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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rüthen-Formation
ID: 2008165
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Heitfeld (1957) (Rüthener Grünsandstein)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Minden-Braunschweig-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberalbium (Albium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelalbium (Albium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Sandstein der Gegend von Rüthen (Roemer 1854), Rüthen-Sandstein, Rüthener Grünsand (Heitfeld 1957, Speetzen et al. 1974), Keddinghausener Schichten (Hiss & Speetzen 1986), Keddinghausener und Wünnenberger Schichten (Hiss 1989, Skupin 1989), Rüthener-Schichten (Hiss 1989)
Lithologie: Sandstein, vorwiegend fein- bis mittelkörnig, glaukonitisch, z. T. auch feinkiesiger Sandstein, untergeordnet und nur lokal verbreitet an der Basis fossilführende Kalksteinbänke und Konglomeratlagen.
Untergeordnete Einheit: Die örtlich an der Basis der Rüthen-Formation auftretenden karbonatisch-konglomeratischen Keddinghausener Schichten sowie die nur im Raum Wünnenberg verbreiteten feinkiesigen Sandsteine der Wünnenberger Schichten sind lokale Sonderfaziesbereiche und im Sinne von Bänken der Rüthen-Formation zugeordnet.
Liegendgrenze: Transgressiv und diskordant über Ablagerungen des Paläozoikums oder älteren Mesozoikums.
Hangendgrenze: Lithologischer Wechsel zu sandigen Mergelsteinen der Essen-Grünsand-Formation bzw. geringmächtige glaukonitische Mergelsteine an der Basis der Herbram-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 5 m bis unter 10 m.
Maximale Mächtigkeit: Bis ca. 15 m im Raum Weine bei Büren (Hiss 1989) sowie 17 m in einer Bohrung nördlich Wünnenberg (Skupin 1989).
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist der Steinbruch des Rüthener Grünsandsteinwerks (Fa. Kirsch) im Mildental am nordwestlichen Ortsrand von Rüthen, wo die Rüthen-Formation vollständig erschlossen ist und derzeit noch abgebaut wird. Weitere Referenzprofile sind der Steinbruch am Mühlenberg bei Siddinghausen (Hiss 1989, Kaplan 2009), die nicht mehr zugängliche Typuslokalität der Keddinghausener Schichten (Hiss & Speetzen 1986, Hiss 1989) sowie Felsklippen am Nordhang des Wieletals bei Wünnenberg (Skupin 1989).
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Mittelgebirge, Rheinisches Schiefergebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Rüthen-Formation ist nur am Südostrand des Münsterländer Kreide-Beckens verbreitet, vom südöstlichen Haarstrang und dem Rand der Paderborner Hochfläche (Rüthen – Büren – Wünnenberg) bis in das nordöstliche Sauerland (Raum Brilon und Warstein).
Zeitgleiche Einheiten: Peine-Formation (Beckenfazies). Von zeitgleichen, ebenfalls in proximalen Bereichen am Südrand des Niedersächsischen Beckens vorkommenden Ablagerungen des Mittel- bis Oberalbium (Alfeld, Flammenmergel-, Kleinenberg-, Olfen-Formation) unterscheidet sich die Rüthen-Formation lithologisch deutlich. Nach bisherigen Kenntnissen ist sie zudem räumlich getrennt. Laterale Übergänge sind nicht nachgewiesen.
Alterseinstufung: Durch vereinzelte Belemnitenfunde an der Basis der Rüthen-Formation (Keddinghausener Schichten, Hiss & Speetzen 1986) sowie nach oben eingegrenzt durch die sichere Untercenomanium-Datierung der Hangendschichten.
Kommentar: Die Belemnitenfunde erlauben lediglich eine Eingrenzung auf Mittel- bis Oberalbium, jedoch keine genauere Datierung.
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: Die Formation ist nach der Stadt Rüthen benannt, in deren Umgebung sie zutage tritt und gut aufgeschlossen ist.

Fazies: Flachmaine Ablagerung, proximale Fazies des nach Süden auf die Rheinische Masse transgredierenden Kreide-Meeres. Der Sandschüttungskörper ist regional begrenzt und in einen vorwiegend mittel- bis grobsandigen westlichen Ast im Raum Rüthen – Weine (Rüthener Schichten) und einen feinkiesigen Ast im Raum Wünnenberg (Wünnenberger Schichten) zweigeteilt. Die Keddinghausener-Schichten sind lokal als konglomeratisch-karbonatische Basisschichten mit Fossilschutt-Lagen entwickelt.

Besonderheiten: Der Sandstein der Rüthen-Formation aus der Region zwischen Rüthen und Büren-Weine wird auch heute noch in geringem Umfang als Werkstein gewonnen und ist in seiner historischen Verwendung regional bedeutend (Kaplan 2009).
Literatur: Heitfeld, H. (1957): Zur Stratigraphie der Kreide am Nordrand des Sauerlandes zwischen Sichtigvor und Essentho. - N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 105: 79-112; Stuttgart.
Hiss, M. (1989), mit Beitr. von Erkwoh, F.-D., & Jäger, B., & Michel, G., & Vieth-Redemann, A.: Erläuterungen zu Blatt 4417 Büren. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4417: 152 S.; Krefeld.
Hiss, M., & Speetzen, E. (1986): Transgressionssedimente des Mittel- bis Oberalb am SE-Rand der Westfälischen Kreidemulde (NW-Deutschland). - N. Jb. Geol. Paläont., Mh., 1986 (11): 648-670; Stuttgart.
Kaplan, U. (2009): Naturbausteine historischer Bauwerke des Münsterlandes und seiner angrenzenden Gebiete. - Geol. Paläont. Westf., 73: 178 S.; Münster.
Roemer, F. (1854): Die Kreidebildungen Westphalens. - Verh. naturhist. Ver. preuß. Rheinld. u. Westf., 11: 29-180; Bonn.
Skupin, K. (1989), mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Michel, G.; Vieth-Redemann, A.; Weber, P.: Erläuterungen zu Blatt 4418 Wünnenberg. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf 1 : 25 000, Erl., 4418: 151 S.; Krefeld.
Speetzen, E., & El-Arnauti, A., & Kaever, M. (1974): Beitrag zur Stratigraphie und Paläogeographie der Kreide-Basisschichten am SE-Rand der Westfälischen Kreidemulde (NW-Deutschland). - N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 145: 207-241; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Erbacher, J., Hiss, M., Luppold, F. W., Mutterlose J.
Erstellt am: 29.07.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.11.2014
Änderung Datensatz: 24.11.2014
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Litholex Recherche vom 23.04.2017, 16:00:50.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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