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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hemmoor-Formation
ID: 2008077
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Niebuhr (2006)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Schreibkreide-Gruppe
Chronostratigraphie: Obermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untermaastrichtium (Maastrichtium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Standard section for the Upper Cretaceous white chalk of NW Germany (Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor) (Schulz et al. 1984), Rügener Schreibkreide (z.B. Nestler 1965; Steinich 1972; Reich & Frenzel 2002)
Lithologie: Im Schreibkreide-Standardprofil weist die kaum verfestigte weiße Schreibkreide der Hemmoor-Formation sehr viele graue Zoophycos-Spreiten und dünne Mergellagen auf. Die Hemmoor-Formation hat sehr viele große, schwarze Streuflinte, Flintlagen und Paramoudra-Flinte. In den oberen 30-35 m der Hemmoor-Formation geht die weiche, poröse Schreibkreide allmählich in eine Wechsellagerung mit körnig-porösen Kalksteinen über, wobei der Schreibkreide-Anteil ins Hangende immer mehr abnimmt ("Untere Reitbrooker Schichten non typus", Behrmann 1949).
Untergeordnete Einheit: Rügen-Member = mehr als 90 m mächtige, flintführende Schreibkreide mit grauen Zoophycos-Spreiten ("Bänderkreide") und seismitischen Rutschungen ("Wolkenkreide", "Brockenhorizonte", vgl. Steinich 1972) auf der Ostsee-Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern, TK 25: 1447 Sagard).
Paramoudra-Flintbänke = 25 m mächtig in der Grube Hemmoor zwischen Profilmeter +25 und +50.
Liegendgrenze: Die Hemmoor-Formation folgt konkordant auf der Kronsmoor-Formation und ist durch das abrupte, massive Einsetzten der Flintführung charakterisiert. Im Schreibkreide-Standardprofil Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor–Basbeck setzt die Hemmoor-Formation bei +40,50 m in der Grube Saturn bei Kronsmoor (Schleswig-Holstein) und bei -47 m in der Grube Hemmoor bei Stade (Niedersachsen) ein.
Hangendgrenze: Im Schreibkreide-Standardprofil ist die Hangendgrenze erosiv gekappt worden. Behrmann`s (1949) "Untere Reitbrooker Schichten non typus" gehen allmählich aus der jüngsten Hemmoorer Schreibkreide hervor. In Bohrlochmessungen ist die Hangendgrenze der Hemmoor-Formation einer der auffälligsten Korrelationshorizonte der höheren Oberkreide, der nach Fahrion (1984) als Isochrone angesehen wird und mit der Basis von Behrmann`s (1949) "Verletteten Lagen" identisch ist. Die "Verletteten Lagen" verursachen eine deutliche Einschnürung des SP-Logs zwischen den SP-Peaks 75 und 77. Die Hangendgrenze der Hemmoor-Formation liegt übertragen auf Bohrlochmessungen oberhalb von SP-Peak 74 (Niebuhr 2006).
Mittlere Mächtigkeit: Die Hemmoor-Formation umfasst 132 m im (erosiv gekappten) Schreibkreide-Standardprofil und ca. 155 m in der Standardbohrung Offenseth 1.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist die Umgebung von Hemmoor bei Stade (Niedersachsen), in der die Hemmoor-Formation bis in die 1980er Jahre von der Zementindustrie abgebaut wurde. Das Typusprofil befindet sich in der aufgelassenen und gefluteten Grube am südöstlichen Ortsausgang von Hemmoor (TK 25: 2020 Marne). Das Typusprofil ist heute nicht mehr zugänglich, es befinden sich allerdings 10-30 kg schwere Großproben im Probenabstand von 1-2 m im Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung, Hannover (Schmid et al. 2004). Referenzprofil ist der Abschnitt zwischen den SP-Peaks 63 und 74 in der Standardbohrung Offenseth 1 (TK 25: 2124 Brande-Hörnerkirchen) (Niebuhr 2006).
Verbreitung (Bundesländer): Bremen
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Das Einsetzen der Flintführung im Hangenden eines längeren flintfreien Zeitabschnitts erfolgt in mindestens drei norddeutschen Profilen, nämlich Kronsmoor bei Itzehoe (Schleswig-Holstein), Hemmoor bei Stade (nördliches Niedersachsen) und Lüneburg (östliches Niedersachsen), anscheinend isochron in der mittlere Belemnitella. sumensis / Acanthoscaphites tridens-Zone.
Alterseinstufung: Im Schreibkreide-Standardprofil sind biostratigraphisch die mittlere Belemnella sumensis / Acanthoscaphites tridens-Zone (Untermaastrichtium) bis Tylocidaris baltica / Oxytoma danica-Zone (Obermaastrichtium) nachgewiesen. In der Standardbohrung Offenseth 1 umfasst das Profil Hemmoor die SP-Peaks 63 bis 72 (Niebuhr 2006). Behrmann`s (1949) "Untere Reitbrooker Schichten non typus" (SP-Peaks 73 und 74) wurden gänzlich oder zumindest zum größten Teil erosiv gekappt (vgl. Niebuhr 2006: Abb. 5).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: pelagische Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres mit 100-150 m Wassertiefe.
Fossilien: Stratigraphisch wichtige Makrofossilien der Hemmoor-Formation sind: Belemniten, Ammoniten, Echiniden und Muscheln (Schulz et al. 1984); stratigraphisch wichtige Mikro- und Nannofossilien sind: Coccolithen, Calcisphären, Foraminiferen, Ostrakoden und Mikroflora.
Literatur: Behrmann, R.B. (1949): Geologie und Lagerstätte des Oelfeldes Reitbrook bei Hamburg. – In: Bentz, A. (Ed.): Erdöl und Tektonik in Nordwestdeutschland: 190-221, Hannover.
Baldschuhn, R. & Jaritz, W. ( 1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 1: Korrelation der Bohrlochdiagramme und des Kernmaterials. – Geol. Jb., A 38: 7-9, Hannover.
Fahrion, H. (1984): Zur Verbreitung und Fazies des Maastricht in Nordwestdeutschland. – Z. dt. geol. Ges., 135: 573-583, Hannover.
Koch, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 2: Biostratigraphie in der Oberkreide und Taxonomie von Foraminiferen. – Geol. Jb., A 38: 11-123, Hannover.
Niebuhr, B. (2006): Multistratigraphische Gliederung der norddeutschen Schreibkreide (Coniac bis Maastricht), Korrelation von Aufschlüssen und Bohrungen. – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 245-262; Stuttgart.
Niebuhr, B. (2007): Hemmoor-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 28 - 29; Hannover.
Reich, M. & Frenzel, P. (2002): Die Fauna und Flora der Rügener Schreibkreide (Maastrichtium, Ostsee). – Arch. Geschiebekunde, 3 (2/4): 73-284; Hamburg.
Schmid, F., Schulz, M.-G. & Wood, C. (2004): The Maastrichtian sections of Hemmoor and Kronsmoor – Retrospect, stocktaking and bibliography. – Geol. Jb., A 157: 11-22; Hannover.
Schulz, M.-G., Ernst, G., Ernst, H. & Schmid, F. (1984): Coniacian to Maastrichtian stage boundaries in the standard section for the Upper Cretaceous white chalk of NW Germany (Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor): Definitions and proposals. – Bull. geol. Soc. Denmark, 33: 203-215, Copenhagen.
Steinich, G. (1972): Endogene Tektonik in den Unter-Maastricht-Vorkommen auf Jasmund (Rügen). – Beih. Geol. 71/72: 207 S., Berlin.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 29.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 20:27:43.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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