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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Sandbach-Formation
ID: 2008124
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr et al. (2009)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Unterconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Buchleitner Kreide, Marterberger Kreide (Stockheim 1852), Marterberg-Pläner (Rothpletz 1911), Oberpläner-Mergel, Mergel des Marterberges, Marterberg-Schichten, Marterberg-Mergelschichten, harter Kalk von Buchleiten, Buchleiten-Voglarn-Kalke, Plänerkalk (Gümbel 1868), Oberpläner, Marterberger Schichten, Mittelpläner, Buchleitener Schichten (Gerster 1881; Unger 1984: 65-69), Glaukonitischer Feinsandstein = Großberger-Sandstein-Bereich, „Weilloher Mergel“-Äquivalent (Unger 1984: 222).
Lithologie: zwei unterschiedliche Lithologien, die hiermit Member-Status erhalten: die eine von karbonatisch-mergeliger Beschaffenheit (Buchleiten-Member) und die andere sandig-bioklastisch (Marterberg-Member). Die Übergänge zwischen beiden scheinen fließend zu sein, charakteristisch für beide ist ein wechselnder, aber immer nachweisbarer Glimmer-Gehalt.
Untergeordnete Einheit: Marterberg-Member = tieferer Abschnitt der Sandbach-Formation. Dunkelgraue tonig-karbonatisch gebundene Sandsteine mit auffälligem Glimmer-Gehalt und wenig Glaukonit, sehr fossilreich. Die tiefsten Partien sind als mürber, hellgrüner Mittel- bis Grobsandstein mit reichlich Glaukonit ausgebildet.
Buchleiten-Member = höherer Abschnitt der Sandbach-Formation. Bioturbate, bunt geflammte Kalkmergelsteine mit Glaukonit, sehr hart, lagenweise spongiolithisch und mit Hornsteinen.
Liegendgrenze: an den Rändern des Ortenburger Senkungsfeldes diskordant auf Oberjura (Unger 1984: 65, 231). Im Zentrum in der Bohrung Ortenburg B 1 (Unger 1984: 222, 232) liegt die Sandbach-Formation (als „Großberger Sandstein-Bereich“ und „Weilloher Mergel-Äquivalent“) konkordant auf 40-45 m mächtigen Mergelkalk- und Tonmergelsteinen der Kagerhöh-Formation.
Hangendgrenze: an den Rändern des Ortenburger Senkungsfeldes erosiv gekappt. Im Zentrum des Ortenburger Senkungsfeldes in der Bohrung Ortenburg B 1 (Unger 1984: 222, 232) wird die Sandbach-Formation (als „Großberger Sandstein-Bereich“ und „Weilloher Mergel-Äquivalent“) konkordant noch von ca. 30 m mächtigen kretazischen Mergeln und Sandsteinen der Hellkofen- und Jeding-Formationen überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Nach eigenen Beobachtungen erreicht das Buchleiten-Member am Sandbach mindestens 15 m Mächtigkeit, die Basis des liegenden Marterberg-Members ist jedoch nirgends übertage aufgeschlossen. Nördlich von Ortenburg durchteuft die Bohrung Gieshübl 2 (Unger 1984: 231) 38 m mächtige kretazische Sedimente, die unter Vorbehalt der Sandbach-Formation zugestellt werden. In der Bohrung Ortenburg B 1 erreicht das „Großberger Sandstein-Äquivalent“, das teilweise dem Marterberg-Member entspricht, ca. 36 m und das „Weilloher Mergel-Äquivalent“, das vermutlich dem Buchleiten-Member entspricht, ca. 16 m (vgl. Unger 1984: 222).
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Die Typusregion liegt westlich von Passau zwischen Vilshofen, Ortenburg, Fürstenzell und dem Rand zum variszischen Grundgebirge südwestlich der Donau (TK 25: 7345 Vilshofen, 7445 Ortenburg). Ein Typusprofil kann nicht gegeben werden, die alten Aufschlüsse am Kalkberger Bruch sind heute alle stark zugewachsen. Heute sind nur noch einzelne kleine Hanganrisse entlang des Sandbaches bei Untervoglarn (TK 25: 7445 Ortenburg), südlich des Kalkberger Bruches, aufgeschlossen. Kreide-Material der GLA-Bohrungen (vgl. Unger 1984) existiert im Bohrprobenarchiv des LfU nicht mehr.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirk Niederbayern)
Zeitgleiche Einheiten: Aus Bohrungen bei Straubing, ca. 35 km östlich von Regensburg und ca. 90 km nordwestlich der Ortenburger Kreide, beschreibt Dacqué (in Rothpletz 1911) dieselbe Lithologie und Fauna aus dem Turonium / Coniacium-Grenzbereich, wie sie im Marterberg-Member der Sandbach-Formation auftritt: Auch bei Straubing liegen anscheinend „schwärzliche tonige Mergel“, die „stark an die Marterberg-Pläner bei Ortenburg erinnern“ und aus einem „groben brüchigen Grünsandstein“ bzw. „glaukonitischen Gestein“ hervorgehen, entweder auf Oberjura-Kalksteinen oder auf einem „grauen homogenen Kalk“ (der Kagerhöh-Formation). Ob diese Sedimente ebenfalls der Sandbach-Formation zuzuordnen sind, kann ohne Überprüfung allerdings nicht entschieden werden.
Mit den tieferen Abschnitten der Sandbach-Formation sind auch die Großberg-Formation und das Seugast-Member der Roding-Formation zeitgleich; die höheren Abschnitte korrelieren mit den unteren Abschnitten der Hellkofen-Formation. Die terrestrische Sedimentation der Hessenreuth-Formation begleitet im nördlichen Ablagerungsraum der Danubischen Kreide-Gruppe zeitgleich die marine Sedimentation.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Einstufung erfolgt hauptsächlich mit Inoceramen und untergeordnet mit Ammoniten und belegt eine stratigraphische Reichweite vom höheren Oberturonium bis in das (basale) Mittelconiacium (Tröger et al. 2009; Wilmsen et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem gleichnamigen Bach, rechts-seitiger Zufluss der Donau im Landkreis Passau im Regierungsbezirk Niederbayern (Bayern).
Definition: Es herrscht bis heute Verwirrung darüber, welches der zwei lithologisch deutlich unterschiedlichen Member als das Liegende bzw. das Hangende anzusehen ist (vgl. Gümbel 1868; Gerster 1881; Unger 1984). Gümbel (1868: 747) beschreibt im „Steinbruch bei Buchleiten unter einer tertiären Sanddecke“ das Buchleiten-Member als das Hangende des Marterberg-Members. Vier Absätze später jedoch steht: „Der Charakter der Paläofauna der Buchleiten-Voglarn-Kalke dagegen neigt sich entschieden dem sogenannten Plänerkalke zu und ich glaube keinen Missgriff zu thun, wenn ich dieselbe unseren Kagerhöh-Schichten zuzähle“ (Gümbel 1868: 749). Offenbar hat er damit tatsächlich einen „Missgriff“ getan: aus biostratigraphischer Sicht hat sich bestätigt, dass das Buchleiten-Member jünger als das Marterberg-Member ist (Tröger et al. 2009; Wilmsen et al. 2009).
Lagerungsverhältnisse: Im Ortenburger Senkungsfeld streicht die Kreide nur an den äußeren tektonischen Begrenzungen, der Wolfach-Störung im Westen (etwa Nord–Süd orientiert) und der Kalkberger Bruch im Nordosten (etwa Nordwest–Südost orientiert) oberflächennnah aus. An diesen Störungszonen liegen alle alten, ehemaligen Steinbrüche, aus denen das Fossil-Material der Sandbach-Formation stammt, und auch die Bohrung Gieshübl 2 (vgl. Unger 1984: 231) – dort transgrediert das höhere Oberturonium des Marterberg-Members auf Oberjura-Kalksteine. Im Zentrum des Ortenburger Senkungsfeld, das an seiner breitesten Stelle bei Ortenburg ca. 10 km misst, befinden sich im Liegenden der Sandbach-Formation jedoch noch mehrere Zehner Meter kretazische Sedimente, darunter die ca. 44 m mächtige Kagerhöh-Formation (z.B. in der Bohrung Ortenburg B 1; vgl. Unger 1984: 222, 232) – dort transgrediert das Unterturonium oder Obercenomanium auf Oberjura-Kalksteine.
Environment: flachmarine Sedimente des inneren bis mittleren Schelfs. Festlandsnähe zeigt sich im Glimmer-Reichtum und viel Pflanzenhäckseln.
Fossilien: In der Sandbach-Formation treten eine reiche Muschel-Fauna und Schwämme, Seeigel, Brachiopoden, Gastropoden, Bryozoen sowie seltene Nautiliden, Ammoniten und Baculiten auf (Gümbel 1868; Gerster 1881; Museum für Mineralogie und Geologie, Dresden).
Literatur: Gerster, C. (1881): Die Plänerbildungen um Ortenburg bei Passau. – Nova Acta Kaiserl. Leop.-Carol. Deutsch. Akad. Naturf., 42 (1): 1-59; München.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Rothpletz, A. (1911): Die ostbayerische Überschiebung und die Tiefbohrungen bei Straubing. – Sitzungsber. Königl.-Bayer. Akad. Wiss., Mathem.-phys. Kl.: 145-189; München.
Stockheim, F. von (1852): Vergleichende Übersicht der Kreidegebilde Regensburgs mit jenen der Gegend von Passau und Böhmens. – Corresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 6: 83-93; Regensburg.
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Unger, H.J. (1984): Geologische Karte von Bayern 1 : 50 000. Erläuterungen zum Blatt Nr. L 7545 Griesbach im Rottal. – 245 S.; München (BGL).
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B. & Schneider, S.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009


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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 14:37:10.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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