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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Arietenkalk-Formation
ID: 4012079
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Schwarzjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Untersinemurium (Sinemurium, Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Arietenschichten bzw. Arietitenschichten, Gryphaeenkalke, Schwarzjura Alpha 3, Lias 1, Unter-Sinemurium (als lithostratigraphischer Begriff); Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: juAK
Lithologie: Wechselfolge von bioklastischen Kalkstein-Bänken und Tonmergelstein-Zwischenlagen. Die grauen, oft bräunlich verwitternden Kalksteinbänke erreichen Mächtigkeiten von mehreren Dezimetern bis über einen Meter und bestehen überwiegend aus mehrfach aufgearbeitetem Fossildetritus mit sparitischer, teilweise auch mikritischer Matrix. Neben Ammoniten sind verschiedene Muscheln häufig bis gesteinsbildend (v.a. Gryphaea arcuata). Gebietsweise sind angebohrte Kalkstein- und / oder Phorphoritgerölle eingestreut. Nach Osten werden die Kalksteine zunehmend sandig. In den untersten Bänken treten vielfach Eisenooide auf, neben denen auch Bioklasten mit Eisenoxiden imprägniert sein können. Im unteren Teil der Formation treten im Raum Plochingen kalkige bioturbierte Feinsandsteine auf (Plochinger Sandstein), sowohl innerhalb der untersten Tonmergelsteine als auch als örtliche laterale Faziesvertretung der untersten Kalksteinbänke (Bloos 1976).
Die grauen bis dunkelgrauen Tonmergelstein-Zwischenlagen sind in den Gebieten geringmächtiger Entwicklung auf dünne Mergelfugen reduziert. Die Mächtigkeit nimmt im Gebiet bzw. Vorland der Mittleren Alb stark zu und erreicht in einzelnen Lagen mehr als einen Meter. Der Kalkgehalt ist hier am geringsten, neben Tonmergelsteinen treten hier auch kalkige Tonsteine auf. Im oberen Teil der Formation sind die Ton- und Tonmergelsteine im Raum Balingen und bei Tübingen lagenweise bituminös (sog. Lias-Alpha-Ölschiefer).
Untergeordnete Einheit: Regional wurden die Kalksteinbänke als Leitbänke zur Korrelation verwendet und dabei meist mit Namen aus dem Steinbruchbetrieb versehen (sog. Dreispälter, Schneller, etc.) oder mit römischen Ziffern nummeriert. Die lithologische Ausbildung wechselt jedoch lateral, weshalb sie lithostratigraphisch nur eingeschränkt nutzbar sind. Während im Fildergebiet bis zu elf Kalksteinbänke durch Mergellagen voneinander getrennt sind, verschmelzen diese in den Schwellengebieten der Westalb und der Ries-Tauber-Schwelle auf sechs bis vier Bänke, deren Korrelation nur mithilfe der Ammonitenstratigraphie zuverlässig erfolgen kann. Auch die eisenoolithische Kupferfelsbank an der Basis der Formation wurde daher besonders im Filsgebiet mehrfach mit anderen, ebenfalls eisenoolithischen Bänken verwechselt (Bloos 1976). Im Fildergebiet bietet ein mehr als einen Meter mächtiger Tonmergelhorizont (Riek’scher Tonhorizont) einen lokalen Leithorizont (Riek 1989).
Liegendgrenze: Basis der Kupferfelsbank, soweit vorhanden, sonst Basis der ersten Schillkalkbank über der Angulatensandstein-Formation.
Hangendgrenze: Einsetzen dunkler Tonsteine der Obtususton-Formation über der obersten Kalksteinbank oder Mergellage der Arietenkalk-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 5–15 m (Mittlere Alb), nach Süden und Osten auf unter 5 m abnehmend.
Maximale Mächtigkeit: 19 m (Deizisau bei Plochingen).
Typusprofile, etc.: Aufgelassener Steinbruch W Aselfingen, Mundelfinger Wasserfall, Straßenaufschluß Heimatsmühle: Felsböschung an der K 3311 Wasseralfingen-Hüttlingen im Kochertal (Geotop LGRB).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Die Schillkalkfazies des Untersinemuriums beschränkt sich weitgehend auf das Gebiet der Schwäbischen Alb und ihres Vorlands. Östlich der Jagst in Ostwürttemberg unscharfer lateraler Übergang des Arietenkalks in den Gryphäensandstein.
Zeitgleiche Einheiten: Die Formation wird nach Westen faziell von der höheren Langenbrücken-Formation (Oberrheingebiet), nach Osten und Südosten von der Gryphäensandstein-Formation (Riesvorland, Frankenjura, Alpenvorland) und nach Südwesten (Schweiz) nomenklatorisch von Beggingen- und Weissenstein-Member der Staffelegg-Formation abgelöst.
Alterseinstufung: Unteres Sinemurium bis oberes Sinemurium, Bucklandi- bis tiefere Obtusum-Zone.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Bloos, G. (1976): Untersuchungen über Bau und Entstehung der feinkörnigen Sandsteine des Lias (Hettangium und tiefstes Sinemurium) im schwäbischen Sedimentationsbereich. – Arb. Inst. Geol. Paläont. Univ. Stuttgart, N.F. 71: 269 S., 27 Taf.; Stuttgart.

Bloos, G. (1979): Über den Jura am Großen Haßberg (Unterfranken, N-Bayern) mit Bemerkungen zum Rät. – Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie B, 44: 1-53.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Quenstedt, F.A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Riek, R. (1989): Die Schichtenfolge des Unteren Schwarzen Jura (Hettangium – Sinemurium) auf den Fildern. – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N.F. 71: 299–336; Stuttgart.

Seidel, G. (Hrsg.)(2003): Geologie von Thüringen [2. Aufl.]. – 601 S.; Schweizerbart (Stuttgart).

Walliser, O.H. (1956): Stratigraphie des Lias Alpha 3 zwischen Fildern und Klettgau (Arietenschichten, SW-Deutschland). – N. Jb. Geol. Paläont. Abh., 103: 281–311; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E. & Arp, G.
Erstellt am: 31.03.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 09.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:24:21.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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