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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Gräfenhausen-Formation
ID: 47
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: DITTRICH, 2004
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Zechstein
Chronostratigraphie: Oberperm (Lopingium) (Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Unterer Sandstein (HENTSCHEL 1957, 1963, DACHROTH 1976 und o. J.)
[In zahlreichen Diplomkartierungen der Universitäten Mainz,
Karlsruhe und Clausthal-Zellerfeld wurde eine solche Einheit als
Teil der „Kreuznacher Gruppe“ ins „Oberrotliegende“ (Saxon)
gestellt, mit dem Symbol ro3(3 tiefgestellt)2(2 hochgestellt)]
Lithologie: Die Gräfenhausen-Formation besteht aus gelblich-roten oder hellbraunroten, schwach verfestigten, dünnplattig absondernden Mittelsandsteinen. Sie sind etwas fein- bis grobsandig, und deutlich geschichtet. Der unteren Teil der Formation ist intensiv schräggeschichtet (DACHROTH 1976: großbogige Schrägschichtung). Vereinzelt kommen mm- bis cm-große gelblich-grüne Bleichungsflecken vor, die obersten Dezimeter der Abfolge sind oft weißlich-grau gebleicht. Die Quarzkörner sind überwiegend gut gerundet. Daneben tritt etwa 8-10 % Feldspat auf.
Die Gräfenhausen-Formation der Kernbohrung Gossersweiler unterscheidet sich durch eine feinkörnigere und zudem deutlich bioturbate Fazies von der bei HENTSCHEL (1963) beschriebenen, erst weiter östlich zutage tretenden Gesteinsausbildung. Es erscheinen intensiv zerwühlte und von Grabgängen durchsetzte, zyklisch gegliederte, meist ziegelrot-braune Sandsteine mit tonreicheren Zwischenmitteln. Sie sind fein- oder mittelkörnig, manchmal noch etwas gröber, und fleckig oder schlierig dolomitisch zementiert. In den basalen 30 cm und noch bis 2 m im Liegenden treten bis dezimetergroße runde Bleichungsflecken mit dunklen Zentren auf. Dabei handelt es sich um nestartige sulfidische Vererzungen. Bei Sarnstall wurde im unteren Teil der Formation ein etwas über 12 m mächtiger schluffig-sandiger Basisbereich erbohrt, mit zahlreichen gebleichten Partien (KIENZLE 1982).
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die hellbraunroten, etwas gelblichen Sandsteine der Gräfenhausen-Formation lagern mit einer scharfen Grenze auf unterschiedlichen Rotliegend-Formationen (vgl. HENTSCHEL 1957, 1963). Im Süden (Region Silz–Waldhambach) überlagern sie Vulkanite, lokal auch Arkosen (HENTSCHEL 1963: S. 154), nördlicher dann die vorwiegend dunkelrotbraun-gefärbten monotonen Serien der „Unteren Rötelschiefer“ (Standenbühl-Formation, obere Nahe-Subgruppe). Dieses gilt auch für die Westpfalz (DACHROTH o.J.).
Hangendgrenze: Die Gräfenhausen-Formation wird überall von der faziell sehr wechselhaften, insgesamt aber stärker pelitischen Sarnstall-Formation überdeckt.
Mittlere Mächtigkeit: Das Mächtigkeitsmuster der Gräfenhausen-Formation ist noch wenig bekannt. HENTSCHEL (1963: Abb. 5) gab seinerzeit Mächtigkeiten zwischen 0 und 15 Metern an; Werte über 10 m treten westlich und südlich Annweiler auf. In der Bohrung Gossersweiler erscheinen 17,5 m. Generell zeigt sich eine Mächtigkeitsabnahme nach Osten und Nordosten.
Maximale Mächtigkeit: Der von KIENZLE 1982 aus Bohrungen bei Sarnstall abgeleitete Wert von (mindestens) 24 m bildet das bislang bekannte Mächtigkeitsmaximum in der Südpfalz. In der östlich Zweibrücken, in der Westpfalz gelegenen Tiefbohrung Landstuhl-1 (DACHROTH o.J.) wurde eine etwa 22,5 m mächtige Gräfenhausen-Formation durchteuft.
Typusprofile, etc.: Der Name bezieht sich auf Tagesaufschlüsse bei Gräfenhausen nördlich Annweiler (W Landau; vgl. HENTSCHEL 1963, S. 157). Ein dortiges Typusprofil ist noch unbestimmt.
Referenz-Profil: Kernbohrung Gossersweiler, TK25 6813 Bad Bergzabern, R: 34 21 080, H: 54 46 490 (DITTRICH 2002) [Bohrarchiv LGB RP]
Verbreitung (Bundesländer): Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Saar-Nahe-Bergland, Pfälzerwald
Verbreitung (Ergänzung): Im südlichen Saar-Nahe-Bergland tritt anstelle der Gräfenhausen-Formation die untere Stauf-Formation auf, im Norden steht nur noch Rotliegend an. Die Ausbissgebiete der Gräfenhausen-Formation sind auf den südlichen Ostrand des Pfälzerwaldes (Haardtrand) beschränkt. Dort tritt sie in den Talweitungen der Queich und ihrer Zuflüsse sowie am Kaiserbach und Klingbach zutage. Im tieferen Untergrund zieht sie sich noch bis in die Westpfalz. Nordöstlich Ramberg–Albersweiler fällt die Gräfenhausen-Formation unter der Sarnstall-Formation in einer Schichtlücke aus (vgl. HENTSCHEL 1963).
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Lithofaziesbefunde, Profilparallelisierungen, Log-Korrelationen
Kommentar: Die Gräfenhausen-Formation gehört wohl in die tiefere untere z1-Folge, sie könnte dem (unteren) Ca1 entsprechen (Log-Korrelation: K.-Chr. KÄDING). Eine Korrelation des von sulfidischen Vererzungen durchsetzten, also recht metallreichen Basisniveaus der Formation mit dem rechtsrheinischen Kupferschiefer (T1) wäre denkbar.
Versch./Sonstiges: Der Ablagerungsraum der Gräfenhausen-Formation war der klastische Randsaum des südwestdeutschen Zechstein-Beckens. Vorwiegend sind es fluviatile Ablagerungen, denen äolisch transportiertes Kornmaterial beigemischt wurde. Es existiert ein hoher Anteil mattierter Quarzkörner. Neben Lebensspuren sind in der Gräfenhausen-Formation keine Fossilien zu beobachten.
Im Bohrprofil Gossersweiler nordwestlich von Silz treten feinere Körnungen, Dolomitgehalte und auffällig viel Bioturbation auf. Temporäre randmarin-lagunäre Beeinflussungen des Ufersaumes sind hier nicht auszuschließen.
Weiter im Nordwesten, in der westpfälzischen Meißelbohrung Landstuhl-1 wurde von DACHROTH (o.J.) für die dortige mittel- bis grobsandige Fazies eine Dünensand-Genese und ein granitisches Ausgangsmaterial beschrieben.
Literatur: HENTSCHEL, H. E. (1957): Die permischen Ablagerungen im östlichen Pfälzer Wald (Haardt) zwischen Neustadt-Lambrecht und Klingenmünster-Silz. Diss. Univ. Mainz.HENTSCHEL, H. E. (1963): Die permischen Ablagerungen im östlichen Pfälzer Wald (Haardt) zwischen Neustadt-Lambrecht und Klingenmünster-Silz. – Notizbl. hess. L.-Amt Bodenforsch., 91, S. 143-176, 11 Abb., 1 Tab., 1 Taf., Wiesbaden.DACHROTH, W. (1976): Gesteinsmagnetische Marken im Perm Mitteleuropas. Ein Beitrag zur Anwendung gesteinsmagnetischer Daten in der Stratigraphie. – Geol. Jb., E 10, S 3-63, 19 Abb., 3 Taf., Hannover.
DACHROTH, W. (o. J.): Rotliegendes und Buntsandstein in der Bohrung Landstuhl 1. Mskrt., 11 S., Heidelberg. – [unveröff.]. KIENZLE, G. (1982): Geologische Geländeaufnahme (Kartierung) permischer, triadischer und quartärer Ablagerungen im Raum Annweiler (Pfalz). – Diplomkartierung Univ. Karlsruhe, 94 S., 31 Abb., 1 Tab., 2 Anl., Karlsruhe. – [unveröff.].
DITTRICH, D. (2002): Fotodokumentation und stratigraphische Aufnahme der Kernbohrung Gossersweiler südlich von Annweiler.
5 S. + zahlr. Abb., unveröff. Mskrt..
DITTRICH, D. (2004): Gräfenhausen-Formation. – 2 S., unveröff. Mskrt. für: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg., in Vorb.): Stratigraphie von Deutschland. Zechstein. – Schriftenreihe deutsch. geowiss. Ges., Hannover.
Autor des Datenblattes: Dittrich, Dr. Doris
Erstellt am: 30.09.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.07.2010
Änderung Datensatz: 18.10.2010
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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 14:39:31.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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