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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Postelwitz-Formation
ID: 2008102
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Prescher (1981)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Elbtal-Gruppe
Chronostratigraphie: Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Oberer Quader (Geinitz 1871–1875), Hauptquader (Wanderer 1909), Brongniartiquader (Beck 1892), Stufe des Inoceramus brongniarti (Pietzsch 1913), Postelwitzer Schichten (Prescher 1981), Postelwitz-Formation (Niebuhr et al. 2007)
Lithologie: Sehr variabel zusammengesetzt. Mittel- bis feinkörnige, kieselig zementierte Quarzsandsteine mit stark schwankenden Bankmächtigkeiten charakterisieren die Postelwitz-Formation im Elbsandsteingebirge. Wechsellagerungen von siltigen Sandsteinen, kalkigen Siltsteinen und glaukonitischen Grobsandsteinen, sandigen Mergel und dünnen Konglomeratlagen sind für den nördlich und westlich anschließenden 5-10 km breiten Faziesgürtel bestimmend.
Untergeordnete Einheit: Im Elbsandsteingebirge gehören zur Postelwitz-Formation die Sandsteine a1-3, b1-3 sowie c1-3 (Gliederung nach Lamprecht 1927, 1934). Die lithostratigraphisch deutlich mergeligeren Einheiten des Pirnaer Gebietes gehören ebenfalls zur Postelwitz-Formation. Sie wurden bereits durch Geinitz (1849–1850) und Beck (1889) gegliedert in: Unterer Mergel, Unterer Grünsandstein, lamarcki-Pläner, Oberer Grünsandstein, Oberer glaukonitisch-sandiger Mergel, Oberquader. Da diese Einheiten etabliert sind (vgl. Tröger 1997), erhalten sie den Member-Status.
Liegendgrenze: Konkordant auf der Schmilka- oder Brießnitz-Formation. Die Grenze wird im Raum Pirna mit dem Einsetzen eines tonigen Mergels über den kalkigen Siltsteinen der Brießnitz-Formation gezogen. Im südlich anschließenden Elbsandsteingebirge überlagern bioturbate tonige Sandsteine oder Mergel konkordant Sandsteine der Schmilka-Formation.
Hangendgrenze: Schrammstein-Formation (Horizont Gamma 3 im Elbsandsteingebirge, Basis der Zeichen-Tonbank in der Umgebung von Pirna). Obwohl der dickbankige Sandstein c3 in seiner Ausbildung schon der im Hangenden folgenden Schrammstein-Formation entspricht, wird aus Gründen der Kartierbarkeit die Obergrenze der Postelwitz-Formation an den Top dieses Horizontes gelegt. Der Übergang von den dünnbankigen Horizonten c2 zum massigen Sandstein c3 vollzieht sich außerhalb des Typusprofils allmählich unter Zunahme der Bankmächtigkeiten, ist also nicht immer sicher abgrenzbar, während der Horizont Gamma 3 im gesamten Verbreitungsgebiet durch feinkörnige Sandsteine und eine Verwitterungshohlkehle leicht aufzufinden ist.
Mittlere Mächtigkeit: 150 m bei Pirna
Maximale Mächtigkeit: bis 280 m im Elbsandsteingebirge
Typusprofile, etc.: Die Typusregion der Postelwitz-Formation ist das Elbtal bei Bad Schandau (TK 25: 5050 Bad Schandau, 5151 Reinhardtsdorf-Schöna). Das vorgeschlagene Typusprofil sind die Steinbrüche bei Postelwitz und das Felsmassiv der Schrammsteine (Prescher 1981), wo die Sandsteine a2 bis c3 aufgeschlosssen sind. Allerdings ist die Basis der Postelwitz-Formation hier nicht zugänglich. Vorzügliche Aufschlüsse (Referenzprofil) bestehen auch in den Weißen Brüchen an der Elbe zwischen Rathen und Wehlen unterhalb der Bastei (TK 25: 5050 Bad Schandau).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Postelwitz-Formation kommt nur im südöstlichen Teil der Elbtal-Gruppe zwischen Pirna und der Landesgrenze zur Tschechischen Republik vor. Sie entspricht dort dem unteren Teil der Jizera-Formation.
Zeitgleiche Einheiten: Der Postelwitz-Formation entsprechen die Räcknitz -Formation, die höhere Oybin-Formation im Zittauer Gebirge, und tiefere Teile der jizerké souvrství (Jizera-Formation) in der Böhmischen Kreide.
Alterseinstufung: Die auftretenden Inoceramen und Ammoniten sind biostratigraphisch charakteristisch für das Mittelturonium bis frühe Oberturonium.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach der Ortschaft Postelwitz im Elbsandsteingebirge (Sachsen).Fossilien: Die grob- bis mittelkörnigen Sandsteine im Osten des Verbreitungsgebiets sind – abgesehen von Lebensspuren – fossilarm. In den angegebenen Referenzprofilen treten neben zahlreichen anderen Bivalven auch Inoceramen (überwiegend Inoceramus lamarcki) auf. Am westlichen Rand der Postelwitz-Formation, im Übergangsbereich zur Räcknitz-Formation, wurden neben den Ammoniten Collignoniceras woollgari, Co. carolinum und Hyphantoceras reussianum noch folgende Inoceramen nachgewiesen: Inoceramus apicalis, In. lamarcki-Gruppe, In. inaequivalvis und In. striatoconcentricus.Abgrenzungsprobleme: Prescher (1981) legte die Grenze von der Postelwitz-Formation zur Schrammstein-Formation zwischen die Quadersandsteine c1 und c2 sowie an die Oberkante des Pirnaer Oberquaders. Unterschiedliche Auffassungen über die stratigraphische Parallelisierung der durch Fossilien belegten Übergangsfazies und der fossilarmen sandigen Lithofazies (vgl. Seifert 1955, Mibus 1975, Tröger 1997) lassen uns vorschlagen, die Unterkante der Zeichen-Tonbank und den Horizont Gamma 3 der Schrammstein-Formation zu wählen. Letztere sind bei einer Kartierung in den angesprochenen Lithofazies-Gebieten sehr gut zu erfassen. Die Korrelation folgt damit der Auffassung von Seifert (1955), die durch verschiedene Arbeiten (z.B. Prescher 1954, Voigt 1995) bestätigt wurde.
Literatur: Beck, R. (1889): Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen, Sektion Berggieshübel, Blatt 102. – Leipzig.
Beck, R. (1892): Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von Sachsen, Blatt 83, Section Pirna. 1. Aufl. – 120 S., Leipzig.
Geinitz, H.B. (1871–1875): Das Elbthalgebirge in Sachsen. Teil I - Der untere Quader. – Palaeontographica, 20 (I): 276 S., Teil II - Der mittlere und obere Quader. – Palaeontographica, 20 (II): 245 S., Cassel (Theodor-Fischer).
Lamprecht, F. (1927): Schichtenfolge und Oberflächenformen im Winterberg-Gebiete des Elbsandsteingebietes. – Mitt. Ver. f. Erdkds.: 1–48, Dresden.
Lamprecht, F. (1934): Die Schichtlagerung des Turons im sächsisch-bömischen Elbsandsteingebirge. – Ber. math.-phys. Kl. Sächs. Akad. Wiss., 86: 155–186, Leipzig.
Mibus, H.P. (1975): Beitrag zur Kenntnis des Elbsandsteingebirges. – Abh. Staatl. Mus. Mineral. Geol., 22: 1–122, Dresden.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Pietzsch (1913): Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von Sachsen, Blatt 83, Blatt Pirna. 2. Aufl. – 156 S., Leipzig.
Prescher, H. (1954): Sedimentpetrographische Untersuchungen oberturoner Sandsteine im Elbsandsteingebirge. – Freiberger Forschungsh., C 11: 96 S., Berlin.
Prescher, H. (1981): Probleme der Korrelation des Cenomans und Turons in der Sächsischen und Böhmischen Kreide. – Z. geol. Wiss., 9 (4): 367–373, Berlin.
Seifert, A. (1955): Stratigraphie und Paläogeographie des Cenomans und Turons im sächsischen Elbtalgebiet. – Freiberger Forschungsh., C 14: 1–218, Berlin.
Tröger, K.-A. (1997): Mesozoisches Tafeldeckgebirge: Oberkreide. – In: Alexowsky, W., Wolf, L., Kurze, M. & Tröger, K.-A. (Hrsg.): Erläuterungen zu Blatt Pirna 5049: 27–44, Freiberg.
Voigt, T. (1995): Faziesentwicklung und Ablagerungssequenzen am Rand eines Epikontinentalmeeres. Die Sedimentationsgeschichte der Sächsischen Kreide. – Dissertationsschrift TU Bergakademie Freiberg: 130 S., Freiberg. [Unveröffentlicht]
Wanderer, K. (1909): Die wichtigsten Tierversteinerungen aus der Kreide des Königreiches Sachsen, mit 12 Tafeln und 11 Abbildungen im Text. – 80 S., Jena.
Autor des Datenblattes: Tröger, K.-A. & Voigt, T.
Erstellt am: 17.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 03:21:42.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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