litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Heersum-Formation
ID: 4012023
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Karl von Seebach 1864
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Norddeutscher Malm
Chronostratigraphie: Mitteloxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Unteroxfordium (Oxfordium, Oberjura, Jura, Mesozoikum)
Synonyme: Unterer sandiger Coral-Rag (F.A. Roemer, 1836); Mittlerer Oolith (pars, Koch & Dunker 1837); Schichten des Amonites cordatus (F. Roemer, 1857); Schicht 1 und 2 des oberen Jura, Untere Oxford Gruppe (Credner 1863); Sandige Schichten des Weißen Jura (von Strombeck 1853); Oxfordschichten oder Hersumer Schichten (Struckmann 1875, 1878), Hersumer Schichten oder Perarmaten-Schichten (Brauns 1874); Heersumer Schichten (Siegried 1952; Hoyer 1965; Vinken 1974; Klassen 1984);
Lithologie: dunkelgraue Kalksteine und Kalkmergelsteine, im unteren Bereich auch Mergelsteine; vereinzelte Tonsteinlagen; typisch sind Schwammrhaxen, teilweise geht das Gestein in Spiculit über; bei Verwitterung tritt die charakteristische, dunkle Flammung (Thallasinoides) besonders deutlich hervor; Fossilien sind nur im Raum Hannover-Hildesheim häufig, vor allem Ammoniten (Persiphinctes, Peltoceratoides, Cardioceras, Euaspidoceras) und Muscheln (Gryphaea, Chlamys, Pholadomya), seltener Belemniten und Schnecken; die Schichtfolge besteht aus bis zu 1 m starken Bänken, die über Entfernungen von 20 km und mehr korrelierbar sind.
Untergeordnete Einheit: Im Gehn und am Penter Knapp wird die Heersum-Fm faziell durch den „Blauen Stein“ und das „Würmerige Gestein“ vertreten. An der Porta Westfalica bilden die „Kieselnierenbänke“ das Top der Heersum-Fm. Im Hildesheimer Jurazug, an der Typlokalität, gab es eine Gliederung in die mergeligen „Unteren Heersumer Schichten“ und die kalkigen „Oberen Heersumer Schichten“, die mit der „Perisphinctenbank“ beginnen.
Liegendgrenze: Die Grenze Ornatenton-Fm \ Heersum-Fm ist ein plötzlicher Fazieswechsel von weichen Tonsteinen zu hartem Kalkmergelstein. In der untersten Bank der Heersumer Schichten finden sich aufgearbeitete phosphatische Konkretionen aus dem erodierten Ornatenton, die ein monomiktes Konglomerat bilden können. An der Porta Westfalica und in Teilen des Wiehengebirges reicht die Aufarbeitung bis auf die Gryphaeenbank der Ornatentone herunter; im Gifhorner Trog scharfer Fazieswechsel von den Glaukonitmergeln des Ornatenton zur karbonatischen Heersum-Formation.
Hangendgrenze: Die Heersum-Formation schließt meist mit einer Erosions-Diskordanz ab; über einer Gerölllage können örtlich noch bis zu 50 cm mächtige, dunkle Tone folgen. Der hangende Korallenoolith beginnt nach Definition mit der Korallenbank, die aber nur in Schwellenbereichen entwickelt ist; in Becken- und Schwellenrandbereichen wird sie durch die Basis-Austernbänke vertreten. Im Gehn und im Wiehengebirge folgt über der Diskordanz der Wiehengebirge-Quarzit.
Mittlere Mächtigkeit: 10 m
Maximale Mächtigkeit: 17 m im Niedersächsischen Becken, bis 150 m in Nordostdeutschland (Randsenken).
Typusprofile, etc.: Typusprofil: Gemeinde-Steinbruch von Heersum bei Hildesheim, TK 25 3827 Dingelbe, r 35 75 120, h 57 77 360; ausführliche Profilbeschreibungen bei Siegried 1952 und Vinken 1974.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Im Niedersächsischen Becken reicht die Heersum-Fm vom Gehn bis in das Subherzyn, von da ist sie über den Gifhorner Trog bis in die Altmark zu verfolgen. Die südliche Grenze reicht vom Teuteburger Wald über die Hilsmulde bis zum Kahleberg nördlich von Göttingen; die nördliche Verbreitung endet an der Weser-Ems- und Aller-Linie. Die Ober-Jura-Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind auf ein schmales Gebiet zwischen der Elbe und Berlin beschränkt. Auch hier werden die 50 bis 150 m mächtigen Kalksandsteine bis sandigen Schluff und Tonsteine des unteren Malm der Heesum Fm zugerechnet (Köbel 1968).
Zeitgleiche Einheiten: in Süddeutschland Korallenkalk-Formation, Impressamergel-Fm, Dietfurth-Fm.
Alterseinstufung: Die Heersum-Fm ist heterochron: während die Schichten im Wiehen- und Wesergebirge noch zum Unter-Oxfordium (Cordatum-Zone) gehören, fallen sie im Raum Hannover-Hildesheim in das untere Mittel-Oxfordium (Plicatilis-Zone). Hier gehören die „Unteren Heersumer Schichten“ in die Vertebrale Subzone, die „Oberen Heersumer Schichten“ in die Antecedens-Subzone (Mönnig 2004).
Kommentar: In Nordostdeutschland wurden der obere Teil der Ornatentone mit Cardioceras (Cordatum-Zone) aufgrund dieser Datierung als Heersumer Schichten bezeichnet.
Versch./Sonstiges: Die Heersumer Schichten wurden im Wiehen- und Wesergebirge zusammen mit dem Korallenoolith als Straßenschotter gewonnen (Steinbrüche Wallücke, Wülpker Egge, Papenbrink, Bernsen).
Literatur: Hoyer, W. (1903): Heersumer Schichten und Korallenoolith bei Ahlem.?- Jb. Preuß. Geol. L.-A., 24: 215-233; Berlin
Klassen, H. (1984): Malm. In: Klassen, H. (Hrsg.): Geologie des Osnabrücker Berglandes. ? 387-426, Osnabrück (Naturwissenschaftliches Museum).
Köbel, H. (1968): Jura.?- In: [Anonymus]: Grundriss der Geologie der DDR, Bd. 1: 29-315, Berlin (Akademie).
Lutze, G. (1960): Zur Stratigraphie und Paläontologie des Callovien und Oxfordien in Nordwestdeutschland.?- Geol. Jb., 77: 391-532, Hannover.
Mönnig, E. (2004): Stratigraphie des unteren Oberjura im Hildesheimer Jurazug.— In: Reitner, J., Reich., M. & Schmidt, G, (Hrsg.), Geobiologie. 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft in Göttingen, Vorträge und Poster: 165-166, Göttingen.
Seebach, K. v. (1864): Der Hannoversche Jura.?- 158 S., Berlin (Hertz).
Schott, W. (1930): Paläogeographische Untersuchungen über den Oberen Brauen und den Unteren Weißen Jura Nordwestdeutschlands.?- Abh. preuß. geol. Landesanst., N.F., 133: 51 S., Berlin.
Siegfried, P. (1952): Die Heersumer Schichten des Hildesheimer Jurazug.?- Geol. Jb., 67: 273-360; Hannover.
Vinken, R., Gramann, F. & Jordan, R. (1974): Der obere Jura (Malm) des Hildesheimer Jurazuges. ?- Geol. Jb., A23: 56 S., Hannover.
Autor des Datenblattes: Mönnig
Erstellt am: 26.11.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Jura
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 14.12.2012
Änderung Datensatz: 09.01.2013


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:32:43.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID