litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Sudmerberg-Formation
ID: 2008110
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Frank (1981)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: keine
Chronostratigraphie: Obersantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelsantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Quadratenkreide des Sudmerberges (Roemer 1865), Emscher (Schroeder 1909), Oberemscher von Harzburg (Stolley 1916), Sudmerberg-Konglomerat (Schroeder 1926), cardissoides-Gesteine, Emschersandsteine, Randbildungen des Emschers, Sandsteine und Kalksandsteine des Scharenberges und Butterberges, Sudmerberger Kalksandstein, Butterberg-Schichten (Voigt 1929), Sudmerberg-Schichten (Voigt 1929, Frank 1981), Sudmerberg-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Wechsellagerung von sandigen Mergeln, Sandsteinen und Konglomeraten. Die Sandsteinhorizonte werden bis zu 10 m mächtig. Sie sind überwiegend massig oder schräggeschichtet und bestehen aus gut sortierten Quarzkörnern mit einer wechselnden Zumischung von karbonatischen Bioklasten (Echiniden, Bivalven, Corallinaceen). Lithoklasten (Kalksteine, Sandsteine, Limonitgerölle, Toneisensteine) sind auf den Südrand des Verbreitungsgebiets am Harznordrand beschränkt. Die Mergel und sandigen Mergel sind intensiv bioturbat. Während Schroeder (1909) drei grobe Horizonte in grauen Mergeln unterschied, wurde von Frank (1981) im Typusprofil eine detaillierte Gliederung in sechs Mergelhorizonte, zwei Abschnitte mit Sandstein-Mergel-Wechsellagerungen und sechs Konglomerat-Sandstein-Horizonte vorgenommen. Die Sandstein-Horizonte werden zum Hangenden gröber und entwickeln sich sukzessive durch die Einschaltung von dünnen Sandstein-Bänken aus den Mergeln oder liegen mit scharfer Grenze auf den feinen Sedimenten.
Untergeordnete Einheit: keine
Liegendgrenze: Emscher-Formation ("Siphonienmergel" nach Müller 1888), vermutlich zumindest lokal ohne größere Schichtlücke (nachgewiesenes Oberconiacium und Untersantonium – Müller 1888, Schroeder 1913), zum Harzrand mit deutlicher Winkeldiskordanz auf älteren Ablagerungen (vorher Erosion von etwa 500 m Schichtenfolge, maximal bis Lias). In den lückenlosen Profilen kann die Grenze an die erste Sandsteinlage gelegt werden.
Hangendgrenze: Ilsenburg-Formation, am Harznordrand mit deutlicher Winkeldiskordanz, in der westlichen Subherzynen Kreidemulde konkordant.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Im Typusprofil umfasst die Sudmerberg-Formation etwa 150 m bis zur erosiven Grenze am Plateau des Sudmerberges, nach Osten bis auf 400 m zunehmend. Die Mächtigkeitsangaben beruhen auf den Oberflächenaufschlüssen zwischen Bad Harzburg und Goslar und der Bohrung Harzburg 1 (Roll 1953).
Typusprofile, etc.: Das Referenzprofil ist der Sudmerberg bei Goslar. Die Aufschlussverhältnisse sind durch große Steinbrüche in den sandigen und konglomeratischen Profilabschnitten bestimmt. Die zwischenlagernden grauen Mergel sind nur abschnittsweise zugänglich. Basis und Top der Formation sind nicht aufgeschlossen. Wichtige Referenzprofile liegen am Nordhang des Langenberges und am Butterberg zwischen Bad Harzburg und Oker.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Sudmerberg-Formation ist auf die westliche Subherzyne Kreidemulde beschränkt und unmittelbar am Nordrand des Harzes verbreitet (TK 25: 4028 Goslar, 4029 Vienenburg, 4129 Bad Harzburg). Eine Fortsetzung im Untergrund der zentralen Subherzynen Kreidemulde (TK 25: 4030 Osterwieck, 4130 Wernigerode) ist wahrscheinlich.
Zeitgleiche Einheiten: Die Sudmerberg-Formation geht nach Norden ohne scharfe Grenze durch Auskeilen der Sandsteinhorizonte in die Emscher-Formation über. In der östlichen Subherzynen Kreidemulde entsprechen ihr zeitlich die Salzberg- und Heidelberg-Formationen. Die Gehrden-Formation bei Hannover und Peine (Niedersachsen) ist lithologisch ähnlich, räumlich aber deutlich getrennt.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Sudmerberg-Formation wurde durch Funde von Sphenoceramus cardissoides und Gonioteuthis westfalica (Müller 1888, Schroeder 1913) als Micraster coranguinum / Gonioteuthis westfalica-Zone des Mittelsantonium bestimmt. Funde von Gonioteuthis granulata in der Sudmerberg-Formation am Langenberg / Oker (Mortimore et al. 1998) belegen für einen Teil der Schichtenfolge obersantones Alter. Da der sonst häufige Crinoide Marsupites testudinarius bisher nicht nachgewiesen werden konnte, wird angenommen, dass die Sudmerberg-Formation nur das Mittelsantonium und das tiefere Obersantonium umfasst.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem Sudmerberg bei Goslar (Niedersachsen).

Environment: Wechsel energiereicher litoraler Sedimente mit Schelfsedimenten, die unter höherer Wasserbedeckung abgelagert wurden. Ablagerung: Die Sudmerberg-Formation wurde syntektonisch auf einer wachsenden Struktur (fault propagation fold) zur Zeit der Harzhebung abgelagert (Voigt et al. 2004). Sequenzstratigraphie: Die Basis in den Diskordanzprofilen fällt mit der globalen Mittel-Santon-Transgression zusammen. Die generell gleichbleibende Fazies spricht für kontinuierliche Bereitstellung von Akkomodationsraum und gestattet keine weitergehende sequenzstratigraphische Untergliederung. Frank (1981) dokumentierte drei Progradationszyklen, die als Parasequenzen gedeutet werden (Voigt et al. 2004).

Fossilien: Kieselschwämme, Belemniten, selten Echiniden, Bivalven, Ammoniten, Foraminiferen, Ostracoden, Bryozoen.
Literatur: Frank, W.H. (1981): Die Natursteine in der Altstadt von Goslar und ihr Vorkommen in der Umgebung der Stadt. – Clausthaler Geol. Abh., 40: 1–247, Clausthal-Zellerfeld.
Mortimore, R.N., Wood, C.J., Pomerol, B., & Ernst, G. (1998): Dating the Phases of the Subhercynian Epoch: Late Cretaceous tectonics and eustatics in the Cretaceous basins of northern Germany compared with the Anglo-Paris Basin. – Zentralblatt Geol. Paläont. Teil I, 11/12: 1349–1401, Stuttgart.
Müller, G. (1888): Beitrag zur Kenntnis der oberen Kreide am nördlichen Harzrand. – Jb. Kgl. Preuß. Geol. Landesanst., 1887, 8: 372–456, Berlin.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Roemer, F.A. (1865): Die Quadraten-Kreide des Sudmerberges bei Goslar. – Palaeontographica, 13: 193–199, Kassel.
Roll, A. (1953): Der Harzrand bei Bad Harzburg. – N. Jb. Geol. Pal., Abh., 97: 90–98, Stuttgart.
Schroeder, H. (1909): Übergreifende Lagerung des Oberen Emschers zwischen Oker und Harzburg. – Abh. Preuß. Geol. Landesanst., N.F., 56: S. 6, Berlin.
Schroeder, H. (1913): Die Obere Kreide. – In: Bode, A. & Schroeder, H. (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Goslar, Lieferung 174, 1. Aufl.: 96–108, Berlin.
Schroeder, H. (1926): Die Obere Kreide. – In: Bode, A. & Schroeder, H. (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Goslar, Lieferung 174, 2. Aufl.: 67–75, Berlin.
Stolley, E. (1916): Neue Beiträge zur Kenntnis der norddeutschen Oberen Kreide. Teil I-IV. – Jber. Niedersächs. Geol. Ver., 9: 69–108, Hannover.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F., 8: 136 S., Halle.
Voigt, T., von Eynatten, H. & Franzke, H.-J. (2004): Late Creatceous unconformities in the Subhercynian Cretaceous Basin (Germany). – Acta Geol. Pol., 54 (4): 637–694, Warschau.
Voigt, T., Wiese, F., von Eynatten, H., Franzke, H.-J., Gaupp, R. (2006): Facies evolution of syntectonic Upper Cretaceous Deposits in the Subhercynian Cretaceous Basin and adjoining areas (Germany). – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 203–244, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Voigt, T.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.064 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 23.03.2017, 03:24:37.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID