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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Olfen-Formation
ID: 2008160
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Erbacher, Hiss, Luppold, Mutterlose (2014) (dieser Litholex-Beitrag)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Minden-Braunschweig-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberalbium (Albium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelalbium (Albium, Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Minimus-Schichten, minimus-Grünsand, Flammenmergel (z. B. Frieg et al. 1989; Jansen 2001; Pabsch-Rother 2006), Halterner Kalkbrekzie (Jordan 1985).
Lithologie: Die Sedimente der Olfen-Formation schwanken in ihrer Mächtigkeit und faziellen Ausbildung lateral sehr stark. Häufig beginnen sie mit einem meist geringmächtigen, gelegentlich bis 2 m mächtigem Basiskonglomerat aus Geröllen karbonischer Gesteine in einer kalkigen Ton- und Sandsteinmatrix (Pabsch-Rother 2006). Darüber folgen glaukonitische Sandsteine, tonige Sandsteine oder sandige Mergelsteine, die zum Hangenden in kalkige, z. T. sandige, teils kieselige Schluffsteine übergehen, die ebenfalls glaukonitisch sein können. Charakteristisch sind Lagen mit Phosphoritknollen. Lokal treten knollige, brekziöse Kalksteine auf (Halterner Kalkbrekzie im Sinne von Jordan 1985).
Untergeordnete Einheit: Die bisherige Untergliederung in Basiskonglomerat, minimus-Schichten mit minimus-Grünsand und minimus-Ton sowie Flammenmergel ist lithologisch nicht immer eindeutig nachvollziehbar und basiert weitestgehend auf biostratigraphischen Indizien (Frieg et al. 1989; Pabsch-Rother 2006). Bei Fehlen biostratigraphischer Daten ist diese Gliederung weder lithologisch noch anhand von Bohrlochmessungen zweifelsfrei möglich und daher nicht zu rechtfertigen.
Liegendgrenze: Sedimente der Olfen-Formation lagern transgressiv über Ablagerungen des älteren Mesozoikums (Trias) oder des Paläozoikums (Oberkarbon).
Hangendgrenze: Über der Olfen-Formation folgen Sedimente, die im Zuge der Cenoman-Transgression abgelagert wurden. Im östlichen Zentralmünsterland ist dies die Herbram-Formation mit Tonmergelsteinen und einer glaukonitischen Basis. Im größten Teil des Verbreitungsgebiets ist dies die Essen-Grünsand-Formation, meist mit stark glaukonitischen Sand- oder Sandmergelsteinen. Teilweise ist der lithologische Wechsel deutlich ausgeprägt, manchmal allerdings auch fließend.
Mittlere Mächtigkeit: Mit der im Albium einsetzenden Transgression der mittleren Kreide verschiebt sich die marine Randfazies vom Nordmünsterland in das nördliche Ruhrgebiet (Frieg et al. 1990). Mit diesem Onlap ist eine generelle Mächtigkeitsabnahme von Norden nach Süden verbunden (Schuster & Wolburg 1962). Daneben ist die Mächtigkeit und Verbreitung der Olfen-Formation stark vom Paläorelief abhängig. Sie unterliegt starken Schwankungen, so dass eine mittlere Mächtigkeit nicht angegeben werden kann.
Maximale Mächtigkeit: Pabsch-Rother (2006) nennt für den Bereich der Typusregion um Olfen maximale Mächtigkeiten von etwa 15 m. Für den Raum Haltern gibt Jordan (1985) wechselnde Mächtigkeit bis maximal 20 m an (Bohrung Specking 1). Jansen (2001) nennt für den Raum Rheinberg – Wesel bis zu 24 m.
Typusprofile, etc.: Typusregion für die Olfen-Formation ist das südliche Münsterland bzw. nördliche Ruhrgebiet, insbesondere der Raum Olfen – Haltern. Referenzen bilden die bei Jordan (1982, 1985), Nordhaus (1985), Frieg et al. (1989) sowie Pabsch-Rother (2006) publizierten Bohrungsdaten. Als Typusprofil wird die Bohrung Hagen 2 (nördlich von Olfen, vgl. Nordhaus 1985, Pabsch-Rother 2006) mit 9,2 m mächtiger Olfen-Formation ausgewählt, deren Kern archiviert ist. Ein Referenzprofil für den Raum Haltern ist die Bohrung Lünzumer Mark 1 in der Hohen Mark westlich Haltern mit 16 m mächtiger Olfen-Formation, deren Profil bei Jordan (1985) dargestellt und deren Kern ebenfalls archiviert ist.
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Südliches Münsterland und nördliches Ruhrgebiet. Das Verbreitungsgebiet der Olfen-Formation wird nach Süden durch die vermutete Küstenlinie im Oberalbium begrenzt, die im nördlichen Ruhrgebiet verläuft (Frieg et al. 1990). Im Westen reicht die Olfen-Formation bis an den Rand des Münsterländer Kreide-Beckens. Sie ist u. a. in Bohrungen am Niederrhein im Raum Wesel – Rheinberg nachgewiesen (Jansen 2001).
Zeitgleiche Einheiten: Als proximale Bildung des Mittel- bis Oberalbium geht die Olfen-Formation nach Norden in die Beckenfazies der Peine-Formation über. Ebenfalls noch proximale Profile im nördlichen Münsterland und Teutoburger Wald, allerdings mit deutlich größeren Mächtigkeiten, ermöglichen eine Differenzierung in die Alfeld-Formation (Mittelalbium) und die Flammenmergel-Formation (Oberalbium; vgl. Schuster & Wolburg 1962). Zeitgleiche proximale Ablagerungen im südöstlichen Münsterland bzw. auf der Paderborner Hochfläche und im Egge-Gebirge (Kleinenberg-Formation, Rüthen-Formation) sind räumlich getrennt und unterscheiden sich lithologisch sehr deutlich.
Alterseinstufung: Biostratigraphische Daten fassen Frieg et al. (1989, 1990) zusammen. Neben Foraminiferen und Ostrakoden sind es auch einzelne Ammoniten, durch die Mittel- bis Oberalbium nachgewiesen werden kann.
Kommentar:  -
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: Nach der Stadt Olfen im südlichen Münsterland / Nordrand des Ruhrgebiets, die im Zentrum des Verbreitungsgebietes liegt und in deren Nähe zahlreiche Tiefbohrungen die Formation erschlossen haben.

Fazies: Geringmächtige, meist kalkig-sandige, nicht differenzierte Randfazies der Peine-Formation, insbesondere der Kirchrode-Subformation. Diese Formation ist nur im südlichen Münsterland verbreitet, wo im Zuge der Alb/Cenoman- Transgression ehemals landfeste Areale überflutet wurden.
Literatur: Frieg, C.; Hiss, M.; Kaever, M. (1990): Alb und Cenoman im zentralen und südlichen Münsterland (NW-Deutschland) - Stratigraphie, Fazies, Paläogeographie. - N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 181(1-3): 325 - 363; Stuttgart.
Frieg, C.; Kemper, E.; Owen, H. G. (1989): Die stratigraphische Gliederung des Alb und Cenoman im südwestlichen Münsterland nach Ammoniten, Foraminiferen, Ostrakoden und Bohrlochmessungen. - Geol. Jb., A 113: 7 – 49; Hannover.
Jordan, H. (1982): Alb und Cenoman im nördlichen Ruhrrevier und Südmünsterland. Lithofazielle Untersuchungen und neue Überlegungen zur Paläogeographie. - Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 57: 33 – 51; Münster.
Jansen, F. (2001), mit Beitr. von Drozdzewski, G.; Holl-Hagemeier, C.; Krahn, L.; Paas, W.: Erläuterungen zu Blatt 4305 Wesel. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4305: 195 S.; Krefeld.
Jordan, H. (1985): Intrastratale Aufarbeitungssedimente in der Mittleren Kreide des Südmünsterlandes. – Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 63: 1 – 20; Münster.
Nordhaus, J. (1985): Die Kreide-Basis im Raum Olfen-Haltern. – Münstersche Forsch. Geol. Paläont., 63: 21 – 86; Münster.
Pabsch-Rother, U. (2006), mit Beitr. von Grünhage, H.; Heuser, H.: Erläuterungen zu Blatt 4210 Lüdinghausen. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4210: 162 S.; Krefeld.
Schuster, A., & Wolburg, J. (1962): Alb in den Bohrungen des Münsterlandes. - N. Jb. Geol. Paläont., Mh., 1962: 409 - 422, 4 Abb., Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Erbacher, J., Hiss, M., Luppold, F. W., Mutterlose J.
Erstellt am: 25.07.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 19.11.2014
Änderung Datensatz: 24.11.2014
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Litholex Recherche vom 25.03.2017, 06:59:20.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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