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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Garantianenton-Formation
ID: 4012036
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Kumm 1952
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Oberbajocium (Bajocium, Mitteljura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Subfurcaten-Schichten (Wetzel 1911); Garantien-Schichten (Bentz 1924); Garantianen-Schichten (Kumm 1952, Knetsch 1963); Garantianen- und Subfurcaten-Schichten (Brand 1949, Brand & Hoffmann 1963, Metz 1990, Baldschuhn 2001, Brand & Mönnig 2009); Subfurcaten-Ton (Schmidt/Walther 1990); subfurcatum-Ton (Rothe 2000); Garantianenton-Formation (Mönnig 2008).
Lithologie: Dunkelgraue oder dunkelbraungraue Tonsteine mit relativ wenigen Kalk- oder Toneisensteingeoden, im nördlichen Weser-Ems-Gebiet in den unteren 15-20 m (bis zur Trauthi-Subzone) deutlich feinsandig und an der holländischen Grenze hier in einen 30 m mächtigen, unreinen Sandstein übergehend; auch im oberen Teil zunehmend feinsandig und zum Suderbruch-Sandstein überleitend; im Raum Bielefeld-Osnabrück sehr fossilreiche Lagen oder Linsen mit Ammoniten, Muscheln oder Krebsen, teils in aufgearbeiteten Horizonten mit angebohrten Konkretionen.
Untergeordnete Einheit: Das Lindenbruch-Lager von Bad Harzburg ist ein bis 10 m mächtiges, oolithisches Eisenerz mit einem Fe-Gehalt bis 38%. Abbauversuche reichen bis 1851 zurück; der Farbe nach unterschiedet man einen grünen Oolith unten und einen roten Oolith oben; nach W setzt sich diese oolithische Fazies in geringer Mächtigkeit (<0,3 m) bis nach Goslar fort (Bentz 1924, Kumm 1952).
Liegendgrenze: Die Basis des Garantianentons ist eine weitverbreitete Diskordanz, die vielerorts als Aufarbeitungshorizont entwickelt ist, so im Profil Holsten-Mündrup bei Osnabrück eine Schilllage mit massenhaft Megateuthis, in Bielefeld Aufarbeitungshorizont mit Bruchstücken von Teloceras, in Gerzen eine 0,2, m dicke Schilllage mit Caumontisphinctes phaulus; oft ist die Diskordanz mit einer größeren Schichtlücke verbunden, die mindestens die Blagdeni-Subzone umfasst.
Hangendgrenze: Im Raum Osnabrück endet der Garantianenton mit einer 1 cm starken konkretionären Kalksteinbank, darüber Aufarbeitungshorizont mit Muschelschill, Megateuthen und Parkinsonien; im Verbreitungsgebiet des Suderbruch-Sandsteins die Basis dieser sandigen Fazies.
Mittlere Mächtigkeit: 40 m
Maximale Mächtigkeit: 80 m (Profil Holsten-Mündrup, Osnabrück)
Typusprofile, etc.: Straßenböschung an der A 33 bei Holsten-Mündrup, TK25 3714 Osnabrück, r 34 40 150, h 57 87 500 (Aufnahme M. Metz 1984-1986, in Metz 1990, 1992); Tongrube Bethel I, Profil Schicht 1-44 = 41,5 m (Aufnahme Kumm 1946, in Kumm 1952)
Verbreitung (Bundesländer): Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Nordsee und Wattenküste
Norddeutsches Tiefland, Nördlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Südlicher Landrücken
Norddeutsches Tiefland, Ems-Hunte-Geest, Weser-Aller-Flachland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Mittelgebirge, Weserbergland
Verbreitung (Ergänzung): Der Garantianenton kommt vor: im Gebiet Weser-Ems, hier im unteren Teil in sandiger Fazies; im Niedersächsischen Becken bis zu einer Linie Hessisch-Oldendorf-Fuhrberg, in den beiden Holstein-Trögen; im Hamburg-Trog, in der Altmark und der Prignitz; im Gifhorner Trog; am nördlichen Harzrand, hier durch die Eisenoolithe des Lindenbruch-Lagers vertreten.
Zeitgleiche Einheiten: Prignitz-Sandstein; in der Nordsee Stranways Fm, in den Niederlanden marine Tonsteinde des Upper Werkendam Mbr.; in Süddeutschland Hauptrogenstein-Fm, Hamitenton-Fm, Sengenthal-Formation (z.T., Bifurcartenoolith).
Alterseinstufung: Ober-Bajocium (Niortense- und Garantiana-Zone)
Kommentar: Früher wurde der Garantianenton mit Ammoniten in Leptosphincten-, Subfurcaten- (Garantien-Schichten), Orthogarantiana-, Pseudogarantiana und Bigotiten-Schichten unterteilt; eine moderne Zonengliederung mit einer Abfolge von Biohorizonten gelang Metz (1990, 1992); demnach fällt der untere Teil, die „Subfurcaten-Schichten“, in die Niortense-Zone, wobei der basale rota-Horizont (= Leptosphincten-Schichten), kondensiert ist, der obere Teil („Pseudogarantiana und Bigotiten-Schichten“) gehört in die Garantiana-Zone mit den Subzonen der G. dichotoma, G. trauthi und G. tetragona.
In der Erdölindustrie wurden die Subfurcaten- und Garantianen-„Schichten“ mikrofaunistisch als „Dogger delta 2a-c“, später als bjo1-2 bezeichnet; an der Grenze Coronatenton/(Subfurcaten-)-Garantianenton vollzieht sich ein markanter Faunenwechsel, der besonders durch das nun häufige Auftreten von Epistomina mosquensis und vielen neuen Ostracodenarten gekennzeichnet ist; die Grenze „Subfurcaten-/Garantianen-Schichten“ wurde durch das Verschwinden von Lenticulina dictyodes gezogen, eine lithologische Grenze besteht aber nicht.
Versch./Sonstiges: Außer in der Tongrube Bethel und den Abbauversuchen der Eisenerze Lindenbruch hatten der Garantianenton keine wirtschaftliche Bedeutung.
Literatur: Bentz, A. (1924): Die Garantienschichten von Norddeutschland mit besonderer Berücksichtigung des Brauneisenoolithhorizontes von Harzburg. ? Jahrbuch der Preußischen geologischen Landesanstalt., 45: 119-193, Berlin.
Brand, E. & Hoffmann, K. (1963): Stratigraphie und Fazies des nordwestdeutschen Jura und Bildungsbedingungen seiner Erdöllagerstätten. – Erdöl und Kohle, Erdgas, Petrochemie, Jg. 16: 437-450.
Brand, E. & Mönnig, E. (2009): Litho- und Biostratigraphie des Mittel-Jura (Dogger) in Bohrungen Norddeutschlands. - Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, 54: 5-77, Hannover.
Kumm, A. (1952): Der Dogger (Mittlerer oder Brauner Jura). ? Geologie und Lagerstätten., A, 2 (2): 509 S., Bremen-Horn (Dorn).
Metz, M. (1990): Ein neues Bajocium-Profil (Mittlerer Jura) im Osnabrücker Bergland (Niedersachsen). ? Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen, 16: 7-30, Osnabrück.
Metz, M. (1992): Die Faunenhorizonte der „Subfurcaten-Schichten“ (Bajocium, Niortense-Zone) in Norddeutschland. ? Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen, 18: 25-65, Osnabrück.
Mönnig, E. (2008): Jurassic: Northern Germany. ? In T. McCann: The Geology of Central Europe: 842-846, London (Geological Society).
Wetzel, W. (1911): Faunistische und stratigraphische Untersuchungen der Parkinsonienschichten des Teutoburger Waldes. ? Palaeontographica, A 58: 63-120; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 11.02.2013
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 10.12.2014
Änderung Datensatz: 02.01.2015


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Litholex Recherche vom 23.04.2017, 16:00:28.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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