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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Dölzschen-Formation
ID: 2008098
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Prescher (1981), unter Bezug auf Geinitz (1871–1875)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Elbtal-Gruppe
Chronostratigraphie: Obercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Unterer Pläner (Geinitz 1871–1875), Unterpläner (Wanderer 1909), Schichten mit Actinocamax plenus und Cidaris sorigneti (Petrascheck 1899, Häntzschel 1933), Cenoman-Turone Übergangszone (Uhlig 1941, Pietzsch 1962), Plänersandstein (Wanderer 1909, Pietzsch 1962), Klippenpläner (Wanderer 1909), Dölzschener Schichten, Zeschniger Schichten (Prescher 1981), Dölzschen-Formation (Niebuhr et al. 2007)
Lithologie: In der Dölzschen-Formation werden sehr unterschiedliche Lithotypen zusammengefaßt, die kleinräumig wechseln. Konglomerate, Schillkalke, Feinsandsteine, kalkig-siltige Feinsandsteine, sandige Mergel, silitige Mergel und stark verkieselte Spongiolithe treten auf.
Untergeordnete Einheit: Die Untergliederung östlich von Dresden in die plenus-Tone, den Pennricher Sandstein, die plenus-Pläner und den Oberen Mergel hat sich eingebürgert (Häntzschel 1933, Uhlig 1941), ist aber nur lokal sinnvoll. Dort, wo sich die Untergliederung anwenden lässt, werden die genannten untergeordneten Einheiten als Member angesehen.
Liegendgrenze: Gebietsweise konkordant über der Mobschatz- oder der Oberhäslich-Formation. Schichtlücken sind häufig. In der Umgebung von Schwellen und Grundgebirgsaufragungen lagert sie diskordant auf dem variszischen Grundgebirge und postvariszischen Magmatiten.
Hangendgrenze: konkordant durch die Brießnitz- oder die Schmilka-Formationen
Mittlere Mächtigkeit: schwankend zwischen 1-35 m
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil ist nach Prescher (1981) das Nordende des nördlichen Ratssteinbruchs und anschließender Hang in Dresden-Plauen, Sachsen (TK 25: 4948 Dresden-Süd). Aufgeschlossen ist ein Profil der Schwellenfazies mit basalen Konglomeraten, den hangenden plenus-Plänern und dem Oberen Mergel. Die Basis der überlagernden Brießnitz-Formation ist leider nicht aufgeschlossen. Das wichtigste, auch international bedeutende Referenzprofil ist die Bohrung Gröbern bei Meißen (TK 25: 4847 Radebeul), in der ein vollständiges Cenomanium-Turonium-Grenzprofil von der Transgressionsbasis der Mobschatz-Formation über die Dölzschen- bis in die Brießnitz Formation erschlossen wurde (Voigt et al. 2006).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Elbtalkreide. Die sandige Ausbildung des höchsten Obercenomaniums ist außerdem im gesamten Elbsandsteingebirge SE von Pirna verbreitet, wo sie aber (da nicht abtrennbar) zur Oberhäslich-Formation gerechnet wird.
Zeitgleiche Einheiten: Die Dölzschen-Formation entspricht den oberen Teilen der perucko-korycanské souvrství (Peruc-Korycany-Formation) in der Tschechischen Republik und dem oberen Teil der Oberhäslich-Formation im Elbsandsteingebirge.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Einstufung mittels Ammoniten, Belemniten und Inoceramen ergibt die Metoicoceras geslinianum-Zone, Obercenomanium. Die folgende Neocardioceras juddii-Zone ist biostratigraphisch nicht belegt, aber durch Isotopendaten indiziert (Voigt et al. 2006).

Isotopenstratigraphie: Die Dölzschen-Formation in der Bohrung Gröbern bei Meißen hat die weltweit höchste bekannte Mächtigkeit der Me. geslinianum-Zone, in die die positive d13C-Anomalie des OAE 2 (Bonarelli-Event) fällt (Voigt et al. 2006).

Sequenzstratigraphie: Die Basis der Dölzschen-Formation entspricht einem starken Meeresspiegelanstieg, der zur schrittweisen Überflutung fast aller verbliebenen Hochgebiete innerhalb der Elbezone führt (Voigt & Tröger 1996, Voigt et al. 2006).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Ableitung des Namens: nach dem eingemeindeten Dorf Dölzschen im Westen Dresdens (Sachsen).Environment: Die Dölzschen-Formation ist durchgängig marin ausgebildet. Einer hochenergetischen Schwellen- und Klippenfazies mit Konglomeraten und reinen, matrixarmen Schillkalken, die für die Typuslokalität bezeichnend ist, stehen eine siltig-kalkige Vorstrandfazies im nordwestlichen Teil der Elbtalkreide und eine sandige, höherenergetische Vorstrandfaziesim südlichen Teil der Elbtalkreide gegenüber. Vollständig bioturbate Vorstrandsande (Pennricher Sandstein) vermitteln zwischen den beiden Fazies-Regionen (Föhlisch 1998).Fossilien: Die Dölzschen-Formation ist sehr fossilreich. Das Faunenspektrum besteht aus Korallen, Brachiopoden, Bivalven, Polychaeten sowie relativ seltenen Ammoniten (Metoicoceras geslinianum) und Belemniten (Praeactinocamax plenus). Unter den Bivalven überwiegen kleinwüchsige Austern sowie Entolium membranaceum, Neithea notabilis und Inoceramus pictus.
Literatur: Föhlisch, K. (1998): Palökologie der sandig ausgebildeten Dölzschen-Formation (Oberes Obercenoman). – Abh. Staatl. Mus. Mineral. Geol., 43/44: 141–149, Dresden.
Geinitz, H.B. (1871–1875): Das Elbthalgebirge in Sachsen. Teil I - Der untere Quader. – Palaeontographica, 20 (I): 276 S., Teil II - Der mittlere und obere Quader. – Palaeontographica, 20 (II): 245 S., Cassel (Theodor-Fischer).
Häntzschel, W. (1933): Das Cenoman und die plenus-Zone der sudetischen Kreide. – Abh. Preuß. Geol. Landesanst., N.F., 150: 161 S., Berlin.
Hilbrecht, H., Frieg., C., Tröger, K.-A., Voigt, S. & Voigt, T. (1996): Shallow water facies during the Cenomanian-Turonian anoxic event: bio-events, isotopes, and sea-level in southern Germany. – Cret. Res., 17: 229–253, Amsterdam.
Niebuhr, B., Hiss, M., Kaplan, U., Tröger, K.-A., Voigt, S., Voigt, T., Wiese, F. & Wilmsen, M. (2007): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – SDGG, 55: 136 S., Hannover.
Petrascheck, W. (1899): Studien über Faziesbildungen im Gebiet der sächsischen Kreideformation. – Abh. Naturwiss. Ges. Isis: 31–84, Dresden.
Prescher, H. (1981): Probleme der Korrelation des Cenomans und Turons in der Sächsischen und Böhmischen Kreide. – Z. geol. Wiss., 9 (4): 367–373, Berlin.
Uhlig, A. (1941): Die Cenoman-Turone Übergangszone in der Gegend von Dresden. – Mitt. Reichsstelle Bodenforsch. Zweigstelle Freiberg, H.2: 73 S., Freiberg.
Voigt, T. & Tröger, K.-A. (1996): Sea-level changes during Late Cenomanian and Early Turonian in the Saxonian Cretaceous Basin. – In: Spaeth, C. (Hrsg.): New Developments in Cretaceous Research Topics. Proceedings of the 4th International Cretaceous Symposium 1992, Mitt. Geol.-Paläont. Inst. Univ. Hamburg, 77: 275–290, Hamburg.
Voigt, S., Gale, A. & Voigt, T. (2006): Short-termed carbon cycle, climate and sea level variations during the Cenomanian-Turonian Boundary Event in NW Europe. – Cret. Res., 27: 1–23, Amsterdam.
Wanderer, K. (1909): Die wichtigsten Tierversteinerungen aus der Kreide des Königreiches Sachsen, mit 12 Tafeln und 11 Abbildungen im Text. – 80 S., Jena.
Autor des Datenblattes: Tröger, K.-A. & Voigt, T.
Erstellt am: 16.04.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.04.2008
Änderung Datensatz: 22.04.2008
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Litholex Recherche vom 24.04.2017, 20:56:48.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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