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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Amaltheenton-Formation
ID: 4012097
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt, 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schwarzjura-Gruppe (Schwarzer Jura)
Chronostratigraphie: Domerium (Pliensbachium, Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Süddeutschland: Quenstedt schrieb: schwarz gefärbte Schieferthone, die wir nach dem schönsten der schwäbischen Ammoniten, A. amaltheus, Amaltheen Thon nennen wollen (Quenstedt, MS, ca. 1842); Schwarzer Jura Delta: Amaltheenthone (Quenstedt 1843); Lias delta (Quenstedt 1846-1849); Costaten- und Amaltheen-Schichten (Gümbel 1891), Amaltheenton (Lias Delta) (Meyer & Schmidt-Kaler 1996); Obere Schwarzjuratone (Geyer & Gwinner 1964), Schwarzer Jura Delta (Urlichs 1977); Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: juAMT
Norddeutschland: Blaugrauer Thon (i) Amaltheenschichten (von Strombeck 1853); Plastischer Thon mit A. amaltheus (Bornemann 1854); Mergelschiefer mit A. amaltheus (F. Roemer 1858); Amaltheentone (von Seebach 1864); Amaltheenton (Brinkmann 1948-86); Lias delta (Hoffmann 1949); Domerium-Tonstein, marin (Baldschuhn et al. 2001).
Lithologie: In Süddeutschland dunkel- bis schwarzgraue schluffige, im Süden und im Riesgebiet auch feinsandige Tonsteine und Tonmergelsteine mit Lagen- von Pyrit- und / oder Kalkstein-Konkretionen, die gebietsweise unterschiedlich häufig sind. Im schwäbischen Verbreitungsgebiet (Schwäbische Fazies) sind an der Obergrenze eine oder mehrere fleckig bioturbierte hellgraue Kalksteinbänke entwickelt (Costatenkalk), die lateral gebietsweise in laibsteinartige Knollenlagen übergehen. Primär aragonitische Molluskenschalen sind hier selten erhalten. Im fränkischen Verbreitungsgebiet (Fränkische Fazies) herrschen dunkle, teilweise feingeschichtete Tonsteine mit grauen, bräunlich verwitternden und oft Siderit führenden Kalksteinknollen vor, in denen gebietsweise primär aragonitische Molluskenschalen rekristallisiert oder als Ersatzschalen erhalten sind. Am Beckenrand in Ostbayern geringmächtige Eisenoolithe und Blättererze.
In Norddeutschland kalkarme, schwarzgraue Tonsteine, oft feinsandig in helleren Flasern, nach Nordosten zunehmend, östllich der Altmark in die sandige und brackische Komorowo-Formation übergehend. Charakteristisch sind Lagen von Toneisensteingeoden, oder durchgehende sideritsche Bänke. Im Emsland auch bituminöse Fazies.
Untergeordnete Einheit: In der Schwäbischen Fazies wird im Dach der Formation der Costatenkalk als Leithorizont ausgewiesen.
Liegendgrenze: In Süddeutschland der Fazieswechsel von den Mergelsteinen der Numismalismergel-Formation in die Tonmergel- bis Tonsteine der Amaltheenton-Formation, erfolgt regional in unterschiedlichen biostratigraphischen Niveaus (über der Davoei-Bank oder über darüber ausgebildeten Zwischenkalken). In Franken diskontinuierlicher Einsatz dunkelgrauer Tonmergel über Kalksteinen und Mergeln der Numismalismergel-Formation. In Norddeutschland die Grenzkalkbank am Top der Capricornumergel (Belemnitenschichten).
Hangendgrenze: Im Verbreitungsgebiet der Costatenkalke ist das Top der obersten Kalksteinbank als Grenze definiert. Im Fränkischen Faziesbereich fällt die Obergrenze mit dem Einsetzen der bituminösen Posidonienschiefer-Fazies über einer fossilreichen Aufarbeitungslage (Röckinger Bank; Bollernkalk) zusammen. In Norddeutschland scharfer petrographischer Wechsel von häufig feinsandigen Tonsteinen zu bituminösen Mergelsteinen, im Emsland undeutlich.
Mittlere Mächtigkeit: 20-40 m (Baden-Württemberg), 0,2-50 m (Bayern und Thüringen); 100-120 m (Norddeutschland).
Maximale Mächtigkeit: In Süddeutschland > 68 m (Haardtrand); in Norddeutschland 175 m in der Bohrung Reitbock-Leversen, 68 m in der Bohrung Küchenhai 2 am Hainberg; Hilsmulde: 160 m gesamtes Pliensbachium, pb1 aber vermutlich sehr geringmächtig.
Typusprofile, etc.: Typusprofil: Pliensbach (Profile im gleichnamigen Bach), TK 7323, Weilheim/Teck: R 43240, H 85430 (Urlichs 1977).
Referenzprofile: Tongrube Mistelgau, (Amaltheeton aber nicht mehr aufgeschlossen), Tongrube Buttenheim, Aubächle b. Aselfingen; in Norddeutschland ehemalige Tongrube der Stalaton-Werke bei Velpe, Bielefeld.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Mittelgebirge, Hessisches Bergland
Mittelgebirge, Weserbergland
Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Hauptausstrichgebiet in Süddeutschland ist das Vorland der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Kleinere Ausstriche liegen in Störungszonen am Rand des Oberrheingrabens (z. B. Langenbrückener Senke) und des Thüringer Beckens sowie im Grabfeld. Aus Bohrungen ist die Formation auch unter dem Tertiär des Oberrheingrabens und dem des Molassebeckens bekannt. In Norddeutschland weit verbreitet, aber im Bereich von Holstein-Block und Pompeckj-Scholle auf schmale, SW-NE gerichtete Tröge beschränkt. Nördlich der Ostfriesischen Inseln führt eine schmale Verlängerung des Zentralen Nordwestdeutschen Beckens in die Nordsee. Zwischen der Altmark und Usedom laterale Verzahnung mit der Komorowo-Formation (sog. Amaltheensandstein).
Zeitgleiche Einheiten: In Niederlanden und südwestlicher Nordsee oberer Teil der Aalburg Fm und der Ida-Fm (südliche Nordsee), in der östlichen Prignitz und Brandenburg Übergang in die deltaischen Heterolithe der Komorowo-Fm (Polen) und der unteren Sorthat-Fm (Ostsee, Bornholm). In der Nordschweiz Rickenbach Member der Staffelegg-Formation, in Bayern Eisenoolithe der Bodenwöhrer Randfazies.
Alterseinstufung: Mit Hilfe von Ammoniten: Ober-Pliensbachium, Margaritatus- bis Spinatum-Zone.
Kommentar: Die faziell definierte Basis schwankt regional zwischen der Obergrenze der Davoei-Zone und verschiedenen Niveaus innerhalb der Stokesi- und Subnodosus-Subzonen (untere Margaritatus-Zone).
In Südwestdeutschland liegt über der mächtigen Margaritatus-Zone eine vergleichsweise kondensierte Spinatum-Zone. In der Fränkischen Fazies ist die Margaritatus-Zone geringmächtig, den Hauptanteil nimmt hier die Spinatum-Zone ein.
Versch./Sonstiges: Die Stufe des Pliensbachium wurde von Albert Oppel (1856-58) definiert und bezieht sich auf das Dorf Pliensbach und gleichnamigen Bach.
Literatur: Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg)(1996): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1 : 500 000 [4. Aufl.] – 329 S., 8 Anl.; München (Bayer. GLA).

Ernst, W. (2003): Jura. – In Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen [2. Aufl.]. – 601 S.; Schweizerbart (Stuttgart).

Joachim, H. (1970): Geochemische, sedimentologische und ökologische Untersuchungen im Grenzbereich Lias delta/epsilon (Domerium/Toarcium) des Schwäbischen Jura. – Arb. Geol.-Paläont. Inst. TH Stuttgart, N.F. 61: 243 S., 14 Taf.; Stuttgart.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Hoffmann, K. (1949): Zur Paläogeographie des nordwestdeutschen Lias und Dogger. – In: Erdöl und Tektonik in Nordwestdeutschland, 113-129; Hannover, Celle.

Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2005): Geologie von Rheinland-Pfalz. – 400 S., 162 Abb., 36 Tab., 3 Anl.; Schweizerbart (Stuttgart).

Quenstedt, F. A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Urlichs, M. (1977): Stratigraphy, ammonite fauna and some ostracods of the Upper Pliensbachian at the type locality (Lias, SW-Germany). – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, B 28: 1-13.
Autor des Datenblattes: Mönnig, E., Nitsch, E., Arp, G.
Erstellt am: 30.09.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 05.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:27:55.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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