litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Torleite-Formation
ID: 4012089
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr (in Niebuhr & Pürner 2014), basierend auf Zeiss (1977)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Weißjura-Gruppe, Süddeutscher Jura
Chronostratigraphie: Oberkimmeridgium (Kimmeridgium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Engelhardtsberger Schichten (Gümbel 1891), Wellheimer Schichten, Torleiten-Schichten (Mayr & Dehm 1961); Geschichtete Fazies des Malm Epsilon, Wohlgebankte Kalke, Feingeschichtete Kalk- und Kieselplatten mit Hornsteinen (Streim 1961a); Plattenfazies des Malm Delta bis Epsilon 2, dickbankige Kalke des Malm Epsilon (Streim 1961b); Wattendorfer Schichten (Hegenberger & Schirmer 1967); Malm-Epsilon-Schichtfazies (Bauberger et al. 1969); Plattige, sehr reine Kalke des obersten Malm Delta (Meyer 1974); Torleite formation, Fürnried member, Wattendorf member, Kager member, pars Ebenwies formation, pars Amberg formation (Zeiss 1977); Torleite-Formation, Netzstall-Subformation, Ebenwies-Subformation, Fürnried-Subformation, Arnstorf-Subformation (Niebuhr & Pürner 2014).
Lithologie: In der Torleite-Formation werden die hellen, mikritischen Bankkalke, Plattenkalke und Plattensilex der Südlichen Frankenalb (Streim 1961a), die Bank- und Plattenkalke der Mittleren Frankenalb (Streim 1961b; Bauberger et al. 1969) und die dünnbankigen Kalke, Plattenkalke und Kieselkalke der Nördlichen Frankenalb (Gümbel 1891; Hegenberger & Schirmer 1967) zusammengefasst.
Untergeordnete Einheit: Netzstall-Subformation der Südlichen und Mittleren Frankenalb – Die mittel- bis dickbankigen Mikritkalke sind die Normalfazies der Torleite-Formation und haben immer sehr gut ausgebildete, ebene Schichtflächen, die kreidig abfärben und frei von Mergelbestegen sind (Streim 1961a). Kleine Hornsteine treten selten auf, Plattensilex fehlt.
Arnstorf-Subformation der östlichen Südlichen Frankenalb – Die fossilreiche Kieselplattenfazies ist sehr variabel, aber immer finden sich neben dem charakteristischen laminierten, scharfkantigen Plattensilex auch laminierte Bankkalke und Plattenkalke.
Rote Mergellage der westlichen Südlichen Frankenalb – Ein bis 1,50 m mächtiger mergeliger Bereich am Top der Torleite-Formation an ihrer Typuslokalität (Fesefeldt 1962).
Ebenwies-Subformation der Mittleren Frankenalb – Unregelmäßig absondernde Plattenkalke und dünne, teilweise laminierte Bankkalke.
Fürnried-Subformation der Mittleren Frankenalb – Die splittrigen, sehr reinen Mikritkalke mit welligen Schichtflächen haben Bankmächtigkeiten von unter 10 bis 30 cm und sind von gelblichgrauer Farbe, Hornsteine sind selten (Meyer 1974).
Engelhardtsberg-Subformation der Nördlichen Frankenalb – Helle, grau bis gelbliche, splittrig brechende Kalke, sehr reich an Hornsteinen, Plattensilex und verkieselten Fossilien (Gümbel 1891).
Wattendorf-Subformation der Nördlichen Frankenalb – Plattenkalke, Plattensilex, Plattendolomite und gelbliche Bankkalke (Hegenberger & Schirmer 1967).
Liegendgrenze: Mikritische Bankkalke, Plattenkalke und Plattensilex der Torleite-Formation liegen mit einem deutlichen lithologischen Schnitt einerseits auf den bis 1,50 m dicken, Schwamm-Mikrobialit- und Intraklastkalken der Treuchtlingen-Formation und andererseits auf Massendolomiten und -kalken der Unteren Frankenalb-Formation.
Hangendgrenze: Geisental- und Painten-Formationen der Südlichen Frankenalb, auf der Mittleren und Nördlichen Frankenalb erosiv gekappt. An der Typuslokalität auf der westlichen Südlichen Frankenalb markiert die auffällige Rote Mergellage die Hangendgrenze, auf der westlichen Südlichen Frankenalb das Aussetzen der Kieselplattenfazies der Arnstorf-Subformation (Niebuhr & Pürner 2014).
Mittlere Mächtigkeit: An der Typuslokalität auf der westlichen Südlichen Frankenalb werden nur 20-30 m erreicht; auf der östlichen Südlichen Frankenalb mit Netzstall- und Arnstorf-Subformationen 40-50 m. Die Ebenwies-Subformation auf der südlichen Mittleren Frankenalb ist bei gut 40 m erosiv gekappt; die Fürnried-Subformation auf der nördlichen Mittleren Frankenalb erreicht über 50 m. Die Kalklinsen der Engelhardtsberg-Subformation der Nördlichen Frankenalb erreichen durchschnittlich 10 m, können jedoch auch bis 50 m mächtig werden; für die Wattendorf-Subformation der Nördlichen Frankenalb werden über 70 m angegeben.
Maximale Mächtigkeit: über 70 m.
Typusprofile, etc.: Typusprofil Torleite-/Geisental-Formationsgrenze: Torleite südwestlich von Dollnstein (TK 25: 7132 Dollnstein), Referenzprofil mit Roter Mergellage: östlich von Breitenfurt (TK 25: 7132 Dollnstein). Torleite-/Painten-Formationsgrenze: aktiver Steinbruch Rygol bei Painten (TK 25: 6936 Hemau). Typusprofil Netzstall-Subformation: alter Steinbruch am Osthang des Paintener Tals (TK 25: 6936 Hemau). Typusprofil Arnstorf-Subformation: südlicher Altmühl-Talhang nordöstlich Arnsdorf (TK 25: 6935 Dietfurt a.d. Altmühl). Typusprofil Ebenwies-Subformation: Osthang der Naab bei Ebenwies (TK 25: 6937 Laaber). Typusprofil Fürnried-Subformation: aufgelassene Steinbruch am Ödersberg nordöstlich Fürnried (TK 25: 6535 Alfeld). Typusprofil Engelhardtberg-Subformation: keines, Lokalisierung durch verkieselte Fossilien auf den Äckern östlich von Muggendorf (TK 25: 6133 Muggendorf) und südlich von Engelhardtberg (TK 25: 6233 Ebermannstadt). Typusprofil Wattendorf-Subformation: aktiver Steinbruch 800 m nordwestlich von Wattendorf (TK 25: 5932 Ützing).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Die Torleite-Formation tritt in der gesamten Frankenalb (inklusive der Riffschranken) auf. Sie ist eine von nur zwei Formationen mit schichtigen Sedimenten der Weißjura-Gruppe in Bayern, die in allen drei Bereichen der Frankenalb vertreten sind.
Zeitgleiche Einheiten: Die (kalkig dominierte) Torleite-Formation ist mit dem oberen Abschnitt der (dolomitisch dominierten) Pottenstein-Formation (Viehhofen- und Bronn-Subformationen) zeitgleich. Die Arnstorf-Subformation der östlichen und die Geisental-Formation der westlichen Südlichen Frankenalb sind partiell zeitgleich. In Baden-Württemberg sind die Obere-Felsenkalke-, Liegende-Bankkalke-, Nusplingen-, Zementmergel- und Mergelstetten-Formationen zeitgleich. Das Riffwachstum der Massenfazies der Mittleren Frankenalb-Formation in Bayern und Oberjura-Massenkalk-Formation in Baden-Württemberg geht deutlich zurück.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung mittels Ammoniten ergibt das mittlere und obere Oberkimmeridgium (obere Eudoxus-Zone bis obere Beckeri-Zone), ehemals geschichteter Malm Oberdelta bis Epsilon 2 in Bayern.
Die Netzstall-, Ebenwies-, Fürnried- und Wattendorf-Subformationen setzen mit lokalen Funden von Aulacostephanus pseudomutabilis bereits in der Eudoxus-Zone (ehemals Malm Oberdelta) ein, in der Netzstall- und Fürnried-Subformationen wurde auch der kiderleni-Faunenhorizont der unteren Beckeri-Zone nachgewiesen (Schweigert 2007). Die Eudoxus-/Beckeri-Zonengrenze (ehemalige Delta-Epsilon-Grenze) ist nicht identisch mit der lithostratigraphischen Treuchtlingen-/Torleite-Formationsgrenze sondern liegt in der unteren Torleite-Formation.
In der Arnstorf-Subformation wurden die supinum-/ornatum- und rebouletianum-Faunenhorizonte der obersten Beckeri-Zone nachgewiesen (Schweigert 2007, schriftl. Mitt. 02/2013). Die auffällige Rote Mergellage, die die Torleite-Formation im Hangenden abschließt, datiert in das obere Oberkimmeridgium (?uracenis-Faunenhorizont der mittleren Beckeri-Zone der Schwäbischen Alb; Schweigert 2007). Demnach ist die Obergrenze der Torleite-Formation diachron, erreicht jedoch auf der gesamten Frankenalb nicht das Tithonium.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Dieses Datenblatt ist eine gekürzte Fassung der Veröffentlichung von Niebuhr & Pürner (2014), weitere Informationen und ausführliche Diskussion dort.

Ableitung des Formationsnamens nach der Torleite, einem Höhenrücken westlich des Markts Dollnstein, Landkreis Eichstätt, Regierungsbezirk Oberbayern (Bayern).

Kurzcharakterisierung: Mikritische Bank- und Plattenkalke, Plattensilex; älteste Füllung der Wannen auf der gesamten Frankenalb inkl. Ehemaliger Riffschranken; mittleres bis oberstes Oberkimmeridgium.
Literatur: Bauberger, W., Cramer, P. & Tillmann, H. (1969): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 6938 Regensburg. – 414 S.; München.

Fesefeldt, K. (1962): Schichtenfolge und Lagerung des oberen Weißjura zwischen Solnhofen und der Donau (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 46: 80 S.; Erlangen.

Gümbel, C.W. von (1891): Geognostische Beschreibung des Königreiches Bayern. 4. Abtheilung. Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura) mit dem anstossenden Fränkischen Keupergebiete. – 763 S.; Kassel.

Hegenberger, W. & Schirmer, W. (1967): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 5932 Ützing. – 156 S.; München.

Mayr, F. & Dehm, R. (1961): Exkursion D. Oberer Malm von Eichstätt und Solnhofen, tertiäre Spaltenfüllungen des südlichen Fränkischen Jura. – Paläont. Z., 35: 3-4; Stuttgart.

Meyer, R.K.F. (1974): Stratigraphie und Fazies des Frankendolomits (Malm). 2. Teil: Mittlere Frankenalb. – Erlanger Geol. Abh., 96: 34 S.; Erlangen.

Niebuhr, B. & Pürner, T. (2014): Plattenkalk und Frankendolomit – Lithostratigraphie der Weißjura-Gruppe der Frankenalb (außeralpiner Oberjura, Bayern). – SDGG, 83: 5-71; Hannover.

Schweigert, G. (2007): Ammonite biostratigraphy as a tool for dating Upper Jurassic lithographic limestones from South Germany – first results and open questions. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 245 (1): 117-125; Stuttgart.

Streim, W. (1961a): Stratigraphie, Fazies und Lagerungsverhältnisse des Malm bei Dietfurt und Hemau (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 38: 49 S.; Erlangen.

Streim, W. (1961b): Malm und Oberkreide auf Blatt Laaber. Die Umbiegung der Frankenalb nordwestlich von Regensburg. – Erlanger Geol. Abh., 39: 26 S.; Erlangen.

Zeiss, A. (1977): Jurassic stratigraphy of Franconia. – Stuttgarter Beitr. Naturk., B 31: 32 S.; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Birgit Niebuhr
Erstellt am: 29.09.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.10.2015
Änderung Datensatz: 20.10.2015


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.05.2017, 10:06:21.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID