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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Reiselsberg-Formation
ID: 2008134
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: SCHAFHÄUTL (1851) (Namensgebung)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rhenodanubische Gruppe
Chronostratigraphie: Coniacium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Reiselsberger Sandstein (SCHAFHÄUTL 1851), Hauptflyschsandstein (in der Sigiswanger Decke, KRAUS 1927), Schwabbrünnen-Serie (in Vorarlberg, ALLEMANN & BLASER 1951), Mürbsandsteinzone (PREY 1950).
Lithologie: Charakteristisch sind überwiegend graue bis dunkelbläulichgraue, oft mit rostfarbener, mürber Rinde verwitternde, an Muskovit, Quarz und Gesteinsbruchstücken reiche Quarzsandsteine bis Grauwacken, fein- bis grobsandig, z. T. konglomeratisch, oft mit reichlich inkohlten Pflanzenhäckseln; je nach Überwiegen kalkigeren oder tonigeren Bindemittels sind härtere oder mürbere Gesteinstypen ausgebildet („Mürbsandstein“). Bankmächtigkeiten der vielfach dickbankigen, oft massig wirkenden Sandsteine schwanken zwischen einigen dm und mehr als 10 m. An den Schichtunterseiten finden sich häufig Sohlmarken (z. B. Schleif- und Belastungsmarken). Zu den Sandsteinen und Grauwacken treten in den Sedimentzyklen der Reiselsberg-Formation in unterschiedlicher Häufigkeit und Mächtigkeit dunkle, siltig-sandige, z. T. glimmerreiche Ton- und Tonmergelsteine, graue Kalkmergelsteine (ähnlich der Ofterschwang-Formation), siltig-sandige Kalksteine sowie im oberen Teil der Formation rhythmische Kalkstein-Tonstein-Wechselfolgen (ähnlich der Piesenkopf-Formation).
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Grenzziehung zu den unterlagernden Unteren Bunten Mergeln bzw. zur Ofterschwang-Formation ist häufig unscharf: In deren Ton- und Tonmergelstein-Folgen schalten sich zunehmend Sandsteine und Grauwacken ein. Die Untergrenze der Reiselsberg-Formation wird im Allgemeinen mit dem Auftreten der ersten mächtigeren und/oder glimmerreichen Sandsteinbänke gezogen.
Hangendgrenze: Auf die Sandsteine der Reiselsberg-Formation folgen, häufig mit relativ schnellem Übergang, karbonatische, plattig bis dünnbankige, rhythmische Wechselfolgen der überlagernden Piesenkopf-Formation oder meist bunte Tonmergelsteine der überlagernden Seisenburg-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: In der Sigiswanger Decke im Allgäu bis 300 m, in Oberbayern bis 200 m, in der Oberstdorfer Decke fehlend bis 100 m, in der Üntschen-Decke bis etwa 150 m (im bayerischen Anteil; aufgrund tektonischer Deformation ist die wahre Mächtigkeit nicht abschätzbar).
Typusprofile, etc.: Typusregion liegt im Halblech-Gebiet NE Füssen.
Ein Typusprofil ist nicht definiert.
In den bayerischen Alpen sind Teilprofile z. B. am Reiselsbergbach (Lobentalbach) im Halblech-Gebiet E Füssen (TK Nr. 8331 Bad Bayersoien), im Lahnegraben im Hörnle-Gebiet SW Murnau (TK Nr. 8332 Unterammergau) sowie im Alpbach-Tal E Tegernsee (TK Nr. 8236 Tegernsee; HESSE 1966) aufgeschlossen.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): Von Liechtenstein bis zum Wiener Wald verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Stellenweise auskeilend, dann von Unteren Bunten Mergeln und Seisenburg-Formation vertreten.
Alterseinstufung: Biostratigraphisch einstufbare Fossilien fehlen oder sind sehr selten. Die Alterseinstufung der Reiselsberg-Formation ergibt sich aus der Einstufung der über- und unterlagernden Einheiten.
Kommentar: Mittelcenomanium bis Mittelconiacium
Versch./Sonstiges: Die Formation ist benannt nach der Lokalität Reiselsberg-Hütte E Füssen (Halblech-Gebiet im Ammergebirge).
Sie kommt in der Sigiswanger, der Oberstdorfer und der Üntschen-Decke vor.
Fazies: Tiefsee-Fächer (MATTERN 2005), wobei die Sedimentationsraten deutlich geringer sind als bei modernen Tiefsee-Fächern (EGGER & SCHWERD 2008).
Literatur: ALLEMANN, F. & BLASER, R. (1951): Vorläufige Mitteilung über die Flyschbildungen im Fürstentum Liechtenstein.- Eclogae geologicae Helvetiae, 43: 187-200; Basel.
EGGER, H. & SCHWERD, K. (2008): Stratigraphy and sedimentation rates of Upper Cretaceous deep-water systems of the Rhenodanubian Group (Eastern Alps, Germany).- Cretaceous Research, 29: 405-416; Amsterdam.
HESSE, R. (1966): Flysch-Zone.- In: STEPHEN, W. & HESSE, R.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000, Blatt Nr. 8236 Tegernsee.- 32-74; München (Bayer. Geol. Landesamt).
KRAUS, E. (1927): Neue Spezialforschungen im Allgäu (Molasse und Flysch) Ein Beitrag zur Kenntnis geosynklinaler Vorgänge.- Geologische Rundschau, 18: 189-298; Berlin.
MATTERN, F. (2005): Ancient sand-rich submarine fans: depositional systems, models, identification, and analysis.- Earth-Science Reviews 70: 167-202; Amsterdam.
PREY, S. (1950): Geologie der Flyschzone im Gebiete des Pernecker Kogels westlich Kirchdorf a. d. Krems (Oberösterreich).- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 94: 93-165; Wien.
SCHAFHÄUTL, K. (1851): Geognostische Untersuchungen des südbayerischen Alpengebirges.- 206 S.; München (Literarisch-Artistische Anstalt).
Autor des Datenblattes: Teipel, U. & Schwerd, K.
Erstellt am: 06.07.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.01.2013
Änderung Datensatz: 22.01.2013


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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 03:19:35.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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