litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Grafenberg-Formation
ID: 2008143
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: KUKUK (1938), WÖLK (1941) (erstmalige Nennung des Namens „Grafenberger Schichten“); HISS (2013, Formationsbeschreibung, dieser Litholex-Beitrag).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Chattium (Oberoligozän, Oligozän, Paläogen, Känozoikum)
Synonyme: Oberoligocäne Meeressande (z. B. QUAAS 1917), Mehlsandschichten (partim, BREDDIN 1931), Grafenberger Schichten oder Grafenberg-Schichten (z. B. JANSEN 1991, PRÜFERT 1998), Grafenberg Member (HAGER in VINKEN 1988).
Lithologie: Vorwiegend Feinsand, schwach bis stark schluffig, z. T. mittel- und grobsandig, kalkhaltig, glaukonitführend, lagenweise mit vielen Molluskenschalen, grau, grünlichgrau, olivgrau. Fossilreiche Bänke, z. T. Schilllagen, wechseln mit fossilarmen Lagen ab. Gelegentlich kommen Siderit-Konkretionen (im Millimeter- bis Dezimeterbereich) vor. Im angewitterten Zustand, dort wo die Schichten zutage treten, meist kalkfrei, gelbbraun oder ockergelb, mit braunen Limonitkrusten.
Untergeordnete Einheit:  -
Liegendgrenze: Tonige, z. T. auch feinsandige Schluffe der Rupel-Formation (Lintfort-Subformation bzw. Lintfort-Schichten) bilden das Unterlager. Der Übergang zu den schluffigen Feinsanden der Grafenberg-Formation ist häufig fließend, aber anhand von Bohrlochmessungen (z. B. NICKEL 2003) und mittels paläontologischer Kriterien (Mollusken, Foraminiferen) meist gut zu fassen. Markant ist der sog. Asterigerinen-Horizont, der die Basis der Grafenberg-Formation bildet und in dem die Foraminifere Asterigerinoides guerichi guerichi (FRANKE) massenhaft vorkommt (Horizont E nach INDANS 1958, 1965). Im östlichen Randbereich der Niederrheinischen Bucht treten lokal Gerölle und Gesteinsbruchstücke an der Basis der Grafenberg-Formation auf (F. VON DER HOCHT, mündl. Mitt.).
Hangendgrenze: Im südöstlichen Teil des Verbreitungsgebietes ist die Hangendgrenze erosiv. Im Norden der Krefelder Scholle und am unteren Niederrhein folgt über einer Schichtlücke die Hoerstgen-Subformation der Breda-Formation, die mit mittelsandigen Feinsanden und einer starken Glaukonitführung einen markanten lithologischen Marker bildet. In den durch starke synsedimentäre Absenkungen geprägten Venloer- und Rur-Schollen (im deutsch-niederländischen Grenzgebiet) besteht diese Schichtlücke zwischen Grafenberg- und Breda-Formation nicht. Die Kakert-Subformation der Breda-Formation schließt hier ohne oder nur mit geringen Sedimentationsunterbrechungen an die Grafenberg-Formation an. Lithologisch ist die Grenze dort fließend. Charakteristisch ist jedoch ein Farbübergang von grünlichgrauen zu grauen Farben sowie das regelmäßige Vorkommen miozäner Fossilien (Kalknannoplankton, Foraminiferen, Mollusken; div. unpubl. Daten).
Mittlere Mächtigkeit: Etwa 100 m in vollständigen Profilen am unteren Niederrhein, in den östlichen Randbereichen der Niederrheinischen Bucht (Raum Duisburg – Bocholt) nur bis zu ca. 50 m.
Maximale Mächtigkeit: Maximale Mächtigkeiten werden im deutsch-niederländischen Grenzgebiet auf der stark abgesenkten Venloer Scholle sowie Rur-Scholle erreicht. In der Bohrung Geldern T1 (TK 4403 Geldern) wurden 197 m erbohrt (VAN ROOIJEN et al. 1984), in der Bohrung Straeten 1 (TK 4902 Heinsberg) 331 m (PRÜFERT 1998).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Raum um Düsseldorf-Grafenberg (Abb. 1). Da dort in Tagesaufschlüssen keine durchgehenden und umfassend dokumentierten Profile existieren und von Bohrungen lediglich wenige unpublizierte biostratigraphische Daten aus der 1960 abgeteuften Spülbohrung Haniel & Lueg vorliegen, wird das am vollständigsten entwickelte und biostratigrafisch gut untersuchte Profil des Schachtes Hoerstgen bei Kamp-Lintfort (TK 4404 Issum) als Typusprofil gewählt (ANDERSON 1958 a, INDANS 1958, 1965). Weitere Referenzprofile sind Schächte und Bohrungen mit umfangreichen Untersuchungen in der Bergbauregion um Kamp-Lintfort, z. B. die Schächte Rossenray I und Kapellen (ELLERMANN 1958, INDANS 1958, STRAUCH & SCHAUB 1958), sowie der Schacht 8 der Zeche Sophia-Jacoba bei Erkelenz (TK 4903 Erkelenz, KLOSTERMANN et al. 1998, WELLE 1997 u. a.).
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Niederrheinische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Grafenberg-Formation ist nördlich einer Linie Düren – Köln in der gesamten Niederrheinischen Bucht verbreitet (vgl. Abb. 1).
Zeitgleiche Einheiten: Der Grafenberg-Formation entspricht in Belgien die Voort-Formation und in den Niederlanden die Veldhoven-Formation. Beide beinhalten ebenfalls marine Sande und Schluffe, die sich aber durch meist feinkörnigere Ablagerungen z. T. mit schluffig-feinsandigem Ton unterscheiden. Auch im Untergrund von Norddeutschland kommen zeitgleiche marine Feinsande und Schluffe des südlichen Nordseebeckens vor, zu denen beispielsweise die Sülzdorf- und Rogahn-Schichten in West-Mecklenburg gehören. Im Südteil der Niederrheinischen Bucht verzahnt die Grafenberg-Formation mit der Köln-Formation der paralischen Fazies (Abb. 2).
Alterseinstufung: Biostratigrafische Datierungen und Untergliederungen sind mittels Mollusken (ANDERSON 1958 a 1958 b, 1968), Foraminiferen (INDANS 1958, ELLERMANN 1958, KLOSTERMANN et al. 1998) und Otolithen (SCHWARZHANS 1994) möglich.
Kommentar: Die genannten biostratigraphischen Daten basieren auf Faunen, die im gesamten südlichen Nordseebecken charakteristisch sind und ermöglichen daher gute Korrelationen in benachbarte Regionen (Belgien, Niederlande, Nord- und Nordostdeutschland, Dänemark etc., z. B. VINKEN 1988). NICKEL (2003) betrachtet die Grafenberg-Formation im sequenzstratigrafischen Kontext mit anderen zeitgleichen Ablagerungen am Südrand des nordwesteuropäischen Tertiärbeckens. Sie kann drei Sequenzen unterscheiden, die sich zu einem kurzen basalen transgressiven Zyklus und einem längeren regressiven Zyklus zuordnen lassen.
Versch./Sonstiges: Der Name leitet sich vom Düsseldorfer Ortsteil Grafenberg ab, wo die Formation in den Randhöhen des Bergischen Landes zutage tritt und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Sandgruben (zwischen Ratingen, Grafenberg, Gerresheim und Erkrath) als Formsand für Gießereien abgebaut wurde.
Soweit bekannt wurde die Bezeichnung „Grafenberger Sande“ erstmalig bei KUKUK (1938) für Sande dieser Region verwendet und später durch WÖLK (1941) für gleich alte Schichten im gesamten Niederrheingebiet übertragen. Ausführlichere Beschreibungen erfolgten allerdings erst später (z. B. TEICHMÜLLER 1958). In nachfolgenden Arbeiten, insbesondere in geologischen Karten ist dann der Name Grafenberg-Schichten etabliert. Die Bezeichnung Grafenberg-Formation erscheint in jüngeren Arbeiten (z. B. SCHÄFER et al. 2004), jedoch ohne dass eine Formationsdefinition gegeben wird.
Basierend auf SCHNEIDER & THIELE (1965) wird die Grafenberg-Formation (Grafenberg-Schichten) in der DIN 21919-3 (Bergmännisches Risswerk, Stratigraphie, Teil 3 Regionale und lokale Gliederungen Braunkohle) mit der Kennzahl 04B dargestellt.
Literatur: ANDERSON, H. J. (1958 a): Zur Stratigraphie und Palaeogeographie des marinen Oligozäns und Miozäns am Niederrhein auf Grund der Mollusken-Faunen. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 1: 277 – 295; Krefeld.
ANDERSON, H. J. (1958 b): Die Pectiniden des niederrheinischen Chatt. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 1: 297 – 321; Krefeld.
ANDERSON, H. J. (1968), in: BRAUN, F. J., mit Beitr. von ; ANDERSON, H. J.; ARNOLD, H.; HINZ, H.; HOYER, P.; VOGLER, H.: Erläuterungen zu Blatt C 4302 Bocholt. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 100 000, Erl., C 4302, 37 – 49; Krefeld.
BREDDIN, H. (1931): Die Gliederung des tertiären Deckgebirges im niederrheinischen Bergbaugebiet. - Glückauf, 67: 249 – 255; Essen.
ELLERMANN, C. (1958): Die mikrofaunistische Gliederung des Oligozäns im Schacht Kapellen bei Moers (Niederrhein). - Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 1: 205 – 214, 3 Tab., 3 Taf; Krefeld.
INDANS, J. (1958): Mikrofaunistische Korrelation im marinen Tertiär der Niederrheinischen Bucht. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 1: 223 – 238, 8 Taf., 3 Abb.; Krefeld.
INDANS, J. (1965): Mikrofaunistisches Normalprofil durch das marine Tertiär der Niederrheinischen Bucht. - Forsch.-Ber. Land Nordrh.-Westf., 1484: 85 S., 9 Abb., 10 Taf.; Köln, Opladen.
JANSEN, F. (1991), mit Beitr. von KALTERHERBERG, J.; VON KAMP, H.; KÖWING, K.; PAAS, W.; REHAGEN, H.-W.; VIETH-REDEMANN, A.; WOLF, R.; ZELLER, M.: Erläuterungen zu Blatt 4506 Duisburg, 2. Aufl. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4506: 179 S.; Krefeld.
KLOSTERMANN, J.; RESCHER, K.; WEFELS, U. (1998): Die tertiärzeitliche Schichtenfolge in ausgewählten Bohrungen der Krefelder und Venloer Scholle. - Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 37: 475 – 555; Krefeld.
KUKUK, P. (1938): Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebietes. - 706 S.; Berlin (Springer).
NICKEL, E. (2003): Oligozäne Beckendynamik und Sequenzstratigraphie am Südrand des Nordwesteuropäischen Tertiärbeckens. - Diss. Univ. Bonn, 148 S.; Bonn.
PRÜFERT, J. (1998), mit Beitr. von PAAS, W.; SCHOLLMAYER, G.; SUCHAN, K.-H.: Erläuterungen zu Blatt 4902 Heinsberg. - Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4902: 178 S; Krefeld.
QUAAS, A. (1917): Erläuterungen zu Blatt Neuß. - Geol. Kt. Preußen u. benachb. Bundesst., 1 : 25 000, 4806: 85 S.; Berlin.
ROOIJEN, P. VAN; KLOSTERMANN, J.; DOPPERT, J. W. C.; RESCHER, C. K.; VERBEEK, J. W.; SLIGGERS, B. C.; GLASBERGEN, P. (1984): Stratygraphy and tectonics in the Peel-Venlo area as indicated by Tertiary sediments in the Broekhuisenvorst and Geldern T 1 boreholes. - Meded. Rijks geol. Dienst, 38-1: 1 - 27; 's-Gravenhage.
SCHÄFER, A.; UTESCHER, T.; MÖRS, T. (2004): Stratigraphy of the Cenozoic Lower Rhine Basin, northwestern Germany. – Newsl. Stratigr., 40: 73 – 110; Stuttgart.
SCHNEIDER, H.; THIELE, S. (1965): Geohydrologie des Erftgebietes. - 185 S. Düsseldorf (Minist. Ernähr. Landwirtsch. u. Forsten Land Nordrh.-Westf.).
SCHWARZHANS, W. (1994): Die Fisch-Otolithen aus dem Oberoligozän der Niederrheinischen Bucht – Systematik, Palökologie, Paläobiogeographie, Biostratigraphie und Otolithen-Zonierung. – Geol. Jb., A140: 3 – 248; Hannover.
STRAUCH, F.; SCHAUB, H. (1958): Die stratigraphische Gliederung des Oberoligozäns der Schächte Kapellen und Rossenray I auf Grund von Pectiniden. – Fortschr. Geol. Rheinld. u, Westf., 1: 273 – 276; Krefeld.
TEICHMÜLLER, R. (1958): Die Niederrheinische Braunkohlenformation, Stand der Untersuchungen und offene Fragen. - Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 2: 721 - 750; Krefeld.
VINKEN, R. (Comp.) (1988): The Northwest European Tertiary Basin. Results of the International Geological Correlation Programme Project No 124. - Geol. Jb., A 100: 7 - 508; Hannover.
WELLE, J. (1997): Oligozäne Mollusken aus dem Schacht 8 der Bergwerksgesellschaft Sophia Jacoba bei Erkelenz (Niederrheinische Bucht), Teil 1: Lamellibranchia und Scaphopoda. – Leipziger Geowissenschaften, 4: 1 – 137; Leipzig.
WÖLK, E. (1941): Das niederrheinische Mitteloligozän und seine Stellung innerhalb des nordeuropäischen Mitteloligozäns. - Z. dt. geol. Ges., 93: 80 – 114; Berlin.
Autor des Datenblattes: Hiss, M.
Erstellt am: 21.01.2013
Zuständige Subkommission: Subkommission Tertiär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 03.06.2013
Änderung Datensatz: 04.06.2013
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.536 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.04.2017, 21:03:27.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID