Flecken und Lagen. Sie sind teils bröckelig, teils stärker dolomitisch und dünnbankig. Oft enthalten sie Hellglimmer, untergeordnet auch Biotit. Besonders im unteren Abschnitt sind mergelige oder sandige, rot- oder gelbgraue Dolomitbänke eingeschaltet, bis zu 80 cm mächtig (bei Waldrohrbach). Gelegentlich sind knollig absondernde Dolomitbänke zu beobachten. Zum Hangenden hin erscheinen mehr oder weniger intensiv dolomitisch zementierte, graue oder graurosafarbene Feinsandsteine und Schluffsteine. Sie können feinschichtig oder schräggeschichtet sein und Tongerölle enthalten. In stark dolomitischen Sandsteinen mit „schwimmenden“ Korngefüge hat SCHWEISS (1984, Abb. 17) bei Dünnschliff-Untersuchungen Ooide nachweisen können. Die Feldspatgehalte der Sandsteine sind relativ gering (ca. 5-15 %, SCHWEISS 1984). Die Eckigkeit der Quarzkörner geht auf sekundäre Quarzsprossung zurück. Die Tonsteine enthalten das hypersalinare, (marin-)lagunär entstandene Tonmineral Corrensit (JENTSCH 2002), das auch aus anderen Pelitserien des Zechsteins bekannt ist. Bei einzelnen gelblich-grünen Körnern im Dünnschliff könnte es sich um Glaukonit handeln (JENTSCH 2002). Im Bereich der Typuslokalität ist eine grobe Zweiteilung der Schichtenfolge in einen unteren, dolomitisch-mergelig-sandigen Abschnitt („Zechstein-Horizont“) und einen oberen, stärker tonig-feinsandigen Abschnitt („Untere Leberschiefer“) zu beobachten. Eine feinstratigraphische Korrelation einzelner Bänke war bisher nicht möglich.
In den südlichen, westlichen und nördlichen Randbereichen nehmen Sandsteineinschaltungen an Bedeutung zu. Vereinzelt treten schwach dolomitische lithoklastenreiche Mittelsandsteine auf, im Süden, bei Silz–Klingenmünster, sind einige feinkiesführende Grobsandlagen eingeschaltet.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die überwiegend feinklastischen, oft karbonathaltigen Sedimente der Rothenberg-Formation überlagern die Grobklastika der Queich-Formation.
Hangendgrenze: Die feinklastischen Sedimente der Rothenberg-Formation werden erosionsdiskordant von den mächtigen Sandsteinabfolgen der Annweiler-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Sie schwankt zwischen 6 und 10 m, in Außenzonen treten meist nur noch 2-3 m auf.
Maximale Mächtigkeit: Sie liegt im weiteren Bereich der Typuslokalität bei 14 m.
Typusprofile, etc.: Profil am Nordosthang des Rothen-Bergs unterhalb der Madenburg bei Eschbach (W Landau),

TK25 6814 Landau, R: 34 28 000, H: 54 48 800 (HENTSCHEL 1957, 1963, SCHWEISS 1984)

Referenz-Profile: Kernbohrung Birkental, ca. 2 km NW Rinnthal (NW Annweiler), TK25 6713 Annweiler, R: 34 19 620, H: 54 56 000 (JENTSCH 2002) [Bohrarchiv u. Kernlager LGB RP]
Kernbohrung Gossersweiler, TK25 6813 Bad Bergzabern, R: 34 21 080, H: 54 46 490 (DITTRICH 2002) [Bohrarchiv LGB RP]
Weganschnitt unterhalb des Steinbruchs am Wolfsbergtunnel (W Neustadt), TK25 6614 Neustadt a. d. W., R: 34 35 175, H: 54 69 475 (SPUHLER 1957, HORNUNG 1999, 2001)
Verbreitung (Bundesländer): Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Saar-Nahe-Bergland, Pfälzerwald
Verbreitung (Ergänzung): Die Rothenberg-Formation streicht an den Talhängen zahlreicher Bäche im südöstlichen Pfälzerwald im Bereich der Grabenschulter des Oberrheingrabens (Haardtrand) aus. Ihr Vorkommen erstreckt sich zwischen den Ortschaften St. Martin/Edenkoben (TK25 6714 Edenkoben), Rinnthal (TK25 6713 Annweiler), Gossersweiler (TK25 6813 Bad Bergzabern) und Klingenmünster (TK25 6814 Landau). Nach Süden, Westen und Norden hin klingt die Rothenberg-Formation allmählich aus. Im (südlichen) Saar-Nahe-Bergland wird die Rothenberg-Formation von der mittleren Stauf-Formation vertreten.
Auf Grundgebirgsschwellen bei Burrweiler und Neustadt, die eine „Edenkobener Bucht“ flankieren, könnte die Rothenberg-Formation nach einer nicht näher belegten Darstellung bei HORNUNG (1999: Abb. 13) fehlen. An den jeweiligen Flanken liegen ihre Äquivalente angeblich direkt auf gefaltetem Paläozoikum.
Zeitgleiche Einheiten: ?/--
Alterseinstufung: Litho- und Biofaziesbefunde, Log-Korrelationen
Kommentar: Die Rothenberg-Formation könnte mit dem stratigraphischen Bereich maximaler Kornverfeinerung in den „Formsanden“ der nordpfälzischen Ramsen-Subformation zu korrelieren sein (vgl. Stauf-Formation: unmittelbar über der Zementationszone III). Beides könnte dem basalen z2 entsprechen (frndl. Mitt. K.-Chr. KÄDING).
Versch./Sonstiges: Innerhalb der rheinland-pfälzischen Zechstein-Abfolge markiert die Rothenberg-Formation das Maximum der marinen Entwicklung. Der damalige Ablagerungsraum ist als terrestrisch beeinflusste marin-lagunäre Randregion der südwestdeutschen Zechstein-Bucht zu deuten (PAUL 1985). Die marinen Dolomitbänke, die dolomitischen Mergelsteine und die Mergelsteine der unteren Rothenberg-Formation enthalten eine verarmte Zechstein-Fauna mit mehreren Muschelarten – so etwa Bakewellia antiqua (MÜNSTER) und Schizodus truncatus KING – und kleinwüchsigen Gastropoden (W. MUNK in DITTRICH 1996). Anspruchsvollere Brachiopoden und Crinoiden fehlen. Lebensspuren (vertikale Grabgänge) sind häufig vorhanden. Nördlich von Edenkoben (am Wolfsbergtunnel/W Neustadt) fanden sich zahlreiche Spurenfossilien (HORNUNG 1999, 2001). Die Ichnofauna ist typisch für geschützte marin-lagunäre Uferbereiche, die dominierende Form ist Thalassinoides paradoxicus (WOODWARD 1830). An Pflanzenfossilien wurden bisher lediglich algenartige Reste erwähnt.
Die Sandsteine sind durch fluviatilen Eintrag in den sehr flachgründig überflutetenen marin-lagunären Beckenrandbereich eingeschwemmt worden. In westliche Richtungen (SW, W, NW) nimmt die Einschaltung von terrestrischen Sandsteinen zu.
Literatur: GÜMBEL, C. W. von (1897): Kurze Erläuterungen zu dem Blatte Speyer (No. XVIII) der geognostischen Karte des Königreichs Bayern. 77 S., (Verlag Theodor Fischer) Cassel.
SPUHLER, L. (1957): Einführung in die Geologie der Pfalz. – Veröff. pfälz. Ges. Förd. Wiss., 34, 432 S., 67 Abb., 4 Ktn., Speyer.
HENTSCHEL, H. E. (1957): Die permischen Ablagerungen im östlichen Pfälzer Wald (Haardt) zwischen Neustadt-Lambrecht und Klingenmünster-Silz. Diss. Univ. Mainz.
HENTSCHEL, H. E. (1963): Die permischen Ablagerungen im östlichen Pfälzer Wald (Haardt) zwischen Neustadt-Lambrecht und Klingenmünster-Silz. – Notizbl. hess. L.-Amt Bodenforsch., 91, S. 143-176, 11 Abb., 1 Tab., 1 Taf., Wiesbaden.
SCHWEISS, D. (1984): Sedimentpetrographische Untersuchungen an Rotsedimenten des Grenzbereiches Perm-Trias am südwest-deutschen Beckenrand. – Geol. Jb. Hessen, 112, S. 83-126, 25 Abb., 4 Tab., Wiesbaden.
PAUL, J. (1985): Stratigraphie und Fazies des südwestdeutschen Zechsteins. – Geol. Jb. Hessen, 113, S. 59-73, 1 Abb., 1 Tab., Wiesbaden.
DITTRICH, D. (1996): Unterer Buntsandstein und die Randfazies des Zechsteins in der nördlichen Pfälzer Mulde (Exkursionen C1 am 11. und C2 am 12. April 1996). – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 78, S. 71-94, 4 Abb., 2 Tab., Stuttgart.
HORNUNG, J. J. (1999): Eine Ichnofauna aus dem klastischen Zechstein (oberes Perm) vom Wolfsberg bei Neustadt a.d. Weinstraße und Anmerkungen zur Paläogeographie/Paläoökologie des kontinentalen Zechstein in der Pfälzer Synform (Pfalz). – Mitt. Pollichia, 86, S. 7-33, 13 Abb., 2 Tab., Bad Dürkheim.
HORNUNG, J. J. (2001): Thalassinoides paradoxicus (WOODWARD 1830), ein häufiges Spurenfossil aus dem kontinentalen Zechstein (oberes Perm) der Pfälzer Synform (SW-Deutschland). – Mitt. Pollichia, 88, S. 123-144, 12 Abb., 1 Tab., Bad Dürkheim.
JENTSCH, H. J. (2002): Sedimentpetrographische Untersuchungen an Sandstein-Bohrkernen zweier Bohrungen aus dem Grenzbereich Perm/Trias bei Annweiler am Trifels (Pfälzerwald). – Diplomarbeit Univ. Mainz, 81 S. + Anh., zahlr. Abb. u. Taf., Mainz. – [unveröff.].
DITTRICH, D., FRANKE, W. R., GAD, J., HANEKE, J., REQUADT, H., SCHÄFER, P. & WEIDENFELLER, M. (2003): Geologische Übersichtskarte von Rheinland-Pfalz 1: 300 000. (Landesamt für Geologie und Bergbau) Mainz.
DITTRICH, D. (2002): Fotodokumentation und stratigraphische Aufnahme der Kernbohrung Gossersweiler südlich von Annweiler.
5 S. + zahlr. Abb., unveröff. Mskrt..
DITTRICH, D. (2003): Rothenberg-Formation. – 2 S., unveröff. Mskrt. für: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg., in Vorb.): Stratigraphie von Deutschland. Zechstein. – Schriftenreihe deutsch. geowiss. Ges., Hannover.
LGB (Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz) (Hrsg.)(2005): Geologie von Rheinland-Pfalz, 400 S., Mainz.
Autor des Datenblattes: Dittrich, Dr. Doris
Erstellt am: 30.09.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.07.2010
Änderung Datensatz: 18.10.2010
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Litholex Recherche vom 26.04.2017, 12:01:21.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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