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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Waltersdorf-Formation
ID: 2008107
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Voigt & Tröger in Niebuhr et al. (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Elbtal-Gruppe
Chronostratigraphie: Unterconiacium (Coniacium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Brongniartiquader (Siegert 1897), Sonnenberg-Schichten (Heinz 1929), Zone des Inoceramus schloenbachi, Stufe Alpha und Beta (Andert 1929), Waltersdorf-Formation (Niebuhr et al. 2007).
Lithologie: Wechsellagerung von dickbankigen, feinkörnigen Quarzsandsteinen und dünnbankigen, häufig auskeilenden Feinkiesen und grobkörnigen Sandsteinen, die meist unmittelbar von zentimeterdicken Pelithorizonten überlagert werden. An der Basis der Waltersdorf-Formation sind die Sandsteine nur schwach zementiert, und Mergellagen können auftreten (Andert 1929). Zum Hangenden erfolgt der Übergang zu massigen, teilweise schräggeschichteten Quarzsandsteinen hoher Mächtigkeit.
Untergeordnete Einheit: Innerhalb der Waltersdorf-Formation lassen sich mindestens drei Untereinheiten vom Liegenden ins Hangende gut voneinander abgrenzen, die hiermit Member-Status erhalten:Sonnenberg-Sandstein = überwiegend feinkörnige, kieselig zementierte Sandsteine. Die Sandsteinbänke von Dezimeter- bis Meter-Mächtigkeit sind bioturbat und sehr fossilreich. Sie werden durch dünne Kies- und Pelitlagen getrennt.Lausche-Sandstein = mittel- bis grobkörnige Sandsteine, meist dickbankig und massiv, seltener schräggeschichtet, weisen keine tonigen Zwischenlagen auf.Hochwald-Sandstein = gut sortierte, überwiegend mittelkörnige Quarzsandsteine mit wechselnder Bankmächtigkeit, häufig bioturbat und relativ fossilreich. Der Hochwald-Sandstein bildet den höheren Teil des Hochwaldes, ist aber nur auf tschechischem Gebiet in mehreren auflässigen Steinbrüchen aufgeschlossen. Er ist an der Lausche nicht nachgewiesen, dürfte aber unter dem Basaltschutt über dem Lausche-Sandstein folgen.
Liegendgrenze: Die Untergrenze der Waltersdorf-Formation ist nicht bekannt, da der Kontakt zur älteren Lückendorf-Formation im Typusgebiet bisher nicht erschlossen wurde. Am Hochwald gestatten die schlechten Aufschlussverhältnisse und die ausgeprägte känozoische Bruchtektonik keine Rekonstruktion der Lagerungsverhältnisse.
Hangendgrenze: Erosiv gekappt. An der Obergrenze liegen am Hochwald und an der Lausche känozoische Phonolithe. Mit der Waltersdorf-Formation endet die sedimentäre Überlieferung der Oberkreide im Zittauer Gebirge.
Mittlere Mächtigkeit: --
Maximale Mächtigkeit: Unter Berücksichtigung der Lagerungsverhältnisse ergibt sich eine wahrscheinliche Mächtigkeit von mindestens 250 m.
Typusprofile, etc.: Ein Typusprofil kann wegen der schlechten Aufschlusssituation nicht angegeben werden. Referenzprofile finden sich bei Waltersdorf im Gebiet der Lausche und in Steinbrüchen am Westhang des Sonnenberges (TK 25: 5153 Waltersdorf).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Zittauer Gebirge (Oberlausitz). Die Waltersdorf-Formation ist auf die beiden höchsten Berge im Zittauer Gebirge, Lausche und Sonnenberg, beschränkt. Vorläufig werden biostratigraphisch etwas jüngere Sandsteine und Mergel am Hochwald (auflässige Steinbrüche am Südhang) mit Cremnoceramus crassus und nördlich von Lückendorf ebenfalls zur Waltersdorf-Formation gestellt, obwohl ihre Stellung im stratigraphischen Gerüst nur auf biostratigraphischen Einstufungen beruht und der Anschluss an den Lausche-Sandstein aufschlussbedingt unklar bleibt.
Zeitgleiche Einheiten: In der Tschechischen Republik werden die Ablagerungen des Unterconiacium ohne lithostratigraphische Gliederung als brezenské souvrství (Brezno-Formation) zusammengefaßt.
Alterseinstufung: Im Sonnenberg-Sandstein treten biostratigraphisch nach Andert (1911, Revisionen von Heinz 1929) und Walaczyk (1996) die nachfolgenden Inoceramen auf: Mytiloides scupini, Inoceramus lusatiae, Cremnoceramus waltersdorfensis und Cr. rotundatus. Dazu kommt noch Didymotis sp. (Tröger & Voigt 1995). Die Waltersdorf-Formation vertritt demzufolge das höhere Oberturonium und das tiefere Unterconiacium. Am Süd-Hang des Hochwaldes wurde Cr. crassus nachgewiesen, der das höhere Unterconiacium belegt.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Ortschaft Waltersdorf im Zittauer Gebirge (Sachsen).

Environment: In der Waltersdorf-Formation werden marine Sandsteine zusammengefasst, die unter wechselnden energetischen Bedingungen sedimentiert wurden. Die fossilreichen, gebankten Sandsteine in den Brüchen um Waltersdorf (Sonnenberg-Sandstein) wurden auf dem tieferen Vorstrand unter Sturmeinfluss abgelagert. Für die überlagernden teilweise konglomeratischen Sandsteine ist eine Ablagerung unter höher energetischen Bedingungen im Brandungseinfluss anzunehmen. Die Fazies des Hochwald-Sandsteins entspricht wiederum der Ausbildung des Sonnenberg-Sandsteins.
Literatur: Andert, H. (1911): Die Inoceramen des Kreibitz-Zittauer Sandsteingebirges. – Festschr. Humboldt-Verein zur Feier seines 50-jährigen Bestehens: 63 S., Leipzig.
Andert, H. (1929): Die Kreideablagerungen zwischen Elbe und Jeschken II. Die nordböhmische Kreide zwischen Elbsandsteingebirge und Jeschken und das Zittauer Sandsteingebirge. – Abh. Preuß. Geol. Landesanst., 117: 1–227, Berlin.
Heinz, R. (1929): Zur stratigraphischen Stellung der Sonnenbergschichten bei Waltersdorf in Sachsen (westsüdwestlich von Zittau). Beiträge zur Kenntnis der oberkretazischen Inoceramen IX. – 23. Jber. Nieders. geol. Ver.: 22–53, Hannover.
Kopecky, L. (1963): Vysvetlivky k prehledné Geologické Mape CSSR 1:200000. (Erläuterungen zur Geologischen Karte der CSSR 1:200000) M-33-IX. Praha.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Pietzsch, K. (1962): Geologie von Sachsen. – 870 S., Berlin (VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften).
Siegert, T. (1897): Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen. Section Zittau–Oybin–Lausche. Blatt 107. – 86 S., Leipzig
Tröger, K.-A. & Voigt, T. (1995): Event- und Sequenzstratigraphie in der Sächsischen Kreide. – Berliner geowiss. Abh., E 16: 255–267, Berlin.
Tröger, K.-A. & Voigt, T. (2000): Sachsen. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. 123–132, Frankfurt.
Walazszyk, I. (1996): Inoceramids from Kreibitz-Zittauer area (Saxony and northern Bohemia): revision of ANDERT´s (1911) descriptions. – Paläont. Z., 70 (3/4): 367–392, Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Voigt, T. & Tröger, K.-A.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008


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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:25:47.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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