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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rehbreingraben-Formation
ID: 2008130
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: WORTMANN et al. (2004)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rhenodanubische Gruppe
Chronostratigraphie: Albium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Aptium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Barremium (Unterkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Quarzitzone (RICHTER 1924), Quarzitgruppe (KRAUS 1927), Flysch-Gault (RICHTER 1933), Gault-Flysch (PREY 1950), Quarzit-Serie (RICHTER 1957).
Lithologie: Wechsellagerung von dunkelgrauen bis dunkelgrünlichgrauen, meist kieselig, auch tonig oder kalkig gebundenen, z. T. Glaukonit-reichen Sand- und Siltsteinen mit grauen, grünen und schwarzen Tonsteinen. Charakteristisch sind im unteren Teil eines Zyklus auftretende fettig-ölig glänzende, grauschwarze Silt- bis Sandsteine („Ölquarzite“). Innerhalb der überwiegend dickbankigen (bis 3 m) Sand- und Siltsteinbänke nehmen Quarz- und Feldspatgehalte nach oben hin zugunsten des Karbonatanteils ab, mit Übergängen zu siliziklastischen Kalksteinen im oberen Teil. Die Sandsteine zeigen typischerweise Bouma-Folgen, jedoch fehlt der basale Ta-Abschnitt (HESSE 1972). Die Tonsteine weisen einen auffälligen, rhythmischen Schwarz/Grün-Wechsel auf. Im jüngeren Teil der Rehbreingraben-Formation kommen zudem hellgraue Mergelsteine und pelitische Kalksteine vor.
Insgesamt nimmt der Tonsteinanteil von W nach E zu, der Hartbankanteil ab.
Untergeordnete Einheit: Die Rehbreingraben-Formation lässt sich anhand des Vorherrschens von pelagischen Tonsteinen oder Grauwacken/Sandsteinen nach HESSE (1972) in 5 Lithofazies-Zonen untergliedern und altersmäßig einstufen (WORTMANN et al. 2004): Untere Tonstein-Zone (mittleres Barremium bis Basis Aptium), Untere Grauwacke-reiche Zone (frühes Aptium), Mittlere Tonstein-Zone (mittleres Aptium), Obere Grauwacke-reiche Zone (spätes Aptium), Obere Tonstein-Zone (Albium).
Liegendgrenze: Wechsel von pelitischen und psammitischen Kalksteinen sowie Ton- bis Mergelsteinen der unterlagernden, karbonatreichen Tristel-Formation zu siliziklastreichen Turbiditen der Rehbreingraben-Formation.
Hangendgrenze: Einsetzen der an roten bzw. bunten Ton- bis Tonmergelsteinen reichen Unteren Bunten Mergel.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: 200 – 250 m (im bayerischen Anteil)
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Hörnle-Aufacker-Gebiet SW Murnau.
Typusprofil ist der Hintere Rehbreingraben im Hörnle-Gebiet, SW Murnau (Oberbayern; TK Nr. 8332 Unterammergau), wo die Abfolge vollständig aufgeschlossen ist (HESSE 1972). Als Referenzprofile können folgende von HESSE (1972) beschriebenen Profile gelten: Kehrgraben NE Oberstdorf (TK Nr. 8527 Oberstdorf), Lainbach SE Benediktbeuern (TK Nr. 8334 Kochel am See), Sonnersbach NE Lenggries (TK Nr. 8235 Bad Tölz), Breitenbach W Bad Wiessee (TK Nr. 8236 Tegernsee).
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpen
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: --
Alterseinstufung: Wie bei WORTMANN et al. (1999) zusammengefasst, ist die Basis der Rehbreingraben-Formation paläomagnetisch als mittleres Barremium (Top Magnetochron M3) datiert worden; die Obergrenze wird aufgrund Calculites anfractus an die Grenze Albium/Cenomanium gelegt.
Kommentar: Barremium bis Oberalbium
Versch./Sonstiges: Der Name leitet sich ab vom Typusprofil am Hinteren Rehbreingraben.
Die Rehbreingraben-Formation tritt vor allem in der Oberstdorfer Decke auf, selten an der Basis der Sigiswanger Decke unter der Ofterschwang-Formation (MATTERN 1988, v. RAD 1972).
Fazies: Turbidite und pelagische Tonsteine der Tiefseeebene, abgelagert unterhalb der lokalen CCD in einem suboxischen bis anoxischen Milieu: der rhythmische Wechsel schwarzer und grüner Tonsteine ist vermutlich auf zyklische Klimavariationen zurückzuführen (WORTMANN et al. 2004). Sandsteine einer Reihe von Bankfolgen lassen sich über mehr als 100 km korrelieren (HESSE 1973).
In der östlichen Verlängerung der Rhenodanubischen Flyschzone in den Karpathen zeigt die Lghota-Formation der Magura-Decke ähnliche Fazies und Alter.
Literatur: HESSE, R. (1972): Lithostratigraphie, Petrographie und Entstehungsbedingungen des bayerischen Flysches: Unterkreide.- Geologica Bavarica, 66: 148-222; München (Bayer. Geol. Landesamt).
HESSE, R. (1973): Flysch-Gault und Falknis-Tasna-Gault (Unterkreide): Kontinuierlicher Übergang von der distalen zur proximalen Flyschfazies auf einer penninischen Trogebene der Alpen.- Geologica et Palaeontologica, SB 2: 1-90.
KRAUS, E. (1927): Neue Spezialforschungen im Allgäu (Molasse und Flysch) Ein Beitrag zur Kenntnis geosynklinaler Vorgänge.- Geologische Rundschau, 18: 189-298; Berlin.
MATTERN, F. (1988): Die interne Überschiebungstektonik im Flysch (Kreide) der westlichen Bayerischen Alpen.- Berliner geowiss. Abh., A101: 1-94: Berlin.
PREY, S. (1950): Geologie der Flyschzone im Gebiete des Pernecker Kogels westlich Kirchdorf a. d. Krems (Oberösterreich).- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 94: 93-165; Wien.
RAD, U. von (1972): Zur Sedimentologie und Fazies des Allgäuer Flysches.- Geologica Bavarica, 66: 92-147; München (Bayer. Geol. Landesamt).
RICHTER, M. (1924): Kreide und Flysch im östlichen Allgäu zwischen Wertach und Halblech.- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 74: 135-178; Wien.
RICHTER, M. (1933): Alter und Stellung der südbayerischen Flyschzone.- Zentralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie Abt. B9, 496-508; Stuttgart.
RICHTER, M .(1957): Die Allgäu-Vorarlberger Flyschzone und ihre Fortsetzung nach Westen und Osten.- Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 108: 156-174, Hannover.
WORTMANN, U. G., HESSE, R. & ZACHER, W. (1999): Major-element analysis of cyclic black shales: Paleoceanographic implications for the Early Cretaceous deep western Tethys.- Paleoceanography, 14: 525-541.
WORTMANN, U. G., HERRLE, J. O. & WEISSERT, H. (2004): Altered carbon cycling and coupled changes in early Cretaceous weathering patterns: Evidence from integrated carbon isotopes and sandstone records of the western Tethys.- Earth Planetary Science Letters, 220: 69-82; Amsterdam.
Autor des Datenblattes: Teipel, U. & Schwerd, K.
Erstellt am: 06.07.2012
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.01.2013
Änderung Datensatz: 22.01.2013


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Litholex Recherche vom 29.04.2017, 03:47:07.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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