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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Tangrintel-Formation
ID: 4012088
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr (in Niebuhr & Pürner 2014)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Weißjura-Gruppe, Süddeutscher Jura
Chronostratigraphie: Untertithonium (Tithonium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Oberkimmeridgium (Kimmeridgium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Aporecifale geschichtete Fazies, Kieselplattenfazies (Freyberg 1968); Kieselbildungen der Plattenkalkfazies des Malm Zeta 1+2, untypische Plattenkalkentwicklung des Malm Zeta 1+2, Plattensilex, Kieselkonkretionen, kieselige Kalke (Weber 1978); Malm Zeta 2: Schichtkalk teilweise verkieselt, Malm Zeta 1+2: Plattendolomit, Malm Zeta 3: gebankter Riffrandkalk mit Kieselplatten und Kieselknollen (Kleinschnitz 2001+2002); Malm Epsilon+Zeta, Malm Zeta, Malm Zeta 2: Plattendolomit, Riffrandkalk plattig, Bankkalke und Flaserkalke mit vielen Kieselknollen und Kieselplatten (Meyer 2001a+2003a, 2001b+2003b); Tangrintel-Formation, Laubenhart-Subformation, Schafshill-Subformation (Niebuhr & Pürner 2014; Niebuhr 2015).
Lithologie: Plattensilex und Plattendolomite im Wechsel mit Plattenkalken und dünnbankigen, mehligen Kalksteinen. Assoziiert sind grobe Fossilschüttungen und subaquatische Rutschungen, die verkieselt oder dolomitisiert sein können.
Untergeordnete Einheit: Laubenhart-Subformation – Plattensilex mit Plattenkalken. In der Kieselplattenfazies wechseln verkieselte, dünnbankige, laminierte Platten und Bänke (Plattensilex) mit Plattenkalken, dünnbankigen, mehligen Kalksteinen und wenigen Plattendolomiten. In den oftmals verkieselten Fossilschüttungen sind Muscheln, Brachiopoden, Schnecken und Korallen-Bruchstücke zahlreich vertreten. Der hellgraue bis schwarze, bituminöse Plattensilex ist extrem hart und immer scharfkantig. Wenn die dickeren Bänke zerbrechen, liegen quader- bis rautenförmige Stücke mit Kantenlängen bis 15 cm vor. Hornsteine sind extrem häufig, auch konzentrische Steinkugeln und laminierte Laibsteine von wenigen Zentimetern im Durchmesser bis Fußball-Größe kommen vor.
Schafshill-Subformation – Plattendolomite mit Plattenkalken. Die vielfach laminierten, gelblichbraunen Plattendolomite riechen beim Anschlagen bituminös. Verkieselungen treten kaum auf, auch Fossilien sind selten.
Liegendgrenze: Einsetzen von Plattensilex und Plattendolomiten auf der Massenfazies der Mittleren Frankenalb-Formation im obersten Kimmeridgium (Malm Epsilon 2).
Hangendgrenze: erosiv gekappt
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Am Südwest-Rand des Blattes 6936 Hemau liegt die Laubenhart-Subformation flächendeckend auf der Massenfazies mit einer Mächtigkeit von mind. 80 m (Niebuhr 2015), auf den südwestlich gelegenen Blättern 7035 Schamhaupten und 7135 Kösching werden mit der Schafshill-Subformation bis 100 m erreicht (Meyer 2001a+2003a, 2001b+2003b).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das große Waldgebiet westlich von Hemau (TK 25: 6936 Hemau). Typusprofil für die Tangrintel-Formation und die Laubenhart-Subformation: Laubenhartgrund westlich von Hemau (TK 25: 6936 Hemau). Typusprofil der Schafshill-Subformation: keines, Meyer (2001b+2003b) gibt zwei Plattendolomit-Steinbrüche nördlich Straßhausen und südwestlich Mendorf an (TK 25: 7135 Kösching), ihr Zustand ist nicht bekannt.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): östliche Südliche Frankenalb
Zeitgleiche Einheiten: Die Arnstorf-Subformation der Torleite-Formation sowie die Painten-, Geisental- und Altmühltal-Formationen sind zeitgleich. Auf mindestens neun Kartenblättern 1 : 25.000 östlich einer Linie Ingolstadt–Beilngries liegt die Tangrintel-Formation mit Übergangsschichten am Riffrand-Bereich zwischen zeitgleicher Massenfazies und der Painten-Formation. In Baden-Württemberg sind die Obere-Felsenkalke-, Liegende-Bankkalke-, Nusplingen-, Zementmergel-, Mergelstetten- und Hangende-Bankkalke-Formationen zeitgleich. In der ungeschichteten Fazies finden sich zeitgleich die Mittlere Frankenalb-Formation in Bayern und die Oberjura-Massenkalk-Formation in Baden-Württemberg.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung mittels Ammoniten ergibt das obere Oberkimmeridgium bis untere Untertithonium (Setatum-Subzone der mittleren Beckeri-Zone bis obere Hybonotum-Zone), ehemals geschichteter Malm Epsilon 2 bis Zeta 2b in Bayern.
Zahlreiche Funde von Virgataxioceras setatum in Plattensilex und Plattendolomiten belegen das Einsetzen der Tangrintel-Formation und ihre weite Verbreitung im supinum-/ornatum-Faunenhorizont der mittleren Setatum-Subzone der Beckeri-Zone (Schweigert 2007). Meyer (2001b+2003b) konnte in den bis 100 m mächtigen laminierten, teils kieseligen Plattendolomiten der Böhmfelder Wanne Paralingulaticeras lithographicum nachweisen, ein Ammonit, der aus dem rueppellianus-Faunenhorizont der mittleren Hybonotum-Zone (Malm Zeta 2b) und der Mühlheim-Subformation der unteren Mörnsheim-Formation (Malm Zeta 3) bekannt ist (vgl. Schweigert 2007). Im obersten Kimmeridgium (Malm Epsilon 2) bestehen Abgrenzungsprobleme zur Arnstorf-Subformation der Torleite-Formation, diese wird jedoch im Tithonium von Plattensilex-freien Bankkalken überlagert (Painten-Formation). Tithon-zeitliche Plattensilex und Plattendolomite (Malm Zeta 1-2b) gehören zweifelsfrei zur Tangrintel-Formation.
Kommentar: Dieses Datenblatt ist eine gekürzte Fassung der Veröffentlichung von Niebuhr & Pürner (2014), weitere Informationen und ausführliche Diskussion dort.
Versch./Sonstiges: Ableitung des Formationsnamens nach dem traditionellen Namen der Hochebene zwischen den Flüssen Schwarze Laber und Altmühl mit der Stadt Hemau im Zentrum.
In einem Grubenfeld bei Abensberg-Arnhofen (TK 25: 7137 Abensberg, vgl. Weber 1978) wurde der älteste Bergbau in Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie 2008) mit 20.000 steinzeitlichen Schächten zum Abbau des Plattensilex aus dem Malm Zeta gefunden.
Kurzcharakterisierung: Plattensilex und Plattendolomite mit Plattenkalken; Übergangsschichten der östlichen Südlichen Frankenalb; oberes Oberkimmeridgium bis unteres Untertithonium.
Literatur: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie (Hrsg.) (2008): Von Bergwerken, Hütten und Hämmern. – 58 S.; München.

Freyberg, B. von (1968): Übersicht über den Malm der Altmühl-Alb. – Erlanger Geol. Abh., 70: 39 S.; Erlangen.

Kleinschnitz, M. (2001+2002): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7134 Gaimersheim. – 38 S.; München.

Meyer, R.K.F. (2001a+2003a): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7035 Schamhaupten. – 32 S.; München.

Meyer, R.K.F. (2001b+2003b): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7135 Kösching. – 32 S.; München.

Niebuhr, B. & Pürner, T. (2014): Plattenkalk und Frankendolomit – Lithostratigraphie der Weißjura-Gruppe der Frankenalb (außeralpiner Oberjura, Bayern). – SDGG, 83: 5-71; Hannover.

Niebuhr, B. (2015): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 6936 Hemau. – Augsburg.

Schweigert, G. (2007): Ammonite biostratigraphy as a tool for dating Upper Jurassic lithographic limestones from South Germany – first results and open questions. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 245 (1): 117-125; Stuttgart.

Weber, K. (1978): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7137 Abensberg. – 386 S.; München.
Autor des Datenblattes: Birgit Niebuhr
Erstellt am: 29.09.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.10.2015
Änderung Datensatz: 20.10.2015


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Litholex Recherche vom 26.04.2017, 11:56:38.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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