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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Gryphäensandstein-Formation
ID: 4012078
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Quenstedt 1843; Bloos et al. 2005 (Benennung)
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Schwarzjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Sinemurium (Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Sinemur-Schichten.
Für den Gryphäensandmergel: Lias beta, Oxynotum- und Raricostatum-Schichten, Obere Sinemur-Schichten. Für den Gryphäensandstein: Lias alpha3, alpha3-Kalksandstein, Arietensandstein, Untere Sinemur-Schichten.
Lithologie: Zwei lithologisch unterscheidbare Einheiten: unten Gryphäensandstein, oben Gryphäensandmergel.
Gryphäensandstein: Östliche Randfazies der Arietenkalk-Formation. Kalzitisch, in Mittelfranken auch dolomitisch gebundener, harter, fossilarmer Grobsandstein, im Gebiet von Bayreuth allerdings kaum verfestigt. Sandkorngröße im Übergangsbereich Grobsand/Feinkies, Rundung gut, Sortierung überwiegend sehr gut; nahezu frei von Mergel- und Tonstein-Einschaltungen. Charakterfossil ist Gryphaea arcuata.
Gryphäensandmergel: Randfazies der Obtususton-Formation. Grobsandiger Mergel, mit Lagen und Linsen von Grobsandstein; im südlichen Franken nach Osten (Weißenburg) ganz in Grobsandstein übergehend. Im Unterschied zum Gryphäensandstein reich an Phosphorit-Konkretionen und Fossilgrus. Gryphaea obliqua ist kennzeichnendes Fossil.
Auffallend ist das weitgehende Fehlen von mittel- und feinkörnigem Sandstein in der ganzen Formation.
Untergeordnete Einheit: Gryphäensandstein (unten) und Gryphäensandmergel (oben) können als Subformationen angesehen werden. Einzige benannte Einzellage: sog. Basale Mulmlage an der Basis des Gryphäensandmergels.
Liegendgrenze: Einsetzen grobkörnigen Sandsteins über der Angulatensandstein-, Bamberg-, Bayreuth- und Trossingen-Formation in deren jeweiligem Verbreitungsgebiet. In Mittelfranken kommt es im Basisbereich lokal zu einer geringfügigen Verzahnung mit der Bayreuth-Formation.
Hangendgrenze: Einsetzen dunkelgrauer Tonsteine der Obtususton-Formation in Württemberg östlich der Jagst bis ins grenznahe Bayern südwestlich des Hesselbergs und in ganz Oberfranken; im Verbreitungsgebiet des Gryphäensandmergels (Mittel-, Süd- und SW- Franken) bildet das Einsetzen von Kalkstein der Numismalismergel-Formation die Obergrenze.
Mittlere Mächtigkeit: 1–3 m.
Maximale Mächtigkeit: 5 m (Wolfsbühl, SW des Hesselbergs). Dort maximale Mächtigkeit des Gryphäensandsteins 4,3 m und des Gryphäensandmergels 0,7 m. Maximale Mächtigkeiten des Gryphäensandsteins in Oberfranken (Bohrungen um Staffelstein) ähnlich. Das Verbreitungsgebiet des Gryphäensandmergels liegt außerhalb von Oberfranken.
Typusprofile, etc.: Wolfsbühl, eh. Steinbruch im Weiltinger Forst, 0,9 km E des Orts (SW des Hesselbergs), TK 25 Nr. 6928 Weiltingen, R: 03 920, H: 32 600 (Profil 22 in Jahnel 1970: XI).
Referenzprofil in Mittelfranken: Prallhang am Sandbach, NNE Sendelbach, TK 25 Nr. 6534 Happurg, R: 54 540, H: 83 380 (Schmidt-Kaler 1977: 12, Abb. 4 Profil, Abb. 5 Foto).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): In Mittel-, Süd- und Südwest-Franken, SE einer Linie Hesselberg-SW – Nürnberg – Creußen geht die Obtususton-Formation in geringmächtigen, grobsandigen Mergel und Kalksandstein über (Gryphäensandmergel) und wird mit dem Gryphäensandstein in der Gryphäensandstein-Formation zusammengefasst.
W der Jagst in Ostwürttemberg unscharfer lateraler Übergang des Gryphäensandsteins in die Arietenkalk-Formation.
Vorkommen im Alpenvorland in einem Streifen entlang der Iller.
Zeitgleiche Einheiten: Obtususton-Formation (Äquivalent des Gryphäensandmergels),
Arietenkalk-Formation (Äquivalent des Gryphäensandsteins).
Alterseinstufung: Gryphäensandstein: Frühes Sinemurium (ab Bucklandi-Zone, Rotiforme-Subzone) bis beginnendes Spätes Sinemurium (Obtusum-Zone, Stellare Subzone). Der stratigraphische Umfang entspricht dem der Arietenkalk-Formation in Ostwürttemberg. Nach Osten und Südosten zu (Weißenburger Schwelle und Oberpfalz) fehlt das Frühe Sinemurium.
Gryphäensandmergel: Spätes Sinemurium (Oxynotum-Zone, Oxynotum-Subzone bis Raricostatum-Zone, Aplanatum-Subzone) (Zeiss 1965).
Kommentar: Schichtlücke zwischen Gryphäensandstein und Gryphäensandmergel (Obtusum-Zone, Denotatus-Subzone bis Oxynotum-Zone, Simpsoni-Subzone) (Jahnel 1970).
Die höchsten Subzonen der Raricostatum-Zone sind nur im Gryphäensandmergel Südwest-Frankens nachgewiesen und fehlen sonst in Südwestdeutschland teilweise oder ganz.
Versch./Sonstiges: Der Gryphäensandmergel enthält trotz seiner geringen Mächtigkeit Ammoniten fast aller Subzonen der Oxynotum- und Raricostatum-Zone. Infolge von aufarbeitungsbedingter Faunenmischung hat sich keine stratigraphische Abfolge feststellen lassen (Jahnel 1970).
Literatur: Bayerischers Geologisches Landesamt (Hrsg.) (1996): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1 : 500 000 [4. Aufl.]. – 329 S., 8 Anl.; München (Bayer. GLA).

Bloos, G., Dietl, G., Dietze, V., Schick, H. & Schulbert, Ch. (2004): Exkursionsführer. Hesselberg-Gebiet. – In: DSK – Deutsche Stratigraphische Kommission, Subkommission für Jura-Stratigraphie. Jahrestagung 2004 im Nördlinger Ries (19.5.–22.5.2004), S. 16–37. – [Manuskript]

Bloos, G., Dietl, G., Schweigert, G. (2005): Der Jura Süddeutschlands in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. – Newsletters on Stratigraphy, 41: 263–277.

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Jahnel, C. (1970): Stratigraphie, Fazies und Fauna des Lias Alpha, Beta und Gamma im Gebiet der Nördlinger Rieses. – Diss. Univ. München, 123+XXXI S.

Krumbeck, L. (1932): Zur Stratigraphie des Lias in Nordbayern. 1. Lias ß. – Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Beilagen-Bd. 68, Abteilung B: 1–126, Taf. 1, 1 Tab.-Beil.; Stuttgart.

Quenstedt, F.A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Schmidt-Kaler, H. (1977): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 6534 Happurg, 79 S., 28 Abb., 2 Tab., 4 Beil.; München.

Zeiss, A. (1965): Über Ammoniten aus dem Sinémurien Südwest-Frankens. – Geologische Blätter für Nordost-Franken, 15: 22 – 50, 1 Taf.,3 Abb., 1 Taf.; Erlangen.
Autor des Datenblattes: Bloos
Erstellt am: 31.03.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.10.2015
Änderung Datensatz: 20.10.2015


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 20:41:29.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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