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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Altmühltal-Formation
ID: 4012051
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Krumbeck (1928), Definition Niebuhr (in Niebuhr & Pürner 2014)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Süddeutscher Jura, Weißjura-Gruppe
Chronostratigraphie: Untertithonium (Tithonium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Oberkimmeridgium (Kimmeridgium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: pars Schichten von Solenhofen (Oppel 1863); Solnhofener Schichten (Krumbeck 1928); Untere Schiefer und Trennende Krumme Lage, Obere Schiefer und Hangende Krumme Lage (Roll 1940; Fesefeldt 1962); pars Solnhofener Schichten (Barthel 1964); Solnhofener Schichten, Pfalzpainter Plattenkalk-Fazies, Eichstätter Schiefer-Serie (Edlinger 1964); Solnhofen formation, Eichstätt formation, Pfalzpaint formation (Zeiss 1977); Untere Schiefer, Obere Schiefer, lithographische Kalke, Solnhofener Plattenkalke, Dünnflinz-Fazies, Dickflinz-Fazies (Meyer & Schmidt-Kaler 1994); sog. Spuren- und Grabgangschiefer, Untere Solnhofener Schichten und TKL, Lithographische Plattenkalke, Obere Solnhofener Schichten bis zur HKL, Obere Solnhofener Schichten über der HKL (Röper & Rothgaenger 1998, 2000; Röper et al. 1999); Malm Zeta 2a: Spurenschiefer, Malm Zeta 2b: Plattenkalke (Meyer 2002+2003).
Lithologie: Weitestgehend Fossilschutt-freie lithographische Plattenkalke und mergelige Plattenkalke mit zahlreichen Krummen Lagen. Im Zentrum der Solnhofener Wanne treten auch Bankkalke bis 30 cm Mächtigkeit auf (Dickflinz-Fazies sensu Meyer & Schmidt-Kaler 1994). Alle drei klassischen Plattenkalk-Vorkommen des sog. Malm Zeta 2b (Obere Pfalzpaint-, Obere Eichstätt- und Obere Solnhofen-Subformation) werden von so genannten Spuren- und Grabgang-Schiefern des Malm Zeta 2a unterlagert (Untere Pfalzpaint-, Untere Eichstätt- und Untere Solnhofen-Subformation).
Untergeordnete Einheit: Untere Pfalzpaint-Subformation (unterster Abschnitt der Altmühltal-Formation) – Die tonig-mergeligen Spuren- und Grabgangschiefer bei Walting sensu Röper et al. (1999) werden ca. 20 m mächtig. Im Gegensatz zu den anderen Vorkommen der Altmühltal-Formation fehlt die so genannte Trennende Krumme Lage am Top.
Obere Pfalzpaint-Subformation – Der Unterschied zu den anderen Plattenkalk-Vorkommen der Altmühltal-Formation besteht im gröberen Korn der Schichten, in der größeren Dicke der weichen Platten und Bänke sowie besonders in den vielfältigen Sedimentstrukturen. In der ca. 30 m mächtigen Oberen Pfalzpaint-Subformation wurden Strömungsrippeln und -marken (die Steinbrecher nennen sie Walzerte Lagen) und Schrägschichtung nachgewiesen, die eine gleichförmige Wasserbewegung in einem West-Ost-gerichteten Kanal nahelegen (Röper et al. 1999).
Untere Eichstätt-Subformation – die etwa 20 m mächtigen dünnschichtigen, mergeligen Plattenkalke (Merl-Lagen bei Edlinger 1964; sehr fäulige Gesteinspakete bei Röper & Rothgaenger 2000) werden durch ausgeprägte, mergelige Zwischenlagen gegliedert und weisen eine charakteristische Spurenfauna auf.
Obere Eichstätt-Subformation – Die dünnschichtigen Plattenkalke der Eichstätter Wanne haben viele Krumme Lagen. Bei Eichstätt sind es 25 m bis zur höchsten Hangenden Krummen Lage, darüber liegen nocheinmal mindestens 10 m Plattenkalke mit nur wenigen Bankkalken (Edlinger 1964; Röper & Rothgaenger 2000).
Untere Solnhofen-Subformation – Die mergeligen Plattenkalke mit teils welligen Schichtflächen und einer sehr charakteristischen Spurenfauna wechseln mit dünnen, blättrigen Mergelfugen, die leicht herauswittern. Die Grenze zur Oberen Solnhofen-Subformation bildet die bis 9 m mächtige Solnhofener Trennende Krumme Lage mit Intraklasten. Bei Solnhofen werden ca. 30 m erreicht.
Obere Solnhofen-Subformation (oberster Abschnitt der Altmühltal-Formation) – Prototyp der lithographischen Plattenkalke mit mehreren Krummen Lagen. Die Plattenkalke (sog. Flinze) liegen ohne mergelige Zwischenlagen (sog. Fäulen), nur getrennt durch hauchdünne Tonhäutchen, aufeinander. Edlinger (1964) schrieb: Die Oberen Schiefer bilden einen wechselnd mächtigen Stapel schiefriger Gesteine, deren einförmiger Aufbau nur selten durch etwas markantere Lagen aufgelockert wird. Bei Solnhofen werden stark schwankende Mächtigkeiten von 10-60 m erreicht, die Solnhofener Hangende Krumme Lage schließt die Plattenkalk-Fazies bei Solnhofen ab und erreicht nocheinmal bis 10 m (Fesefeldt 1962).
Liegendgrenze: Bei Solnhofen dickbankige Kalke mit unebenen Schichtflächen und einigen Schuttbänken, die zur Rögling-Subformation der Geisental-Formation gestellt werden, bei Eichstätt und Pfalzpaint auf unterschiedlichen, stratigraphischen Niveaus die Geisental-Formation, lokal mit dem Dachhornstein (Fesefeldt 1962; Edlinger 1964).
Hangendgrenze: Über der Solnhofener Hangenden Krummen Lage (Fesefeldt 1962) setzt schlagartig Plattensilex der Mörnsheim-Formation ein. In der Langenaltheimer Haardt (TK 25: 7131 Monheim) ist der an dieser Grenze naheliegende Hiatus durch einen Hartgrund belegt (Wings 2000).
Mittlere Mächtigkeit: 40-90 m bei Solnhofen (Fesefeldt 1962), 40-55 m bei Eichstätt (Edlinger 1964; Röper & Rothgaenger 2000), ca. 50 m bei Pfalzpaint (Schnitzer 1965; Meyer 2002+2003).
Maximale Mächtigkeit: Die höchsten nachgewiesenen Mächtigkeiten treten mit 90 m bei Solnhofen auf (Fesefeldt 1962).
Typusprofile, etc.: Typusregion der Unteren und Oberen Pfalzpaint-Subformation ist der Verbindungskanal zwischen dem Nordost-Rand der Eichstätter Wanne und dem Becken von Denkendorf-Böhmfeld im Südosten. Typusprofil: keines, die alten Brüche bei Walting und Pfalzpaint sind heute weitgehend verfüllt. Meyer (2002+2003) konnte im Schrimmelbruch südöstlich von Walting (TK 25: 7033 Titting) noch Teile der Unteren Pfalzpaint-Subformation nachweisen, die Oberen Pfalzpaint-Subformation war noch in einem kleinen Anschnitt im aufgelassenen Steinbruch Imberg südlich von Pfalzpaint zu sehen (TK 25: 7033 Titting).
Typusregion der Unteren und Oberen Eichstätt-Subformation ist die Eichstätter Wanne zwischen Schernfeld, Blumenberg und Wintershof. Typusprofil der Unteren Eichstätt-Subformation mit Dachhornstein an der Basis: ehemaliger Steinbruch am Steigweg bei Obereichstätt (TK 25: 7132 Dollnstein). Typusprofil der Oberen Eichstätt-Subformation mit höchster Krummen Lage: aufgelassener Steinbruch bei Schernfeld (TK 25: 7032 Bieswang).
Typusregion der Unteren und Oberen Solnhofen-Subformation ist die Solnhofener Wanne zwischen Langenaltheim, Solnhofen und Mörnsheim (vgl. Schmidt-Kaler 1997). Typusprofil der Unteren Solnhofen-Subformation mit der Solnhofener Trennenden Krummen Lage: alter Steinbruch östlich von Warching (TK 25: 7131 Monheim). Typusprofil der Oberen Solnhofen-Formation mit lithographischen Plattenkalken: Steinbruch südöstlich der Langenaltheimer Haardt (TK 25: 7131 Monheim), Referenzprofil mit sog. Dickflinz-Fazies: Maxberg (TK 25: 7132 Dollnstein), weitere Altmühltal-/Mörnsheim-Formationsübergangsprofile: ehemaliger Plattenkalkbruch Kesseltal am Solnhofener Berg (TK 25: 7131 Monheim), Horstberg bei Mörnsheim (TK 25: 7131 Monheim).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Die Altmühltal-Formation tritt westlich einer Linie Ingolstadt–Beilngries bis zum Nördlinger Ries auf. Die Pfalzpaint-Subformation ist auf den angenommenen Kanal zwischen der Eichstätter (Plattenkalk-) Wanne im Südwesten und der Böhmfeld-Denkendorfer (Bankkalk-) Wanne im Südosten beschränkt (TK 25: 7033 Titting, 7034 Kipfenberg).
Zeitgleiche Einheiten: Auf der östlichen Südlichen Frankenalb sind die Tangrintel- und Painten-Formationen zeitgleich, die untere Pfalzpaint-Sunformationkorreliert mit der höheren Arnstorf-Subformation der Torleite-Formation. Die unteren Abschnitte der Altmühltal-Formation sind auch zeitgleich mit der Geisental-Formation der westlichen Südlichen Frankenalb. In der ungeschichteten Fazies finden sich zeitgleich Massendolomite und -kalke der Frankenalb-Formation. Auf der Schwäbischen Alb ist die Hangende Bankkalk-Formation zeitgleich sowie Teile der Oberjura-Massenkalk-Formation, die bis zu einer Linie Treuchtlingen – Lechtal nach Bayern hereinreicht.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung mittels Ammoniten ergibt das oberste Oberkimmeridgium (oberste Beckeri-Zone) bis untere Untertithonium (mittlere Hybonotum-Zone). Entgegen dem früheren allgemeinen Konsens konnte Schweigert (2007) erstmals faunistisch belegen, dass die Plattenkalke von Solnhofen, Eichstätt und Pfalzpaint (Solnhofen, Eichstätt und Pfalzpaint formations sensu Zeiss 1977) nicht zeitgleich sind. Innerhalb der Altmühltal-Formation ist sowohl das Auftreten der sog. Spuren- und Grabgangschiefer (ehemals Malm Zeta 2a) als auch das Auftreten der lithographischen Plattenkalke (ehemals Malm Zeta 2b) deutlich diachron und wird von Osten (Pfalzpaint) nach Westen (Solnhofen) immer jünger.
In der Unteren Pfalzpaint-Subformation wurde der rebouletianum-Faunenhorizont der obersten Ulmense-Subzone der obersten Beckeri-Zone nachgewiesen (Schweigert 2007), diese Subformation ist demnach die älteste der Altmühltal-Formation. In der Oberen Pfalzpaint-Subformation wurde der eigeltingense-alpha-Faunenhorizont der basalen Riedense-Subzone der basalen Hybonotum-Zone nachgewiesen (Schweigert, schriftl. Mitt. 02/2013) – innerhalb des Plattenkalk-Vorkommens von Walting / Pfalzpaint verläuft demnach die vorgeschlagene Kimmeridgium / Tithonium-Grenze. Die Obere Eichstätt-Subformation der Umgebung von Schernfeld, Wintershof und Blumenberg datiert in den eigeltingense-beta-Faunenhorizont der oberen Riedense-Subzone der unteren Hybonotum-Zone und die Obere Solnhofen-Subformation bei Langenaltheim in die Riedlingensis- und rueppellianus-Faunenhorizonte der Rueppellianus-Subzone der mittleren Hybonotum-Zone (Schweigert 2007, schriftl. Mitt. 02/2013). Die Obere Solnhofen-Subformation ist demnach die jüngste Subformation der Altmühltal-Formation.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Dieses Datenblatt ist eine gekürzte Fassung der Veröffentlichung von Niebuhr & Pürner (2014), weitere Informationen und ausführliche Diskussion dort.
Der Name der Formation bezieht sich auf das Tal der Altmühl, einem von Norden kommenden Nebenfluss der Donau (Bayern).
Kurzcharakterisierung: Lithographische und mergelige Plattenkalke; westlicher Teil der Südlichen Frankenalb; oberstes Oberkimmeridgium und unteres Untertithonium.
Literatur: Barthel, K.W. (1964): Zur Entstehung der Solnhofener Plattenkalke (unteres Untertithon). – Mitt. Bayer. Staatssamml. Paläont. Hist. Geol., 4: 37-69; München.
Edlinger, G. von (1964): Faziesverhältnisse und Tektonik der Malmtafel nördlich Eichstätt / Mfr. – Erlanger Geol. Abh., 56: 75 S.; Erlangen.
Fesefeldt, K. (1962): Schichtenfolge und Lagerung des oberen Weißjura zwischen Solnhofen und der Donau (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 46: 80 S.; Erlangen.
Krumbeck, L. (1928): Bemerkungen zur Entstehung der Solnhofener Schichten. – Centralbl. Min. Geol. Paläont., B 1928: 428-434; Regensburg.
Meyer, R.K.F. (2002+2003): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7033 Titting. – 40 S.; München.
Meyer, R.K.F. & Schmidt-Kaler, H. (1994): Treuchtlingen, Solnhofen, Mörnsheim, Dollnstein. – Wanderungen in der Erdgeschichte, 1: 96 S.; München.
Niebuhr, B. & Pürner, T. (2014): Plattenkalk und Frankendolomit – Lithostratigraphie der Weißjura-Gruppe der Frankenalb (außeralpiner Oberjura, Bayern). – SDGG, 83: 5-71; Hannover.
Oppel, A. (1863): Über jurassische Cephalopoden. – Paläont. Mitt. Mus. Königlich Bayerischen Staates, 3: 163-266; Stuttgart.
Roll, A. (1940): Tektonische Bemerkungen zu einer Geologischen Karte der südlichen Frankenalb. – ZDGG, 92: 205-252; Hannover.
Röper, M. & Rothgaenger, M. (1998): Die Plattenkalke von Hienheim (Landkreis Kelheim). – Fr. Förd. Naturkundemus. Ostbayern e.V.: 128 S.; Eichendorf.
Röper, M. & Rothgaenger, M. (2000): Die Plattenkalke von Schernfeld (Landkreis Eichstätt). – Fr. Förd. Naturkundemus. Ostbayern e.V.: 110 S.; Eichendorf.
Röper, M., Leich, H. & Rothgaenger, M. (1999): Die Plattenkalke von Pfalzpaint (Landkreis Eichstätt). – Fr. Förd. Naturkundemus. Ostbayern e.V.: 120 S.; Eichendorf.
Schmidt-Kaler, H. (1997): Geologische Karte von Bayern 1 : 25.000 und Erläuterungen zum Blatt Nr. 7131 Monheim. – 159 S.; München.
Schnitzer, W.A. (1965): Geologie des Weißen Jura auf den Blättern Kipfenberg und Gaimersheim (Südliche Frankenalb). – Erlanger Geol. Abh., 57: 45 S.; Erlangen.
Schweigert, G. (2007): Ammonite biostratigraphy as a tool for dating Upper Jurassic lithographic limestones from South Germany – first results and open questions. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 245 (1): 117-125; Stuttgart.
Wings, O. (2000): Ein Hartgrund als neuer Aspekt bei der Interpretation der untertithonischen Solnhofener Plattenkalke. – Archaeopteryx, 18: 75-92; Eichstätt.
Zeiss, A. (1977): Jurassic stratigraphy of Franconia. – Stuttgarter Beitr. Naturk., B 31: 32 S.; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Birgit Niebuhr
Erstellt am: 12.01.2015
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.10.2015
Änderung Datensatz: 20.10.2015


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 10:50:48.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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