litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Untere-Felsenkalke-Formation
ID: 4012071
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Geyer & Gwinner 1962
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Weißjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Kimmeridgium (Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Weißjura Delta (teilweise), Mittel-Kimmeridgium (im lithostrat. Sinne), Untere Felsenkalke, Aulacostephanenschichten, Mutabiliskalk; Kürzel im Symbolschlüssel Geologie: joFU
Lithologie: Graue, teilweise gelbliche oder bräunliche Kalksteinbänke mit meist dünnen Mergelstein- oder Kalkmergelstein-Zwischenlagen. Die Kalksteine sind überwiegend Wacke- bis Packstones mit hohem Anteil kalkiger Intraklasten und Bioklasten und mikritischer Matrix. Die Bankmächtigkeiten schwanken abschnittsweise und mit der Entfernung zu den Biohermen der Massenkalk-Formation zwischen einem und mehreren Dezimetern. Gebietsweise treten in der oberen Hälfte der Formation hellgraue bis weiße oder braune Hornsteinknollen auf.
Untergeordnete Einheit: Die Einheit kann nach Aldinger (1945) in vier Abschnitte gegliedert werden, die bislang noch nicht formal als Subformationen definiert wurden. Der untere Abschnitt (Untere Felsenkalke 1, 6–10 m) besteht aus 0,1–0,6 m mächtigen Bänken aus mittelgrauem Kalkstein und wenige Zentimeter mächtigen Mergellagen. Die Bankmächtigkeiten der Kalksteine nehmen nach oben etwas ab. Darüber folgt (Untere Felsenkalke 2, 5–8 m) eine Mergelstein-Kalkstein-Wechselfolge, in der besonders in der Mittleren Alb und Westalb die Mergelsteine teilweise überwiegen, in der Ostalb jedoch von plattigen Kalk- bis Mergelkalksteinbänken abgelöst werden. Im dritten Abschnitt (Untere Felsenkalke 3, 10–15 m) herrschen 0,2–1 m mächtige mittel- bis hellgraue Kalksteinbänke mit sehr dünnen Mergelzwischenlagen vor, einige Bankungsgrenzen sind stylolithisch überprägt. An der Obergrenze ist eine bis 0,5 m mächtige, grüngraue, Glaukonit führende, schwach dolomitische Kalksteinbank bzw. ein einige Dezimeter starker glaukonitischer Mergelstein-Kalkstein-Mergelstein-Horizont entwickelt (Glaukonitbank). Der oberste Abschnitt (Untere Felsenkalke 4, Mauchentäler Kalke, 20–30 m) beginnt über der Glaukonitbank mit dickbankigen hellgrauen bis gelblichen Kalksteinen (Bankmächtigkeiten bis über 1 m), die durch dünne Mergelfugen getrennt sind.
Liegendgrenze: Einsetzen einer geschlossenen Bankkalkfolge über den Mergelsteinen der Lacunosamergel-Formation. Zu Details vgl. Schick (2004).
Hangendgrenze: Aussetzen der Mergelfugen zwischen den Bankkalken der Unteren Felsenkalke 4 und Übergang in Bankkalksteine mit durchgehend stylolithischen Bankkontakten (Obere-Felsenkalke-Formation) oder fazieller Wechsel von der Bankkalkfazies der Unteren Felsenkalke in unregelmäßig bis nicht geschichtete Biohermkalksteine der Massenkalk-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 20–50 m, kleinräumig wegen der Faziesgrenzen zur Massenkalk-Formation schwankend.
Maximale Mächtigkeit: Bis ca. 60 m mit Annäherung an die Bioherme der Massenkalk-Formation.
Typusprofile, etc.: Steinbruch Möck an der östlichen Grabenstettener Steige; ergänzende Profile mit Teilausschnitten: Steinbruch Eichen bei Tuttlingen, Kolbinger Steige, Umgebung von Bad Urach. Weitere Profile in Ziegler (1955).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Wird lateral von der Massenkalk-Formation vertreten, besonders im höheren Teil. Südlich etwa der Linie Sipplingen–Memmingen nimmt der Bitumengehalt der Kalksteine zu, wodurch die Formation in die Quinten-Formation der helvetischen Fazies übergeht.
Alterseinstufung: Kimmeridgium, Acanthicum- bis Pseudomutabilis-Zone bzw. Mutabilis- bis Eudoxus-Zone.
Kommentar: Feingliederung in Faunenhorizonte steht noch aus.
Versch./Sonstiges: Die Bezeichnung Weißer Jura Delta wurde in der Vergangenheit unterschiedlich verwendet und schloss häufig die biostratigraphisch korrelierenden Massenkalke mit ein, in seiner ursprünglichen Fassung bei Quenstedt (1843) alle Bankkalke über den Lacunosamergeln. Die Abgrenzung von Unteren und Oberen Felsenkalken erfolgte zunächst aus biostratigraphischen Gründen, jedoch seither meist auf lithologischer Grundlage.
Literatur: Aldinger, H. (1945): Zur Stratigraphie des Weißen Jura d in Württemberg. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 31–35: 111–152; Stuttgart.

Bloos, G., Dietl, G. & Schweigert, G. (2005): Der Jura Süddeutschlands in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. – Newsl. Stratigr., 41: 263–277; Berlin.

Engel, T. (1877): Der „Weiße Jura“ in Schwaben. – Jh. Ver. Vaterl. Naturk. Württemberg, 33: 104–290; Stuttgart.

Geyer, O.F. & Gwinner, M.P. (1962): Der Schwäbische Jura. – Slg. Geol. Führer, 40: 452 S., 4 Beil; Stuttgart (Borntraeger).

Geyer, M., Nitsch, E. & Simon, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg [5. Aufl.]. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).

Meyer, R.K. & Schmidt-Kaler, H. (1989): Paläogeographischer Atlas des süddeutschen Oberjura (Malm). – Geologisches Jahrbuch, A 115: 77 S., 10 Beil.; Hannover.

Quenstedt, F.A. (1843): Das Flözgebirge Württembergs. Mit besonderer Rücksicht auf den Jura. – 560 S.; Tübingen (Laupp).

Quenstedt, F.A. (1858): Der Jura. – 842 S.; Tübingen (Laupp).

Schick, H. (2004): Gliederung und Typusprofil der Lacunosamergel-Formation (Ober-Jura, Schwäbische Alb). – Stuttgarter Beitr. Naturk., B, 346: 1–25, Stuttgart

Schweigert, G. (1995): Neues zur Stratigraphie des schwäbischen Oberjura. – Laichinger Höhlenfreund, 30: 49–60; Laichingen.

Ziegler, B. (1955): Die Sedimentation im Malm Delta der Schwäbischen Alb. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 37–35: 29–55; Stuttgart.

Ziegler, B. (1977): The „White“(Upper) Jurassic in Southern Germany. – Stuttgarter Beitr. Naturk., B 26: 79 S.; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Nitsch, E., Schweigert, G.
Erstellt am: 14.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 09.10.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:29:41.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID