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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Oibeleskopf-Formation
ID: 4012065
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Schumann 2003
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mitteljura (Jura, Mesozoikum)
Synonyme: dolomitisierter Doggerkalk (Richter 1954); tektonisches Hauptdolomit-Schubbrett (Jacobshagen 1965)
Lithologie: Die Oibeleskopf-Formation wird aus komponentengestützten Breccien aufgebaut, bei denen sich Lagen aus kleineren, cm-großen Klasten mit groben Breccien-Horizonten abwechseln (Schumann 2003).
Die meist eckigen, seltener kantengerundeten Klasten bestehen überwiegend aus hell- bis gelblichgrauen Dolomitsteinen des Hauptdolomits, untergeordnet aus Kalksteinen, und können bis zu 10 m Durchmesser erreichen; in Bereichen mit Korngrößen von nur einigen cm kann eine undeutliche Schichtung ausgebildet sein.
Die Matrix ist meistens dolomitisch und mehlig ausgebildet, mit hell-, dunkelgrauer oder beiger Farbe. Im oberen Bereich, direkt im Liegenden der Ruhpolding-Formation, kann die Matrix kieselig werden, und besteht aus rotem, mikritischem Kalkstein oder braunrotem, z.T. schwarzem Radiolarit. Oft sind neben hellen, pulverigen Verwitterungsrückständen nur noch Negativabdrücke der Klasten in der kieseligen Matrix erhalten. Unter dem Mikroskop sind neben Radiolarien-Querschnitten und Hämatiteinlagerungen häufig Reste von Mikrobenkrusten auf den Klasten erkennbar.
In der Nähe der Deckengrenze des Hintersteiner Fensters ist die Breccie tektonisch beansprucht und von Calcitadern durchzogen.
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: Auftreten von Breccien über dunklen Tonmergelsteinen der unterlagernden Kohlstatt-Schichten (obere Allgäu-Formation).
Hangendgrenze: Ausbleiben der Breccien; Auftreten von meist rötlichen Radiolariten, Kieselkalksteinen oder kieseligen Tonmergelsteinen der überlagernden Ruhpolding-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Wenige m bis 20 m
Maximale Mächtigkeit: 30 m
Typusprofile, etc.: Typus- und Verbreitungsregion ist das Hintersteiner Fenster (Nördliche Kalkalpen) in den Allgäuer Alpen, S Hinterstein (Zacher in Vorb.).
Das Typusprofil liegt im nördlichen Elpebach (1310 m ü. NN) unweit der unteren Hütte der Elpen-Alpe (Schumann 2003). Ihre größte, flächenhafte Verbreitung hat die Formation am Oibeleskopf, S Hinterstein (TK-Nr. 8528 Hinterstein).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen, Allgäuer Alpen
Verbreitung (Ergänzung): Hintersteiner Fenster (Nördliche Kalkalpen)
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Da bisher keine Fossilien gefunden wurden, wird aufgrund ihrer Position zwischen den Kohlstatt-Schichten der oberen Allgäu-Formation (murchisonae- bis concavum-Zone, Aalenium; Jacobshagen 1965) und der Ruhpolding-Formation (Bajocium – Tithonium, diachron; Gawlick et al. 2009) von einer Entstehung im Bajocium bis Callovium ausgegangen.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Formation ist benannt nach dem Oibeleskopf, S Hinterstein.
Fazies: episodische, submarine Massenbewegungen in der Nähe von Hochgebieten.
Zacher (2011) sieht im Auftreten dieser groben Breccien-Horizonte im strukturell unter der Allgäu-Decke liegenden Hintersteiner Fenster einen Hinweis darauf, dass der Fensterinhalt zum Unterostalpin gehören könnte.
Literatur: Gawlick, H.-J., Missoni, S., Schlagintweit, F., Suzuki, H., Frisch, W., Krystyn, L., Blau, J. & Lein, R. (2009): Jurassic Tectonostratigraphy of the Austroalpine Domain. - J. Alpine Geol., 50: 1-152, Wien (Geoaustria).
Jacobshagen, V. (1965): Die Allgäu-Schichten (Jura-Fleckenmergel) zwischen Wettersteingebirge und Rhein. - Jahrb. Geol. Bundesanstalt, 108: 1-114, Wien (Geol. Bundesanstalt).
Richter, D. (1954): Geologie der Allgäuer Alpen südlich von Hindelang. - Unpubl. Diss., 150 S., Berlin (Univ. Berlin).
Schumann, D. (2003): Geologische Neukartierung des Hintersteiner Fensters und des Eckbachtales südwestlich Hinterstein (Allgäuer Alpen). - Unpubl. Dipl.-Kart., 95 S., Jena (FSU Jena).
Zacher, W. (2011): Geologische Karte von Bayern 1:25 000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 8528 Hinterstein.- Unveröff. Manuskript. - Augsburg (Bayer. Landesamt für Umwelt).
Zacher, W. (in Vorb.): Geologische Karte von Bayern 1:25 000 Blatt Nr. 8528 Hinterstein. - Augsburg (Bayer. Landesamt für Umwelt).
Autor des Datenblattes: Teipel, U., Schumann, D.
Erstellt am: 14.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 02.02.2015
Änderung Datensatz: 19.10.2015


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Litholex Recherche vom 28.06.2017, 09:17:08.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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