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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Gehrden Formation
ID: 2008079
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Schöndorf (1913)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obersantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelsantonium (Santonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Oberkreide der Gehrdener Berge (Schöndorf 1913), obere Kreidemergel in geringer Entfernung vom nördlichen Fuße des Deister (Roemer 1840/41), Hänicken-Fazies (Beck 1920, Voigt 1929), Oberkreide-Erze von Peine (Waldeck 1957), Santon der Gehrdener Berge (Kemper et al. 1973), Trümmererzlager von Lengede (Krüger 2005)
Lithologie: Glaukonithaltige, arenitische Kalksteine ("Trümmerkalksteine") mit Bryozoen-, Echinodermen- und Rotalgen-Bruch. Sie haben einen nur sehr geringen Lithoklastenanteil von maximal 10%. Partiell treten authigen gebildete Quarze auf (Voss in Kemper et al. 1973). Schwankender Toneintrag führte zur Ausbildung von symmetrischen Zyklen von (harten) Kalksteinen wechselnd mit (weicheren) Mergelsteinen. An der Basis treten lokal Brauneisen-Trümmererz-Konglomerate auf (Ilsede-Member).
Untergeordnete Einheit: Ilsede-Member = in strukturellen Senkungsgebieten zwischen Peine und Salzgitter (Niedersachsen, TK 25: 3726 Hohenhameln, 3727 Groß-Ilsede, 3827 Dingelbe, 3828 Lesse) zeigt sich mit der Mittelsanton-Transgression auf Unterkreide-Schichten an der Liegendgrenze der Gehrden-Formation ein maximal 20-25 m mächtiges Trümmererz-Konglomerat. Die Eisenerze bestehen aus Brauneisen- und Phosphoritgeröllen in einer kalkigen oder tonig-mergeligen Matrix (Waldeck 1957, Krüger 2005). Die Gerölle sind unterkretazische, nicht weit transportierte Toneisenstein- und Phosphoritkonkretionen, die unter Oxydation ihre Eisenverbindungen auf sekundärer Lagerstätte angereichert haben. Das Sediment ist reich an santonen, karbonatischen Bioklasten.
Liegendgrenze: Die Gehrden-Formation transgrediert diskordant über ältere Schichten, an den Typus- und Referenzprofilen über verschiedene Unterkreide-Stufen.
Hangendgrenze: Durch zunehmenden Tonanteil konkordanter Übergang in die Emscher-Formation
Mittlere Mächtigkeit: Die Gehrden-Formation umfasst an den Gehrdener Bergen bis zu 320 m (Rohde in Kemper et al. 1973), in den anderen gebieten deutlich weniger (Beck 1920; Ernst 1968).
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist ein ca. 20 km breiter Streifen südlich von Hannover und Braunschweig (Niedersachsen) mit den Salzstrukturen Benthe, Groß-Ilsede und Broistedt. Die Typusprofile liegen an den Gehrdener Bergen südwestlich von Hannover, Niedersachsen (TK 25: 3623 Gehrden, 3723 Springe). Der Burgberg, Köthner Berg, Sürser und Kniggenberg (von Norden nach Süden) werden von der Gehrden-Formation aufgebaut. Heute sind von der gesamten Gehrden-Formation nur noch ca. 8 m am Burgberg direkt aufgeschlossen. Referenzprofile sind die aufgelassenen niedersächsischen Erztagebaugruben Bülten-Adenstedt (TK 25: 3727 Groß-Ilsede), Mathilde-Sophienglück bei Lengede (TK 25: 3727 Groß-Ilsede) und Vallstedt (TK 25: 3728 Vechelde) sowie der Steinbruch Hänicken (TK 25: 3727 Groß-Ilsede) mit der berühmten, fossilreichen Hänicken-Fazies (Beck 1920; Waldeck 1957; Ernst; 1968; Krüger 2005).
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Auf die Subherzynen Kreidemulde beschränkt treten die lithologisch andersartigen Salzberg-, Heidelberg- und Sudmerberg-Formationen auf. Teile der Burgsteinfurt-Formation des nordwestlichen Münsterlandes sind lithologisch ähnlich, von der Gehrden-Formation jedoch deutlich räumlich getrennt. Die Sedimentation der Emscher-Formation hält zeitgleich in den distalen Ablagerungsräumen an.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Die Basis der Gehrden-Formation liegt in der Cordiceramus cordiformis / Gonioteuthis westfalica-Zone, Mittelsantonium. Nur lokal, wie z.B. an der Typuslokalität, reicht die Gehrden-Formation bis in die Marsupites testudinarius / Gonioteuthis granulata-Zone (Obersantonium) hinauf.
Sequenzstratigraphie: Die Gehrden-Formation setzt mit der Mittel-Santon-Transgression ein. Mit der Ober-Santon-Transgression steigen die Wassertiefen noch etwas an und die Gehrden-Formation geht konkordant in die tiefer marine Emscher-Formation über.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: litorale bis flach sublitorale Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres. Die Anwesenheit von Characeen spricht für eine lichtdurchflutete, temperierte Flachwasser-Karbonatfazies.
Fossilien: Die Gehrden-Formation weist eine sehr diverse und individuenreiche Fauna des flachmarinen Bereiches auf. Aus den Typusprofilen an den Gehrdener Bergen zählt Roemer (1840–1841) "71 fossile Tierarten" auf und aus der sogenannten Hänicken-Fazies, bioklastische Trümmerkalksteine südlich von Peine (TK 25: 3727 Groß-Ilsede), Beck (1920) ohne Foraminiferen und Spongien rund 140 Spezies. Die häufigsten Makrofossilien sind Bryozoen, Serpeln, Muscheln, Solitärkorallen, Brachiopoden, Belemniten und Echiniden. Viel Fossilmaterial liegt in der Sammlung der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe, Hannover.
Literatur: Beck, G. (1920): Tektonische und paläogeographische Untersuchungen im Gebiet zwischen Hildesheim und Braunschweig. – Abh. preuß. geol. L.-A., N.F. 85. 126 S., Berlin.
Kemper, E., Schmid, F. & Zobel, B. (Eds, 1973): 117. Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover. "Gehrdener Berge Band" mit Oberkreide-Beiträgen von Rohde, P., Schmid, F., Ernst, G., Koch, W., Simon, P., Voss, H.-H. u.A.; 306 S; Hannover.
Krüger, F.J. (2005): Fossilien aus Lengede. – 95 p., Braunschweig (Staatl. Naturhist. Mus.).
Ernst, G. (1968): Die Oberkreide-Aufschlüsse im Raume Braunschweig–Hannover und ihre stratigraphische Gliederung mit Echinodermen und Belemniten. 1. Teil: Die jüngere Oberkreide (Santon–Maastricht). – Beih. Ber. Naturh. Ges. 5: 235-284; Hannover.
Niebuhr, B. (1995): Fazies-Differenzierungen und ihre Steuerungsfaktoren in der höheren Oberkreide von S-Niedersachsen / Sachsen-Anhalt (N-Deutschland). – Berliner geowiss. Abh. A 174: 131 S.; Berlin.
Niebuhr, B. (2007): Gehrden-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 83 - 84; Hannover.
Roemer, F. A. (1840-41): Die Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges. – 145 S.; Hannover.
Schöndorf, F. (1913): Der geologische Bau der Gehrdener Berge bei Hannover. – Jber. niedersächs. geol. Ver., 6: 70-91; Hannover.
Voigt, E. (1929): Die Lithogenese der Flach- und Tiefwassersedimente des jüngeren Oberkreidemeeres. – Jb. Hallescher Verb., Erforsch. mitteldt. Bodenschätze, N.F. 8: 136 S.; Halle.
Waldeck, H. (1957): Der Bildungsraum der Oberkreide-Erze von Peine und seine tektonische Anlage. – Z. dt. geol. Ges. 109: 41-48: Hannover.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:31:47.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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