litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Winzerberg-Formation
ID: 2008120
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1868), revidiert durch Niebuhr et al. (2009)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Untere Kalkschichten, pars Galgenbergschichten, Reinhausenerschichten, Winzerbergschichten, Knollensandstein, pars Hornsandstein (Gümbel 1854, 1868; Brunhuber 1917), Amberger Tripel, fränkische Vesicularis-Kreide (Lehner 1924, 1935). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: karbonatisch gebundene, spiculitische Silt- und Feinsandsteine und spiculitische Mergelsteine (Reinhausen-Member) gehen durch Zunahme des Sandanteils und Kornvergröberung allmählich in Mittel- bis Grobquarzsande und -sandsteine (Knollensand-Member) über. Dieser generelle Trend kann von groberen Einschüben in den unteren Partien und feineren in den oberen Partien unterbrochen werden. Feinkörnige Partien liegen lokal als entkalkter (und damit recht leichter), heller, poröser „Amberger Tripel“ vor. Südlich von Regensburg treten bis zu 5 m mächtige, massiv verkieselte Schichtpakete auf.
Untergeordnete Einheit: Da der Übergang von den liegenden „Reinhausener Schichten“ in den hangenden „Knollensand“ fast überall fließend ist, den kartierenden Geologen immer schon Schwierigkeiten bereitete und von Autor zu Autor unterschiedlich definiert wurde, erhalten die beiden lithologischen Ausbildungen hiermit Member-Status.
Reinhausen-Member = tieferer Abschnitt der Winzerberg-Formation mit spiculitischen Mergelsteinen und porösen, spiculitischen Kalkareniten mit geringem Glaukonit-Gehalt. Auch karbonatisch gebundene, spiculitisch-spongiolithische Silt- und Feinsandsteine ohne Feldspäte. Im frischen Zustand sind die dicken Bänke sehr hart, dunkelgrau, schlierig-flaserig und bioturbat entschichtet. Im verwitterten Zustand werden die Handstücke ockerfarben bis dottergelb. Taubenblaue, gelbe und braune Flinte bis zu einer Größe von ca. 8 cm sind lokal zu finden.
Knollensand-Member = höherer Abschnitt der Winzerberg-Formation mit überwiegend ockerfarbenen Fein- bis Grobsanden und -sandsteinen, Feldspat, Glaukonit und Glimmer sind selten. Die feinkörnigen Sande sind meist bioturbat entschichtet, massig und tonig („Formsande“). Es schalten sich in den höheren Abschnitten gröbere Kieslagen (der „Hornsand“-Fazies), untergeordnet mit Großrippelschichtung und Muschelschill-Lagen, ein. Der Fossilgehalt ist allerdings sehr unregelmäßig verteilt. Intensive Verwitterung hat zur Bildung von verkieselten Limonitsandsteinknollen und -schwarten insbesondere der Grobsand- und Kiesfraktion geführt. Gelegentlich treten karbonatisch verfestigte Lagen und Knollen mit Fossilschill und Flint-Knollen und -Bänke auf. Die Knollen sind lose auf den Äckern zu finden und haben dem „Knollensand“ seinen Namen gegeben.
Liegendgrenze: konkordant mit deutlichem lithologischen Schnitt auf den glaukonitischen Mergeln der Eibrunn-Formation.
Hangendgrenze: zumeist allmählicher Übergang in die „Hornsand“-Fazies, ein quarzitisch oder mergelig-kiesig gebundener Grobsandstein mit gerundeten Quarzkiesen, vereinzelten, namengebenden Lyditen und wenig Feldspat. Darüber folgt in der Umgebung von Regensburg–Kelheim das Eisbuckel-Member der Kagerhöh-Formation mit einer allmählichen Korngrößen-Abnahme (der „Hornsand“-Fazies) ins Hangende. Bei Amberg und in der Bodenwöhrer Senke schließt im Hangenden das Altenkreith-Member der Roding-Formation an.
Mittlere Mächtigkeit: Die Winzerberg-Formation weist im gesamten Ablagerungsraum eine Mächtigkeit zwischen 35 und 45 m auf.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Umgebung von Regensburg. Als Typusprofil für das Reinhausen-Member hat Oschmann (1958: 87) den aufgelassenen Steinbruch am Südost-Hang des Bayerischen Galgenberges (heute: Sallerner Berg) in Regensburg auf einer Höhe von 393 m (TK 25: 6938) vorgeschlagen, dort ist allerdings heute nichts mehr zu sehen. Unmittelbar südlich der Oberkante des Sallerner Berges gibt es im Aberdeen-Park die Reste eines Steinbruches, in denen noch einige Bänke des höheren Reinhausen Members anstehen. Als Referenzprofile kann das Profil am Mühlberg bei Bad Abbach gelten, in dem die untersten Meter ca. 5 m des Reinhausen Members konkordant auf der Eibrunn-Formation erschlossen sind.
Das Typusprofil des Knollensand-Members setzt sich aus zwei Profilabschnitten an den Winzerer Höhen (TK 25: 6938 Regensburg) zusammen: locus typicus von Gümbel (1868) „westlich der Seidenplantage“ bzw. unterhalb des Hundesportplatzes zeigt die höchsten ca. 6 m des Knollensand-Members und den allmählichen Übergang in die „Hornsand“-Fazies. Konkordant über einer Fuge folgen die „Hornsand“-Fazies des Eisbuckel-Members der Kagerhöh-Formation und die allmähliche Korngrößenabnahme bis hin zu den typischen Mergelkalksteinen des Eisbuckel-Members. Ca. 800 m westlich des Hundesportplatzes stehen ca. 15 m mächtige Felsen des tieferen Knollensand-Members aus massigen, spiculitischen Feinsandsteinen an.
Ein Referenzprofil der Winzerberg-Formation ist die Grube Amberg-Ost der Sandwerke Amberg (TK 25: 6637 Rieden) und die in unmittelbarer Nähe abgeteufte Bohrung BKS 17/92 bei Freihöls (ebenfalls TK 25: 6637 Rieden), die unter dem 20 m mächtigen Knollensand-Member der Grube noch das dort 11 m mächtige Reinhausen-Member zeigt. Ein weiteres Referenzprofil für das Knollensand-Member ist die Sandgrube Am Roten Kreuz (TK 25: 6740 Neukirchen-Balbini), in der die fossilreiche lithologische Ausbildung mit karbonatisch- und silikatisch-gebundenen Bänken und Knollen zu sehen ist.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Mittelfranken, Oberpfalz, Niederbayern). Die „Hornsand“-Fazies ist selbst in Lesesteinen auf der Einebnungsfläche der Fränkischen Alb so charakteristisch, dass die Verbreitung der Winzerberg-Formation von Birgland 15 km südlich von Sulzbach–Rosenberg (TK 25: 6536 Sulzbach–Rosenberg) über Kemnathen (TK 25: 6835 Wissing) bis nach Beilngries bei Eichstätt (TK 25: 7133 Eichstätt) nachgewiesen werden konnte.
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe ist die Winzerberg-Formation mit den höheren (allmählich vertaubenden) Abschnitten der Wellheim-Formation biostratigraphisch zeitgleich.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Inoceramen Mytiloides kossmati, My. mytiloides, My. labiatus und My. hercynicus sind charakteristisch für das tiefere Unterturonium bis in den Unter-/ Mittelturonium-Grenzbereich (Tröger et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach den Winzerer Höhen (auch Winzerberg genannt), einem parkartig bewaldeten Höhenzug auf der Sichtseite zur Donau im Norden von Regensburg im Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern)
Environment: flachmarine Sedimente des flachen Schelfes. In der Winzerberg-Formation gehen die Wassertiefen im Vergleich zu der im Liegenden anschließenden Eibrunn-Formation allmählich wieder zurück (highstand systems tract). Die grobklastische „Hornsand“-Fazies am Topp der Winzerberg-Formation markiert eine Sequenzgrenze.
Fossilien: Die Winzerberg-Formation zeichnet sich durch großen, aber sehr ungleich verteilten Fossilreichtum aus. Muscheln (Austern, Pectiniden, Spondyliden, Inoceramen etc.) und Kieselschwämme sind besonders häufig, weiterhin treten Serpeln, Bryozoen, reguläre Seeigel, Brachiopoden und selten Nautiliden und Ammoniten auf (Lehner 1924; Dacqué 1939; Wilmsen et al. 2009). Ophiomorpha- und Thalassinoides-Bioturbationen sind häufig.
Definitionsprobleme: Seit Lehner (1924) wird immer wieder auf die vermeintlich petrographische Ähnlichkeit oder sogar Übereinstimmung hingewiesen zwischen der „Neuburger Kieselkreide“ und dem „Wellheimer Inoceramenquarzit“ einerseits (beides Wellheim-Formation) und „Reinhausener Schichten“ und „Amberger Tripel“ andererseits (beides Winzerberg-Formation), und bedauerlicherweise bis heute als Konsequenz daraus auch eine Zeitgleichheit zwischen beiden lithostratigraphischen Einheiten abgeleitet. Beide Annahmen sind überholt. Die lithologische Übereinstimmung liegt lediglich in dem hohen Anteil von Schwammspiculae – und den weisen neben den „Reinhausener Schichten“ (Reinhausen-Member der Winzerberg-Formation) genauso die spiculitischen Mergelkalksteine des „Regensburger Kalksandsteins“ (Bad-Abbach-Member der Regensburg-Formation) und der „Eisbuckel-Schichten“ (Eisbuckel-Member der Kagerhöh-Formation) auf.
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Dacqué, E. (1939): Die Fauna der Regensburg–Kelheimer Oberkreide. – Abh. Bayer. Akad. Wiss., N.F., 45: 218 S.; München (C.H. Beck).
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Lehner, L. (1924): Die Gliederung der fränkischen albüberdeckenden Kreide. – Cbl. Min. Geol. Pal., 6: 176-181; Stuttgart.
Lehner, L. (1935): Über das Turon auf dem fränkischen Jura. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VIII. – Zbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 11: 423-438; Stuttgart.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Oschmann, F. (1958): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Nr. 7038 Bad Abbach. – 184 S.; München (BGL).
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B., Wilmsen, M. & Pürner, T.
Erstellt am: 22.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.19 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 25.06.2017, 01:58:29.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID