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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Kalkgraben-Formation
ID: 2008138
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: EGGER & SCHWERD (2008) (Formationsbezeichnung)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rhenodanubische Gruppe, Röthenbach-Untergruppe
Chronostratigraphie: Campanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Cementmergel (GÜMBEL 1861), Hydraulische oder Zementmergelgruppe (HAHN 1914), Zementmergel (verwendet bei RICHTER 1924), Kieselkalkgruppe (FINK 1903), Birnwangschichten (Oberstdorfer Decke, KRAUS 1927), Graue Leimernschichten (RICHTER 1933), Zementmergelserie (Oberstdorfer Decke), Kalkgrabenschichten (Sigiswanger Decke) (PFLAUMANN, 1964).
Lithologie: Die Kalkgraben-Formation besteht aus meist 1-3 m mächtigen Sedimentzyklen aus Kalk-, Kalkmergel- und Tonsteinen.
In einer Normalfolge setzen sich die basalen Hartbänke (meist Tb-Abschnitt der Bouma-Folge) aus grauen bis bläulichgrauen, mittelbankigen (dm), wechselnd siliziklastischen Kalksteinen, gefolgt von mittelbankigen, grau bis gelblichgrauen, oft hornsteinführenden Silt- und Kieselkalksteinen zusammen.
Darüber entwickeln sich, unter Zwischenschaltung von Kalklutiten, im frischen Bruch dunkel- oder bläulichgraue, auffällig hellocker oder hellgrau verwitternde, mittel- bis dickbankige (dm – mehrere Meter mächtig), z. T. verkieselte Kalkmergel- bis Mergelsteine („Zementmergel“, Td-Abschnitt der Bouma-Folge).
Die einzelnen Sedimentzyklen werden in einer Normalfolge nach oben von plattig bis dünnbankigen, grau bis grünlichgrauen, hemipelagischen Tonsteinen abgeschlossen.
In der Oberstdorfer Decke ist die Formation insgesamt relativ feinkörnig mit gegenüber der Sigiswanger Decke häufig mächtigeren Kalkmergelsteinen („Zementmergeln“) entwickelt, während die basalen Teile der Einzelzyklen in der Sigiswanger Decke häufig gröberkörniges Material führen.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Kalkgraben-Formation entwickelt sich aus der unterlagernden Piesenkopf-Formation durch Zunahme der Bankmächtigkeiten und Auftreten der typischen, auffällig hellocker bis hellgrau verwitternden Kalkmergelsteine in den Turbiditzyklen.
Hangendgrenze: Der Übergang zur überlagernden Hällritz-Formation erfolgt meist graduell durch Zunahme der Bankmächtigkeiten und Korngrößen in den Hartbänken sowie durch auffällige Abnahme der Häufigkeit und Mächtigkeit der Kalkmergelsteine („Zementmergel“).
Nach HESSE (1991) kann die Hangendgrenze dort gezogen werden, wo nach oben keine über 50 cm mächtigen Kalkmergelsteine mehr auftreten; gleichzeitig erscheinen dickbankige, grobkörnige, karbonatreiche Sandsteine.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: In der Oberstdorfer Decke bis 500 m, in der Sigiswanger Decke bis über 200 m (Aufgrund tektonischer Deformation ist die wahre Mächtigkeit nicht abschätzbar.).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Halblech-Gebiet NE Füssen.
Typusprofil ist das Röthenbachtal im Halblech-Gebiet E Füssen (TK Nr. 8331 Bad Bayersoien; von RAD 1972, EGGER & SCHWERD 2008).
Als Referenzprofil kann der aufgelassene Steinbruch bei Kalkgraben N Schliersee (TK Nr. 8237 Miesbach) gelten (KIRSCH 2000).
Weitere Profile sind z. B. im Hörnle-Aufacker-Gebiet SW Murnau (Oberbayern; TK Nr. 8332 Unterammergau) sowohl in der Sigiswanger als auch der Oberstdorfer Decke sowie im Lainbachtal SE Benediktbeuern (TK-Nr. 8334 Kochel) zu finden.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): In der Rhenodanubischen Flyschzone zwischen Rhein und Donau verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Kalknannoplankton-Zone CC18b bis CC20 (EGGER & SCHWERD 2008);
Dinoflagellatenzysten-Stratigraphie: Areoligera coronata-Intervallzone & Alisogymnium euclaense-Subzone (KIRSCH 2000).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Benannt nach einem Vorkommen im aufgelassenen Steinbruch bei Kalkgraben N Schliersee (Referenzprofil, TK Nr. 8237 Miesbach).
Die Kalkgraben-Formation tritt in der Sigiswanger und der Oberstdorfer Decke auf.
Fazies: kalkreiche Tiefwasser-Turbidite und hemipelagische Tonsteine.
Die Kalkgraben-Formation ist ein Äquivalent zum “Helminthoiden”-Flysch, der eine zeitgleiche Turbiditifazies von den Schweizer Alpen bis zu den oberitalienischen Seealpen darstellt.
Literatur: EGGER, H. & SCHWERD, K. (2008): Stratigraphy and sedimentation rates of Upper Cretaceous deep-water systems of the Rhenodanubian Group (Eastern Alps, Germany).- Cretaceous Research, 29: 405-416; Amsterdam.
FINK, W. (1903): Der Flysch des Tegernseer Gebietes mit besonderer Berücksichtigung des Erdölvorkommens.- Geognostische Jahreshefte 16, München.
GÜMBEL, C.W. (1861): Geognostische Beschreibung des bayerischen Alpengebirges und seines Vorlandes.- 950 S.; Gotha (Justus Perthes).
HAHN, F. (1914): Ergebnisse neuer Spezialforschungen in den deutschen Alpen. 3. Die Kalkalpen Südbayerns.- Geologische Rundschau, 5: 112-145, Leipzig.
HESSE, R. (1991): Flysch-Zone.- In: HESSE, R. & STEPHAN, W.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000, Blatt Nr. 8234 Penzberg.- 20-74; München (Bayer. Geol. Landesamt).
KIRSCH, K.-H. (2000): Dinoflagellatenzysten aus der höheren Oberkreide des Rhenodanubischen Flysches. 1. Kalkgraben-Schichten vom Schliersee/Oberbayern.- Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont. hist. Geol., 40: 3-79; München.
KRAUS, E. (1927): Neue Spezialforschungen im Allgäu (Molasse und Flysch) Ein Beitrag zur Kenntnis geosynklinaler Vorgänge.- Geologische Rundschau, 18: 189-298; Berlin.
PFLAUMANN, U. (1964): Geologisch-mikropaläontologische Untersuchungen in der Flysch-Oberkreide zwischen Wertach und Chiemsee in Bayern.- Unveröff. Diss. Ludwig-Maximilians-Universität München: 198 S.; München.
RAD, U. von (1972): Zur Sedimentologie und Fazies des Allgäuer Flysches.- Geologica Bavarica, 66: 92-147; München (Bayer. Geol. Landesamt).
RICHTER, M. (1924): Kreide und Flysch im östlichen Allgäu zwischen Wertach und Halblech.- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 74: 135-178; Wien.
RICHTER, M. (1933): Alter und Stellung der südbayerischen Flyschzone.- Zentralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie Abt. B9, 496-508; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Teipel, U. & Schwerd, K.
Erstellt am: 06.07.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.01.2013
Änderung Datensatz: 22.01.2013


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Litholex Recherche vom 24.04.2017, 21:11:31.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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