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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Regensburg-Formation
ID: 2008118
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Gümbel (1854), revidiert durch Trusheim (1935)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Danubische Kreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberkreide (Kreide, Mesozoikum)
Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Regensburger Grünsandstein, Unterer Grünsandstein, Oberer Grünsandstein (Gümbel 1854, 1868; Brunhuber 1917; Trusheim 1935), Sulzbacher Kreidekalk (Lehner 1935), Cenoman der Regensburg–Keilheimer Kreide, Mittelcenomaner Grünsandstein, Obercenomaner Kalksandstein (Dacqué 1939), Quadersandstein-Member, Knollenkalksandstein-Member (Kauffman et al. 2000). Zu weiterer Synonymie siehe Niebuhr et al. (2009).
Lithologie: massige, bioturbate Grünsande (schwach verfestigt) oder karbonatisch gebundene Grünsandsteine mit >30 % Glaukonit (Saal-Member), teils konglomeratisch an der Basis, übergehend in mittelbankige, graugrünliche, schwach glaukonitische, z.T. spiculitische, feinkörnige Mergelsteine mit geringem Silt- und Feinsandanteil (Bad-Abbach-Member).
Untergeordnete Einheit: Im gesamten Verbreitungsgebiet ist eine Unterteilung in ein unteres und oberes Member durchführbar, wie es bereits Trusheim (1935) beschrieb. An der Basis der Regensburg-Formation sind lokal zu beobachten ein ca. 1 m mächtiger schwarzer Ton mit reichlich Glaukonit oder Gesteinsgrus mit Dezimeter-großen Kristallingeröllen und eine echte Klippenfazies mit Korallen und Kieselschwämmen (direkt auf den variszischen Graniten bei Roding in der Bodenwöhrer Senke) sowie ein gering mächtiges Transgressionskonglomerat mit teils groben Sandsteingeröllen (Umgebung von Regensburg). Der „Sulzbacher Kreidekalk“ (Lehner 1935) ist mit einer Mächtigkeit von 1-2 m nur unmittelbar bei Amberg und Sulzbach–Rosenberg nachgewiesen und hat hier eine reiche Fauna und aufgearbeitetes Brauneisenerz aus dem Amberg-Member der Schutzfels-Formation geliefert.
Saal-Member („Unterer Grünsandstein“ nach TRUSHEIM 1935) = stark glaukonitischer, bioturbat völlig entschichteter, dickbankig bis massiger Grünsandstein. Er ist karbonatisch gebunden, weist dispers verteilt sehr viel Muschel- und Brachiopoden-Bruch auf und kann bis ca. 7,50 m mächtig werden. Lokal treten spongiolithische, stark verkieselte Bänke und Partien auf (KAUFFMAN et al. 2000). Charakteristisch für die Bodenwöhrer Senke sind bis zu 4 cm lange angulare, orangefarbene Orthoklas-Kristalle, vermutlich aus den unterlagernden variszischen Graniten.
Bad-Abbach-Member („Oberer Grünsandstein“ nach TRUSHEIM 1935) = hellgraue, spiculitische Mergelsteine mit geringem Silt- und Feinsand-Anteil und schwach glaukonitische Sandmergelsteine in Dezimeter-mächtigen Bänken.
Liegendgrenze: transgressiv auf der in den Malm-Karstschlotten befindlichen Schutzfels-Formation oder der unterkretazischen Verebnungsfläche. In der Bodenwöhrer Senke transgrediert die Regensburg-Formation direkt auf das variszische Grundgebirge oder auf Trias- und Jura-Schichten.
Hangendgrenze: sowohl scharfe als auch graduelle Übergänge in die homogene Mergel-Sedimentation der Eibrunn-Formation sind bekannt.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit der Regensburg-Formation sinkt von 16 m im Südwesten (Regensburg–Kelheim–Bad Abbach) nach Nordosten (Amberg–Roding) kontinuierlich auf wenige Meter ab.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Gebiet zwischen der namengebenden Stadt Regensburg und der südwestlich davon gelegenen Stadt Kelheim. Typusprofil ist der ehemalige mittlere Steinbruch am Mühlberg südwestlich von Bad Abbach (TK 25: 7038 Bad Abbach). Der Aufschluss zeigt als kombiniertes Profil der drei nebeneinander liegenden, ehemaligen Abbausstellen die gesamten Regensburg- und Eibrunn-Formationen sowie die basalen ca. 5 m des Reinhausen-Members der Winzerberg-Formation. Als Referenzprofile können folgende Profile gelten: Typuslokalität der Schutzfelz-Formation bei Pentling (TK 25: 7038 Bad Abbach) und Steinbruch Saal der Fels-Werke (TK 25: 7137 Abensberg). An beiden ist das Auflager der Regensburg-Formation auf Oberjura-Karstschlotten, gefüllt mit Schutzfels-Formation, zu sehen. Referenzprofile für die Bodenwöhrer Senke sind der Steinbruch Grub der Haimerl GmbH (TK 25: 6841 Roding) und der ehemalige Steinbruch Obertrübenbach (TK 25: 6841 Roding): dort transgrediert die Regensburg-Formation erst im Obercenomanium und Unterturonium auf das variszische Grundgebirge.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Schwäbisch-Fränkisches Stufenland
Verbreitung (Ergänzung): Bayern (Regierungsbezirke Oberpfalz, Niederbayern). Die Regensburg-Formation ist nach Norden bis auf die Höhe von Sulzbach–Rosenberg und Amberg, Oberpfalz, zu kartieren. In der Bodenwöhrer Senke ist die Einheit oft in sehr geringen Mächtigkeiten an der Basis der Kreide-Vorkommen vorhanden, kartiertechnisch jedoch nur gemeinsam mit der Eibrunn-Formation darstellbar.
Zeitgleiche Einheiten: In der Danubischen Kreide-Gruppe bildet die Regensburg-Formation die glaukonithaltige, flachmarine Fazies des von Süden transgredierenden Cenoman-Meeres und ist zeitgleich mit den tieferen Abschnitten der glaukonitfreien Wellheim-Formation.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Einstufung erfolgt mit Inoceramen, Ammoniten und Belemniten. Neohibolites cf. ultimus und Mantelliceras mantelli aus dem Saal-Member bei Regensburg–Kelheim sind charakteristisch für das tiefere und und Inoceramus virgatus virgatus für das höhere Untercenomanium. In der Bodenwöhrer Senke wurde an der Basis der Regensburg-Formation Praeactinocamax plenus und Inoceramus sp. aff. concentricoundulatus gefunden, dies datiert die dortige Oberkreide-Transgression auf höheres Obercenomanium (Tröger et al. 2009; Wilmsen et al. 2009).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Stadt Regensburg im Regierungsbezirk Oberpfalz (Bayern).
Bemerkungen: Die Regensburg- und Wellheim-Formationen sind die ältesten marinen Schichtglieder der Danubischen Kreide-Gruppe und leiten die von Süden und Südwesten vorstoßende Überflutung des Regensburger Golfes ein. Das Einsetzen der Regensburg-Formation ist auffällig diachron: tiefes Untercenomanium in der Umgebung von Regensburg–Kelheim, Obercenomanium und Unterturonium in der Bodenwöhrer Senke (Niebuhr et al. 2009).
Environment: flachmarine Sedimente eines sich golfartig erweiterten Epikontinental-Meeres, das im Norden und Osten von dem Rheinischen und Böhmischen Massiv begrenzt wurde.
Fossilien: Die Regensburg-Formation weist eine artenreiche Fauna des flachmarinen Bereiches auf. Besonders häufig sind Muscheln (Inoceramen, Austern, Pectiniden, Spondylus, Pinna, etc.) und Kieselschwämme, weiterhin treten Serpeln, Bryozoen, reguläre Seeigel, Brachiopoden und Belemniten auf (Dacqué 1939).
Literatur: Brunhuber, A. (1917): Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Umgebung. – Naturwiss. Ver. Regensburg: 107 S.; Regensburg.
Dacqué, E. (1939): Die Fauna der Regensburg–Kelheimer Oberkreide. – Abh. Bayer. Akad. Wiss., N.F., 45: 218 S.; München (C.H. Beck).
Gümbel, C.W. von (1854): Übersicht über die geognostischen Verhältnisse der Oberpfalz. – Korresp.-Bl. zool.-mineral. Ver. Regensburg, 8 (1): 32, 37-43; Regensburg.
Gümbel, C.W. von (1868): Geognostische Beschreibung des Koenigreichs Bayern. 2. Abtheilung, Geognostische Beschreibung des Ostbayerischen Grenzgebirges oder des Bayerischen und Oberpfälzer Waldgebirges. – 968 S.; Gotha (Justus Perthes).
Kauffman, E.G., Herm, D., Johnson, C.C., Harries, P. & Höfling, R. (2000): The ecology of the Cenomanian lithistid sponge frameworks, Regensburg area, Germany. – Lethaia, 33: 214-235; Oslo.
Lehner, L. (1935): Über das Cenoman auf dem Frankenjura bei Sulzbach. Studien über die fränkische albüberdeckende Kreide, VII. – Zbl. Min. Geol. Pal., Abt. B, 11: 417-422; Stuttgart.
Niebuhr, B., Pürner, T. & Wilmsen, M. (2009): Lithostratigraphie der außeralpinen Kreide Bayerns. – SDGG, 65: 7-58; Hannover.
Tröger, K.-A., Niebuhr, B. & Wilmsen, M. (2009): Inoceramen aus dem Cenomanium bis Coniacium der Danubischen Kreide-Gruppe (Bayern, Süd-Deutschland). – SDGG, 65: 59-110; Hannover.
Trusheim, F. (1935): Die geologische Geschichte Südostdeutschlands während der Unterkreide und des Cenomans. – N. Jb. Min. etc., Beil., B 75: 1-109; Stuttgart.
Wilmsen, M., Wood, C.J., Niebuhr, B. & Kaplan, U. (2009): Cenomanian–Coniacian ammonoids of the Danubian Cretaceous Group (Bavaria, southern Germany). – SDGG, 65: 111-124; Hannover.
Autor des Datenblattes: Wilmsen, M., Niebuhr, B. & Pürner, T.
Erstellt am: 18.09.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 30.10.2009
Änderung Datensatz: 30.10.2009
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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 03:24:31.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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