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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Großberg-Formation
ID: 2008122
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1854)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Oberplänersandstein, Plattensandstein, Großberger Sandstein, Grossbergschichten (Gümbel 1854, 1868; Brunhuber 1917; Röper & Neumeier 1995), Veldensteiner Sandstein (Lehner 1924, 1935). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: schwach glaukonitische, kalkhaltige Sandsteine und rotbräunlich bis graugrüne Kalkarenite mit ca. 20 % Lithoklasten (61 bzw. 73 % CaCO3, vgl. Oschmann 1958: 122). Mittel- und grobkörnig mit sehr viel abgerollten Fossilresten von Bryozoen, Muscheln, Schnecken und Echinodermaten sowie Ooiden und lokal extrem guter Sortierung. Besonders im höheren Abschnitt erfolgte die Sedimentation auffällig zyklisch mit Bankmächigkeiten von ca. 1,50 m. Großrippel-Schrägschichtung tritt häufig auf und zeigt einen Sedimenttransport nach 110-130° Südost. Besonders im südlichen Verbreitungsgebiet treten relativ unverfestigte sandig-glaukonitische und mergelige Zwischenlagen auf. Im Vergleich zu den meisten anderen Formationen der Danubischen Kreide-Gruppe fehlen in der Großberg-Formation konkretionäre Einschaltungen völlig.
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: erosiv auf der Kagerhöh-Formation oder diskordant auf ältere Schichten, teilweise sogar auf den massigen Karbonaten des Oberjura („Veldensteiner Sandstein“ nordöstlich von Nürnberg, Lehner 1935). Das partielle Fehlen des oberen Karthaus-Member der Kagerhöh-Formation im Raum Regensburg wird auf Erosion vor der Ablagerung der Großberg-Formation zurückgeführt.
Hangendgrenze: mit scharfem Schnitt konkordant überlagert von den plastisch-weichen, dunklen Tonmergeln der Hellkofen-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Eine Maximalmächtigkeit von 23 m wurde in der Bohrung Barbing bei Regensburg nachgewiesen (Meyer 1996: 122).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Gegend südlich von Regensburg in der Umgebung von Großberg, Bad Abbach und Eggmühl. Dort ist in einigen Pingen die Großberg-Formation heute noch zugänglich und wird bei Straßen- und Häuserbauten immer wieder freigelegt. Ein Typusprofil kann nicht gegeben werden. Als Referenzprofil wird das ca. 12 m mächtige Profil zwischen Unterdeggenbach und Zaitzkofen südöstlich von Eggmühl angesehen. Dort ist jedoch weder die Basis noch der Topp der Großberg-Formation aufgeschlossen.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern)
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe ist das ebenfalls rötlich-braun gefärbte Seugast-Member der Roding-Formation und im Ortenburger Senkungsfeld westlich von Passau das Marterberg-Member der Sandbach-Formation zeitgleich.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die nachgewiesene Inoceramen-Assoziation mit Mytiloides scupini, My. striatoconcentricus, My. mytiloidiformis, My. cf. labiatoidiformis, Inoceramus tenuistriatus, In. pietzschi und In. cf. hoepeni belegt eine Einstufung in das mittlere und höhere Oberturonium (Tröger et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Ortschaft Großberg bei Pentling im Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern).
Environment: flachmarine Sedimente des inneren Schelfes, wahrscheinlich als submarine Sandbarren küstenparallel zur Böhmischen Masse nach SE abgelagert. Grobe Sandschüttungen vom Böhmischen Massiv sehr weit in den Südwesten. Rotalgen deuten auf Flachwasser-Verhältnisse in der photischen Zone hin.
Fossilien: Die Großberg-Formation weist eine reiche Muschel- und Bryozoen-Fauna auf. Weiterhin treten Schwämme, Korallen, Serpeln, reguläre Seeigel, Schnecken, Brachiopoden sowie seltene Nautiliden und Ammoniten auf (Lehner 1935; Dacqué 1939; Röper & Neumeier 1995). Häufig sind die Fossilien zu abgerollten Grus zerkleinert. Spurenfossilien (Thalassinoides isp.) sind häufig, inklusive von Krebsfunden von Callianassa antiqua in den Bauten (Röper & Neumeier 1995).
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Dacqué, E. (1939): Die Fauna der Regensburg–Kelheimer Oberkreide. – Abh. Bayer. Akad. Wiss., N.F., 45: 218 S.; München (C.H. Beck).
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Lehner, L. (1924): Die Gliederung der fränkischen albüberdeckenden Kreide. – Cbl. Min. Geol. Pal., 6: 176-181; Stuttgart.
Lehner, L. (1935): Über das Turon auf dem fränkischen Jura. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VIII. – Zbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 11: 423-438; Stuttgart.
Meyer, R.K.F. (1996): Kreide. – In: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:500000: 112-125; München (GLA).
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Oschmann, F. (1958): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 7038 Bad Abbach. – 184 S.; München (BGL).
Röper, M. & Neumeier, F. (1995): Neue Fossilfunde aus der Regensburger Oberkreide Teil 2: Der Großberger Sandstein von Eggmühl (Oberturon). – Fossilien, 6: 367-372; Korb.
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B., Wilmsen, M. & Pürner, T.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 07.01.2013
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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:31:21.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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