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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Salzgitter-Formation
ID: 2008169
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Weigelt 1923 (Erzlager von Salzgitter), Formationsdefinition: Erbacher, Hiss, Luppold, Mutterlose, Seibertz (2016) (dieser Litholex-Beitrag)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Minden-Braunschweig-Gruppe
Chronostratigraphie: Unteraptium (Aptium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberbarremium (Barremium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Unterbarremium (Barremium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberhauterivium (Hauterivium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Unterhauterivium (Hauterivium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obervalanginium (Valanginium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Erzlager von Salzgitter (Weigelt 1923); Neokomerz von Salzgitter (Weigelt 1925); Salzgitter Trümmereisenerze, Trümmereisenerzfazies vom Typ Salzgitter (Kolbe 1962, 1970; Mutterlose & Bornemann 2000; Rödiger 1933).
Lithologie: Im unteren Bereich oftmals sehr fossilreiche, vorwiegend karbonatische und weitgehend erzarme bis erzfreie Schichten (Grenzlerburg-Subformation), darüber oolithische und/oder konglomeratische Trümmereisenerze (Glockenberg- und Morgenstern-Subformationen). Komponenten sideritisch oder limonitisch. Lagenweise auch reich an Brauneisenooiden. Z. T. karbonatische, z. T. tonig-schluffige Matrix, partienweise auch stärker tonig-schluffig. Eingeschaltet sind Ton- und Schluffsteine.
Untergeordnete Einheit: Vom Liegenden zum Hangenden:

Grenzlerburg-Subformation: sehr fossilreiche, vorwiegend karbonatische und weitgehend erzarme bis erzfreie Einheit an der Basis der Salzgitter-Formation. Synonyme: „Kalkige Mergel und organogene Trümmerkalke … an der Unterkante des Neokom“ (Weigelt 1923); „Untere Neokomschichten“ und „Riffartige Kalk-Mergelfazies“ (Thomas 1923); „Kalkige Fazies“ (Kauenhoven 1926); “Kalkiges Lager“ (Dahlgrün 1939); „Basislager“ oder „Kalkiges Lager“ (Kolbe 1970). Synonym ist weiterhin das sehr fossilreiche, karbonatische „Hilskonglomerat“ im Sinne von Bode & Schroeder (1926: 62-63) im Bereich zwischen Braunschweig und dem Harz.

Glockenberg-Subformation: Brauneisenoolithische Erze mit sandig-schluffiger Matrix, z. T. auch karbonatisch. Lagenweise auch sideritische und limonitische Trümmereisenerze. Synonyme: "Braunes und schwarzes Flöz" (Kolbe 1962, 1970).

Morgenstern-Subformation: Sie beginnt im unteren Teil mit grauen Ton- und Schluffsteinen, die von laminierten blättrigen Tonsteinen (Fischschiefer) überlagert werden. Darüber folgen dann limonitische und sideritische Trümmereisenerze. Synonyme: "Graues und rotes Lager" (Kolbe 1962, 1970).
Liegendgrenze: Diskordant über älterem Mesozoikum (Keuper, Muschelkalk, Posidonienschiefer).
Hangendgrenze: Tonsteine der Peine-Formation (Sarstedt-Subformation).
Mittlere Mächtigkeit: Im Meter- bis 10er Meter-Bereich. Lateral sind über wenige hundert Meter rasche Mächtigkeitsschwankungen vorhanden, da die Sedimentation in synsedimentären Gräben und Halbgräben erfolgte. Diese wurden später durch Salzaufstieg zusätzlich zerlegt.
Maximale Mächtigkeit: Insgesamt bis ?100 m, wobei die Grenzlerburg-Subformation 25 m, in Bereich von Salzstockrandsenken bis 146 m (am Nordrand der Asse und zwischen Berklingen und Groß-Vahlberg), die Glockenberg-Subformationen bis 50 m, die Morgenstern-Subformation bis 30 m Mächtigkeit erreichen können.
Typusprofile, etc.: Grenzlerburg (Kauenhoven 1926, Luppold 2001), Glockenberg (Mutterlose et al. 1997), Morgenstern (Malkoc et al 2010; Neuss 1979).
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Im nördlichen Harzvorland vom Raum Salzgitter bis Osterwieck.
Zeitgleiche Einheiten: Stadthagen- und Hoheneggelsen-Formationen der Beckenfazies sowie verschiedene zeitgleiche Formationen anderer Randbereiche des Niedersächsischen Beckens.
Alterseinstufung: Biostratigraphie mit Hilfe der reichen Ammoniten- und Belemnitenfaunen sowie Mikrofaunen (Kauenhoven 1926, Rödiger 1933, Kolbe 1962, 1970, Neuss 1979, Mutterlose & Bornemann 2000, Luppold 2001).
Kommentar: Die Grenzlerburg-Subformation reicht vom Obervalanginium bis ins tiefe Unterhauterivium.

Die Glockenberg-Subformation reicht vom hohen Unterhauterivium bis Unterbarremium. Kauenhoven (1926) erwähnt Prodichotomiten bzw. Dichtomiten (Obervalanginium) von der Grenzlerburg. Rödiger (1933) nennt Simbirskiten (Oberhauterivium) vom Glockenberg und Praeoxyteuthis pugio (tiefstes Barremium) aus der Grube Fortuna.

Die Morgenstern-Subformation reicht vom Oberbarremium bis Unteraptium. Datierungen durch Mikropaläontologie und Makrofauna (Neuss 1979). Erster isotopengeochemischer Nachweis der Kohlenstoffisotopen-Anomalie des Unteraptium für das Boreal durch Malkoc et al. (2010).
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: Nach der Typregion Salzgitter; hier wurden die Trümmereisenerze in riesigen Tagebauen (Haverlahwiese, Barley, Glockenberg, Fortuna u.a.) und auch untertägig bis ca. 1980 abgebaut.

Besonderheiten: Aus den ehemaligen großen Tagebauen (z. B. Haverlahwiese) sind reiche und gut erhaltene Makrofaunen bekannt.

Das „Hilskonglomerat“ im Sinne von F. A. Roemer (1841: 148–149) ist obsolet. Dieses umfasst quarz- und eisensilikatführende Schichten, die stratigraphisch vom Berriasium bis in das Cenomanium reichen und aus Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bekannt sind.
Literatur: Bode, A. & Schroeder, H. (1926): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Blatt 4028 Goslar. – 2. Aufl., 115 S., Berlin.
Dahlgrün, F. (1939): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Blatt 3928 Salzgitter.- 2. Aufl., 92 S., Berlin.
Kauenhoven, W. (1926): Das Basiskonglomerat der unteren Kreide im nördlichen Harzvorlande und seine Eisenerzführung.- N. Jb. Min. u. Pal., Beil.-Bd. 55, Abt. B: 133-188, Stuttgart.
Kolbe, H. (1962): Die Eisenerzkolke im Neokom-Eisenerzgebiet Salzgitter. Mitteilungen aus dem Geologischen Staatsinstitut in Hamburg 31: 276-308.
Kolbe, H. (1970): Zur Entstehung und Charakteristik mesozoischer marin-sedimentärer Eisenerze im östlichen Niedersachsen. Clausthaler Hefte zur Lagerstättenkunde und Geochemie der Mineralischen Rohstoffe 9: 161-184.
Luppold, F.W. (2001): Die Ostrakoden des kalkig entwickelten Unter-Hauterivium im östlichen Niedersächsischen Becken und seine Mikrofauna und Fazies.- Pal. Z., 75(2): 127-150, Stuttgart.
Malkoc, M., Mutterlose, J., Pauly, S. (2010): Timing of the Early Aptian d13C excursion in the Boreal Realm. – Newsletters on Stratigraphy 43/3: 251-273, Stuttgart.
Mutterlose, J., Bornemann, A. (2000): Distribution and facies patterns of Lower Cretaceous sediments in northern Germany: a review. – Cretaceous Research 21: 733-759.
Mutterlose, J., Wippich, M., Geisen, M. (1997): Cretaceous Depositional Environments of NW Germany.- Bochumer Geol. Arbeiten, 46: 134 S., Bochum.
Neuss, P. (1979): Zur Biostratigraphie und Fazies der Unterkreide-Serien (Hauterivium – Aptium) im Eisenerz-Tagebau „Morgenstern“ N Goslar (SE-Niedersachsen). – Mitt. Geol. Inst. Univ. Hannover 17: 155-222, Hannover.
Rödiger, K. (1933): Stratigraphie und Paläogeographie der Unteren Kreide im Gebiete der Eisenerzlager des Salzgitterer Höhenzuges. Jahrbuch des Halleschen Verbandes für die Erforschung der Mitteldeutschen Bodenschätze und ihrer Verwertung, Neue Folge 12: 267-324.
Roemer, F. A. (1841): Die Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges. - 145 S.; Hannover (Hahn'sche Hofbuchhandlung).
Thomas, E. (1923): Genetische Betrachtungen über die Lias- und Neokomablagerungen am Fallstein und ihre Eisenerze.- Jahrbuch des Halleschen Verbandes für die Erforschung der Mitteldeutschen Bodenschätze und ihrer Verwertung, 4 (1): 155 S. Halle/Saale.
Weigelt, J. (1923): Angewandte Geologie und Paläontologie der Flachseegesteine und das Erzlager von Salzgitter. – Fortschritte der Geologie und Paläontologie, 4: 1–128; Berlin.
Weigelt, J. (1925): Grundlagen und Voraussetzungen für Excursionen im Neokomerz von Salzgitter. – Jahresbericht des Niedersächsischen Geologischen Vereins, 17 (für 1924): 78–93; Hannover.
Autor des Datenblattes: Erbacher, J., Hiss, M., Luppold, F. W., Mutterlose J., Seibertz, E.
Erstellt am: 30.07.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 17.05.2016
Änderung Datensatz: 17.05.2016
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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 14:34:02.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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