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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Kagerhöh-Formation
ID: 2008121
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1868)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: pars Hornsand, Obere Mergel- und Kalk-Schichten, Kagerhöhschichten, Eisbuckelschichten, Pulverthurmschichten, Callianassenschichten, Krebsscheeren-Mergel, Plänerkalk (Gümbel 1854, 1868), Eisbuckelkalk, Glauconitmergel, Glaukonitmergelzone, Pulverturmkalk, obere Kalke, Karthauser Baculitenmergel, Eggmühler Baculitenmergel (Brunhuber 1917; Dacqué 1939), Eisbucklschicht, Pulverturmkalk, Betzensteiner Kreidekalk (Lehner 1924, 1934, 1935). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: glaukonitische Mergelsteine und Kalkmergelsteine mit geringem Silt- und Sand-Gehalt; im mittleren Abschnitt der Kagerhöh-Formation (Pulverturm-Member) werden die höchsten Karbonatgehalte der Danubischen Kreide-Gruppe erreicht.
Untergeordnete Einheit: In der Kagerhöh-Formation der Umgebung von Regensburg–Kelheim werden drei klassische lithostratigraphischen Einheiten zusammengefasst, die jeweils durch markante Glaukonitmergel-Bänke voneinander getrennt werden. Da die Bezeichnungen „Eisbuckel-Schichten“, „Pulverturm-Kalk“, „Kartauser Baculitenmergel“ und Ähnliche schon über150 Jahre in Benutzung sind, die Fossilien in den alten Sammlungen diese Bezeichungen tragen (somit heute noch weitgehend stratigraphisch einzuordnen sind !) und die Lithologien dieser drei Einheiten deutlich unterschiedlich sind, bekommen sie hier Member-Status.
Eisbuckel-Member (tieferes Mittelturonium) = unterer Abschnitt der Kagerhöh-Formation. Mächtigkeit 7-17 m (Brunhuber 1917), Oschmann (1958: 106) gibt für den Umkreis von Bad Abbach 25 m und mehr an. Schwach fein- bis mittelsandige spiculitische Kalk- und Mergelkalksteine treten in welligen, 0,70-1 m mächtigen Bänken auf. Der Sandanteil (der „Hornsand“-Fazies) nimmt ins Hangende rasch ab. Die hellgraue, grünlichgraue und bräunliche Färbung ist schlierig verteilt, abgeflachte Kieselkalk-Konkretionen bis 50 cm Durchmesser treten auf.
Untere Glaukonitmergel-Bank an der Basis des Pulverturm-Members = 0,50-1,50 m mächtiger, auffällig grüner, Glaukonit- und Phosphat-reicher Mergelstein mit vielen, großen Austern (Rhynchostreon suborbiculatum) und mäßig zugerundeten Lithoklasten aus aufgearbeiteten Mergelkalksteinen des Eisbuckel-Members.
Pulverturm-Member (Mittelturonium und tiefes Oberturonium) = mittlerer Abschnitt der Kagerhöh-Formation. Mächtigkeit 10-12 m (Brunhuber 1917). Sandarme bis sandfreie Mergelkalksteine, fossilreiche, harte, z.T wellig-geschichtete Kalksteine. Die Gesteinsfarbe ist mittelgrau, oft olivgrün, seltener gelbgrün. Die Schichtung ist dickbankig, plattig oder blätterig. Kieselkalk-Konkretionen sind selten und der Glaukonit-Gehalt schwankt stark. Insbesondere die massiven Bänke des oberen Abschnitts des Pulverturm-Members treten als Geländestufe deutlich hervor, z.B am oberen Hang-Abschnitt der Winzerer Höhen in Regensburg.
Obere Glaukonitmergel-Bank an der Basis des Karthaus-Members = 30-50 cm mächtiger, dunkelgrüner weicher Glaukonit-Mergel, sehr fossilreich, an der Basis eine 2 cm mächtige hellgelbe Tonschicht (Brunhuber 1917).
Karthaus-Member (tiefes bis mittleres Oberturonium) = oberer Abschnitt der Kagerhöh-Formation. Bis 20 m mächtige, schwach feinsandige, glaukonitische Mergel und Tonmergel. Das weiche Gestein zeigt grüne, gelblichgrüne, bräunliche bis dunkelgraue Färbungen, unebene, knollig bis plattige Schichtung und lagenweise sehr harte Kieselkalk-Knollen.
Betzenstein-Member = grauer, massiver Mergelkalkstein (mikritische bioklastische Float- und Rudstones) mit Glaukonit, sehr fossilreiche, flachmarine Küstenfazies der Kagerhöh-Formation nordöstlich von Nürnberg.
Liegendgrenze: : konkordant auf den Mittel- bis Grobsandsteinen (der „Hornsand“-Fazies) des Knollensand-Members der Winzerberg-Formation. Im Zentrum des Ortenburger Senkungsfeldes bei Passau bilden bisher nicht gliederbare Sedimente die Basis der unteren Danubischen Kreide-Gruppe (vgl. Unger 1984: 222). Eine karbonatreiche Mergelkalkstein-Einheit in entsprechender stratigraphischer Position könnte dabei das Äquivalent der Kagerhöh-Formation darstellen.
Hangendgrenze: mit scharfem lithologischen Schnitt erosiv überlagert von den konglomeratischen Sandsteinen und bioklastischen Kalkareniten der Großberg-Formation. Bei Passau wird die Kagerhöh-Formation (als 40-45 m mächtige „Mergelkalk- und Tonmergelsteine“ resp. „Pulverturm- und Eisbuckelschichten“, vgl. Unger 1984: 222, 233) von dem Marterberg-Member der Sandbach-Formation überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 50 m
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion der Kagerhöh-Formation ist die Umgebung von Regensburg. Ein Typusprofil für die gesamte Formation kann nicht aufgestellt werden.
Typusprofil des Eisbuckel-Members ist nach Oschmann (1958: 106) der N-Fuß der Höhe bis ca. 357 m über NN im südlichen Stadtgebiet von Regensburg, früher „Eisbuckel“ genannt (TK 25: 6938 Regensburg). Dieser Bereich ist heute vollständig überbaut. Als Referenzprofil für das Eisbuckel Member kann der obere Teil des Profiles an den Winzerer Höhen „westlich der Seidenplantage“ (Gümbel 1868) bzw. unterhalb des Hundesportplatzes (TK 25: 6938 Regensburg) gelten, das obere Typusprofil des Knollensand-Members der Winzerberg-Formation.
Das Typusprofil des Pulverturm-Members nach Gümbel (1868: 743) liegt in einem Steinbruch am „Pulverthurm“ (TK 25: 6938 Regensburg), die Lage des Pulverturms konnte allerdings nicht recherchiert werden. Oschmann (1958: 114) schlägt als Typusprofil den Galgenberg in Regensburg vor (TK 25: 6938 Regensburg). Dieses Gebiet ist heute ebenfalls vollständig überbaut. Die höchsten Partien der Winzerer Höhen (Typusprofil des Knollensand-Members der Winzerberg-Formation, TK 25: 6938 Regensburg) werden lateral über mehrere Kilometer von den markanten Rippen des Pulverturm-Members aufgebaut. Diese werden hiermit als Referenz-Profil angesehen.
Typusprofil des Karthaus-Members ist nach Brunhuber (1917: 47, vgl. Oschmann 1958: 115) der ehemalige, aufgelassene Steinbruch im Garten der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus in Regensburg (TK 25: 7038 Bad Abbach). Auch dieses Profil ist nicht mehr zugänglich. Der oberste Teil ist z.Z. an der A93-Abfahrt Regensburg-Süd erschlossen.
Die Typusregion des Betzenstein-Members liegt nordöstlich von Nürnberg (TK 25: 6334 Betzenstein). Dort sind noch kleinere Reliktvorkommen als Kallmünzer zu finden.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern). Als wohl westlichste Verbreitung beschreibt Lehner (1935: 427, 429) die „Eisbucklschicht“ mit „Hornsand“-Fazies (Eisbuckel-Member der Kagerhöh-Formation) sowie isolierte „größere Platten aus sandigem Glaukonit- und kristallinem Kalk“ (Pulverturm-Member der Kagerhöh-Formation) aus der Umgebung von Eichstätt (TK 25: 7133 Eichstätt). Das Betzenstein-Member nordöstlich von Nürnberg (TK 25: 6334 Betzenstein) ist die nördlichste Ausbildung der Kagerhöh-Formation.
Zeitgleiche Einheiten: Westlich von Amberg und in der Bodenwöhrer Senke wird die Kagerhöh-Formation von der terrestrisch bis flachmarinen Roding-Formation vertreten.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Einstufung ins Mittelturonium bis mittleres Oberturonium erfolgt mittels Inoceramen und Ammoniten (Tröger et al. 2009; Wilmsen et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Kagerhöhe in der westlichen Verlängerung der Winzerer Höhen im Norden von Regensburg im Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern)
Environment: flachmarine Sedimente des inneren bis mittleren Schelfes. Im Pulverturm-Member der Kagerhöh-Formation liegt der Zeitabschnitt der höchsten Überflutung der Danubischen Kreide-Gruppe.
Abgrenzungsprobleme: Oschmann (1958: 105) betrachtet die „Karthauser Baculitenmergel“ als nicht horizontbeständig und vereint sie mit den „Pulverturm-Schichten“, vermerkt weiterhin, dass „stark glaukonitische Tonmergel vom Habitus der Brunhuber´schen Baculitenmergel kein bestimmtes Niveau innerhalb der Pulverturmschichten einnehmen.“ Während des Neubaus der A93-Abfahrt Regensburg Süd im Februar 2008 zeigte sich aber deutlich, dass die hangende Großberg-Formation nicht auf den „Pulverturm-Kalken“ (dem Pulverturm-Member), sondern auf den „Karthauser Baculitenmergeln“ (dem Karthaus-Member) liegt. Weiterhin hat das Karthaus-Member eine einzigartige Fauna des Oberturonium geliefert, die deutlich jünger als die des Pulverturm-Members ist (Tröger et al 2009; Wilmsen et al. 2009). Somit erscheint es wahrscheinlich, dass das Karthaus-Member als jüngste Einheit der Kagerhöh-Formation abgelagert wurde, zum Teil aber vor Ablagerung der Großberg-Formation erodiert wurde.
Fossilien: Die Kagerhöh-Formation weist eine arten- und individuenreiche Fauna auf. Besonders häufig sind Muscheln (Austern, Pectiniden, Limiden, Vereniden, Telliden, Inoceramen etc.) und Schnecken (Bathrotomaria, Trochus, Aporrhais, Natica, Turritelliden), weiterhin treten Bryozoen, Serpeln, reguläre und irreguläre Seeigel, Brachiopoden, Crustaceen, Fischreste sowie seltene Solitärkorallen, Nautiliden (Cymatoceras) und Ammoniten (auch Baculites) auf (vgl. Lehner 1934; Dacqué 1939).
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Dacqué, E. (1939): Die Fauna der Regensburg–Kelheimer Oberkreide. – Abh. Bayer. Akad. Wiss., N.F., 45: 218 S.; München (C.H. Beck).
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Lehner, L. (1924): Die Gliederung der fränkischen albüberdeckenden Kreide. – Cbl. Min. Geol. Pal., 6: 176-181; Stuttgart.
Lehner, L. (1934): Der Betzensteiner Kreidekalk. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VI. – Cbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 9: 368-422; Stuttgart.
Lehner, L. (1935): Über das Turon auf dem fränkischen Jura. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VIII. – Zbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 11: 423-438; Stuttgart.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Oschmann, F. (1958): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 7038 Bad Abbach. – 184 S.; München (BGL).
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Unger, H.J. (1984): Geologische Karte von Bayern 1 : 50 000. Erläuterungen zum Blatt Nr. L 7545 Griesbach im Rottal. – 245 S.; München (BGL).
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B. & Wilmsen, M.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 03:25:06.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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