litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Misburg-Formation
ID: 2008080
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Ernst (1963)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Campan von Misburg (Ernst 1963, Khosrovschahian 1972), Mergelkalk-Fazies des Unter-Campan (Abu-Maaruf 1975), Kalk/Mergel-Rhythmite der Lehrter Westmulde (Niebuhr 1995, 2005)
Lithologie: Schwach verfestigte Kalkmergel-, Mergelkalk- und Kalksteine mit charakteristischer rhythmischer Bankung (Kalk/Mergel-Rhythmite): dm-mächtige, helle kalkigere Bänke wechseln mit dünneren, dunkleren, mergeligen Zwischenlagen ab. Innerhalb eines Kalk/Mergel-Bankpaares schwanken die CaCO3-Gehalte nur um 5-8 % und innerhalb der Misburg-Formation zwischen 55-90 %. Es sind symmetrische (Milankovitch-) Zyklen entwickelt und keine definierbaren Schichtflächen, Hiati oder Allochthonite vorhanden.
Untergeordnete Einheit: Meine-Bänke = an strukturellen Hochgebieten zeigt sich bei einer Transgression auf ältere Schichten an der Liegendgrenze der Misburg-Formation ein mehrere Meter mächtiger glaukonitischer Kondensationshorizont mit Anreicherungen von Belemniten (Gonioteuthis quadrata).
Liegendgrenze: Die rhythmischen Sedimentation der Misburg-Formation folgt mit einem deutlichen Faziesschnitt konkordant auf die tonigeren Mergel der Emscher-Formation oder transgrediert mit den Meine-Bänken diskordant über ältere Schichten.
Hangendgrenze: Die Misburg-Formation wird konkordant von der Ahlten-Formation überlagert. Der lithologische Wechsel zeigt sich durch das Aussetzen der charakteristischen Rhythmizität und einen einhergehenden farblichen Wechsel von den Grautönen der Misburg-Formation zu einer gelb-beigen Färbung der Sedimente der Ahlten-Formation. Dieser Farbwechsel ist auch gut mittels Lesesteinen kartierbar. Der direkte Übergang ist nicht aufgeschlossen. Bei Verlegung einer Gasleitung 1966/67 wurde die Formationsgrenze ca. 20 m im Hangenden der höchsten Schichten des Zementbruchs Teutonia II angetroffen (s. Typusprofile).
Mittlere Mächtigkeit: Die gesamte Misburg-Formation umfasst im Mittel 350-400 m.
Maximale Mächtigkeit: Bis 600 m Maximalmächtigkeit wurde in Bohrungen im Zentrum sekundärer Randsenken nachgewiesen (z.B. unmittelbar westlich der Lehrter Salzstruktur, Bohrung Lehrte 37).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Lehrter Westmulde östlich von Hannover, Niedersachsen (TK 25: 3625 Lehrte), in der von der Zementindustrie die Misburg-Formation in mehreren Gruben abgebaut wird. Das Typusprofil besteht aus zwei Abschnitten, die sich um mehr als 20 m überlappen. Unterer Profilabschnitt mit Liegendgrenze: Zementbruch Holcim-Höver (ehemals Nordcement-Alemannia) am westlichen Ortsrand von Höver, ca. 100 m mächtig, im Liegenden noch ca. 25 m Emscher-Formation. Oberer Profilabschnitt: Zementbruch Teutonia II (östlicher Ortsrand von Misburg, 3 km NW vom Zementbruch Holcim-Höver entfernt), ca. 300 m mächtig. Referenzprofile sind Bohrungen in der Lehrter Westmulde, z.B. Lehrte 37 (TK 25: 3625 Lehrte), zwischen den SP-Peaks 41 bis 52 (Niebuhr 2006).
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Misburg-Formation ist hauptsächlich in den sekundären Randsenken der norddeutschen Salzstrukturen erhalten. Der untere Profilabschnitt lässt sich auch in der Peiner Oberkreidemulde bei Vöhrum und Woltorf (TK 25: 3626 Haimar, 3627 Peine) und in der Meiner Mulde (TK 25: 3528 Meinersen, 3529 Gifhorn, 3628 Wendeburg, 3629 Meine) nachweisen.
Zeitgleiche Einheiten: Teile des oberen Profilabschnitts sind in der Peiner Oberkreidemulde als Schreibkreide ausgebildet (Meerdorf-Member der Dägeling-Formation der Schreibkreide-Gruppe) und weiter östlich treten zeitgleich Grünsande und konglomeratische Kalkarenite der Beienrode-Formation auf. Die Stemwede-Formation ca. 100 km westlich von Hannover ist lithologisch deutlich zu unterscheiden und räumlich getrennt. Nach Norden verzahnt sich die Misburg-Formation in allen drei Bundesländern flächendeckend mit der Schreibkreide-Gruppe.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Misburg-Formation liegt in der Offaster pillula-Zone, Untercampanium, und der Top in der Belemnitella minor / Nostoceras polyplocum-Zone, oberes Obercampanium. Neun Makrobiozonen der norddeutschen borealen Oberkreide sind dazwischen lückenlos nachweisbar.
Zyklostratigraphie und Zeitdauer: Die charakteristische Zyklizität der Misburg-Formation setzt schlagartig ein. Ein Kalk/Mergel-Bankpaar (marl-limestone couplet) entspricht einem Präzessions-Zyklus von ca. 20 ky und weist in den Zementbrüchen Holcim-Höver und Teutonia II eine Mächtigkeit von ca. 1 m auf. Mit leicht abnehmenden Sedimentationsraten ins Hangende sind in der Misburg-Formation ca. 18 Zyklen der langen Exzentrizität mit 413 ky nachweisbar. Sie umfasst damit ca. 7,5 my und zwar ungefähr den Zeitraum von 82-74,5 my nach Ogg et al. (2004). Ca. vier lange Exzentrizitäts-Zyklen fallen dabei in das Untercampanium, 12-13 in das untere Obercampanium und ein langer Exzentrizitäts-Zyklus in das obere Obercampanium.
Sequenzstratigraphie: Die Misburg-Formation setzt mit der Offaster pillula-Transgression ein. Nach der Belemnitella mucronata-Transgression (höchstes Untercampanium) werden im tieferen unteren Obercampanium die höchsten Wassertiefen erreicht. Im folgenden späten Hochstand gehen die Sedimentationsraten zurück, die Milankovitch-Zyklen werden geringmächtiger und undeutlich, um mit der Nostoceras polyplocum-Regression und dem einhergehenden Übergang in die Ahlten-Formation ganz aufzuhören.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: hemipelagische Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres mit 70-100 m Wassertiefe.
Fossilien: Die Misburg-Formation ist äußerst fossilreich: Kieselschwämme, Belemniten, Echiniden, Muscheln, Ammoniten, Brachiopoden; nachgewiesene Mikro- und Nannofossilien: Coccolithen, Calcisphären, Foraminiferen, Ostrakoden, Bryozoen, Mikrofloren.
Literatur: Abu-Maaruf, M. (1975): Feingliederung und Korrelation der Mergelkalk-Fazies des Unter-Campan von Misburg, Höver und Woltorf im ostniedersächsischen Becken. – Ber. Naturh. Ges. 119: 127-204; Hannover.
Ernst, G. (1963): Zur Feinstratigraphie und Biostratonomie des Obersanton und Campan von Misburg und Höver bei Hannover. – Mitt. geol. Staatsinst. 32: 128-147; Hamburg.
Khosrovschahian, R. (1972): Feinstratigraphie und faziesanalytische Untersuchungen im Campan von Misburg bei Hannover. – Diss. TU-Braunschweig: 84 S.; Braunschweig (Universitäts-Selbstverlag). Niebuhr, B. (1995): Fazies-Differenzierungen und ihre Steuerungsfaktoren in der höheren Oberkreide von S-Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (N-Deutschland). – Berliner geowiss. Abh. A 174: 131 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (2005): Geochemistry and time-series analyses of orbitally forced Upper Cretaceous marl-limestone rhythmites (Lehrte West Syncline, northern Germany). – Geol. Mag. 142 (1): 31-55; Cambridge.
Niebuhr, B. (2006): Multistratigraphische Gliederung der norddeutschen Schreibkreide (Coniac bis Maastricht), Korrelation von Aufschlüssen und Bohrungen. – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 245-262; Stuttgart.
Niebuhr, B. (2007): Misburg-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 85 - 87; Hannover.
Ogg, J.G., Agterberg, F.P. & Gradstein, F.M. (2004): The Cretaceous period. – In: A.G. Gradstein, F.M., Ogg, J.G. & Smith, A.G. (eds): A Geological Time Scale 2004: 344-383, Cambridge (Cambridge University Press).
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

es existiert eine frühere Version:
diese 
anzeigen


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:21:29.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID