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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Altlengbach-Formation
ID: 2008141
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: EGGER (1995) (Formations-Definition)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rhenodanubische Gruppe
Chronostratigraphie: Thanetium (Oberpaläozän, Paleozän, Paläogen, Känozoikum)
Seelandium (Oberpaläozän, Paleozän, Paläogen, Känozoikum)
Danium (Unterpaläozän, Paleozän, Paläogen, Känozoikum)
Maastrichtium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Altlengbacher Schichten (GÖTZINGER & BECKER 1932), Schliersberg-Sandstein (RICHTER 1933), Jüngerer Flyschsandstein (RICHTER 1937), „Muldeneozän“ (RICHTER & MÜLLER-DEILE 1940), Mürbsandsteinführende Oberkreide (PREY 1950), Fanóla-Serie (in Vorarlberg; ALLEMANN & BLASER 1951), Bleicherhorn-Serie (RICHTER 1955), Bleicherhorn-Schichten (KRAUS 1955), Muntigler Serie (im Salzburger Raum; STURM 1968).
Lithologie: Die Altlengbach-Formation ist die heterogenste Schichtfolge im Rhenodanubischen Flysch. Zwischen Rhein und Salzach sind in der Altlengbach-Formation nahezu sämtliche aus den älteren Formationen des Rhenodanubischen Flyschs beschriebenen Typen von Sedimenten und Sedimentzyklen in verschiedenen Kombinationen entwickelt.
Bedeutende Teile der Altlengbach-Formation in Bayern werden von bis zu mehrere Meter mächtigen, turbiditischen sowie teils im basalen Teil höher konzentrierten Einzelzyklen aufgebaut.
Diese können im unteren Teil lithologisch der Hällritz-Formation (u. a. siliziklastreiche Kalksteine bis karbonatische Silt- und Sandsteine, Kalkmergel- und Tonmergelsteine), im oberen Teil vielfach der Kalkgraben-Formation (u. a. siliziklastische Kalksteine, oft hornsteinführende Silt- und Kieselkalksteine, z. T. verkieselte Kalkmergelsteine („Zementmergel“)) ähneln.
An der Basis vieler dieser Turbiditzyklen treten für die Altlengbach-Formation charakteristische, dickbankige (bis mehrere m), mittel- bis grobkörnige, vielfach mürb verwitternde, meist karbonatarme Grauwacken und Sandsteine („Mürbsandsteine“) auf. Diese führen Muskovit und Quarz, untergeordnet Glaukonit sowie oft inkohlte Pflanzenhäcksel. Diese Sandsteine und Grauwacken treten v. a. im älteren Teil der Formation verbreitet auf und sind mit denen der Reiselsberg-Formation vergleichbar. Die zudem in die Turbiditfolgen vielfach eingeschalteten, hell- bis gelblichgrauen, mittelbankigen, z. T. kieseligen Kalklutite, ähneln denen der Tristel-Formation. Das gemeinsame Auftreten dieser Kalklutite mit den Muskovit-führenden „Mürbsandsteinen“ ist ein Charakteristikum für die Altlengbach-Formation. Im untersten Teil mancher Einzelzyklen können Konglomerate und Breccien auftreten.
Am Top der einzelnen Turbiditzyklen sind grüne und graue, hemipelagische Tonsteine eingeschaltet, die im Gegensatz zu den älteren Flysch-Einheiten geringe bis mäßige Karbonatgehalte aufweisen können.
Untergeordnete Einheit: In der Typusregion in Österreich, E der Salzach, kann die Altlengbach-Formation in vier Member bzw. Subformationen untergliedert werden: Roßgraben-, Ahornleitengraben-, Kotgraben- und Acharting-Member (EGGER 1995).
Liegendgrenze: Die Basis der Altlengbach-Formation ist definiert durch das Einsetzen dickbankiger, Muskovit-führender Sandsteine („Mürbsandsteine“); gleichzeitig schlägt die Farbe der begleitenden Pelite von rot und grün in grau um. Die Einheit wird unterlagert von der Perneck- oder der Hällritz-Formation.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze ist in Bayern erosiv oder tektonisch ausgebildet. E der Salzach wird die Altlengbach-Formation von der Anthering-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: In der Sigiswanger Decke im Allgäu bis 200 m, in Oberbayern bis 500 m; in der Üntschen-Decke bis 500 m (im bayerischen Anteil)
(Aufgrund tektonischer Deformation ist die wahre Mächtigkeit nicht abschätzbar.)
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Gebiet um Großraming, SE Steyr (Oberösterreich).
Dort ist das Typusprofil im Ahornleitengraben N Großraming aufgeschlossen (EGGER 1995).
In Bayern sind Profile z. B. aus dem Stallauer Bach (1005-1035 m ü. NN) SE Bad Heilbrunn (TK-Nr. 8234 Penzberg), aus dem Großbach (ab 890 m ü. NN) SW Bad Tölz (TK-Nr. 8235 Bad Tölz) sowie aus dem oberen Röthenbachtal und dem Grübelsgraben (1200-1240m ü. NN) SE Halblech bekannt.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Nannoplankton Zone CC22b-c bis NP9 (EGGER & SCHWERD 2008); in Bayern bisher nur bis älteres Paläozän bekannt (FREIMOSER 1972).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Altlengbach-Formation ist benannt nach dem Ort Altlengbach W Wien (Niederösterreich).
Sie tritt zwischen Rhein und Chiemseesenke in der Sigiswanger Decke, im Oberallgäu zudem in der Üntschen-Decke sowie östlich der Chiemseesenke und Salzach im gesamten Rhenodanubischen Flyschbereich auf.
Fazies: verschiedene, teils niedrig, teils hochkonzentrierte Turbidite und hemipelagische Tonsteine.
Literatur: ALLEMANN, F. & BLASER, R. (1951): Vorläufige Mitteilung über die Flyschbildungen im Fürstentum Liechtenstein.- Eclogae geologicae Helvetiae, 43: 187-200; Basel.
EGGER, H. (1995): Die Lithostratigraphie der Altlengbach-Formation und der Anthering-Formation im Rhenodanubischen Flysch (Ostalpen, Penninikum).- Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie Abhandlungen 196: 69-91, Stuttgart.
EGGER, H. & SCHWERD, K. (2008): Stratigraphy and sedimentation rates of Upper Cretaceous deep-water systems of the Rhenodanubian Group (Eastern Alps, Germany).- Cretaceous Research, 29: 405-416; Amsterdam.
FREIMOSER, M. (1972): Zur Stratigraphie, Sedimentpetrographie und Faziesentwicklung der Südostbayerischen Flyschzone und des Ultrahelvetikums zwischen Bergen/Obb. und Salzburg.- Geologica Bavarica, 66: 7-91; München (Bayer. Geol. Landesamt).
GÖTZINGER, G. & BECKER, H. (1932): Zur geologischen Gliederung des Wienerwaldflysches (Neue Fossilfunde).- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 82: 343-369; Wien.
KRAUS, E. (1955): Struktur und Bild der Allgäuer Alpen.- Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, 105: 564, Berlin.
PREY, S. (1950): Geologie der Flyschzone im Gebiete des Pernecker Kogels westlich Kirchdorf a. d. Krems (Oberösterreich).- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 94: 93-165; Wien.
RICHTER, M. (1933): Alter und Stellung der südbayerischen Flyschzone. – Cbl. Mineral. Geol. Paläont., Abt. B, 1933: 496–508, Stuttgart.
RICHTER, M. (1955): Neue Ergebnisse der Flyschforschung in den nördlichen Kalkalpen.- Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 105: 544-546; Hannover.
RICHTER, M. & MÜLLER-DEILE, G. (1940): Zur Geologie der östlichen Flyschzone zwischen Bergen (OBB.) und der Enns (Oberdonau).– Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, 92: 416-430; Berlin.
RICHTER, W. (1937): Sedimentpetrographische Beiträge zur Paläogeographie der ostalpinen Oberkreide.- Mitteilungen des geologischen Staatsinstitutes Hamburg, 16: 59-84; Hamburg.
STURM, M. (1968): Die Geologie der Flyschzone im Westen von Nußdorf/Attersee, O.Ö.- Unveröff. Diss Univ. Wien: 302 S., Wien.
Autor des Datenblattes: Teipel, U. & Schwerd, K.
Erstellt am: 06.07.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.01.2013
Änderung Datensatz: 22.01.2013


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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 19:09:18.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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