litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Frankenalb-Formation
ID: 4012055
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1868), Definition: Niebuhr & Pürner (2014)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Weißjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Untertithonium (Tithonium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Kimmeridgium (Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Oberoxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Mitteloxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: pars Frankendolomit, plumpe Felsenkalke (Marmorkalke), klotzige Diceras- und Korallenkalke, Nerineen-Oolithe, Kelheimer Kalk (Gümbel 1868, 1891); Schwammstotzen (Roll 1934); Massenkalk, Massendolomit, Frankendolomit, tafelbankiger Dolomit, dolomitisierte Riffkuppel (Freyberg 1961); Rieder Fazies, Groppenhof formation, reef facies (Zeiss 1964, 1977); Riff-Fazies (Bioherm), Riff-Fazies (dolomitisierte Schwammriffe), Riff-Dolomit, Massenkalk, non tafelbankige Schwammfazies (Biostrom), non tafelbankiger Dolomit, non tafelbankiger Schwammkalk (Meyer 1972, 1974, 1977, 1990); Bioherm- oder Schwammriff-Fazies, non Biostrom- oder Schwammrasen-Fazies (Meyer & Schmidt-Kaler 1989); Frankenalb-Formation (ehem. Malm Alpha bis Zeta 2 in Massenfazies), Massendolomit, Massenkalk, Grober Riffschuttkalk (Kling 2013); Frankenalb-Formation (Niebuhr & Pürner 2014).
Lithologie: Massige Dolomite und Kalke aus Riff-Fazies und riffnaher Schill-Fazies, die in mehrere Meter mächtigen Bänken absondern können. In der Massenfazies überwiegen Dolomite bei weitem, ungeschichtete Kalke liegen lediglich als kleinere, isolierte Reste in ausgedehnten Dolomitarealen. Über 70 % der Massenfazies besteht aus (Peloid-Lithoklast-Ooid-) Karbonatsanden, nur höchstens 30 % sind echte Schwamm-Mikrobialit-Biostrome und -Bioherme (Koch 1997).
Untergeordnete Einheit: Massendolomit – Frankendolomit sensu Gümbel (1868); nach Freyberg (1961) alle massigen (= mit Fugenabständen größer als 2 m) Dolomite des Malm ohne Rücksicht auf die stratigraphische Zugehörigkeit ihrer Muttergesteine.
Massenkalk – Plumpe Felsenkalke sensu Gümbel (1868), alle Kalke der Weißjura-Gruppe mit Fugenabständen größer als 2 m ohne Rücksicht auf ihre stratigraphische Zugehörigkeit.
Streitberg-Subformation – Schwammstotzen, Riffkuppel, Bioherm (Roll 1934; Freyberg 1961). Die Bänke der dolomitisierten Kuppen zeigen rasche Mächtigkeitsschwankungen, auch Diskordanzen an den Flanken. Das Einfallen der Fugen geht in verschiedene Richtungen, auch gegen das generelle Schichteinfallen.
Lochstein-Subformation – Ebenflächiger Dolomit mit Fugenabständen > 2 m. Der tafelbankige Dolomit sensu Freyberg (1961) zeigt Bankung in außerordentlich flachen, im Einzelaufschluss oft gar nicht feststellbaren Wölbungen mit unbedeutenden Mächtigkeitsschwankungen oder überhaupt ebenflächige Bankung auf große Entfernungen. Unbeschadet aller flachen Wellungen geht das Generaleinfallen immer gleichsinnig mit dem Schichteinfallen. [..] Von den Delta-Bänken der geschichteten Fazies unterscheidet sich diese Dolomitfazies durch die bedeutendere Dicke der Bänke, die mehrere m umfasst, [..] bis 11,50 m wurde ohne Zwischenfugen gemessen (Freyberg 1964).
Grobe Riffschuttfazies – Grobe Schüttungen von den Riffen hinab verzahnen sich riffrandnah mit der Schichtfazies (z.B. Groppenhof formation, Zeiss 1977).
Kelheim-Subformation – die 150-170 m mächtigen, sehr fossilreichen Korallen-Riffschuttkalke der Kelheim-Subformation haben massig absondernde Bänke mit Fugenabständen von durchschnittlich 2-3 m (Rutte 1962), die mit den Riffkörpern aufs Engste verzahnt sind und von ihnen in der Regel mit 20-30° abfallen. Die groben Detrituskalke sind sehr variabel, oftmals reinweiß, mürbe und löchrig. Die häufigsten Biogene sind Ooide, Kalkalgen, Korallen, Brachiopoden, Muscheln, Gastropoden, Echinodermen und Crinoiden.
Untere Frankenalb-Formation – Die Untere Frankenalb-Formation (sog. Malm Alpha bis Oberdelta) ist durch die fortschreitende Ausbreitung der Schwamm-Mikrobialit-Riffe gekennzeichnet, die im mittleren Oberkimmeridgium zur Zeit der oberen Treuchtlingen-Formation ihren Höhepunkt erreicht und dann abrupt mehr oder weniger zeitgleich auf der gesamten Frankenalb unterbrochen wird (siehe Velburg-Horizont und Basis der Torleite-Formation). Nur in diesem Zeitabschnitt treten die ausgedehnten Riffareale als faziesbegrenzende Schranken oder Barrieren in Erscheinung.
Mittlere Frankenalb-Formation – Das Riffwachstum, jetzt auch mit Korallen, wird durch das Fortschreiten der Torleite-Transgression weiter zurückgedrängt zugunsten der sich ausdehnenden Wannenbereiche. Überwiegend auf das obere Oberkimmeridgium und untere Untertithonium beschränkt ist die Kelheim-Subformation (Rutte 1962; s.o.) und das Auftreten so genannter Braunkalke (Freyberg 1964; Zeiss 1964), die sich als riffrandlich mehrfach diagenetisch veränderte Karbonate besonders durch ihre meist intensiv braune Färbung auszeichnen. Feinkörnig-dichte Kalke wechseln mit grobkristallinen Varietäten und schließen vielfach kleine Kalkspatdrusen ein.
Obere Frankenalb-Formation – Die jüngere Riffgeneration (sog. Malm Zeta 3-6; Freyberg 1964; Zeiss 1964) ist nur noch am westlichsten Randbereich der Südlichen Frankenalb erhalten. Erstmals seit dem Oberkimmeridgium dehnen sich die Riffe zur Zeit der Mörnsheim-Formation (sog. Malm Zeta 3) wieder aus. Es dominieren Korallen. Die Massenkalke sind nur im geringen Umfang dolomitisiert worden. Parallel zur Sedimentation der Usseltal-Formation (sog. Malm Zeta 4) ziehen sich die Riffe endgültig zurück, um im oberen Untertithonium (sog. Malm Zeta 5+6) vermutlich komplett von geschichteten Sedimenten überdeckt zu werden.
Bänke – Lokal lassen sich die Platynota- und Crusoliensis-Mergel der Arzberg-Formation (sog. Malm Gamma 1 und Malm Gamma 3b) als dünn- bis mittelbankige Einschaltungen von der Schichtfazies bis in die Massenfazies der Unteren Frankenalb-Formation hinein verfolgen. Weit verbreitet ist der Velburg-Horizont mit bis ca. 10 m mächtigen dünn- bis mittelbankigen Dolomiten und Kalken zwischen dickbankigen und massigen Karbonaten, der in der Pseudomutabilis-Zone die Untere von der Mittleren Frankenalb-Formation trennt.
Liegendgrenze: Ältere Formationen der Weißjura-Gruppe in Schichtfazies oder, in lokal begrenzten Ausnahmen, die Sengenthal-Formation der Braunjura-Gruppe, z.B. im Typusprofil der Sengenthal-Formation zu sehen (TK 25: 6734 Neumarkt i.d.OPf.).
Hangendgrenze: Erosiv gekappt oder jüngere Formationen der Weißjura-Gruppe in Schichtfazies.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Mehr als 500 m auf der westlichen Südlichen Frankenalb.
Typusprofile, etc.: Typusregionen für die Frankenalb-Formation sind die Parsberger Riffschranke, die sich etwa zwischen Regensburg und Kelheim nordwestlich in Richtung Neumarkt i.d.Opf. Zieht, und die Wiesent-Riffschranke, die sich von Egloffstein über Muggendorf in Südsüdwest-Nordnordost-Richtung bis fast nach Thurnau erstreckt.
Typusprofil für die Massendolomite: Grainberg, Heitzenhofen (TK 25: 6837 Kallmünz). Typusprofil für die Massenkalke: Donaudurchbruch bei Weltenburg (TK 25: 7036 Riedenburg, 7037 Kelheim, 7136 Neustadt a.d. Donau). Typusprofil der Lochstein-Subformation (ebenflächiger Dolomit mit Fugenabständen > 2 m): Großer Lochstein westlich von Pegnitz (TK 25: 6235 Pegnitz), Referenzprofil: Felsen am nördlichen Naab-Tal nordöstlich von Kallmünz (TK 25: 6837 Kallmünz). Typusprofil der Streitberg-Subformation (Riffkuppel-Dolomit): Müllerfelsen (TK 25: 6133 Muggendorf), Referenzprofile: Schloßberg von Kallmünz (TK 25: 6837 Kallmünz) und Hundsfelsen (TK 25: 6737 Schmidmühlen). Typusprofil für die Kelheim-Subformation: Steinbruch Saal der Fels-Werke in Saal an der Donau (TK 25: 7137 Abensberg).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Die Frankenalb-Formation ist die am weitesten verbreitete Kartiereinheit der Weißjura-Gruppe in Bayern und tritt übertage auf der gesamten Frankenalb östlich einer Linie Treuchtlingen–Lechtal sowie in Reliktvorkommen am Rand des kristallinen Grundgebirges zwischen Straubing und Passau auf.
Zeitgleiche Einheiten: Schichtfazies der Weißjura-Gruppe in Bayern und Baden-Württemberg sowie Kalk-dominierte Massenfazies der Lochen- und Oberjura-Massenkalk-Formationen westlich einer Linie Treuchtlingen–Lechtal in Bayern sowie in Baden-Württemberg.
Alterseinstufung: Mangels Ammoniten in der Massenfazies erfolgt die biostratigraphische Einstufung durch Korrelation mit zeitgleichen geschichteten Sedimenten der Weißjura-Gruppe (sog. Malm Alpha bis Zeta). Untere Frankenalb-Formation: Mitteloxfordium bis mittleres Oberkimmeridgium (sog. Malm Alpha bis Oberdelta). Meyer & Schmidt-Kaler (1983) haben aus der Netzstall-Subformation der unteren Torleite-Formation auf den Massendolomiten des Kopffelsens von Mühlbach auf dem Kartenblatt 6935 Dietfurt a.d. Altmühl das Leitfossil ihres Malm Oberdelta, Aulacostephanus pseudomutabilis, nachgewiesen. Die Grenze Untere zu Mittlere Frankenalb-Formation entspricht dem Velburg-Horizont resp. der Basis der Torleite-Formation und liegt im mittleren Oberkimmeridgium (sog. Malm Oberdelta). Mittlere Frankenalb-Formation: mittleres Oberkimmeridgium bis mittleres Untertithonium (sog. Malm Oberdelta bis Zeta 2), im Hangenden des Velburg-Horizonts. In der Kelheim-Subformation der Mittleren Frankenalb-Formation sind die Pseudomutabilis- bis untere Hybonotum-Zone belegt (sog. Malm Oberdelta bis Zeta 1, Rutte 1962). Obere Frankenalb-Formation: mittleres und oberes Untertithonium (sog. Malm Zeta 3-6).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Dieses Datenblatt ist eine gekürzte Fassung der Veröffentlichung von Niebuhr & Pürner (2014), weitere Informationen und ausführliche Diskussion dort.
Ableitung des Formationsnamens nach der Fränkischen Alb (Bayern) und dem Frankendolomit sensu Gümbel (1868), ihrer auffälligsten und am weitesten verbreiteten lithostratigraphischen Einheit.
Die Oberjura-Massenkalk-Formation in Baden-Württemberg, die in Unteren und Oberen Massenkalk und die Lochen-Subformation untergliedert wird, ist überwiegend kalkig, wohingegen die Frankenalb-Formation in Bayern ganz überwiegend dolomitisch ausgebildet ist.
Kurzcharakterisierung: Dolomit-dominierte Massenfazies. Massige Dolomite (Frankendolomit) und Kalke aus Riff-Fazies und riffnaher Schill-Fazies mit Fugenabständen > 2 m; gesamte Frankenalb und Reliktvorkommen zwischen Straubing und Passau; Mitteloxfordium bis Untertithonium.
Literatur: Freyberg, B. v. (1961): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 6235 Pegnitz. – 207 S.; München.
Freyberg, B. v. (1964): Geologie des Weißen Jura zwischen Eichstätt und Neuburg / Donau (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 54: 97 S.; Erlangen.
Gümbel, C.W. (1868): Geognostische Beschreibung des Königreiches Bayern. 2. Abtheilung. Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Kassel.
Gümbel, C.W. v. (1891): Geognostische Beschreibung des Königreiches Bayern. 4. Abtheilung. Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Frankenjura) mit dem anstossenden Fränkischen Keupergebiete. – 763 S.; Kassel.
Kling, M. (2013): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 Blatt Nr. 6637 Rieden. – Augsburg.
Koch, R. (1997): Daten zur Fazies und Diagenese von Massenkalken und ihre Extrapolation nach Süden bis unter die Nördlichen Kalkalpen. – Geol. Bl. NO-Bayern, 47: 117-150; Erlangen.
Meyer, R.K.F. (1972): Stratigraphie und Fazies des Frankendolomits (Malm). 1. Teil: Nördliche Frankenalb. – Erlanger Geol. Abh., 91: 28 S.; Erlangen.
Meyer, R.K.F. (1974): Stratigraphie und Fazies des Frankendolomits (Malm). 2. Teil: Mittlere Frankenalb. – Erlanger Geol. Abh., 96: 34 S.; Erlangen.
Meyer, R.K.F. (1977): Stratigraphie und Fazies des Frankendolomits (Malm). 3. Teil: Südliche Frankenalb. – Erlanger Geol. Abh., 104: 40 S.; Erlangen.
Meyer, R.K.F. (1990): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 6736 Velburg. – 71 S.; München.
Meyer, R.K.F. & Schmidt-Kaler, H. (1983): Erdgeschichte sichtbar gemacht. Ein geologischer Führer durch die Altmühlalb. – 260 S.; München.
Meyer, R.K.F. & Schmidt-Kaler, H. (1989): Paläogeographischer Atlas des süddeutschen Oberjura (Malm). – Geol. Jb., A 115: 3-77; Hannover.
Niebuhr, B. & Pürner, T. (2014): Plattenkalk und Frankendolomit – Lithostratigraphie der Weißjura-Gruppe der Frankenalb (außeralpiner Oberjura, Bayern). – SDGG, 83: 5-71; Hannover.
Roll, A. (1934): Form, Bau und Entstehung der Schwammstotzen im süddeutschen Malm. – Paläont. Z., 16: 197-246; Berlin.
Rutte, E. (1962): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7037 Kelheim. – 243 S.; München.
Zeiss, A. (1964): Geologie des Malm auf Gradabteilungsblatt Dollnstein (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 55: 43 S.; Erlangen.
Zeiss, A. (1977): Jurassic stratigraphy of Franconia. – Stuttgarter Beitr. Naturk., B 31: 32 S.; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B. & Pürner, T.
Erstellt am: 12.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.10.2015
Änderung Datensatz: 20.10.2015


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 28.05.2017, 08:45:48.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID