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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Schnöll-Formation
ID: 4012077
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wähner (1903) (erste Beschreibung); Böhm et al. (1999) (Definition)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Adnet-Gruppe (nach Böhm)
Chronostratigraphie: Hettangium (Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Graue, blaßrötliche, bunte und rote Kalke (Wähner 1903: 3); Rotkalk- und Rot-Grau-Kalk-Bänke (Schlager 1970); Fazies massiger bis grob gebankter Kalke lebhaft bunter Färbung (Wendt 1971); grau-bunt gemischter Kalk, "Schnöllmarmor" (Plöchinger 1990: 19); "Rot-Grau-Schnöll-Marmor" (Gallet et al. 1993); "Enzesfelder Kalk" (Blau & Grün 1996)
Lithologie: Massige bis grob-gebankte, meist bunte, graue, gelbliche, rosa, grünliche bis violette, biomikritische Kalksteine ohne Mergeleinschaltungen
Untergeordnete Einheit: Böhm et al. (1999) untergliedern die Schnöll-Fm. in zwei Subformationen:
- Langmoos-Subformation: charakterisiert durch weit verbreitete kieselige Schwammnadeln
- Guggen-Subformation: hier ist die echinodermenreiche Varietät beschrieben, die an der Typuslokalität über der Langmoos-Subformation folgt.
Liegendgrenze: Einsetzen der charakteristischen bunten Kalksteine über massigem rhätischem Riffkalk (Diskonformität mit Hiatus) oder abrupter Fazieswechsel über der Kalk-Mergel-Wechselfolge der Kendlbach-Formation: das Gestein wechselt von grauen Kalksteinen zu schwammnadelreichen bunten Kalksteinen der Schnöll-Formation.
Hangendgrenze: Diskonformität, die verbreitet als Marmoreum-Kruste bezeichnet wird. Hangend: Adnet-Formation (meist Lienbacher-Subfm.).
Mittlere Mächtigkeit: Am Nordrand der bayerischen Kalkalpen 0,5 – 1,5 m
Maximale Mächtigkeit: Im Typusgebiet in Adnet maximal 14 Meter (geschätzt) (Böhm 2003)
Typusprofile, etc.: Die Typlokalität liegt im Adneter „Langmoos Steinbruch“, detailliert beschrieben von Böhm (2003).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): Nördliche Kalkalpen
Zeitgleiche Einheiten: Nördliche Kalkalpen: Untere Allgäu-Formation (tieferes Becken), Kendlbach-Formation (Schwellenfazies, mehr beckenwärts), Enzesfeld-Formation (Übergangsfazies Schnöll-/Kendlbach-Fm.), Kirchsteinkalk (Beckenrand des Allgäubeckens), Kalksburger Schichten (Schwellenkalk)
Germanische Fazies: Psilonotenton-Fm., Bamberg-Fm., Bayreuth-Fm.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: anhand von Ammoniten nachgewiesen sind obere planorbis- bis marmoreum-Zone (Hettangium) (Meister & Böhm 1993)
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Schnöll-Formation ist benannt nach der Bezeichnung der Adneter Steinbruchbetreiber für diese Gesteinsausbildung massiger, bunter Kalksteine.

Fazies: kondensierte hemipelagische Kalksteine, beschränkt auf den Hang der abgesunkenen, überfluteten Rhätischen Riffe (Schwellensedimente).

Fossilien nach Böhm (2003): z.T. sehr fossilreich. Foraminiferen, Ostracoden, Echinodermen, Schwammnadeln, Ammoniten, Brachiopoden, Bivalven, Gastropoden. Sehr selten finden sich Wirbeltierreste (meist Zähne und Wirbel von schwimmenden Reptilien).

In Bayern lässt sich die Schnöll-Formation innerhalb der Vilser und Lechtal-Decke finden. Die Schnöll-Formation ist in den bayerischen Alpen nur wenig verbreitet, weil der größte Teil der Unterjura-Sedimente als Beckenfazies (Allgäu-Formation) ausgebildet ist.

Vorkommen: z.B. Mittenwald (Marmorgraben), Rottach-Egern (Wallberggebiet), Hochfellngebiet (Sonderfazies).
Die von Gawlick et al. (2009) aus Adnet detailliert beschriebene und abgegrenzte Enzesfeld-Formation ist noch weniger im bayerischen Raum auskartierbar als die Schnöll-Formation. Nur der oberste Bereich der Schnöll-Formation mit den Eisen-Mangan-Verkrustungen, der sog. marmoreum-Kruste, zeigt große Ähnlichkeit mit der Enzesfeld-Formation. Die sehr geringe Mächtigkeit von oft nur wenigen Zentimetern rechtfertigt eine Abgrenzung der Enzesfeld-Formation für den bayerischen Raum nicht (diskutiert in Böhm 2003). Als Benennung wird Schnöll Formation mit Enzesfelder Kalk (s. Blau & Grün 1996) vorgeschlagen.
Literatur: Blau, J. & Grün, B., 1996: Sedimentologische Beobachtungen im Rot-Grau-Schnöll-Bruch (Hettangium/Sinemurium) von Adnet (Österreich). - Giessener Geol. Schriften, 56: 95-106, Giessen.

Böhm, F., Ebli, O., Krystyn, L., Lobitzer, H., Rakus, M. & Siblik, M. (1999): Fauna, Sedimentology and Stratigraphy of the Hettangian-Sinemurian (Lower Jurassic) of Adnet (Salzburg, Österreich). Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, 56/2: 143-271, Wien.

Böhm, F. (2003): Lithostratigraphy of the Adnet Group (Lower to Middle Jurassic, Salzburg, Austria). - In: Piller, W. E.(Ed.): Stratigraphia Austriaca. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Schriftenreihe der Erdwissenschaftlichen Kommission, 16: 231-268, Wien (Österreichische Akademie Wissenschaften).

Gallet, Y., VanDamme, D. & Krystyn, L. (1993): Magnetostratigraphy of the Hettangian Langmoos section (Adnet, Austria): evidence for time-delayed phases of magnetization. - Geophys. J. Int., 115: 575-585, Oxford.

Gawlick, H.-J., Missoni, S., Schlagintweit, F., Suzuki, H., Frisch, W., Krystyn, L., Blau, J. & Lein, R.(2009): Jurassic Tectonostratigraphy of the Austroalpine Domain. - Journal of Alpine Geology, 50: 1-152, Wien.

Meister, C. & Böhm, F. (1993): Austroalpine Liassic Ammonites from the Adnet Formation (Northern Calcareous Alps). - Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 136/1: 163-211, Wien.

Plöchinger, B. (1990): Erläuterungen zu Blatt 94 Hallein, Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000. - 76 S., Wien (Geol. B.-A.).

Schlager, M. (1970): Bericht 1969 über geologische Arbeiten auf Blatt Hallein (94). - Verh. Geol. B.-A. 1970, A52-A59, Wien.

Wähner, F. (1903): Das Sonnwendgebirge im Unterinntal. 1. Teil. – 356 S., Wien (Deuticke).

Wendt, J. (1971): Die Typlokalität der Adneter Schichten (Lias, Österreich). - Ann. Inst. Geol. Publ. Hung., 54: 105-116, Budapest.
Autor des Datenblattes: Kment, K., Haas, U. & Teipel, U.
Erstellt am: 31.03.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 18.10.2015
Änderung Datensatz: 04.11.2015


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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:32:58.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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