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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Möhrenbach-Formation
ID: 21
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Lützner et al. 1995 („Möhrenbach-Folge“)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Stefanium C (Stefanium, Oberkarbon (Silesium), Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Synonyme: Synonym: Untere Gehrener Schichten nach Andreas et al. (1966,1974) und Remy et al. (1963) im südöstlichen Thüringer Wald.
Obsolet: Gehren-Formation in Andreas et al. (1990), Möhrenbach-Formation nach Haubold & Katzung (1980) als Synonym der Vulkanitserie der Unteren Gehrener Schichten (gesamter Thüringer Wald) ohne Basissedimente.
Lithologie: Abfolge basaler Sedimente und darüber folgender Vulkanite, Pyroklastite und Vulkanoklastite sowie geringmächtiger Sedimenteinschaltungen im südöstlichen Thüringer Wald im Umfang der Unteren Gehrener Schichten nach Andreas et al. (1966, 1974) bzw. der von Michael (1972) beschriebenen Unteren und Mittleren Vulkanitfolge. Neben Trachyandesiten bis Trachyten, die im unteren Profilteil dominieren, wurden im mittleren Teil quarzarme Rhyolithe sowie ein zunehmender Anteil vulkanischer Brekzien gefördert. Im oberen Teil kulminiert die zunehmende Explosivität in trachyandesitischen und rhyolithischen Ignimbriten.
Untergeordnete Einheit: Eine umfassende Gliederung der Möhrenbach-Formation ist wegen der Vielfalt der Vulkanittypen, der begrenzten Verbreitung einzelner Vulkanitkörper und der durch Bruchtektonik und Intrusivkörper komplizierten Verbandsverhältnisse erschwert und beim derzeitigen Untersuchungsstand noch nicht erreicht worden. Aus detaillierten Kartierungen, Bohrungen und Bergbauaufschlüssen leitete Michael (in Lützner et al. 1995, 2003) eine Untergliederung in folgende informelle Schichten ab (hier kurz gefasst, überarbeitete ausführliche Fassung in Andreas 2006 sowie Lützner et al., in Vorber.):Hangendes: Ilmenau-FormationÖhrenstock-Schichten (0-ca. 400 m): trachyandisitische und rhyolithische Ignimbrite, subvulkanische quarzarme bis quarzfreie Rhyolithe und porphyrische SyenitintrusionenGotteskopf-Lohme-Schichten (100-ca. 500 m): Wechselfolge von Tuffbrekzien, Tuffen, Andesiten und untergeordnet Ryholithen mit sedimentären Horizonten (Gotteskopf- und Lohme-Sedimente).Stechberg-Schichten (200-400 m): Andesite mit unterschiedlichem Einsprenglingsbestand und pyroklastisch-sedimentären Zwischenlagen. Basal übergreifender sedimentärer Horizont (Möhrenbach-Sedimente).Langebach-Schichten (200-ca. 500 m): quarzarme und felsitische Rhyolithe, darunterliegend Andesite mit unterschiedlichem Einsprenglingsbestand und basal einem auf Grundgebirge (Granit) übergreifenden Sedimenthorizont (Ilmtal-Sedimente).Wohlrose-Schichten (100-500 m): Rhyolith, lokal Tuffe, und darunterliegender biotitreicher Andesit.Ochsenbach-Schichten (50-300 m): Andesite mit unterschiedlichem Einsprenglingsbestand und autoklastischen sowie pyroklastischen Zwischenmitteln. Lokal basale Sedimente (Trenkbachtal-Sedimente, Bohrung Themar 1/63: 35 m).
Liegendgrenze: Einsetzen terrestrischer Sedimentation über gefalteten und schwach metamorphen Sedimenten des Schwarzburger Antiklinoriums des Saxothuringikums sowie der Vesser-Zone und der Ostflanke des Ilmtal-Suhler Granits der Mitteldeutschen Kristallinzone.
Hangendgrenze: diskordante Auflagerung der Ilmenau-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 300-500 m (Stützerbach, Masserberg). Mächtigkeiten einzelner Profilabschnitte nennen Andreas et al. (1974), Andreas (2006) und J.Michael in Lützner et al. (2003).
Maximale Mächtigkeit: Maximal 900-1000 m (Raum Gehren-Möhrenbach-Neustadt a.R.),
Typusprofile, etc.: Ein zusammenhängendes Typusprofil kann noch nicht benannt werden. Zu dem aus Teilprofilen abgeleiteten „Idealprofil“ siehe 9.2.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Formation ist auf den südöstlichen Thüringer Wald in einem paläotektonischen Bruchfeld an der Westflanke des Schwarzburg-Antiklinoriums (Thüringisch-Fränkische Riftzone nach Andreas et al., 2005) begrenzt.
Zeitgleiche Einheiten: Möhrenbach-Formation und Georgenthal-Formation haben in Teilen eine adäquate lithostratigraphische Position. Nach Andreas et al. (2005) und Andreas (2006) setzen sich die basalen Öhrenkammer-Sedimente der Georgenthal-Formation in den Ilmtal-Sedimenten fort, die im tieferen Teil der Möhrenbach-Formation auf den Ilmtal-Suhler Granit übergreifen. Damit ist das gegenüber der Georgenthal-Formation frühere Einsetzen der Möhrenbach-Formation belegt. Der jüngeren Erosionsdiskordanz mit der nachfolgend auf den östlichen Beckenrand (Raum Masserberg) übergreifenden Sedimentation der Möhrenbach-Sedimente entspricht in der Georgenthal-Formation die Erosionsdiskordanz mit den nachfolgenden Erfurter Grund-/Zella-Mehlis-Sedimenten (Andreas 2006). Auf diese Weise sind Möhrenbach- und Georgenthal-Formation bei unterschiedlicher magmatischer und paläotektonischer Entwicklung in großen Zügen korrelierbar.
Alterseinstufung: Biostratigraphisch bedeutsam ist der fossilführende Horizont der Ilmtal-Sedimente = Fundpunkt Moosbachtal (FH 2 Thüringer Wald), der von Zimmermann (in Loretz et al. 1908) den Basissedimenten zugeordnet wird. Nach neuerer Auffasung – siehe (3b) und (6) – wird er als ein auf Granit übergreifender Horizont der Langebach-Schichten betrachtet. Die Fauna ist vor allem auf Grund der Fischreste (Ug-Zone, Schneider 1996), Amphibien (Branchierpeton saalensis - Apateon intermedius-Zone, Werneburg 1996) und der Conchostracenform Pseudestheria sp.-M in das Stefan C einzustufen. Die gleiche Alterseinstufung ergibt der Fossilinhalt der Öhrenkammer-Sedimente an der Basis der Georgenthal-Formation, mit denen die Ilmtal-Sedimente lithostratigraphisch korreliert werden, vgl. (12). Der spärliche Fossilinhalt in den jüngeren Sediment-Horizonten der Möhrenbach-Formation lässt sowohl eine Einstufung in das Stefan C als auch in das Autun zu.Nach radiometrischen Ergebnissen von Goll & Lippolt (2001) liegen die K-Ar-Daten von drei Vulkaniten der Möhrenbach-Formation (Tab. 1) im Bereich 298...292 Ma für 40Arrad/K-Werte bzw. 299...290 für 40Arrad/39ArK-Werte. Zwei weitere Bestimmungen wurden von den Autoren wegen unzureichender Datenqualität für die Datierung verworfen. Von den in Tab. 1 aufgeführten Werten bevorzugen Goll & Lippolt (2001) die Gesamtargon-Ergebnisse und geben für TW1 (Stbr. Möhrenbach, höhere Stechberg-Schichten): 295 plus/minus 3 Mafür TW 86 (SW-Hang Wilhelmsleite): 293 plus/minus 2 Maund für TW4 (Rabentalskopf):291 plus/minus 2 Ma an.Die numerische Reihenfolge der Altersdaten entspricht der relativen lithostratigraphischen Position der beprobten Gesteine, ohne dass die Altersunterschiede statistisch signifikant sind. Paläomagnetische Proben aus Trachyandesiten ergaben durchweg inverse Polarisierung, so dass die Möhrenbach-Formation magnetostratigraphisch zweifelsfrei in die Permokarbonische Inverse Megazone einzustufen ist.
Kommentar: Die biostratigraphische Alterseinstufung in das Oberkarbon/Stefan C bezieht sich auf den Fossilinhalt der Ilmtalsedimente. Die radiometrischen Datierungen stammen aus dem unteren bis mittleren Teil der Formation. Es besteht die Möglichkeit, dass die Georgenthal-Formation bis in das Unterperm / Asselium hineinreicht.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D. (2006): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). – Diss. i.Vorber. TU Freiberg.
Andreas, D., Enderlein, F., Michael, J. (1966): Zur Entwicklung des Rotliegenden im Thüringer Wald auf Grund neuer Kartierungsergebnisse. – Ber. dtsch. Ges. geol.Wiss. A11: 119-130, Berlin.
Andreas, D., Enderlein, F., Judersleben, G., Jungwirth, J., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H. (1974): Siles und Rotliegendes im Thüringer Wald und seinem südöstlichen Vorland. – In: Hoppe, W. & Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen: 356-449, Gotha/Leipzig (Haack).
Andreas, D., Lützner, H., Schneider, J.W. (2005): Karbon des Thüringer Waldes, der Kraichgau-Main-Senke, der Thüringisch-Fränkischen Graben- bzw. Riftzone und Thüringisch-Nordostbayerisches Scherzonensystem. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg 254: 403-418, Frankfurt a.M.
Andreas, D., Voigt, H., Mädler, J. (1990): Das vulkanogen-sedimentäre Rotliegende des Thüringer Waldes – ein Gesamtprofil im Überblick, I (Exkursion 6) und II (Exkursion 15). – In: Andreas (Hrsg.): Exkursionsführer zur 37. Jahrestagung GGW, 20-29, Berlin.
Goll, M. & Lippolt, H.J. (2001): Biotit-Geochronologie (40Arrad/K, 40Arrad/39ArK, 87Srrad/87Rb) spät-variszischer Magmatite des Thüringer Waldes. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh. 222: 353-405, Stuttgart.
Lützner, H., Andreas D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G., Jungwirth, J. (1995): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen: 188-277, Stuttgart.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G., Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 2. Aufl.: 215-301, Stuttgart.
Michael, J. (1972): Zur Paläogeographie der Gehrener Schichten im südöstlichen Thüringer Wald. – Ber. dt. Ges. geol. Wiss. A 17: 835-847, Berlin.
Schneider, J. (1996): Xenacanth teeth - a key for taxonomy and biostratigraphy. - Modern Geology 20: 321-340.
Werneburg, R. (1996): Temnospondyle Amphibien aus dem Karbon Mitteldeutschlands. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 11: 23-64.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 16.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 30.01.2007
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Litholex Recherche vom 30.04.2017, 09:08:35.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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