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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Halberstadt-Formation
ID: 2008108
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Voigt & Tröger in Niebuhr et al. (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Untersantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Mittelquader (Geinitz 1849–1850), Emscherstufe, Emschersandstein, involutus-Quader, involutus-Schichten, Sande des Unter-Emscher (Weissermel 1926), involutus-Schichten, oberer Emscher (Voigt 1929), Halberstadt-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Glaukonitische Feinsande gehen in massige Sandsteine über. Zum Hangenden schalten sich Grobsandlagen und assoziierte dünne Tonschichten ein. Am nördlichen Beckenrand zwischen Halberstadt und Zilly treten Konglomerate auf (überwiegend Phosphorite, daneben aufgearbeitete Gesteine der Plänerkalk-Gruppe). Der oberste Abschnitt der Halberstadt-Formation besteht aus glaukonitischen Siltsteinen mit Sand- und Kieslagen.
Untergeordnete Einheit: Die traditionellen lithostratigraphischen Einheiten Formsande, involutus-Sandstein und Münchenhofsande (Münchenhof-Formation) erhalten den Status von Membern der Halberstadt-Formation. Die Formsande sind feinkörnige, unzementierte Quarzsande. Der involutus-Sandstein ist ein massiger, felsbildender Sandstein (fein- bis mittelkörnig), der teilweise eingelagerte Grobsandsteine und Konglomerat-Horizonte enthält. Als Münchenhofsande lassen sich glaukonitische Siltsteine und Mergel mit wenigen schwach zementierten Sand- und Kieslagen über dem involutus-Sandstein abgrenzen.
Liegendgrenze: koeneni-Mergel (Schroeder & Dahlgrün 1927a, b, Schroeder 1928) der Emscher-Formation. Die Basis der Formsande der Halberstadt-Formation wird mit dem Einsetzen von gut sortierten Feinsanden oder Feinsandsteinen gezogen.
Hangendgrenze: Vermutlich mit einer Schichtlücke überlagert von der Salzberg-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Am Nordrand der Halberstädter Mulde werden etwa 150 m Mächtigkeit erreicht.
Maximale Mächtigkeit: In Bohrungen (z.B. Bohrung Subherzyne Kreidemulde 1) wurde bei einer Mächtigkeit bis 180 m die Halberstadt-Formation noch nicht vollständig durchteuft.
Typusprofile, etc.: Typusregion ist der Ostteil der Subherzynen Kreidemulde zwischen Halberstadt und Quedlinburg (TK 25: 4030 Osterwieck, 4031 Dardesheim, 4131 Derenburg, 4132 Halberstadt, 4133 Wegeleben, 4232 Quedlinburg, 4233 Ballenstedt). Das Typusprofil ist der Lehofsberg nördlich von Quedlinburg, Sachsen-Anhalt (TK 25: 4133 Wegeleben). In einer großen Sandgrube sind die Formsande in voller Mächtigkeit aufgeschlossen. Gelegentlich ist auch die Basis der Halberstadt-Formation zugänglich. Im nördlich anschließenden Steinbruchgelände und am Steilhang des Lehofsberges lässt sich ein fast vollständiges Profil des involutus-Sandsteins aufnehmen. Die Hangendgrenze der Halberstadt-Formation zur Salzberg-Formation fehlt erosiv.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Östliche Subherzyne Kreidemulde.
Zeitgleiche Einheiten: Die Halberstadt-Formation geht in der Subherzynen Kreidemulde nach Südwesten kontinierlich unter Zunahme von Mergeln und Tonen in die Emscher-Formation über. Sie lässt sich wegen des graduellen Übergangs in Bohrungen lateral nur undeutlich abgrenzen.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die biostratigraphische Gliederung erfolgt mit Inoceramen (Volviceramus koeneni, V. involutus, Platyceramus mantelli, Inoceramus kleini, I. percostatus, I. sublabiatus) und Ammoniten (Peroniceras div spec., Gauthiericeras margae, Paratexanites serratomarginatum; Voigt 1929). Die Basis der Halberstadt-Formation liegt in der Volviceramus koeneni-Zone, Mittelconiacium. Die Formsande und der involutus-Sandstein vertreten die Volviceramus involutus-Zone des Mittelconiacium. Die Münchenhofsande haben bisher keine biostratigraphisch verwertbaren Fossilien geliefert. Da für die im Hangenden folgende Salzberg-Formation biostratigraphisch Mittelsantonium belegt ist, kann davon ausgegangen werden, dass der oberste Teil des Mittelconiacium, Oberconiacium oder Unter- bis Mittelsantonium in der Halberstadt-Formation vertreten ist. Eine weit verbreitete Schichtlücke im Grenzbereich Coniacium / Santonium in den Beckenrandprofilen lässt auch die Möglichkeit offen, dass Oberconiacium und Untersantonium fehlen.Sequenzstratigraphie: Die Halberstadt-Formation setzt mit einem base-level-Anstieg im tiefen Mittelconiacium ein, der sich durch transgressive Ablagerungen über einer Schichtlücke am nördlichen Beckenrand äußert. Der Übergang zu immer gröberen Sedimenten entspricht dem Hochstand einer Sequenz (Progradation). Die Mittel-Santon-Transgression (Salzberg-Formation) im Hangenden leitet die nächste Sequenz ein.
Kommentar: Die stratigraphische Reichweite bis in das Oberconiacium und Untersantonium ist fraglich.
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Stadt Halberstadt am Nordrand der Subherzynen Kreidemulde (Sachsen-Anhalt).

Fossilien: Die Halberstadt-Formation ist bis auf Spurenfossilien (Thalassinoides, Ophiomorpha) nicht sehr fossilreich. In den Formsanden und in den kalkig zementierten Übergangsschichten zum involutus-Sandstein dominieren Bivalven.
Literatur: Geinitz, H.B. (1849–1850): Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in Deutschland. – 292 S., Freiberg (Craz & Gerlach).
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Schroeder, H. (1928): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Blatt Halberstadt, Nr. 2307. – 72 S., Berlin.
Schroeder, H. & Dahlgrün, F. (1927a): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Ländern. Blatt Derenburg, Nr. 2306. – 81 S, Berlin.
Schroeder, H. & Dahlgrün, F. (1927b): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Lieferung 240. Blatt Quedlinburg, Nr. 2381. – 109 S., Berlin.
Tröger, K.-A. (2000): Sachsen-Anhalt, östliche Subherzyne Kreide. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 109–117, Frankfurt.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F., 8: 136 S., Halle.
Voigt, S., Gale, A. & Voigt, T. (2006): Short-termed carbon cycle, climate and sea level variations during the Cenomanian-Turonian Boundary Event in NW Europe. – Cret. Res., 27: 1–23, Amsterdam.
Weissermel, W. (1926): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern. Lieferung 217, Blatt Ballenstedt. – 80 S., Berlin.
Autor des Datenblattes: Voigt, T. & Tröger, K.-A.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 03:19:56.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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