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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Beienrode-Formation
ID: 2008081
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr & Ernst (1991)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Senone Kreide von Königslutter (Griepenkerl 1889), Kreidescholle an der Morslebener Mühle, Senon im Schacht Alleringersleben (Schmierer 1914a), Campan von Boimstorf, Campan von Lauingen (Ernst 1968), Oszillierende Glaukonit-Fazies des Beienroder Beckens (Niebuhr 1995)
Lithologie: Kaum verfestigte Grünsande und glaukonitische Mergel, an der Basis konglomeratisch und spiculitisch mit Anreicherung von Belemniten. Meist sind die Sedimente bioturbat entschichtet, es treten aber auch dickbankige Lagen, mit planar bis trogförmig rippelgeschichteten Einheiten von Zentimeter-Dicke auf, die eine Schüttungsrichtung von Norden bis Nordwesten anzeigen (Niebuhr & Ernst 1991). Diesen sind im Allertal-Graben glaukonitfreie grobe Konglomerate und dickbankige lithoklastische Kalkarenite proximal vorgelagert (Morsleben-Member).
Untergeordnete Einheit: Morsleben-Member = TK 25: 3732 Helmstedt, dezimetermächtiges, glaukonitfreies Transgressionskonglomerat mit Anreicherung von Belemniten und dickbankige lithoklastische Kalkarenite mit reichlich abgerollten Echinodermen- und Bryozoen-Resten, höchstes Untercampanium (Belemnitella mucronata-Transgression).
Liegendgrenze: Transgressiv mit deutlicher Winkeldiskordanz auf präkretazischen Sedimenten (im Typusprofil auf Zechstein bis Jura).
Hangendgrenze: Konkordanter Übergang zu den Quarzsanden der kontinental-ästuarinen Walbeck-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: Die Beienrode-Formation erreicht im nördlichen Teilbereich (Campan von Boimstorf bei Ernst 1968) 130-150 m und im südlichen Teilbereich (Campan von Lauingen bei Ernst 1968) bis 130 m.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Beienroder Becken nördlich des Elm (TK 25: 3630 Heiligendorf, 3631 Groß-Twülpstedt, 3730 Königslutter, 3731 Süpplingen), einer sekundären Randsenke des Beienroder Salzdiapirs. Die Beienrode-Formation markiert jeweils die äußere (älteste) Sedimentfüllung der Randsenke und fällt mit 18-25° und umlaufendem Streichen in Richtung des im Zentrum liegenden Salzdiapirs hin ein. Dort wurde die Beienrode-Formation direkt auf dem Gipshut erbohrt (z.B. Bohrungen 21 und 22 bei Mestwerdt 1914, damals noch als "Unteroligozän" eingestuft). Die Typusprofile setzten sich aus temporär aufgeschlossenen Abschnitten zusammen, die im Zuge der Bautätigkeit kurzzeitlich offen lagen. Die Liegendgrenze und die basalen ca. 20 m der Beienrode-Formation sind am NO-Rand der Randsenke bei Glentorf und Boimstorf anzutreffen (R441627/H579948). Im unmittelbar angrenzenden Ort Rotenkamp (R4415350/H5797400) setzte sich ursprünglich das Profil ins Hangende hin fort. Im SO-Teilbereich liegt ein 100-400 m breiter Streifen mit den ehemaligen Aufschlüssen um Lauingen (Griepenkerl 1889). Im NO-Teilbereich liegen die Grünsande von Rennau (R4423900/H5797000) und Rhode (R4423490/H5798755), hier war auch ursprünglich die Hangendgrenze zu den kontinental-ästuarinen Quarzsanden der Walbeck-Formation aufgeschlossen (Niebuhr & Ernst 1991). Referenzprofile sind Bohrungen für das Endlager für radioaktive Stoffe bei Morsleben im Allertal-Graben. Dort verzahnen sich glaukonitfreie fossilreiche, grobe Konglomerate und phosphoritische Kalkarenite mit der typischen Glaukonitfazies des Beienroder Beckens (TK 25: 3732 Helmstedt, vgl. Schmierer 1914a). Probenmaterial dieser Bohrungen befindet sich in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Beienrode-Formation ist als Erosionsrelikt in den sekundären Randsenken des Beienroder Salzdiapirs und im östlich davon gelegenen Allertal-Graben erhalten.
Zeitgleiche Einheiten: Die Beienrode-Formation ist die marine Randfazies der Misburg-Formation. Die höchsten Profilabschnitte der Beienrode-Formation sind annähernd zeitgleich mit der Ahlten-Formation und dem Haldem-Member der Stemwede-Formation. Zeitgleich mit der Beienrode-Formation tritt ca. 50 km westlich das Meerdorf-Member der Dägeling-Formation der Schreibkreide-Gruppe auf (vgl. Ernst 1968; Niebuhr 1995).
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Beienrode-Formation liegt in der Gonioteuthis quadrata gracilis / Belemnitella mucronata-Zone (höchstes Untercampanium) und der Top in der Belemnitella minor / Nostoceras polyplocum-Zone (oberes Obercampanium).
Sequenzstratigraphie: Die Beienrode-Formation setzt mit der Belemnitella mucronata-Transgression ein und endet mit der Nostoceras polyplocum-Regression.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: litorale bis flach sublitorale Sedimente eines Epikontinentalmeeres mit maximal 50 m Wassertiefe.
Fossilien: Die Beienrode-Formation ist besonders individuen- und artenreich bei den Muscheln und Gastropoden. Weiterhin treten an Makrofauna Kieselschwämme, Belemniten, Ammoniten, Brachiopoden, Echininodermen und "Ophiomorpha"-Bioturbationshorizonte auf; nachgewiesene Mikro- und Nannofossilien sind Foraminiferen, Bryozoen, Calcisphären und Mikrofloren (Niebuhr & Ernst 1991).
Literatur: Ernst, G. (1968): Die Oberkreide-Aufschlüsse im Raume Braunschweig–Hannover und ihre stratigraphische Gliederung mit Echinodermen und Belemniten. 1. Teil: Die jüngere Oberkreide (Santon–Maastricht). – Beih. Ber. Naturh. Ges. 5: 235-284; Hannover.
Griepenkerl, O. (1889): Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogthum Braunschweig. – Paläont. Abh. 4 (5): 117 S.; Berlin (v. Dames & Kayser).
Mestwerdt, A. (1914): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Lieferung 185. Blatt Heiligendorf. – Königlich Preußische Geol. LA.: 77 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (1995): Fazies-Differenzierungen und ihre Steuerungsfaktoren in der höheren Oberkreide von S-Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (N-Deutschland). – Berliner geowiss. Abh. A 174: 131 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (2007): Beienrode-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 88 - 90; Hannover.
Niebuhr, B. & Ernst, G. (1991): Faziesgeschichte und Entwicklungsdynamik von Campan, Maastricht und Eozän im Beienroder Becken (E-Niedersachsen). – Z. dt. geol. Ges. 142: 251-283, Hannover.
Schmierer, T. (1914a): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Lieferung 185. Blatt Helmstedt. – Königlich Preußische Geol. LA.: 113 S.; Berlin.
Schmierer, T. (1914b): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten. Lieferung 185. Blatt Weferlingen. – Königlich Preußische Geol. LA.: 81 S.; Berlin.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 22.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 10:53:00.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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