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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Langenbrücken-Formation
ID: 4012050
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Deffner & Fraas 1859; Name: Bloos & Franz 2011
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schwarzer Jura
Chronostratigraphie: Sinemurium (Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Hettangium (Unterjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Lias alpha (Deffner & Fraas 1859; Rüger 1922, Hoffmann 1933, 1934; Bessler 1947; Hettich 1974; Hildebrandt 2010);
Schwarzjura (Schwarzer Jura) alpha (Geyer & Gwinner 1968, 1979, 1991; Schweizer 1982);
Hettangium bis Unter-Sinemurium (Hahn & Schreiner 1971); Hildebrandt & Schweizer (1992);
Psilonotenton-Formation (Lias a1) bis Arietenkalk-Formation (Lias a3) (Geyer & Gwinner 2011)
Lithologie: Graue, bioturbate Tonmergelsteine und bituminöse, schiefrige Tonsteine („Ölschiefer“), im tieferen Teil wechsellagernd mit mikritischen Kalkstein- und Kalkmergelstein-Bänken. Im oberen Bereich (Angulata-Zone) eine silikatisch gebundene, bituminöse Siltsteinbank, die vermutlich als Ausläufer des Angulatensandsteins zu deuten ist.
Die Schichtenfolge beginnt mit einem ca. 5 cm mächtigen Bänkchen aus dicht gepacktem Schill (Einbettung mit konvexer Seite oben) in pyritischer Matrix (zu Limonit verwittert). Darüber folgt die Johnstonibank, eine bis 50 cm mächtige, dunkel blaugraue, sparitische Kalksteinbank, die zahlreiche Ammoniten (Psiloceraten) und Muscheln (Plagiostoma, Lima, Cardinia u.a) enthält. Die feindetritische Laqueusbank enthält winzige gelbe, limonitisch imprägnierte Partikel sowie umgelagerte Phosphorit-Steinkerne von Alsatites laqueus.
Untergeordnete Einheit: Unten: Mingolsheim-Subformation [bisher Lias a1-3]: Über dem Schillbänkchen und der Johnstonibank folgt eine 11,5-14,5 m mächtige Wechselfolge aus grauen, z. T. bituminösen Ton- und Tonmergelsteinen mit einzelnen Kalksteinbänken (Hagenowibank, Laqueusbank, Kessel, Unterfels, Doppelfels, Tuberculatenbank, Schwarzfels und als oberer Abschluss die Bank mit rotschaligen Fossilien). Im mittleren Abschnitt findet sich eine feingeschichtete, ebenfalls bituminöse Siltsteinbank.
Die Fauna der Mingolsheim-Subformation besteht aus relativ seltenen Ammoniten (Caloceras, Curviceras, Alsatites, Kammerkarites, Schlotheimia, Vermiceras, Coroniceras, Arietites, Euagassiceras, Angulaticeras), Muscheln (Plagiostoma, Pseudolimea, Liogryphaea arcuata) und Wirbeltierreste (Ichthyosaurus, Plesiosaurus, Saurorhynchus; Speyer 1929); im mittleren Teil dieses Abschnitts finden sich daneben auch Blattreste.
Oben: Rettigheim-Subformation [bisher ~ Lias a4]: Im Hangenden der Bank mit rotschaligen Fossilien schließen sich bis 30 m mächtige, bioturbate, häufig bituminöse Tonmergel- und (nach oben zunehmend) Tonsteine an, in die vereinzelt geringmächtige Kalksteinbänkchen eingeschaltet sind. Neben Ammoniten (Arnioceras, gassiceras,Paracoroniceras, Epophioceras) enthält die Fauna Monotis, Oxytoma und Nannobelus.
Liegendgrenze: Basis des Schillbänkchens unter der Johnstonibank
Hangendgrenze: Obergrenze der bituminösen, fossilführenden Mergelsteine; darüber folgen fossilleere Tonsteine (mit nur noch geringem Bitumengehalt) der Obtususton-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 35 m (KB Mingolsheim, 1968; tektonisch reduziert) bis 42 m (KB Rettigheim, 1987).
Maximale Mächtigkeit: 42 m
Typusprofile, etc.: KB Rettigheim, TK 25, Bl. 6718 Wiesloch, R 34 77 751, H 54 55 000;
Referenzprofil: KB Mingolsheim, Bl. 6718 Wiesloch, R 34 76 050, H 54 52 640; Die Basis der Formation (zugleich Trias/Jura-Grenze) ist an der Umgehungsstraße Mühlhausen als Geotop erhalten.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Psilonotenton-Formation (juPT), Angulatenton-Formation und Arietenkalk-Formation (juAK); in Bayern Bamberg-Formation (marin) bzw. Bayreuth-Formation (nicht-marin) bis tieferer Teil der Gryphaeensandstein-Formation.
Alterseinstufung: Die Langenbrücken-Formation vertritt das Hettangium und Unter-Sinemurium. Der Bereich von der Unterseite des basalen Schillbänkchens bis zur Basis der Laqueusbank entspricht der Planorbis- und Liasicus-Zone (Unter-Hettangium). Die Laqueusbank kann aufgrund ihrer Lithologie als Äquivalent der Oolithenbank angesehen werden. Der Abschnitt bis an die Basis des „Kessel“ gehört in die Angulata-Zone (Ober-Hettangium), die Schichten darüber sind in die Bucklandi- und Semicostatum-Zone (Unter-Sinemurium) zu stellen. Der oberste Abschnitt (ca. 1 m) der Rettigheim-Subformation vertritt nach Hildebrandt & Schweizer (1992) bereits das tiefste Ober-Sinemurium.
Kommentar: Die Zone des Psiloceras planorbis ist bisher nicht mit Ammoniten belegt; möglicherweise ist sie z.T. in dem basalen Schillbänkchen enthalten. Die bisher verwendete Gliederung (Lias a1-4) beruht auf biostratigraphischen Kriterien; die regionalen Leitbänke zeigen - mit Ausnahme des Schillbänkchens, der Johnstonibank, der Laqueusbank, der Siltsteinbank und der Tuberculatenbank – nur geringe petrographische Unterschiede (vgl. Hoffmann 1934: 123).
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Bessler, J. (1947): Beiträge zur Stratigraphie und Foraminiferenfauna im Lias der Langenbrückener Senke. – Diss. Heidelberg: 87 S.; Heidelberg.
Bloos, G., Dietl, G. & Schweigert, G. (2005): Der Jura Süddeutschlands in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002. - Newsletters on Stratigraphy, 41: 263-277; Stuttgart, Berlin.
Deffner, G. & Fraas, O. (1859): Die Jura Versenkung bei Langenbrücken. – N. Jb. Min. etc., 1859: S. 1-57, 1 Kt.; Stuttgart.
Geyer, O.F. & Gwinner, M.P. (1964): Einführung in die Geologie von Baden-Württemberg. – 223 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
Geyer, O.F. & Gwinner, M.P. (1968): Einführung in die Geologie von Baden-Württemberg, 2. Aufl. – 228 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
– (1986): Einführung in die Geologie von Baden-Württemberg, 3. Aufl. – 472 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
– (1991): Einführung in die Geologie von Baden-Württemberg, 4. Aufl. – 482 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
– (2011): Geologie von Baden-Württemberg, 5., völlig neu bearb. Aufl. – 627 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
Hahn, W. & Schreiner, A. (1971): Neue Zeichen und Benennungen der Jura-Schichten auf den geologischen Karten Baden-Württembergs. – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N.F., 53: Stuttgart.
Hettich, M. (1974): Ein vollständiges Rhät/Lias-Profil aus der Langenbrückener Senke, Baden-Württemberg (Kernbohrung Mingolsheim 1968). – Geol. Jb., A 16: 71-105; Hannover.
Hildebrandt, L. (2010): Riesenmuscheln und Tintenfische. Fossilien aus dem Unteren Jura beim Bau der Umgehungsstraße Mühlhausen. – Kurpfälzer Winzerfest Anzeiger, 2010: 74-78; Heidelberg.
Hildebrandt, L. & Schweizer, V. (1992): Zur biostratigraphischen Gliederung des Unteren Jura der Langenbrückener Senke (Baden-Württemberg, Südwestdeutschland). – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N.F., 74: 215-236; Stuttgart.
Hoffmann, K. (1933): Die Rät-Liasgesteine der Ziegeleitongrube Rot-Malsch. – Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N.F., 22: 50-73; Stuttgart.
– (1934): Über den unteren Lias der Langenbrückener Senke. I. - Jber. Mitt. Oberrhein. Geol. Ver., N.F., 23: 107-131; Stuttgart.
Rüger, L. (1922): Die Rhät-Lias a-Ablagerungen der Langenbrückener Senke. – Diss. Heidelberg: 111 S.; Heidelberg.
Schweizer, V. (1982) unter Mitarb. V. Kraatz, R.: Kraichgau und südlicher Odenwald. – Slg. Geol. Führer, 72: 203 S.; Stuttgart (Borntraeger).
Speyer, C. (1929): Wirbeltierreste aus dem Lias alpha der Langenbrückener Senke. – Mitt. Bad. Geol. Landesanst., 10/2: 547-560; Karlsruhe.
Autor des Datenblattes: Bloos, Franz & Hildebrandt
Erstellt am: 08.12.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 10.12.2014
Änderung Datensatz: 02.01.2015


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Litholex Recherche vom 28.06.2017, 14:20:50.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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